{"id":9571,"date":"2003-10-07T19:49:54","date_gmt":"2003-10-07T17:49:54","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9571"},"modified":"2025-05-08T18:21:10","modified_gmt":"2025-05-08T16:21:10","slug":"matthaeus-15-28","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-15-28\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 15,21\u201328"},"content":{"rendered":"<h3>17. Sonntag nach Trinitatis | 12. Oktober 2003 | Mt 15,21\u201328 | Gerda Altpeter |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Hier wird in ganz anderer Weise als sonst von Jesus und den Frauen<br \/>\ngeredet. Eine Theologin aus Kenia hat einmal gesagt, dass die Kanaaniterin<br \/>\nJesus<br \/>\nmissioniert habe, ihn aus dem engen Kreis der Juden herausgerissen, und<br \/>\nin die grosse Welt aller Menschen gestellt habe. Das sind grosse Worte<br \/>\nund v\u00f6llig neue Gedanken. Schauen wir uns noch einmal diese Geschichte<br \/>\nan!<\/p>\n<p>Da lebt zur Zeit Jesu in der Gegend von Tyrus und Sidon &#8211; dem heutigen<br \/>\nLibanon &#8211; eine Mutter mit ihrem Kind. Sie liebt ihre Tochter, sie versorgt<br \/>\nsie, sie spielt mit ihr. Die Tochter ist die grosse Freude ihrer Mutter.<br \/>\nPl\u00f6tzlich wird das Kind krank. Sie windet sich in Kr\u00e4mpfen.<br \/>\nDie Mutter sammelt Kr\u00e4uter und kocht ihr Tee. Sie versorgt sie mit<br \/>\nUmschl\u00e4gen. Sie l\u00e4uft zu ihrem Priester und gibt ihm all&#8216; ihr<br \/>\nGeld, damit er einen Heilzauber aus\u00fcbe. Nichts will helfen. Das<br \/>\nWimmern der Kranken zerschneidet der Mutter das Herz. Wie kann sie ihrem<br \/>\nKind helfen? Was soll sie tun? Sie weiss keinen Rat.<\/p>\n<p>Da kommt eine Nachbarin angelaufen und erz\u00e4hlt ihr atemlos:&#8220;Hast<br \/>\ndu nicht geh\u00f6rt? Dieser Jesus aus Nazareth kommt hierher, ein Jude,<br \/>\nja, aber er hat in seiner Heimat schon viele Menschen geheilt!&#8220;Da<br \/>\nbittet die Mutter die Frau, bei ihrem kranken Kind zu bleiben, und macht<br \/>\nsich auf den Weg. Wenn sie doch Hilfe finden k\u00f6nnte f\u00fcr ihre<br \/>\ngeliebte Tochter!<\/p>\n<p>Von weitem schon erkennt sie eine Gruppe M\u00e4nner und einer geht<br \/>\nvoraus. Da schreit sie laut:&#8220;Ach, Herr, du Sohn Davids, erbarme<br \/>\ndich mein! Meine Tochter wird von einem b\u00f6sen Geist \u00fcbel geplagt!&#8220; Was<br \/>\nist das nur? Jesus antwortet nicht. Er schweigt. Das Geschrei ist nicht<br \/>\nzu \u00fcberh\u00f6ren, also will er nichts damit zu tun haben. Hat der<br \/>\nMann kein Herz im Leibe? Die Mutter ist verzweifelt. Sie schreit immer<br \/>\nlauter. Der Krach geht den J\u00fcngern auf die Nerven, darum bitten<br \/>\nsie f\u00fcr die Frau, aber Jesus weist sie ab:&#8220;Ich bin nur gesandt<br \/>\nzu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.&#8220; Damit kennzeichnet<br \/>\ner Israel als verloren, gibt aber gleichzeitig seine Bereitschaft zu<br \/>\nerkennen, in diesem Fall Hilfe zu gew\u00e4hren. Er handelt hier als<br \/>\nJude. F\u00fcr ihn sind die Juden das Volk Gottes. Sie sind ihm wichtig,<br \/>\ndie andern lehnt er ab.<\/p>\n<p>Haben wir Jesus je so gesehen? Sicher, er war m\u00fcde, er brauchte<br \/>\nRuhe, er wollte eine Weile mit niemandem etwas zu tun haben, denn er<br \/>\nhatte den Leuten ihre S\u00fcnden vorgehalten, Mord, Ehebruch, Unzucht,<br \/>\nDieberei, falsch Zeugnis, L\u00e4sterung. Mit solcher Rede hatte er die<br \/>\nMenschen vor den Kopf gestossen, das weiss er wohl, und er hat den Zorn<br \/>\nder Pharis\u00e4er und Schriftgelehrten heraufbeschworen gegen sich.<br \/>\nEr hat den Mut zu solcher Rede gehabt, aber nun ist er am Ende. Er muss<br \/>\nwieder zu sich selber und zu seinem Auftrag kommen, Verbindung mit Gott<br \/>\nsuchen und finden.<\/p>\n<p>Die Mutter gibt nicht auf. Hier ahnt sie ihre einzige Rettung, darum<br \/>\nf\u00e4llt sie vor dem Mann auf die Knie und ruft:&#8220; Herr, hilf mir!&#8220; Jesus<br \/>\nvergleicht sie mit einer H\u00fcndin und dreht sich um. &#8211; Aus &#8211; So etwas<br \/>\nkann sich niemand bieten lassen. Das ist doch gemein!<\/p>\n<p>Immer noch gibt die Frau nicht auf. Sie gibt Jesus recht:&#8220; Ja,<br \/>\nHerr!&#8220; Und dann folgt:&#8220; Aber doch&#8230;&#8220; Die grosse Liebe<br \/>\nzu ihrem Kind treibt die Mutter ins Gebet. Sie bleibt bei Jesus, sie<br \/>\ngibt nicht auf. Hier ist Hilfe. Hier dem\u00fctigt sie sich und klammert<br \/>\nsich gleichzeitig an. Ihr Vertrauen ist auch durch harte und sp\u00f6ttische<br \/>\nAbweisung nicht zu ersch\u00fcttern. Die Frau bleibt im Bild. Sie f\u00fcgt<br \/>\nsich in die Rolle des Hundes, aber damit fordert sie Jesus auf, ihr und<br \/>\nihrer Tochter Herr zu werden mit allen Rechten und Pflichten. Vor soviel<br \/>\nVertrauen und Zuneigung gewinnt Jesus seine Haltung und g\u00f6ttliche<br \/>\nKraft wieder, seine M\u00fcdigkeit ist vorbei. &#8222;Dir geschehe wie<br \/>\ndu willst&#8220;, sagt er und heilt mit diesen Worten das kranke Kind.<\/p>\n<p>Er ist \u00fcber die Grenzen Israels hinausgegangen. Als Jude verliess<br \/>\ner sein Land, um Ruhe zu finden in der Fremde. Da zeigt ihm eine fremde<br \/>\nFrau seinen Weg. Er ist nicht nur f\u00fcr Israel da, sondern f\u00fcr<br \/>\nalle Welt. Und es ist diese heidnische Frau, die ihm die Einsicht und<br \/>\nKraft f\u00fcr diese Aufgabe vermittelt.<\/p>\n<p>Diese Mutter ist eine gute Mutter, weil sie f\u00fcr ihr Kind betet.<br \/>\nSie hat nicht immer alles richtig gemacht als Mutter, das weiss sie.<br \/>\nWar sie \u00fcbervorsichtig oder nachl\u00e4ssig? Hat sie ihm ihre eigene<br \/>\nAngst \u00fcbertragen? Wenn ihr Kind Kr\u00e4mpfe bekommen hat, einen &#8222;b\u00f6sen<br \/>\nGeist&#8220; wie es der Text nennt, dann ist sie durch ihr Verhalten mitbeteiligt<br \/>\nan der Erkrankung ihrer Tochter. Aber was immer geschehen ist, eins hat<br \/>\nsie richtig gemacht, sie hat f\u00fcr ihr Kind gebetet. Sie hat sich<br \/>\nselber und ihre Tochter unter die Herrschaft Jesu gestellt. Die Tochter<br \/>\nerlebt es am eigenen Leibe, dass das Gebet der Mutter ihr Heilung verschafft.<br \/>\nAus der Gewalt b\u00f6ser M\u00e4chte wird das Kind durch Jesu Wort herausgerissen.<br \/>\nJetzt geh\u00f6rt es Gott. In seiner Gegenwart kann es gesund und fr\u00f6hlich<br \/>\nsein.<\/p>\n<p>Wir haben heute dar\u00fcber nachgedacht, welche Rolle uns Frauen in<br \/>\neiner sich ver\u00e4ndernden Welt zugewiesen ist. Mir ist aufgefallen,<br \/>\ndass sich in den letzten 30 Jahren, die ich im Wallis verbracht habe,<br \/>\nvieles ge\u00e4ndert hat in der Stellung der Frau. Das gilt nicht nur<br \/>\nf\u00fcr die katholischen Frauen, die sich vermehrt aus der Rolle des<br \/>\nPutzlumpens in die Rolle der Mitarbeiterin auch im Bereich der Kirche<br \/>\nentwickelt, das gilt auch f\u00fcr uns reformierte Frauen, die wir immer<br \/>\nintensiver gefragt sind, wieweit wir Verantwortung \u00fcbernehmen f\u00fcr<br \/>\nuns selbst, unsere Familien und unsere Gesellschaft.<\/p>\n<p>Das erste, was wir tun k\u00f6nnen und m\u00fcssen ist das, was diese<br \/>\nheidnische Frau getan hat. Wir k\u00f6nnen beten f\u00fcr unsere Kinder,<br \/>\nunsere Familie und unsere Gesellschaft. Das ver\u00e4ndert unsere innere<br \/>\nHaltung. Wir stellen uns selbst, unsere Familie und unsere Gesellschaft<br \/>\ndamit unter die Herrschaft Jesu. Dann gelten die Ordnungen, die Gott<br \/>\nselber gegeben hat, um unser Zusammenleben zu regeln in Harmonie und<br \/>\nEinigkeit. Dann sorgen wir daf\u00fcr, dass auch in den Gesetzen in der<br \/>\nSchweiz das gilt, was Jesus zu dem Volk Israel gesagt hat: in euren Herzen<br \/>\nverbirgt sich Mord, Ehebruch, Unzucht, Dieberei, falsch Zeugnis und L\u00e4sterung.<br \/>\nDamit muss es aufh\u00f6ren. Damit kann es aufh\u00f6ren. Wenn ihr euch<br \/>\nvon Gott diese b\u00f6sen Gedanken vergeben lasst, dann k\u00f6nnt ihr<br \/>\nauch anderen alles B\u00f6se vergeben, was sie euch antun.Wir Frauen<br \/>\nim Wallis, in der Schweiz, sind Souverain, bestimmen, was gelten soll<br \/>\nin unserem Lande. Beten wir f\u00fcr dieses Land, in dem wir leben, und<br \/>\nlassen Gott unseren Herrn sein, damit wir Harmonie und Geborgenheit finden<br \/>\nmiteinander.<\/p>\n<p>Mechthild von Magdeburg schreibt im Mittelalter:<br \/>\nDas Gebet, das ein Mensch mit aller seiner Macht leistet,<br \/>\nhat eine grosse Kraft.<br \/>\nEs macht ein sauer Herz s\u00fcss,<br \/>\nein traurig Herz froh,<br \/>\nein armes Herz reich,<br \/>\nein dummes Herz weise,<br \/>\nein \u00e4ngstliches k\u00fchn,<br \/>\nein krankes Herz stark<br \/>\nund ein blindes Herz sehend<br \/>\nund eine kalte Seele brennend.<br \/>\nEs zieht den grossen Gott hernieder<br \/>\nin ein kleines Herz,<br \/>\nund treibt die hungrige Seele hinauf<br \/>\nzu dem reichen Gott.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Gerda Altpeter<br \/>\n<a href=\"mailto:gerda.altpeter@bluewin.ch\">gerda.altpeter@bluewin.ch <\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17. Sonntag nach Trinitatis | 12. 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