{"id":9585,"date":"2003-10-07T19:49:49","date_gmt":"2003-10-07T17:49:49","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9585"},"modified":"2025-05-09T10:14:29","modified_gmt":"2025-05-09T08:14:29","slug":"markus-21-12-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-21-12-3\/","title":{"rendered":"Markus 2,1-12"},"content":{"rendered":"<h3>19. Sonntag nach Trinitatis | 26. Oktober 2003 | Markus 2,1-12 |<strong> Hanne Sander |<\/strong><\/h3>\n<p>Kann man f\u00fcr andere glauben? Kann das Vertrauen<br \/>\nanderer einen Menschen tragen? Offenbar ja, wenn man der Erz\u00e4hlung<br \/>\nvon Markus von der Heilung des Gichtbr\u00fcchigen Glauben schenken soll.<br \/>\nIn dem Bericht h\u00f6ren wir von einem Gel\u00e4hmten, der im buchst\u00e4blichen<br \/>\nSinne von vier Freunden getragen wird. Wenn wir uns die Geschichte ein<br \/>\nwenig mehr ausmalen, k\u00f6nnen wir uns gut vorstellen, da\u00df der<br \/>\nLahme l\u00e4ngst den Glauben daran verloren hatte, da\u00df er einmal<br \/>\nwieder gesund werden w\u00fcrde und gehen k\u00f6nnte. Vielleicht hatte<br \/>\ner sich mit seinem Schicksal abgefunden und der Tatsache ins Auge gesehen,<br \/>\nda\u00df seine Behinderung seinen Lebensraum begrenzt. Aber er hatte<br \/>\ndennoch Sinn f\u00fcr das entwickelt, was immer noch m\u00f6glich war.<br \/>\nVielleicht war er auch ganz in Bitterkeit und Zorn dar\u00fcber versunken,<br \/>\nda\u00df er nicht so leben konnte wie die meisten, und hatte in seiner<br \/>\nVerbitterung resigniert.<\/p>\n<p>In dem Bericht ist jedenfalls deutlich, da\u00df die vier Freunde<br \/>\ndaran glauben, da\u00df eine Ver\u00e4nderung m\u00f6glich ist &#8211; und<br \/>\ndeshalb geben sie sich alle M\u00fche, den Lahmen zu Jesus hinzuf\u00fchren.<br \/>\nSie haben geh\u00f6rt, da\u00df Jesus vielen geholfen hat, und das Vertrauen,<br \/>\ndas sie haben, gebrauchen sie nun zusammen mit ihrem erfinderischen Geist<br \/>\n&#8211; und es gelingt ihnen in der Tat, den Lahmen ganz nahe an Jesus heranzubringen,<\/p>\n<p>Wo der Mann selbst aufgegeben hatte, sind die Freude in ihrer Zuversicht<br \/>\naufdringlich, entschlossen und erfinderisch, und wir k\u00f6nnen sehen,<br \/>\nda\u00df Hilfe m\u00f6glich ist und den Weg in ein neues anderes Leben \u00f6ffnet.<br \/>\nDie Freunde tragen mit ihrem Vertrauen dazu bei, eine Br\u00fccke zu<br \/>\nschlagen \u00fcber den Abgrund von Aufgabe und Resignation, der sich<br \/>\nzwischen dem Mann und dem Leben bzw. Gott auftut. Und Jesus schl\u00e4gt<br \/>\neine Br\u00fccke von der anderen Seite, indem er sagt: Sohn, deine S\u00fcnden<br \/>\nsind dir vergeben. S\u00fcnde hat sprachlich etwas zu tun mit dem Wort<br \/>\nSund im Sinne von Abgrund, Graben. Es ist ja deutlich, da\u00df sich<br \/>\nein Graben aufgetan hat, eine Trennung zwischen dem Mann und dem g\u00f6ttlichen<br \/>\nLeben, dem er nun in Jesus begegnet. Und so, wie wir in den letzten Jahren<br \/>\n(vergessenes) Wissen wieder hervorgeholt haben von der engen Natur und<br \/>\nPsyche, zwischen K\u00f6rper und Seele, ist die Geschichte mit dem gel\u00e4hmten<br \/>\nMann hier ein ganz handgreifliches Beispiel.<\/p>\n<p>Viele werden eigene Erfahrungen haben, wie wir anderen Menschen gegen\u00fcber<br \/>\nblockiert sind, die sich steif und h\u00f6lzern machen, wenn wir mit<br \/>\nihnen zusammen sind. Alles, was zwischen Menschen kommen kann an Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen,<br \/>\nSchuld und Anklagen und Vorw\u00fcrfen versperrt den Weg zum anderen<br \/>\nund setzt sich im K\u00f6rper fest als Unbeweglichkeit und Steifheit.<\/p>\n<p>Und so niederdr\u00fcckend das Verh\u00e4ltnis zwischen Menschen sein<br \/>\nkann &#8211; so gl\u00fcckhaft kann es sein, Erfahrungen zu machen mit einem<br \/>\nLeben, das frei und in lebendiger Wechselwirkung str\u00f6mt.<\/p>\n<p>Und was zwischen Menschen gilt, gilt in einem tieferen Sinne auch zwischen<br \/>\nGott und Mensch. Da kann es auch eine un\u00fcbersteigbare Kluft geben,<br \/>\ndie uns l\u00e4hmt, so da\u00df wir uns nicht mehr vom G\u00f6ttlichen<br \/>\nbewegen lassen, von der M\u00f6glichkeit der Ver\u00e4nderung.<\/p>\n<p>Aber hat es denn nicht einen guten Grund, da\u00df es einem schwer<br \/>\nf\u00e4llt, Vertrauen zum Leben zu haben? So werden einige von Euch vielleicht<br \/>\nfragen. Nicht zuletzt in diesen Jahren, wo wie so ersch\u00fctternd willk\u00fcrliches<br \/>\nLeiden und Sterben erlebt haben, wo es so aussieht, da\u00df Friede<br \/>\nund Gerechtigkeit (wieder einmal) zu kurz kommen gegen Ungerechtigkeit<br \/>\nund Krieg. Wo Furcht sowohl einzelne Menschen als auch ganze Gesellschaftssysteme<br \/>\nl\u00e4hmen kann. Wie kann man da Vertrauen haben? Was soll man glauben?<br \/>\nNein, das ist ja richtig. Aber die Abgr\u00fcnde von Mi\u00dftrauen<br \/>\nund Unglauben, die gegraben werden, sind wirkliche Abgr\u00fcnde, an<br \/>\ndenen Menschen zugrunde gehen. Wir schlie\u00dfen uns selbst ein und<br \/>\nandere aus &#8211; das bedeutet mehr Krieg, mehr Tod.<\/p>\n<p>Um des Lebens willen und f\u00fcr das Leben brauchen wir mehr Vertrauen.<br \/>\nDazu gibt es tats\u00e4chlich keine Alternative, die nicht zum Tode f\u00fchrt.<br \/>\nDa sagen wir vielleicht: Ja, ist das nicht unm\u00f6glich? Das hat der<br \/>\nGel\u00e4hmte vermutlich auch gesagt. Aber die Freunde nahmen ihn in<br \/>\nden Arm, und sie wurden in ihrem Zutrauen zum Dasein best\u00e4tigt.<br \/>\nUnd der Mann, der geheilt worden war &#8211; ja durch ihn str\u00f6mt nicht<br \/>\nnur das Leben, so da\u00df er wieder tragen kann &#8211; sein Bett und die<br \/>\nVerantwortung f\u00fcr sein eigenes Leben &#8211; und dort, wo er hinkam, brachte<br \/>\ner auch erneute Freude und Mut mit sich.<\/p>\n<p>Denn ob er nun wollte oder nicht &#8211; so trug er Hoffnung und Zutrauen<br \/>\nzu den Menschen, die ihn als Gel\u00e4hmten gekannt hatten, so da\u00df sie<br \/>\nnicht anders konnten als Gott f\u00fcr ihn zu danken, und der Mut und<br \/>\ndas Vertrauen sollte nun wachsen bei all denen, die ihn sahen &#8211; und bei<br \/>\nall denen, die seit dem diese Geschichte geh\u00f6rt haben. Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfarrerin Hanne Sander<br \/>\nPrins Valdemarsvej 62<br \/>\nDK-2820 Gentofte<br \/>\nTel.: 39 65 52 72<br \/>\n<a href=\"mailto:e-mail:%20sa@km.dk\"> e-mail: sa@km.dk<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>19. Sonntag nach Trinitatis | 26. Oktober 2003 | Markus 2,1-12 | Hanne Sander | Kann man f\u00fcr andere glauben? Kann das Vertrauen anderer einen Menschen tragen? Offenbar ja, wenn man der Erz\u00e4hlung von Markus von der Heilung des Gichtbr\u00fcchigen Glauben schenken soll. In dem Bericht h\u00f6ren wir von einem Gel\u00e4hmten, der im buchst\u00e4blichen Sinne [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":13273,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[37,540,1,727,157,853,114,1038,561,349,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-9585","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-markus","category-19-so-n-trinitatis","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-hanne-sander","category-kapitel-02-chapter-02-markus","category-kasus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9585","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9585"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9585\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23849,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9585\/revisions\/23849"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/13273"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9585"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9585"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9585"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=9585"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=9585"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=9585"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=9585"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}