{"id":9587,"date":"2003-10-07T19:49:45","date_gmt":"2003-10-07T17:49:45","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9587"},"modified":"2025-05-09T10:19:37","modified_gmt":"2025-05-09T08:19:37","slug":"matthaeus-5-1-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-5-1-10\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 5, 1-10"},"content":{"rendered":"<h3>Reformationstag | 31. Oktober 2003 | Mt 5,1\u201310 | Christoph Dinkel |<\/h3>\n<p>Als Predigttext h\u00f6ren wir die Seligpreisungen Jesu. Sie stehen<br \/>\nin Matth\u00e4us 5, die Verse 1-10 und bilden den Auftakt zur Bergpredigt<br \/>\nJesu:<\/p>\n<p>Als Jesus das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; und<br \/>\nseine J\u00fcnger traten zu ihm. Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie<br \/>\nund sprach:<br \/>\nSelig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.<br \/>\nSelig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getr\u00f6stet werden.<br \/>\nSelig sind die Sanftm\u00fctigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.<br \/>\nSelig sind, die da hungert und d\u00fcrstet nach der Gerechtigkeit; denn<br \/>\nsie sollen satt werden.<br \/>\nSelig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.<br \/>\nSelig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.<br \/>\nSelig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder hei\u00dfen.<br \/>\nSelig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer<br \/>\nist das Himmelreich.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nwie einst Mose vom Berg Sinai die Gebote Gottes f\u00fcr sein Volk brachte,<br \/>\nso begibt sich auch Jesus auf einen Berg, um jenen, die ihm nachfolgen,<br \/>\nseine Botschaft zu verk\u00fcndigen. Die Bergpredigt fasst alles zusammen,<br \/>\nwas Jesus die Menschen gelehrt hat. Und am Beginn dieser Bergpredigt<br \/>\nstehen die Seligpreisungen. Sie sind gleichsam die neuen Gebote f\u00fcr<br \/>\ndas Reich Gottes, das Grundgesetz des Himmelreichs, das Jesus den Menschen<br \/>\nverk\u00fcndet und das in seiner Person hier auf dieser Erde seinen Anfang<br \/>\ngenommen hat.<\/p>\n<p>Doch ganz anders als die Zehn Gebote vom Sinai stellt Jesus nicht das \u201edu<br \/>\nsollst\u201c oder das \u201edu sollst nicht\u201c in den Mittelpunkt<br \/>\nseiner Botschaft. Jesus f\u00e4ngt seine Rede an mit einem Zuspruch,<br \/>\nmit der nicht zu \u00fcberbietenden Zusage: \u201eSelig bist du!\u201c Selig \u2013 das<br \/>\nhei\u00dft gl\u00fccklich, \u00fcber die Ma\u00dfen erf\u00fcllt von<br \/>\nFreude und Gl\u00fcck. Am Anfang von Jesu Botschaft steht programmatisch<br \/>\ndas Wort \u201eselig\u201c. Es ist eine <em>frohe<\/em> Botschaft, eine Botschaft,<br \/>\ndie das Leben, die Freude, das Gl\u00fcck in einem nicht \u00fcberbietbaren<br \/>\nSinn f\u00fcr die Menschen will.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklich, ja selig sollen die Menschen sein. Diesem Wunsch werden<br \/>\nwir leicht zustimmen. Wer w\u00fcnscht sie sich nicht, die Gl\u00fcckseligkeit?<br \/>\nAber, das wissen wir doch auch: Wunsch und Wirklichkeit \u2013 sie klaffen<br \/>\nmanchmal weit auseinander. Oft genug ist die Wirklichkeit tr\u00fcbe<br \/>\nund finster. Der Himmel ist von der Erde weit entfernt und f\u00fcr manche<br \/>\nMenschen gleicht die Erde mehr der H\u00f6lle als dem Himmel.<\/p>\n<p>Mit ungeheurer K\u00fchnheit verk\u00fcndigt Jesus die Seligkeit gerade<br \/>\njenen Menschen, denen das glatte Gegenteil von Gl\u00fcck und Seligkeit<br \/>\nwiderfahren ist. Und zu allererst preist Jesus diejenigen selig, die<br \/>\ngeistlich arm sind, also jene, die mutlos und verzweifelt sind. Eine<br \/>\nirritierende, fast groteske Botschaft: selig die Verzweifelten!? Doch<br \/>\nJesus setzt diese Reihe fort: Auch die Trauernden und Leidtragenden und<br \/>\njene, die wegen ihres Einsatzes f\u00fcr Gerechtigkeit verfolgt werden,<br \/>\npreist Jesus selig und gl\u00fccklich. <em>Verzweiflung und Gl\u00fcck, Trauer<br \/>\nund Gl\u00fcck, Verfolgung und Gl\u00fcck <\/em>\u2013 das sind extrem spannungsreiche<br \/>\nPaare. Was die Seliggepriesenen erleben und was Jesus ihnen in der Bergpredigt<br \/>\nverhei\u00dft, steht in scharfem Kontrast zueinander.<\/p>\n<p>Geistlich arm sein \u2013 das ist wohl am schwierigsten zu verstehen.<br \/>\nGeistlich arm sein, das hei\u00dft Verzweiflung sp\u00fcren, weil im<br \/>\nLeben alles anders l\u00e4uft als man es sich gew\u00fcnscht hat: Verzweiflung \u00fcber<br \/>\neine zerbrochene Beziehung, in die man so viel Hoffnung gesetzt hat,<br \/>\nVerzweiflung, weil man krank geworden ist und die Schmerzen und die Angst<br \/>\nkaum mehr ertragen kann. Geistlich arm sein, das hei\u00dft mutlos sein,<br \/>\nweil die eigenen Kinder gerade die Wege gehen, vor denen man sie sch\u00fctzen<br \/>\nund bewahren wollte. Geistlich arm sein, bedeutet mutlos sein, weil einem<br \/>\ndie Noten in der Schule das Versagen und Scheitern mit aller H\u00e4rte<br \/>\nund Brutalit\u00e4t ins Zeugnis schreiben; mutlos sein, weil keine Aussicht<br \/>\nauf einen Ausbildungsplatz oder auf eine neue Arbeitsstelle besteht und<br \/>\nweil man nicht wei\u00df, wie man seine Tage f\u00fcllen und sein Leben<br \/>\ngestalten soll. All denen, die mutlos und verzweifelt sind, sagt Jesus:<br \/>\nSelig seid ihr, Euch geh\u00f6rt das Himmelreich!<\/p>\n<p>Und genauso scharf ist der Kontrast auch bei den anderen Seligpreisungen.<br \/>\nAllen, die trauern, weil sie einen lieben Menschen verloren haben, allen,<br \/>\ndie weinen, weil sie den Verlust nicht verschmerzen k\u00f6nnen, allen,<br \/>\ndie ihre Einsamkeit ohne den geliebten Partner und Freund schier in den<br \/>\nWahnsinn treibt, sagt Jesus: Selig seid ihr, ihr sollt getr\u00f6stet<br \/>\nwerden. Und auch den Verfolgten, denjenigen, die f\u00fcr Gerechtigkeit<br \/>\neintreten und die daf\u00fcr bestraft und gejagt werden, sagt Jesus:<br \/>\neuch geh\u00f6rt das Gottes Reich!<\/p>\n<p>Die Seligpreisungen Jesu sind voll scharfer Kontraste \u2013 gerade<br \/>\ndas macht ihren Reiz, ihre Bedeutung, ihre gro\u00dfe K\u00fchnheit<br \/>\naus. Die Seligpreisungen Jesu stellen unseren Erfahrungen und unserer<br \/>\noft genug trostlosen Sicht der Welt die Perspektive Gottes, die Perspektive<br \/>\ndes Himmels gegen\u00fcber. Aus dem Blickwinkel Gottes und seiner Liebe<br \/>\ntauchen die Erfahrungen der Verzweifelten, der Trauernden und der Verfolgten<br \/>\nin ein neues Licht. Wer sich selbst als armselig und mutlos erlebt, wird<br \/>\nzum B\u00fcrger von Gottes Reich erkl\u00e4rt. Den Trauernden wird der<br \/>\nTrost Gottes und den Verfolgten die Zugeh\u00f6rigkeit zu Gottes neuer<br \/>\nWelt zugesagt. Und auch die Sanftm\u00fctigen, die nach Gerechtigkeit<br \/>\nHungernden, die Barmherzigen, diejenigen, die reinen Herzens sind, und<br \/>\ndie Friedensstifter werden von Jesus ausgezeichnet und selig gepriesen.<br \/>\nSie sind wahrhaft Kinder Gottes, ihr Hunger soll gestillt werden, sie<br \/>\nwerden selbst Barmherzigkeit erlangen und Gottes Herrlichkeit schauen.<\/p>\n<p>Die Seligpreisungen Jesu setzen eine andere Wirklichkeit in Kraft. Es<br \/>\nist die Wirklichkeit Gottes, die Wirklichkeit des Himmels, jener anderen<br \/>\nSph\u00e4re, aus der unser Leben kommt und die unser ganzes Leben mit<br \/>\nseinen H\u00f6hen und Abgr\u00fcnden umf\u00e4ngt. Oft genug vergessen<br \/>\nwir diese andere Sph\u00e4re. Wir lassen uns gefangen nehmen vom Alltag,<br \/>\nvon seinen Bildern und Ger\u00e4uschen und von seiner hektischen Betriebsamkeit<br \/>\nund von seiner scheinbar bezwingenden Logik: Der Ehrliche ist der Dumme.<br \/>\nDer pure Schein z\u00e4hlt, nicht das, was eine wirklich kann. Wer selbstsicher<br \/>\nauftritt und jeden Zweifel \u00fcberspielen kann, steht am Ende als Sieger<br \/>\ndar. Die Seligpreisungen Jesu sind Worte gegen solch resignierende Formeln,<br \/>\ndie unsere Welt und unser Erleben oft bestimmen. Mitten in das Rauschen<br \/>\nund Dr\u00f6hnen unserer Alltagslogik hinein ergeht in den Seligpreisungen<br \/>\nJesu ein anderes Signal, ein Signal des Himmels, der diese Erde neu macht<br \/>\nund verwandelt. Die Seligpreisungen f\u00fchren die Perspektive Gottes<br \/>\nin diese Welt und ihre Wirklichkeit ein. Und aus der Perspektive Gottes<br \/>\nstehen die Barmherzigen, die Friedensstifter und die Verfolgten auf der<br \/>\nrichtigen Seite, sie sind B\u00fcrger der neuen Welt Gottes und deshalb<br \/>\nselig zu preisen.<\/p>\n<p>Es f\u00e4llt nicht leicht, der Botschaft der Seligpreisungen zu glauben<br \/>\nangesichts all der Schreckensmeldungen, die \u00fcber die Medien t\u00e4glich<br \/>\nauf uns einstr\u00f6men: immer wieder rei\u00dfen im Nahen Osten fanatisierte<br \/>\nSelbstm\u00f6rder mit ihren Bomben andere Menschen mit in den Tod. Die<br \/>\nschwedische Au\u00dfenministerin wird in dummer Raserei erstochen, in<br \/>\nOverath f\u00e4llt eine Anwaltsfamilie der Wut eines Besessenen zum Opfer,<br \/>\nv\u00f6llig sinnlos und aus nichtigem Anlass. Es f\u00e4llt schwer, die<br \/>\nBotschaft der Seligpreisungen Jesu angesichts der Schreckensmeldungen<br \/>\nzu glauben, die uns fast t\u00e4glich erreichen und deren Reihe sich<br \/>\nbeliebig verl\u00e4ngern lie\u00dfe.<\/p>\n<p>Und dennoch, trotz aller Einw\u00e4nde: die Seligpreisungen Jesu \u00fcben<br \/>\neinen gewaltigen Reiz aus, sie sind voller Trost und Kraft, auch noch<br \/>\n2000 Jahre nachdem Jesus sie auf dem Berg seinen Anh\u00e4ngern verk\u00fcndet<br \/>\nhat. Der scharfe Kontrast zwischen den Seligpreisungen und der erlebten<br \/>\nWirklichkeit bestand ja schon damals, als sie zum ersten Mal zu h\u00f6ren<br \/>\nwaren. Jesus und seine Zuh\u00f6rer haben in einer \u00e4hnlich grausamen<br \/>\nWelt gelebt wie wir. Vermutlich war die t\u00e4gliche Gewalt zu Jesu<br \/>\nZeit sogar noch weiter verbreitet als heute und sie wurde nicht \u00fcber<br \/>\ndie Medien aus gro\u00dfer Distanz, sondern aus n\u00e4chster N\u00e4he<br \/>\nerlebt. Die Kreuze der Opfer der r\u00f6mischen Besatzer konnte jeder<br \/>\nam Stra\u00dfenrand stehen sehen. Verkr\u00fcppelte und zerst\u00f6rte<br \/>\nMenschen lebten f\u00fcr alle sichtbar auf der Stra\u00dfe, keine Sozialhilfe<br \/>\nstand ihnen zur Seite und sorgte f\u00fcr das N\u00f6tigste.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr die Menschen um Jesus standen ihre Erfahrungen und die<br \/>\nSeligpreisungen Jesu in scharfem Gegensatz. Dass sie dennoch auf Jesus<br \/>\ngeh\u00f6rt haben und ihm nachfolgten, liegt daran, dass Jesus nicht<br \/>\nnur \u00fcber Gottes neue Welt und die Seligkeit des Himmels geredet<br \/>\nhat. Jesus stand selbst in seinem Tun f\u00fcr diese neue Welt Gottes<br \/>\nein. Die biblischen Erz\u00e4hlungen machen deutlich: Was Jesus in den<br \/>\nSeligpreisungen verk\u00fcndet hat, meint er ernst. Mit der Tat und am<br \/>\nEnde sogar mit seinem Leben setzt sich Jesus daf\u00fcr ein, dass Trauernde<br \/>\nund Verzweifelte getr\u00f6stet und aufgerichtet werden, dass Kranke<br \/>\ngeheilt und Ausgesto\u00dfene aufgenommen werden, dass Verfolgte Schutz<br \/>\nfinden und Barmherzigen Barmherzigkeit wiederf\u00e4hrt. Jesu steht mit<br \/>\nder Tat und mit seinem Leben f\u00fcr die Wahrheit der Seligpreisungen<br \/>\nein. Er stellt sich damit gegen all unsere Erfahrungen von Trost- und<br \/>\nMutlosigkeit, gegen alle Verzweiflung und Entt\u00e4uschung.<\/p>\n<p>Und das Faszinierende daran ist, dass Jesu Mut, sich dem Elend entgegenzustellen,<br \/>\nansteckend wirkt. Von Jesus geht eine Kraft aus, die Menschen in den<br \/>\nBann zieht und verwandelt, die sie erneuert und mit einer Energie ausstattet,<br \/>\nvon der sie selbst nichts geahnt haben. Um Jesus herum sammeln sich J\u00fcngerinnen<br \/>\nund J\u00fcnger, die ihm nachfolgen und in seinem Sinne weiterwirken.<br \/>\nUnd selbst der Tod Jesu kann die Macht seiner Worte und Taten nicht brechen.<br \/>\nMit Jesu Tod, so m\u00fcsste man zun\u00e4chst einmal denken, ist alles<br \/>\naus, wof\u00fcr er stand. Jesu Leiden und Sterben erscheint wie ein Widerspruch<br \/>\nzu den Seligpreisungen. Vom Kreuz Jesu aus betrachtet m\u00fcsste man<br \/>\ndie Seligpreisungen eigentlich in ihr Gegenteil verdrehen: Es ist nicht<br \/>\nwahr, dass die Barmherzigen Barmherzigkeit erlangen. Es ist nicht wahr,<br \/>\ndass den Sanftm\u00fctigen und den Friedensstiftern die Erde geh\u00f6rt.<br \/>\nDas alles war ein Irrtum, die sch\u00f6ne Phantasie eines zu gutm\u00fctigen<br \/>\nRabbis aus Galil\u00e4a. Hier h\u00e4ngt er tot und mit ihm zusammen<br \/>\nwerden all die Hoffnungen auf Gottes neue Welt begraben.<\/p>\n<p>Alle Einw\u00e4nde und Argumente gegen die Seligpreisungen sind in Jesu<br \/>\nKreuz auf Golgatha sichtbar. Und weil der christliche Glaube ein Glaube<br \/>\nim Zeichen des Kreuzes ist, verleugnet er diese Einw\u00e4nde nicht.<br \/>\nIm Kreuz Jesu stehen sie uns klar vor Augen. Der Glaube im Sinne der<br \/>\nSeligpreisungen Jesu ist oft genug ein Glaube <strong>gegen<\/strong> das Faktische,<br \/>\n<strong>gegen<\/strong> das Misslingen des Lebens, <strong>gegen<\/strong> den Sieg von Ungerechtigkeit und Hass.<\/p>\n<p>Aber, so kann man fragen, was w\u00e4re diese Welt ohne die Verhei\u00dfung<br \/>\nder Seligpreisungen Jesu? Was w\u00e4re das f\u00fcr eine Welt, in der<br \/>\ndie Trauer und das Leid, die Mutlosigkeit und die Verzweiflung unwidersprochen<br \/>\nhingenommen w\u00fcrden? Was w\u00e4re diese Welt ohne die Sph\u00e4re<br \/>\ndes Himmels mit seiner anderen Wirklichkeit und seiner anderen Perspektive?<br \/>\nWie elend w\u00e4ren wir dran, wenn nur das g\u00e4lte, was auf der Hand<br \/>\nliegt und wir nichts von der Sicht Gottes auf unser Leben w\u00fcssten,<br \/>\nnichts davon, dass wir als Menschen noch eine andere Heimat haben, zu<br \/>\nder wir geh\u00f6ren und die uns mit ihren guten M\u00e4chten auch dann<br \/>\numf\u00e4ngt, wenn wir allen Trost vermissen?<\/p>\n<p>Was w\u00e4re schlie\u00dflich diese Welt ohne all jene Menschen, die<br \/>\nJesus nachfolgen und die, fasziniert von seiner Botschaft, angesteckt<br \/>\nvon seinem Geist, das Gerechte tun, den Frieden f\u00f6rdern, Kranke<br \/>\nheilen, Trauernde tr\u00f6sten, Verzweifelten weiterhelfen und Barmherzigkeit \u00fcben?<br \/>\nDer Glaube im Sinne der Seligpreisungen Jesu ist nicht nur ein Glaube<br \/>\ngegen die faktischen Verh\u00e4ltnisse in der Welt. Dieser Glaube ist<br \/>\nauch ein t\u00e4tiger Glaube, ein Glaube, der das zur Wirklichkeit macht,<br \/>\nwas Jesus verhei\u00dfen hat. Trotz aller R\u00fcckschl\u00e4ge, trotz<br \/>\nmancher Zweifel und trotz der Haltung vieler, dass es ja doch nichts<br \/>\nbringt, wenn man sich f\u00fcr gro\u00dfe Ziele einsetzt, bauen Menschen<br \/>\nin der Nachfolge Jesu und ergriffen vom Mut seiner Seligpreisungen mit<br \/>\nan Gottes neuer Welt.<\/p>\n<p>Die Kraft, die sie dabei befl\u00fcgelt, ist die Kraft von Ostern, die<br \/>\nder niederschmetternden Erfahrung des Kreuzes widerspricht. Die Botschaft,<br \/>\ndass der gedem\u00fctigte und geschlagene, dass der unschuldig verurteilte<br \/>\nund gekreuzigte Jesus nicht im Tode blieb, sondern von Gott auferweckt<br \/>\nwurde, setzt dem \u201eNein!\u201c des Karfreitags das \u201eJa!\u201c Gottes<br \/>\nentgegen. Die Niederlage Jesu ist nicht endg\u00fcltig. Der Triumph des<br \/>\nTodes und der H\u00f6lle hat keinen Bestand. Gottes gute M\u00e4chte<br \/>\nsind st\u00e4rker als der Tod, Gottes neue Welt kommt zu den Menschen<br \/>\nallem Elend, aller Not und aller Verzweiflung zum Trotz. Der Himmel,<br \/>\nder sich am Karfreitag beim Tode Jesu verfinsterte, meldet sich an Ostern<br \/>\nmit seinem Licht und mit neuer Klarheit zur\u00fcck. Gott stellt sich<br \/>\nauf die Seite Jesu und best\u00e4tigt, was Jesus auf dem Berg verk\u00fcndigt<br \/>\nhat:<br \/>\nSelig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.<br \/>\nSelig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getr\u00f6stet werden.<br \/>\nSelig sind die Sanftm\u00fctigen; denn sie werden das Erdreich besitzen. \u2013 Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>PD Dr. Christoph Dinkel<br \/>\nPfarrer<br \/>\nG\u00e4nsheidestra\u00dfe 29<br \/>\n70184 Stuttgart<br \/>\n<a href=\"mailto:christoph.dinkel@arcor.de\">christoph.dinkel@arcor.de<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reformationstag | 31. 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