{"id":9609,"date":"2003-11-07T19:49:45","date_gmt":"2003-11-07T18:49:45","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9609"},"modified":"2025-05-09T13:51:58","modified_gmt":"2025-05-09T11:51:58","slug":"lukas-13-6-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-13-6-9\/","title":{"rendered":"Lukas 13, 6-9"},"content":{"rendered":"<h3 align=\"left\">Bu\u00df- und Bettag | 19. November 2003 | Lukas 13,6\u20139 | Peter B\u00f6hlemann |<\/h3>\n<div align=\"left\"><strong><em>Die Geschichte vom Feigenbaum, der keine Feigen haben wollte <\/em><\/strong><\/div>\n<p>Kann auch als Mitmacherz\u00e4hlung f\u00fcr Kinder zum spontanen Stegreifspiel<br \/>\nerz\u00e4hlt werden <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">(1)<\/a>.<br \/>\n(Rollen: 1 Feigenbaum, 2-4 Weinreben, 1 Weinberg\u00adbesitzer, 1 G\u00e4rtner;<br \/>\nMaterialien: Feigen, Trauben, \u00c4ste, Axt, Gie\u00dfkanne, Korb).<\/p>\n<p>Es war einmal ein kleiner knorriger Baum mitten in einem wun\u00addersch\u00f6nen<br \/>\nGarten voller Weinreben.<\/p>\n<p>Unser Baum meinte, das Leben zu kennen, denn er kannte den Boden, auf<br \/>\ndem er stand. Und es war guter Boden, nicht zu trocken und nicht zu feucht.<\/p>\n<p>Eigentlich h\u00e4tte er ganz zufrieden sein k\u00f6nnen; aber er war<br \/>\nes nicht. Ihn st\u00f6r\u00adten die Weinst\u00f6cke um ihn herum. Die<br \/>\ntaten das ganze Jahr \u00fcber nichts ande\u00adres, als stolz gro\u00dfe<br \/>\nsaftige Trauben hervor\u00adzubrin\u00adgen, um sie sich dann von den Men\u00adschen<br \/>\nwegneh\u00admen zu lassen.<\/p>\n<p>Einmal hatte sich eine Rebe, die neben ihm wuchs, zu ihm ge\u00addreht<br \/>\nund gefragt: <em>\u0084Warum hast du eigentlich so wenig Bl\u00e4tter?<br \/>\nUnd wieso wachsen denn gar keine Fr\u00fcchte an dir?\u0093 <\/em><\/p>\n<p>Da hatte er m\u00fcrrisch geantwortet: <em>\u0084Weil ich nicht so dumm bin<br \/>\nwie ihr. Warum soll ich meine Kraft und meinen Saft f\u00fcr Bl\u00e4tter<br \/>\nund Fr\u00fcchte vergeuden, um sie dann herzugeben? Ich lebe doch so<br \/>\nviel besser!\u0093 <\/em><\/p>\n<p>Und als eine andere Rebe erwiderte: <em>\u0084Aber die Menschen freuen sich \u00fcber<br \/>\nuns\u0093, <\/em> hatte er nur gelacht.<\/p>\n<p><em>\u0084Seht euch doch mal an! Ihr seid ja nicht mal halb so gro\u00df wie<br \/>\nich. Ich brauche meine Kraft f\u00fcr mich selbst.\u0093 <\/em><\/p>\n<p>Seitdem hatte ihn keiner mehr gefragt.<\/p>\n<p>Eines Tages kam der Besitzer des Gartens zu ihm. Er hatte einen Korb<br \/>\ndabei, blieb damit vor ihm stehen und sah ihn lange an. Offensichtlich<br \/>\nsuchte er etwas, denn er murmelte: <em> \u0084Hat der denn noch immer keine<br \/>\nFeigen?\u0093 <\/em><\/p>\n<p>Dann sch\u00fcttelte er mit dem Kopf, zuckte mit den Schultern und ging<br \/>\nnach Hause.<\/p>\n<p><em>\u0084Aha!\u0093 <\/em> dachte der Baum, <em>\u0084Ein Feigenbaum bin ich also.<br \/>\n&#8211; Aber ich bin ein be\u00adsonders kluger Feigenbaum, denn ich geh\u00f6re<br \/>\nnur mir selber. Gut, dass ich keine Fr\u00fcchte hervorgebracht habe!<br \/>\nJetzt w\u00e4re ich sie bestimmt alle los.\u0093 <\/em><\/p>\n<p>Doch dann ereignete sich etwas, was sein Leben v\u00f6llig ver\u00e4ndern<br \/>\nsollte. Wieder einmal war der Weinbergbesitzer ge\u00adkommen, um Feigen<br \/>\nan ihm zu suchen.<\/p>\n<p>Als er jedoch diesmal erneut keine fand, ging er nicht einfach weg,<br \/>\nsondern rief w\u00fctend nach dem G\u00e4rtner:<\/p>\n<p>\u0084He, G\u00e4rtner, komm her! Wof\u00fcr bezahle ich dich eigentlich?!<br \/>\nKomm her, und sieh dir das einmal an! Aber bring die Axt mit!\u0093<\/p>\n<p>Schon nach kurzer Zeit kam der G\u00e4rtner mit einer Axt auf der Schulter<br \/>\ngelaufen.<\/p>\n<p><em>\u0084Drei Jahre bin ich jetzt umsonst gekommen\u0093, <\/em>sagte der Besit\u00adzer<br \/>\nzu dem G\u00e4rtner, <em>\u0084Drei Jahre, und dieser Baum hat keine einzige<br \/>\nFrucht gebracht! Hau ihn ab! Er nimmt dem Boden die Kraft.\u0093 <\/em><\/p>\n<p>Unserem Feigenbaum durchzuckte es alle \u00c4ste. Er sollte abge\u00adhauen<br \/>\nwerden?! Er, der Sch\u00f6n\u00adste und Gr\u00f6\u00dfte, er der Kl\u00fcgste<br \/>\nim ganzen Garten?!<\/p>\n<p>Und er glaubte, nicht recht zu h\u00f6ren, als der G\u00e4rtner antwortete: <em>\u0084Herr,<br \/>\nlass ihm noch ein Jahr! Ich will um ihn herum graben und ihn d\u00fcngen<br \/>\nund begie\u00dfen. Vielleicht n\u00fctzt es was &#8230;\u0093 <\/em><\/p>\n<p><em>\u0084Also gut!\u0093, <\/em>sagte der Weinbergbesitzer und verschwand.<\/p>\n<p>Und der G\u00e4rtner legte die Axt beiseite und holte seine Gie\u00df\u00adkanne<br \/>\nund goss den Baum.<\/p>\n<p><em>\u0084Warum setzte sich dieser Mann f\u00fcr ihn ein?\u0093 <\/em>Er hatte<br \/>\nihm doch nie etwas gege\u00adben. <em> \u0084Warum hilft dieser G\u00e4rtner<br \/>\nmir?\u0093, <\/em>dachte der Baum. Und v\u00f6llig verzweifelt lie\u00df er<br \/>\nalles mit sich geschehen.<\/p>\n<p>Der G\u00e4rtner kam oft. Er d\u00fcngte ihn, lockerte mit seinem Spaten<br \/>\ndie Erde um ihn herum und begoss ihn mit herrli\u00adchem Wasser.<\/p>\n<p>Und als die ersten Knospen kamen und sich entroll\u00adten, machte unser<br \/>\nFeigen\u00adbaum nicht einmal den Versuch, sie zur\u00fcckzuhal\u00adten.<br \/>\nPl\u00f6tzlich zog es \u00fcberall an ihm, und es knackte in seinen Zweigen.<br \/>\nRiesige gefin\u00adgerte Bl\u00e4tter entstanden, und er wurde immer gr\u00f6\u00dfer.<br \/>\nDann bedeckten sich seine Zweige mit vielen kleinen Bl\u00fcten.<\/p>\n<p>Die Weinreben um ihn herum staunten. Auch der Feigenbaum verstand die<br \/>\nWelt nicht mehr: <em> \u0084Ich habe doch gar nichts dazu getan.\u0093 <\/em><\/p>\n<p>Und auf einmal freute er sich, wenn der G\u00e4rtner sich mittags in<br \/>\nseinen Schatten setzte. Ja, er lernte, ihn gern zu haben, und dachte<br \/>\ngar nicht mehr daran, ihn nicht an sich arbeiten zu las\u00adsen.<\/p>\n<p>Im n\u00e4chsten Jahr kamen die ersten Fr\u00fcchte, kleine gr\u00fcne<br \/>\nFeigen. Und im Sp\u00e4tsommer trug er schon wieder neue Fr\u00fcchte.<br \/>\nAls dann geerntet wurde, dachte er: <em>\u0084Merkw\u00fcrdig, drei Jahre<br \/>\nhabe ich mich angestrengt, um gl\u00fccklich zu leben, und sollte gef\u00e4llt<br \/>\nwer\u00adden. Jetzt habe ich ein Jahr lang nichts getan, als an mir arbei\u00adten<br \/>\nzu lassen, und die anderen freuen sich \u00fcber mich, und ich bin gl\u00fcck\u00adlich<br \/>\nwie nie.\u0093 <\/em><\/p>\n<p>Fast schien es ihm, als w\u00fcrde er erst jetzt anfangen zu leben &#8230;<\/p>\n<p>Jesus hat diese Geschichte einmal so \u00e4hnlich er\u00adz\u00e4hlt.<br \/>\nSie steht in Lukas 13, 6-9:<\/p>\n<p><em>(6) Er sagte ihnen aber dies Gleichnis: <\/em><\/p>\n<p><em>Es hatte einer einen Feigenbaum, der war gepflanzt in seinem Weinberg,<br \/>\nund er kam und suchte Frucht darauf und fand keine. <\/em><\/p>\n<p><em>(7) Da sprach er zu dem Weing\u00e4rtner: \u0084Siehe, ich bin nun drei<br \/>\nJahre lang gekom\u00admen und habe Frucht gesucht an diesem Feigenbaum,<br \/>\nund finde keine.<br \/>\nSo hau ihn ab! Was nimmt er dem Boden die Kraft?\u0093 <\/em><\/p>\n<p><em>(8) Er aber antwortete und sprach zu ihm: \u0084Herr, lass ihn noch dies<br \/>\nJahr,<br \/>\nbis ich um ihn grabe und ihn d\u00fcnge, <\/em><\/p>\n<p><em>(9) vielleicht bringt er doch noch Frucht; wenn aber nicht, so hau<br \/>\nihn ab.\u0093 <\/em><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><strong>Liebe Gemeinde. <\/strong><\/p>\n<p>Zu wem haben Sie den vor 14 Tagen bei Wahl zum Pr\u00e4ses der EKD gehalten?<br \/>\nAuf wessen Seite standen Sie? Vielleicht hat Sie das aber auch gar nicht<br \/>\nso sehr interessiert, weil Sie die Kandidaten gar nicht kannten oder<br \/>\nweil wir ja selber auch nicht w\u00e4hlen durften.<\/p>\n<p>Bei unserem Predigttext d\u00fcrfen Sie w\u00e4hlen. Sie sind gefragt.<br \/>\nLukas stellt uns in seinem Evangelium von Beginn an zwei Kandidaten vor,<br \/>\ndie beide f\u00fcr eine bestimmte Richtung im Glauben stehen. Und die<br \/>\nFrage, wo <em>wir <\/em> stehen, mit wem wir uns identifizieren, stellt<br \/>\nsich versch\u00e4rft durch dieses Gleichnis vom Feigenbaum.<\/p>\n<p>Aber lassen Sie mich, bevor Sie sich entscheiden, ein wenig die zur<br \/>\nWahl stehenden Kandidaten vorstellen. Und es geht hier nicht nur um Jesus!<\/p>\n<p>Jesus ist ja nicht im luftleeren Raum aufgetreten. Er hatte zumindest<br \/>\neinen bedeutenden Vorl\u00e4ufer, n\u00e4mlich Johannes den T\u00e4ufer.<br \/>\nKein Evangelist berichtet soviel \u00fcber diesen Mann wie Lukas. Warum?<br \/>\nNun, er macht durch die Gegen\u00fcberstellung von Johannes und Jesus<br \/>\nvon Anfang an deutlich, worum es ihm geht. Und diese Gegen\u00fcberstellung<br \/>\nist auch der Schl\u00fcssel f\u00fcr unser Gleichnis vom Feigenbaum. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">(2)<\/a><\/p>\n<p>Bei Lukas steht Johannes der T\u00e4ufer sozusagen als Musterbeispiel<br \/>\nf\u00fcr eine bestimmte Richtung und einen bestimmten Predigttyp. Er<br \/>\nist der mit dem nahenden Gericht drohenden <em>Bu\u00dfpre\u00addiger. <\/em><\/p>\n<p>Und Jesus steht f\u00fcr eine andere Richtung, f\u00fcr einen anderen<br \/>\nPredigttyp. Seine Art der Verk\u00fcndigung ist die der <em>G\u00e4rtner <\/em> und<br \/>\nGartenbauer.<\/p>\n<p>Johannes der T\u00e4ufer tritt am Jordan auf und predigt die Taufe der<br \/>\nBu\u00dfe zur Vergebung der S\u00fcnden. Er muss ein sehr beeindruckender<br \/>\nMann mit einer sehr beein\u00addruckenden Botschaft ge\u00adwesen sein,<br \/>\ndenn viele Menschen kamen damals zu ihm an den Jordan und wollten sich<br \/>\nvon ihm taufen lassen.<\/p>\n<p>Damit Sie mal einen Eindruck von seiner drohenden Bu\u00dfpredigt bekommen,<br \/>\nlese ich einige w\u00f6rtliche Zitate aus Lukas 3 vor:<\/p>\n<p><em>7 <\/em><em> Da sprach Johannes zu der Menge, die hinausging, um<br \/>\nsich von ihm taufen zu lassen: Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn<br \/>\ngewiss gemacht, dass ihr dem k\u00fcnf\u00adtigen Zorn entrinnen wer\u00addet? <\/em><\/p>\n<p><em>8 <\/em><em>Seht zu, bringt rechtschaffene Fr\u00fcchte der Bu\u00dfe;<br \/>\n&#8230; <\/em><\/p>\n<p>9 Es ist schon die Axt den B\u00e4umen an die Wurzel gelegt; jeder Baum,<br \/>\nder nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.<\/p>\n<p>Vielleicht haben Sie den Bezug zu unserem Gleichnis schon gemerkt. <em>\u0084Jeder<br \/>\nBaum, der keine ordentlichen Fr\u00fcchte bringt, wird abge\u00adhauen<br \/>\nund verbrannt.\u0093 <\/em> &#8211; Ein Bild f\u00fcr das Gericht. So redet Johannes<br \/>\nder T\u00e4ufer, er gebraucht fast dieselben Worte wie Jesus in seinem<br \/>\nGleichnis vom Feigenbaum, aber im Grunde genom\u00admen sagt er etwas<br \/>\nganz ande\u00adres.<\/p>\n<p>Johannes sagt: \u0084Bringt Fr\u00fcchte, sonst werdet ihr abgehauen und<br \/>\nverbrannt!\u0093. Das hei\u00dft: \u0084Tut das richtige, sonst geht es euch an<br \/>\nden Kragen!\u0093<\/p>\n<p>Es hat in der Kir\u00adchengeschichte viele wie Johannes gegeben. Und<br \/>\nes gibt sie leider auch noch heute, wenn auch im modernen Gewand.<\/p>\n<p>Aber im Gegensatz zu anderen hat Johannes eines nicht getan. Er hat<br \/>\nnie behaup\u00adtet, <em>das <\/em>, was er verk\u00fcnde, sei das <em>ganze <\/em> Evangelium.<br \/>\nIm Gegenteil, er hat sogar darauf hingewiesen:<\/p>\n<p><em>Ich bin nicht der Gesalbte. Es wird nach mir einer kommen, der ist<br \/>\nst\u00e4rker als ich. Er wird euch mit dem heiligen Geist taufen <\/em> (Lk<br \/>\n3, 16).<\/p>\n<p>Nach der Predigt des Johannes scheint es so, als w\u00e4re Bu\u00dfe-tun<br \/>\naus Angst vor dem Gericht <em>der <\/em> Weg, wie wir uns das Himmelreich<br \/>\nverdienen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Aber da hat Jesus noch kein Wort \u00f6ffentlich gesprochen. Das Evangelium<br \/>\nist erst <em>angek\u00fcndigt <\/em> und noch nicht <em>verk\u00fcndigt <\/em>.<\/p>\n<p>Jesus redet v\u00f6llig anders von der Bu\u00dfe, er redet nicht als<br \/>\nGerichtsprediger, son\u00addern als guter G\u00e4rtner und Weinbauer.<\/p>\n<p>Jesus tritt bei Lukas erst ein Kapitel sp\u00e4ter, also nach dem T\u00e4ufer,<br \/>\nauf. Und ich m\u00f6chte ebenso wie bei dem T\u00e4ufer auch bei <em>Jesus <\/em> die<br \/>\nersten Worte der Antritts\u00adpredigt nach dem Lukasevangelium vorlesen.<\/p>\n<p>Jesus steht in der Synagoge in Nazareth auf und sagt:<\/p>\n<p><em>\u0084Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verk\u00fcndigen<br \/>\ndas Evangelium &#8230;; zu verk\u00fcndigen das Gnadenjahr des Herrn.\u0093 <\/em> (Lk<br \/>\n4, 18f)<\/p>\n<p>Das ist das Evangelium Jesu Christi: Das Gnadenjahr des Herrn und nicht<br \/>\ndas Gericht!<\/p>\n<p>Und jetzt denken Sie noch mal an unsere Geschichte vom Feigenbaum. Wenn<br \/>\nJohannes diese Geschichte erz\u00e4hlt h\u00e4tte, h\u00e4tte er nur<br \/>\neinen Teil davon er\u00adz\u00e4hlt &#8211; etwa so:<\/p>\n<p><em>Es war einmal ein Feigenbaum, der keine Frucht brachte. Als dann<br \/>\nder Be\u00adsitzer zum Erntetag kam und keine Fr\u00fcchte fand, lie\u00df er<br \/>\nihn mit der Axt umhauen und verbrennen, weil er zu nichts n\u00fctze<br \/>\nwar. <\/em><\/p>\n<p><em>Deshalb \u00e4ndert euch, tut etwas und bringt Fr\u00fcchte der<br \/>\nBu\u00dfe, damit es euch nicht genauso geht! <\/em><\/p>\n<p>Und wir h\u00e4tten am heutigen Bu\u00df- und Bettag Grund genug, in<br \/>\nuns zu gehen und zerknirscht Bu\u00dfe zu tun oder sie wenigstens \u0096 wie<br \/>\nes in der Kirche ja viel h\u00e4ufiger \u00fcblich ist \u0096 Bu\u00dfe oder<br \/>\nUmkehr von anderen zu fordern.<\/p>\n<p>Aber Jesus erz\u00e4hlt dieses Gleichnis so, wie wir es geh\u00f6rt<br \/>\nhaben:<\/p>\n<p><em>Da ist ein Baum, der nichts tut und nichts bringt. Aber da ist ein<br \/>\nG\u00e4rtner, der al\u00adles tut. Er ver\u00adk\u00fcndigt nicht nur<br \/>\ndas Gnadenjahr des Herrn, er voll\u00adzieht es auch. Er d\u00fcngt<br \/>\nund begie\u00dft den Baum. Er sorgt f\u00fcr ihn. Er sorgt f\u00fcr<br \/>\nuns. <\/em><\/p>\n<p>Jesus bewirkt Umkehr, nicht indem <em> wir <\/em>etwas <em> tun <\/em>,<br \/>\nsondern indem <em>er alles f\u00fcr uns getan hat <\/em>.<\/p>\n<p>Soviel zur Theologie des Lukas und zu seiner Gegen\u00fcberstellung<br \/>\nvon Johannes und Jesus. Sie hilft uns, die Geschichte von dem unfruchtbaren<br \/>\nFeigenbaum besser zu verstehen und auch besser zu w\u00e4hlen. Jesus<br \/>\nist nicht gekommen, um zu f\u00e4llen und zu verbrennen, sondern um zu<br \/>\nbefreien.<\/p>\n<p>Aber gibt es etwas \u00fcber diese Erkl\u00e4rungen hinaus? Etwas, was<br \/>\ndieses Gleichnis mit mir pers\u00f6nlich zu tun haben k\u00f6nnte? Wo<br \/>\nkomme <em>ich <\/em> in dieser Geschichte vor? Wenn ich w\u00e4hlen soll,<br \/>\nmuss ich mir ja auch klar machen, wo ich eigentlich stehe \u0096 ich pers\u00f6nlich<br \/>\nund wir als Gemeinde oder Kirche.<\/p>\n<p>Wenn wir uns in diesem Gleichnis suchen, dann finden wir uns &#8211; wenn<br \/>\nwir ehrlich sind &#8211; weder in dem Weinbergbesitzer noch in dem G\u00e4rtner<br \/>\nwieder. Denn wir haben keinen fruchtbaren Weinberg, den wir vorweisen<br \/>\nk\u00f6nnten.<\/p>\n<p><em>Wir <\/em> sind vielleicht eher dieser eigensinnige fruchtlose Feigenbaum.<br \/>\nJedenfalls manchmal f\u00fchle ich mich so. Du versuchst es immer und<br \/>\nimmer wieder, denkst: So muss die Kirche wachsen, so wird mein Glaube<br \/>\nStrahlkraft haben. Und dann wirst Du auf den Boden der Realit\u00e4t<br \/>\nzur\u00fcckgeworfen und merkst wie m\u00fchsam echte Ver\u00e4nderungen<br \/>\nsind.<\/p>\n<p>Du und ich, wir sind es, die es zwar immer wieder versucht haben, Frucht<br \/>\nzu bringen, aber die auch immer wieder kl\u00e4glich gescheitert sind.<br \/>\nJa, nat\u00fcrlich haben wir schon den ein oder anderen Erfolg gehabt,<br \/>\naber dass wir Fr\u00fcchte in gro\u00dfer F\u00fclle hervorgebracht<br \/>\nh\u00e4tten, davon kann \u00fcberhaupt keine Rede sein.<\/p>\n<p>Ich will ja gar nicht, dass wir in Sack und Asche gehen, ich will gar<br \/>\nnicht wie Johannes der T\u00e4ufer als Gerichtsprediger auftreten, &#8211;<br \/>\nauch wenn heute Bu\u00df- und Bettag ist. Aber ich finde, so ehrlich<br \/>\nk\u00f6nnen wir heute mal sein. Da ist nichts, was wir als Gemeinde oder<br \/>\nauch ich als Christ wirklich vorweisen k\u00f6nnten, um einen Platz im<br \/>\nGarten des Herrn zu beanspruchen.<\/p>\n<p>Im Gegenteil oft wirken wir oder f\u00fchlen uns auch wie ein wertloser<br \/>\nBaum, der nicht mal mehr aufrecht stehen kann, geschweige denn, andere<br \/>\nmit seinen Fr\u00fcchten versorgen k\u00f6nnte. Wir sind manches Mal<br \/>\nmit der Kraft am Ende und dann fehlt uns gerade noch, dass es wie bei<br \/>\ndiesem Baum hei\u00dft: Er ist nutzlos. Er hat nicht das getan, was<br \/>\ner sollte. Er wird abgehauen und ins Feuer geworfen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><strong>Aber <\/strong> das ist nicht das Gleichnis<br \/>\nJesu wie es bei Lukas steht. Dieser Baum wird nicht abgehauen, weil da<br \/>\nein G\u00e4rtner ist,<br \/>\nder f\u00fcr ihn sorgen will, der ihm Luft zum atmen und Wasser zum Leben<br \/>\ngeben will. Der Baum, das bist du, vielleicht auf wir oder die Kirche,<br \/>\naber der G\u00e4rtner, das ist Jesus Christus.<\/p>\n<p>Der Jesus, der von sich gesagt hat: <em>\u0084Der Geist des Herrn ist auf<br \/>\nmir, weil er mich gesalbt hat, zu verk\u00fcndigen das Evangelium den<br \/>\nArmen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei<br \/>\nsein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen,<br \/>\ndass sie frei und ledig sein sollen, zu verk\u00fcndigen das Gnadenjahr<br \/>\ndes Herrn.\u0093 <\/em><\/p>\n<p>Das Jahr, um das der G\u00e4rtner den anderen bittet, ist keine Galgenfrist,<br \/>\nes ist das Gnadenjahr des Herrn, in dem Jesus selber f\u00fcr uns sorgen<br \/>\nwill, damit wir Frucht bringen. Er will uns befreien, wieder aufrichten,<br \/>\ner will uns die Augen \u00f6ffnen. Wenn wir Frucht bringen wollen, wenn<br \/>\nwir wollen, dass sich unsere Gemeinde mit Leben f\u00fcllt, dann m\u00fcssen<br \/>\nwir Jesus an uns arbeiten lassen.<\/p>\n<p>Dann brauchen wir seinen Heiligen Geist, mit der er uns begie\u00dfen<br \/>\nwill, und wir m\u00fcssen ihn an unsere Wurzeln und unseren harten Boden<br \/>\nheran lassen, damit er uns befreit und Luft zum Atmen gibt.<\/p>\n<p>Jesus will dich begie\u00dfen, wo du ausgetrocknet bist.<br \/>\nEr will dir<br \/>\nhelfen, wo du hilflos bist.<br \/>\nEr will sich um dich k\u00fcmmern, wo du verk\u00fcmmert<br \/>\nbist.<br \/>\nDu sollst den Heiligen Geist schmecken und sp\u00fcren.<br \/>\nLass dich beschenken<br \/>\nvon der Gnade Gottes!<br \/>\n<em>Er <\/em> hat alles getan, was zu tun ist.<\/p>\n<p>Jesus selbst ist an unserer Stelle gef\u00e4llt und get\u00f6tet worden,<br \/>\ndamit wir stehen bleiben k\u00f6nnen und das Leben w\u00e4hlen. Sein<br \/>\nGeist will in uns und durch uns Fr\u00fcchte bringen.<\/p>\n<p>Und der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als alle Vernunft, bewahre<br \/>\neure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.<\/p>\n<p>GEBET: Herr, unser Gott, danke, dass Du uns ver\u00e4ndern willst.<br \/>\nDanke,<br \/>\ndass wir keine Angst haben zu brauchen, nicht genug zu tun,<br \/>\num in Deinem<br \/>\nGarten stehen bleiben zu d\u00fcrfen.<br \/>\nDanke, dass Du einen Platz f\u00fcr uns hast und f\u00fcr<br \/>\nuns sorgen willst.<\/p>\n<p>\u00d6ffne uns f\u00fcr Deine Liebe und lass sie in uns wachsen.<br \/>\nSchenk<br \/>\nuns die Bereitschaft, uns von Dir begie\u00dfen zu lassen.<br \/>\nLass uns Deinen<br \/>\nHeiligen Geist schmecken und sehen.<br \/>\nBring Deine Fr\u00fcchte der Liebe durch<br \/>\nuns. Amen.<\/p>\n<p>Predigtlied: <strong> EG 503,13-15 <\/strong><em>Hilf mir und segne meinen<br \/>\nGeist<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Peter B\u00f6hlemann, Pfr., (<a href=\"mailto:p.boehlemann@institut-afw.de\">p.boehlemann@institut-afw.de<\/a>)<br \/>\nInstitut<br \/>\nf\u00fcr Aus-, Fort- und Weiterbildung der EKvW<br \/>\n(<a href=\"http:\/\/www.institut-afw.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.institut-afw.de<\/a>) <\/strong><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><\/a>(1) Vgl. Peter B\u00f6hlemann,<br \/>\nSimon und die sch\u00f6ne Anna, Mitmach- und Mutmachgeschichten aus der<br \/>\nBibel, Stuttgart 2002, S. 70-72.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\"><\/a> (2) Vgl. Peter B\u00f6hlemann,<br \/>\nJesus und der T\u00e4ufer \u0096 Schl\u00fcssel zur Theologie und Ethik des<br \/>\nLukas, MSSNTS 99, Cambridge 1997.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bu\u00df- und Bettag | 19. November 2003 | Lukas 13,6\u20139 | Peter B\u00f6hlemann | Die Geschichte vom Feigenbaum, der keine Feigen haben wollte Kann auch als Mitmacherz\u00e4hlung f\u00fcr Kinder zum spontanen Stegreifspiel erz\u00e4hlt werden (1). (Rollen: 1 Feigenbaum, 2-4 Weinreben, 1 Weinberg\u00adbesitzer, 1 G\u00e4rtner; Materialien: Feigen, Trauben, \u00c4ste, Axt, Gie\u00dfkanne, Korb). Es war einmal ein [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8543,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[38,1,727,157,853,596,114,863,349,3,1716,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-9609","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-lukas","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-buss-und-bettag","category-deut","category-kapitel-13-chapter-13-lukas","category-kasus","category-nt","category-peter-boehlemann","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9609","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9609"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9609\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23879,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9609\/revisions\/23879"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9609"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9609"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9609"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=9609"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=9609"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=9609"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=9609"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}