{"id":9610,"date":"2003-11-07T19:49:45","date_gmt":"2003-11-07T18:49:45","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9610"},"modified":"2025-05-09T13:54:50","modified_gmt":"2025-05-09T11:54:50","slug":"lukas-13-1-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-13-1-5\/","title":{"rendered":"Lukas 13, 1-5"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3>Bu\u00df- und Bettag | 19. November 2003 | Lukas 13,1\u20135 | Marlies St\u00e4hler |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>der heutige Predigttext im Lukasevangelium (13,1-5) steht quer zu allem,<br \/>\nwas wir normalerweise im Alltag h\u00f6ren. Denn er schleudert uns einem<br \/>\nBu\u00dfruf um die Ohren. Ungewohnte T\u00f6ne sind das, was wir hier<br \/>\nh\u00f6ren:<\/p>\n<p>&#8222;Es kamen aber zu der Zeit einige, die berichteten ihm von<br \/>\nden Galil\u00e4ern,<br \/>\nderen Blut Pilatus mit ihren Opfern vermischt hatte.<br \/>\nUnd Jesus antwortete<br \/>\nund sprach zu ihnen: Meint ihr, dass diese Galil\u00e4er<br \/>\nmehr ges\u00fcndigt haben als alle andern Galil\u00e4er, weil sie das<br \/>\nerlitten haben?<br \/>\nIch sage euch: Nein, sondern wenn ihr nicht Bu\u00dfe<br \/>\ntut, werdet ihr alle auch so umkommen.<br \/>\nOder meint ihr, dass die achtzehn,<br \/>\nauf die der Turm in Siloah fiel und erschlug sie, schuldiger gewesen<br \/>\nsind als alle anderen Menschen, die in Jerusalem wohnen?<br \/>\nIch sage euch:<br \/>\nNein; sondern wenn ihr nicht Bu\u00dfe tut, werdet ihr<br \/>\nalle auch so umkommen.&#8220;<\/p>\n<p>Was dagegen h\u00f6ren wir im Alltag?<\/p>\n<p>Kindergeschrei, Lachen, Wetterberichte, Nachrichten mit Schreckensberichten<br \/>\naus aller Welt und katastrophalen Wirtschaftsmeldungen aus unserem Land.<\/p>\n<p>Unternehmenspleiten und eine schon lange nicht mehr dagewesene Perspektivlosigkeit,<br \/>\nbesonders f\u00fcr junge Menschen, s\u00e4useln aus dem \u00c4ther, Fernseher<br \/>\noder PC. Schulden des Staates, eine hohe Verschuldung der privaten Haushalte<br \/>\nund der Abbau sozialer Errungenschaften runden das negative Gesamtbild<br \/>\nab. Diese wirtschaftliche und politische Situation wird von vielen Menschen<br \/>\nals Bedrohung empfunden. Existenzangst macht sicht breit.<\/p>\n<p>Hier ist nicht eine Angst gemeint, die im pers\u00f6nlichen Lebensbereich<br \/>\nseine Ursachen hat, sondern die Angst, die durch unsere momentane politische<br \/>\nund wirtschaftliche Situation hervorgerufen wird. Zwei Themen h\u00f6ren<br \/>\nwir fast t\u00e4glich: das Gerangel um die Rentenversicherung und die<br \/>\nGesundheitsreform.<\/p>\n<p>Mit diesen Diskussionen schreitet eine gro\u00dfe Verunsicherung der<br \/>\nMenschen einher.<\/p>\n<p>Diese Verunsicherung und daraus resultierende Unzufriedenheit, zeigte<br \/>\nsich Ende Oktober in der Wahlbeteiligung im Land Brandenburg. In Potsdam<br \/>\nbeispielsweise folgten lediglich 45,7 Prozent der Wahlberechtigten dem<br \/>\nAufruf. Man muss wohl die Frage stellen, wem Politik und Wirtschaft,<br \/>\nso wie sie sich jetzt darstellen, noch dienen?<\/p>\n<p>Setzt der Bu\u00dfruf in dieser Situation nicht eine weitere Nadel<br \/>\nin unser eh&#8216; schon bedrohtes Leben? Oder zeigt er eine vergessene Chance?<\/p>\n<p>Heute am Bu\u00df- und Bettag richtet sich die Verk\u00fcndigung der<br \/>\nKirche traditionell an die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft.<br \/>\nAuf diesem Hintergrund gewinnt Jesu Umkehrruf eine ganz brisante Bedeutung,<br \/>\ndenn er stellt die aktuelle politische Entwicklung, die gesellschaftlichen<br \/>\nStr\u00f6me und Gepflogenheiten in Frage. Eine radikale Umkehr wird in<br \/>\nunserem Predigttext gefordert. Umkehr setz voraus, dass der jetzige Standort<br \/>\nfalsch, lebensfeindlich und ver\u00e4nderungsbed\u00fcrftig ist. Was<br \/>\nm\u00fcssen wir verlassen werden und wohin sollen wir uns wenden?<\/p>\n<p>Diese Frage l\u00e4sst sich sicher nicht pauschal beantworten.<\/p>\n<p>Verlassen werden m\u00fcssen lebensfeindliche Strukturen. Diese nehmen<br \/>\nden Menschen alle Hoffnungen und zerst\u00f6ren Existenzen. Nicht wirtschaftliche<br \/>\nInteressen \u0096 wie zum Beispiel \u0084Oster \u0096 Shopping \u0096 N\u00e4chte\u0093 in Berlin,<br \/>\nd\u00fcrfen politisches Handeln prim\u00e4r leiten. Sondern im Rahmen<br \/>\nunserer wirtschaftlichen Strukturen m\u00fcssen Wege gefunden werden,<br \/>\ndie die Fundamente unserer Gesellschaft st\u00e4rken. Dazu geh\u00f6rt<br \/>\nin besonderem Ma\u00dfe die Familie. Ehe und Familie stehen unter Gottes<br \/>\nbesonderem Schutz. Ihrem wirtschaftlichen Wohlergehen geb\u00fchrt besondere<br \/>\nAufmerksamkeit. In diesen Zusammenhang geh\u00f6ren auch alle Bem\u00fchungen<br \/>\num Bildung und Ausbildung.<\/p>\n<p>Geschaffen werden m\u00fcssen Strukturen, die die Menschen bef\u00e4higen<br \/>\nmutig und beherzt f\u00fcr ihr Leben zu Sorgen. Ihre Eigenverantwortung<br \/>\nmuss gest\u00e4rkt werden. Dazu ist Hoffnung vonn\u00f6ten. Ohne Hoffnung<br \/>\nl\u00e4sst sich das Unternehmen Leben nicht bewerkstelligen. Diese allerdings<br \/>\nl\u00e4sst sich nicht per Gesetz verordnen und offenkundig sind politische<br \/>\nRahmenbedingungen nicht geeignet, diese entstehen zu lassen.<\/p>\n<p>Also m\u00fcssen wir uns dorthin <strong>wenden, <\/strong> wo die Hoffnung<br \/>\nzu finden ist. Es ist in unserem Predigttext nicht explizit formuliert,<br \/>\naber BUSSE meint immer Umkehr zu Gott und die Orientierung an seinen<br \/>\nGeboten.<\/p>\n<p>Bei Gott allein finden wir Hoffnung und Ermutigung f\u00fcr unser Leben.<br \/>\nAllein im Dialog mit Gott erf\u00e4hrt menschliches Leben seine Bestimmung.<br \/>\nDamit ist nicht das Ende einer Entwicklung, sondern erst der Anfang gesetzt.<br \/>\nWie ein Schneeball setzt sich diese Bewegung in andere Bereiche fort.<br \/>\nIm Dialog zum N\u00e4chsten, zum \u00dcbern\u00e4chsten, der Gemeinde<br \/>\nund der Gesellschaft. Die Hoffnung rollt wie ein immer gr\u00f6\u00dfer<br \/>\nwerdender Schneeball durch das Land und gewinnt an Gewicht. Immer mehr<br \/>\nBereiche werden von ihr infiziert.<\/p>\n<p>Dies geschieht langsam. Eine Lawine vernichtet in Sekunden. Mit diesem<br \/>\nTempo und mit dieser Wucht jedoch m\u00fcssen wir uns abwenden von dem,<br \/>\nwas die Menschen aus diesem dialogischen Geschehen herausrei\u00dft<br \/>\nund was die Menschen am Menschsein hindert.<\/p>\n<p>Ungewohnte T\u00f6ne wird man dann h\u00f6ren k\u00f6nnen!<\/p>\n<p>Sind es nicht hehre demokratische Postulate: die Politik m\u00f6ge f\u00fcr<br \/>\nden Menschen Dasein?<\/p>\n<p>Ist die Wirtschaft f\u00fcr den Menschen da, oder der Mensch f\u00fcr<br \/>\ndie Rentabilit\u00e4t des eingesetzten Kapitals?<\/p>\n<p>Die Mechanismen des gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen<br \/>\nLebens sind komplex. Diese Komplexit\u00e4t unseres Gesamt-Lebensgef\u00fcges<br \/>\nscheint undurchdringbar und erschwert damit unsere Lebensorientierung.<\/p>\n<p>Hier zeigt sich die Chance des Schneeballes, weil er im Dialog mit Gott<br \/>\nseinen Anfang hat.<\/p>\n<p>Indem er sich aufrollt bahnt er einen sehbaren und gehbaren Weg f\u00fcr<br \/>\nandere. Diesen Weg kann man gehen, er kann der Orientierung dienen. F\u00fcr<br \/>\nbeide Seiten.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche uns allen Mut bei ungewohnten und unbequemen T\u00f6nen<br \/>\nhinzuh\u00f6ren. Ich w\u00fcnsche uns allen den Mut, sie anzunehmen und<br \/>\nauszuhalten.<\/p>\n<p>Allein in der <strong>Umkehr <\/strong> liegt die Chance und die Kraft<br \/>\nzur Ver\u00e4nderung des Bestehenden!<\/p>\n<p>Wir sehen dem Gang der Dinge zu und f\u00fcrchten, es geht nicht gut.<br \/>\nWir<br \/>\nk\u00f6nnen aber nicht aussteigen.<br \/>\nAch Gott, bewege uns, dass wir die<br \/>\nHoffnung, die Du uns er\u00f6ffnest,<br \/>\ngebrauchen und einsetzen<br \/>\nf\u00fcr unser bedrohtes Land.<\/p>\n<p>Wir bekennen dich als den Herrn der Welt<br \/>\nUnd dienen flei\u00dfig anderen<br \/>\nHerren.<br \/>\nAch Gott, \u00e4ndere unseren Sinn,<br \/>\ndass wir \u0096 bef\u00e4higt durch Hoffnung \u0096<br \/>\nden M\u00e4chten widerstehen,<br \/>\ndie unser Leben zerst\u00f6ren. Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Marlies St\u00e4hler, Potsdam<br \/>\n<a href=\"mailto:Dr.Marlies-Staehler@t-online.de\">Dr.Marlies-Staehler@t-online.de <\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bu\u00df- und Bettag | 19. November 2003 | Lukas 13,1\u20135 | Marlies St\u00e4hler | Liebe Gemeinde, der heutige Predigttext im Lukasevangelium (13,1-5) steht quer zu allem, was wir normalerweise im Alltag h\u00f6ren. Denn er schleudert uns einem Bu\u00dfruf um die Ohren. 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