{"id":9614,"date":"2003-11-07T19:49:45","date_gmt":"2003-11-07T18:49:45","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9614"},"modified":"2025-05-09T14:08:42","modified_gmt":"2025-05-09T12:08:42","slug":"matthaeus-25-1-13-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-25-1-13-8\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 25, 1-13"},"content":{"rendered":"<h3>Ewigkeitssonntag | 23. November 2003 | Matth\u00e4us 25,1\u201313 | Christian-Erdmann Schott |<\/h3>\n<p>Mit Blick auf seine Wiederkunft am Ende der Zeit erz\u00e4hlte Jesus Christus dieses Gleichnis:<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><em>1. Dann wird das Himmelreich gleich sein zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen aus, dem Br\u00e4utigam entgegen.<br \/>\n<\/em><em>2. Aber f\u00fcnf unter ihnen waren t\u00f6richt, und f\u00fcnf waren klug.<br \/>\n<\/em><em>3. Die t\u00f6richten nahmen ihre Lampen; aber sie nahmen nicht \u00d6l mit sich.<br \/>\n<\/em><em>4. Die klugen aber nahmen \u00d6l in ihren Gef\u00e4\u00dfen samt ihren Lampen.<br \/>\n<\/em><em>5. Da nun der Br\u00e4utigam lange ausblieb, wurden sie alle schl\u00e4frig und schliefen ein.<br \/>\n<\/em><em>6. Zur Mitternacht aber ward ein Geschrei: Siehe, der Br\u00e4utigam kommt; gehet aus, ihm entgegen!<br \/>\n<\/em><em>7. Da standen diese Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen fertig.<br \/>\n<\/em><em>8. Die t\u00f6richten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von euerm \u00d6l, denn unsere Lampen verl\u00f6schen.<br \/>\n<\/em><em>9. Da antworteten die klugen und sprachen: Nein, sonst w\u00fcrde es f\u00fcr uns und euch nicht genug sein; gehet aber hin zu den Kr\u00e4mern und kaufet f\u00fcr euch selbst.<br \/>\n<\/em><em>10. Und da sie hingingen, zu kaufen, kam der Br\u00e4utigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die T\u00fcr ward verschlossen.<br \/>\n<\/em><em>11. Zuletzt kamen auch die anderen Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf!<br \/>\n<\/em><em>12. Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht.<br \/>\n<\/em><em>13. Darum wachet! Denn ihr wisset weder Tag noch Stunde, in welcher des Menschen Sohn kommen wird. <\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Der heutige Sonntag tr\u00e4gt vier Bezeichnungen: Am volkst\u00fcmlichsten ist die Bezeichnung Totensonntag. Wir denken an unsere Verstorbenen, besonders an die, die w\u00e4hrend des zu Ende gehenden Kirchenjahres heimgerufen worden sind. Manchmal war es eine Erl\u00f6sung. Es gab aber auch Familien, die ganz unverhofft Abschied nehmen mussten von einem wichtigen Menschen. F\u00fcr sie lebt die Trauer heute wieder auf. Ihnen gilt auch unser besonderes Mitgef\u00fchl. Am Totensonntag denken wir aber auch an unsern eigenen Tod; nicht, um uns zu \u00e4ngstigen, sondern um das Wissen um unser Ende in unser Leben sinnvoll einzubeziehen: \u0084Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben m\u00fcssen, auf dass wir klug werden\u0093 (Psalm 90,12).<\/p>\n<p>Dieser Sonntag wird aber auch Letzter Sonntag im Kirchenjahr genannt, eben weil wir mit ihm in die letzte Woche vor dem Ersten Advent eintreten, mit dem dann ein neues Kirchenjahr beginnt. Er hei\u00dft auch Sonntag vom J\u00fcngsten Tage. Das meint den Ausblick auf den letzten Tag der Welt, den letzten Tag allen irdischen Lebens, den Tag des Gerichtes Gottes. Schlie\u00dflich tr\u00e4gt der heutige Tag auch den Namen Ewigkeitssonntag. Das meint: Unsere Jahre m\u00fcnden ein in die Ewigkeit Gottes. Sie fallen nicht ins Nichts, sondern zur\u00fcck an Gott, in seine H\u00e4nde.<\/p>\n<p>Alle diese Aspekte erg\u00e4nzen sich. Sie richten unsere Aufmerksamkeit auf eine Wahrheit, die unserem Lebensgef\u00fchl fremd geworden ist, &#8211; auf die wunderbare Wahrheit n\u00e4mlich, dass dieses verg\u00e4ngliche Leben nicht alles ist, was Gott uns zugedacht hat, und wir arm dran sind, wenn wir uns ausschlie\u00dflich auf das Irdisch-Verg\u00e4ngliche beziehen und von ihm bis in die letzten Winkel unseres F\u00fchlens, Denkens, Hoffens beherrschen und bestimmen lassen<\/p>\n<p>Dieser Letzte Sonntag im Kirchenjahr ist so wichtig, weil er unseren Blick \u00fcber die Grenzen dieses Lebens hinaus auf die Zukunft richtet, die von Gott her auf uns zukommt. Diese Zukunft wird in unserem Gleichnis in sch\u00f6nen Farben gezeichnet \u0096 als ein gro\u00dfes Hochzeitsfest. Aber das Gleichnis zeigt auch, dass wir nicht immer in festlicher Erwartung sein k\u00f6nnen. Von allen zehn Jungfrauen, die auf das Eintreffen des Herrn warten, hei\u00dft es, dass sie einschliefen. Das wird ohne Kritik gesagt. Es ist sicher auch realistisch. Denn es ist gar nicht m\u00f6glich, ununterbrochen, von fr\u00fch bis abends an den wiederkommenden Herrn zu denken. Wir m\u00fcssen schlafen, essen, arbeiten, uns auf unsere Aufgaben konzentrieren. Wir sollten uns auch nicht in eine ungesunde, hysterische Erwartungshaltung hineinsteigern, wie sie in manchen Sekten anzutreffen ist. Nein, wir k\u00f6nnen ruhig schlafen, uns auf das Heute konzentrieren.<\/p>\n<p>Aber \u0096 wir sollten in unserem Herzen die Hoffnung, ja das Wissen tragen, dass noch etwas auf uns zukommt. Wir sollten die gro\u00dfen Perspektiven des Glaubens nicht vergessen. Das hei\u00dft \u00d6l in der Lampe haben. Die F\u00fcnf, die diese Dimensionen kannten, sahen mehr als nur diese Welt. Sie rechneten mit Gott, an den sie glaubten. Es gibt viele Menschen, denen Gott einmal gro\u00df und wichtig geworden ist. Meist waren es besondere Anl\u00e4sse, an denen sie ihn erfahren haben. Die einen haben diese Erfahrungen bewahrt. Sie haben sie in ihrem Inneren festgehalten und den Glauben nie aufgegeben. Sie hatten \u00d6l in der Lampe. Sie hatten Reserven. Die anderen sind diesen Begegnungen mit Gott nicht weiter nachgegangen. Sie haben Gott wieder vergessen. Da blieb nichts in der Lampe.<\/p>\n<p>Nun kommt der Br\u00e4utigam zu der wartenden Br\u00e4uten, das hei\u00dft: zu seiner Gemeinde. Die Klugen k\u00f6nnen auf ihre Reserven zur\u00fcckgreifen. Sie wussten, dass dieser Tag kommen wird. Sie k\u00f6nnen dem Br\u00e4utigam entgegengehen. Die Frage ist allerdings: Warum geben sie den T\u00f6richten nicht ab? Ist ihre Ablehnung nicht egoistisch und unchristlich? Es ist beides nicht, &#8211; weil man vom Glauben nichts abgeben kann; so wie man auch ein St\u00fcck von seinem Leben oder von seiner Seele nicht hergeben kann.<\/p>\n<p>Das haben viele Menschen schon schmerzlich erlebt, zum Beispiel Eltern, die gern m\u00f6chten, dass ihre Kinder auch glauben. Sie w\u00fcrden ihnen gern von ihrem Glauben abgeben. Aber es ist nicht m\u00f6glich. Auch in einer Ehe ist es nicht m\u00f6glich. Wir k\u00f6nnen den Glauben bekennen, beschreiben, besingen als unsere pers\u00f6nliche und anderer Ergriffenheit durch Gott. Aber einem anderen Menschen Glauben geben oder abgeben, das k\u00f6nnen wir nicht. Nur Gott und der heilige Geist k\u00f6nnen den Glauben in die Herzen von Menschen hineingeben.<\/p>\n<p>Die christliche Kirche hat dieses Gleichnis auf sich bezogen. Sie hat sich die Frage gestellt: Was m\u00fcssen wir tun, damit wir zu den Klugen geh\u00f6ren? Eine einleuchtende Antwort findet sich in der mittelalterlichen Architektur. In den Domen in Stra\u00dfburg, K\u00f6ln, Magdeburg und Erfurt ist dieses Gleichnis in die T\u00fcren eingelassen. Diese Portale haben ja eine gewisse Tiefe. Sie macht es m\u00f6glich, auf der einen Seite die f\u00fcnf klugen und auf der anderen Seite die f\u00fcnf t\u00f6richten jungen Frauen darzustellen. Der Besucher dieser Gottesh\u00e4user muss da hindurch, wenn er hineingeht und wenn er herausgeht. Er kann sich mahnen lassen: H\u00f6re, was du hier h\u00f6rst, wirklich; nimm es in dein Herz und vergiss es nicht; sei nicht t\u00f6richt. Sonst k\u00f6nnte es auch einmal f\u00fcr dich zu sp\u00e4t sein und du k\u00f6nntest von der K\u00f6nigsherrschaft Jesu Christi ausgeschlossen werden.<\/p>\n<p>Aber damit stehen wir vor der n\u00e4chsten Frage: Ist es von Christus nicht grausam, dass er die T\u00f6richten nicht in den Festsaal, in das Himmelreich hineinl\u00e4sst? Ich wei\u00df nicht, ob es grausam ist. Es ist doch nur die Best\u00e4tigung dessen, was die T\u00f6richten immer getan haben: Sie hat das alles nicht interessiert. Sie haben den Glauben nicht als Thema ihres Lebens festgehalten. So werden sie nun von Jesus Christus beim Wort genommen. Er nimmt sie ernst und zieht die Konsequenz. Ich gebe zu. Barmherzig ist es nicht und gn\u00e4dig ist es auch nicht , &#8211; aber es ist gerecht. Hier werden wir Menschen ernst genommen. Im Grunde wollen wir das ja immer. Nun geschieht es.<\/p>\n<p>In der Grundaussage ist dieses Gleichnis eingebettet in das biblische Gesamtzeugnis. Ich erinnere etwa an das Wort des Paulus: \u0084Schaffet eure Seligkeit mit Furcht und Zittern\u0093 (Phil. 2,12) oder an das eingangs genannte Psalmwort \u0084Lehre uns bedenken, dass wir sterben m\u00fcssen, auf dass wir klug werden\u0093. Wir k\u00f6nnen nicht sagen, wann die Wiederkunft sein wird: \u0084Ihr wisset weder Tag noch Stunde, in welcher des Menschen Sohn kommen wird\u0093 (V. 13). Aber wir sollten das Wissen darum festhalten und diesen letzten Tag der Weltgeschichte nie ganz aus den Augen verlieren.<\/p>\n<p>Das w\u00fcrde unsere Einstellung zum Leben \u00e4ndern. Weil wir einen \u00fcberzeitlichen Bezugspunkt haben, kann sich manches als gar nicht mehr so wichtig erweisen, was uns \u00fcblicherweise als h\u00f6chst wichtig erscheint. Wir wissen dann, letztlich l\u00e4uft alles auf Gott zu. Von diesem Ziel her kann uns das Kleine klein und das Gro\u00dfe gro\u00df erscheinen. Wir werden klug im Sinne des 90. Psalms und im Sinne dieses Gleichnisses. Wir gewinnen Abstand, Durchblick, k\u00f6nnen auf manches gut und gern verzichten. Damit beginnt unser Leben sich schon hier zu ver\u00e4ndern. Es ordnet sich auf Gott hin. Es ist noch in der Zeit, aber doch immer auch schon in der N\u00e4he Gottes. Damit wird es zugleich befreit von dem, was man heute Fremdbestimmtheit, Trendabh\u00e4ngigkeit, Konsumterror nennt. Wir werden befreit zu einem selbstgestalteten, menschenw\u00fcrdigen, origin\u00e4ren Leben mit Gott.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfarrer em. Dr. Christian-Erdmann Schott<br \/>\nElsa-Braendstroem-Stra\u00dfe 21<br \/>\n55124 Mainz (Gonsenheim)<br \/>\nTel.: 06131\/690488<br \/>\nFAX: 06131\/686319<br \/>\n<a href=\"mailto:ce.schott@surfeu.de\">E-Mail:ce.schott@surfeu.de<\/a> <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ewigkeitssonntag | 23. November 2003 | Matth\u00e4us 25,1\u201313 | Christian-Erdmann Schott | Mit Blick auf seine Wiederkunft am Ende der Zeit erz\u00e4hlte Jesus Christus dieses Gleichnis: \u00a01. Dann wird das Himmelreich gleich sein zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen aus, dem Br\u00e4utigam entgegen. 2. Aber f\u00fcnf unter ihnen waren t\u00f6richt, und f\u00fcnf waren [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8543,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[36,1,727,157,853,1176,114,597,118,349,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-9614","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-matthaeus","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-christian-erdmann-schott","category-deut","category-ewigkeits-totensonntag","category-kapitel-25-chapter-25","category-kasus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9614","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9614"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9614\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23887,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9614\/revisions\/23887"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9614"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9614"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9614"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=9614"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=9614"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=9614"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=9614"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}