{"id":9619,"date":"2003-11-07T19:49:48","date_gmt":"2003-11-07T18:49:48","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9619"},"modified":"2025-05-09T16:27:59","modified_gmt":"2025-05-09T14:27:59","slug":"matthaeus-25-1-13-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-25-1-13-7\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 25, 1-13"},"content":{"rendered":"<h3><strong><b><span style=\"color: #000099;\">Letzter Sonntag des Kirchenjahres (Ewigkeitssonntag) | 23. November 2003 |<\/span><\/b><b><span style=\"color: #000099;\"> Mt 25, 1-13 | Gudrun Schwabe |<\/span><\/b><\/strong><\/h3>\n<p><strong>Von den klugen und t\u00f6richten Jungfrauen <\/strong><\/p>\n<p>Eine beunruhigende Geschichte. Dabei ist eine Hochzeit eigentlich doch eine fr\u00f6hliche Feier. Und so beginnt diese Geschichte auch: Die Braut wartet mit ihren Brautjungfern im Haus ihrer Eltern auf den Br\u00e4utigam, damit dieser sie in das neue Zuhause des Paares f\u00fchren kann. Es wird sp\u00e4ter und sp\u00e4ter, dunkel wird es auch, und die M\u00e4dchen werden m\u00fcde. Vielleicht haben sie einen langen Tag hinter sich. F\u00fcnf der M\u00e4dchen denken noch daran, kurz nach ihren Lampen zu sehen, bevor sie sich hinlegen und einschlafen. Um Mitternacht ist auf einmal Krach auf der Stra\u00dfe: Der Br\u00e4utigam kommt. Endlich. Die M\u00e4dchen springen auf und machen sich daran, die Lampen anzuz\u00fcnden. Jetzt r\u00e4cht es sich, die Lampen nicht vorbereitet zu haben, denn f\u00fcnf von ihnen m\u00fcssen erst zum Kaufmann gehen und \u00d6l besorgen. Sie beeilen sich zwar, laufen schnell, trotzdem kommen sie zu sp\u00e4t. Der Hochzeitszug ist schon im Haus des Br\u00e4utigams und die T\u00fcr ist zu. Da stehen nun die f\u00fcnf M\u00e4dchen vor der verschlossenen T\u00fcr, von drinnen sind Musik und Gel\u00e4chter zu h\u00f6ren, vielleicht haben sie auch den Bratenduft in der Nase. Aber der Br\u00e4utigam l\u00e4sst sie nicht hinein. Er schl\u00e4gt ihnen die T\u00fcr vor der Nase zu und l\u00e4sst sie drau\u00dfen stehen. &#8222;Ich kenne euch nicht&#8220; sagt er.<\/p>\n<p>Sehr beunruhigend, diese Geschichte. Jesus erz\u00e4hlt sie, und sie passt so gar nicht zu vielem, was wir sonst im Neuen Testament an Geschichten von ihm lesen. Sie passt z.B. nicht zu der Geschichte von dem verlorenen Sohn, denn der hat auch einen Fehler gemacht, und sein Vater \u00f6ffnet ihm dennoch die T\u00fcr und nimmt ihn wieder auf. Und welchen Fehler machen die f\u00fcnf M\u00e4dchen in unserer Geschichte? Sie vergessen, \u00d6l zu kaufen. Das ist doch fast eine Kleinigkeit im Gegensatz zum Sohn, der sein gesamtes Erbe verspielt. Was also ist so schlimm daran, kein \u00d6l eingekauft zu haben, so schlimm, dass man daf\u00fcr vor der T\u00fcr stehen gelassen wird?<\/p>\n<p>Eine beunruhigende Geschichte. Denn hier geht es um ein Ereignis in der Zukunft und um die Zukunft der Menschen. Das Bild von der Hochzeit, vom Br\u00e4utigam, der die Seinen in sein Haus holt, ist ein Bild f\u00fcr den Eingang der Menschen in das Himmelreich. Gleich im ersten Satz der Geschichte wird darauf hingewiesen: &#8222;Das Himmelreich wird zehn Jungfrauen gleichen&#8220;. Aber die Geschichte schildert kein Haus mit einer T\u00fcr, die f\u00fcr alle offen steht. Das Eintreten in das Himmelreich ist demnach mit einem Urteil \u00fcber die Menschen verbunden.<\/p>\n<p>Jesus erz\u00e4hlt von diesem Urteil, das die Menschen teilt: In jene, die mit nach drinnen gehen d\u00fcrfen, und jene, die drau\u00dfen bleiben m\u00fcssen. Und das macht mir schon Angst, denn woher wei\u00df ich, wo ich stehen werde?<\/p>\n<p>In der Geschichte ist der Ma\u00dfstab daf\u00fcr, ob die M\u00e4dchen mit nach drinnen gehen d\u00fcrfen, deren Klugheit bzw. deren Torheit. Die klugen M\u00e4dchen bereiten ihre Lampen vor, sie sehen nach, ob \u00d6l vorhanden ist. Die t\u00f6richten M\u00e4dchen dagegen tun dies nicht. Warum, wird nicht erz\u00e4hlt. Vielleicht vergessen sie es einfach, oder sie verlassen sich blind darauf, dass schon \u00d6l da sein wird. Es ist also die Vorbereitung, die die klugen und t\u00f6richten M\u00e4dchen voneinander unterscheidet. Die Vorbereitung macht die klugen M\u00e4dchen klug, und die mangelnde Vorbereitung macht die t\u00f6richten M\u00e4dchen t\u00f6richt. Es ist die Vorbereitung, die am Ende dar\u00fcber entscheidet, ob das Warten auf den Br\u00e4utigam Sinn gemacht hat oder nicht. Es geht um kluge Vorbereitung.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde an dieser Stelle gerne meine Predigt beenden, ich w\u00fcrde sie alle aus der Kirche in die Welt schicken und sagen: Bereitet euch vor. Seid klug. Tut etwas. Und dann, wenn die T\u00fcr hinter ihnen zugeschlagen ist und es still wird in der Kirche, w\u00fcrde ich vor den leeren B\u00e4nken stehen und mich fragen: Was hast du da eigentlich getan? Die sind jetzt da drau\u00dfen, tun etwas und glauben, dass sei klug. Aber das ist nicht die Klugheit, von der Jesus spricht. Also, bleiben sie bitte in der Kirche sitzen und bereiten sie sich vor. Machen sie sich bewusst, was kluge Vorbereitung bedeutet. Es bedeutet, n\u00e4mlich an die Zukunft zu denken. Die t\u00f6richten M\u00e4dchen denken nur an das Jetzt und Hier. Die klugen M\u00e4dchen dagegen denken auch an das Danach.<\/p>\n<p>Die Zukunft ist in dieser Geschichte das Himmelreich. Das, was nach dem Irdischen kommt, n\u00e4mlich das Himmlische. Ganz explizit weist Jesus darauf hin, gleich zu Beginn der Geschichte. &#8222;Das Himmelreich wird zehn Jungfrauen gleichen&#8220;. Das, was da kommen wird, steht in einem ganz klaren Gegensatz zu dem, was jetzt ist. Das ist die Botschaft Jesu, das ist die Hoffnung auf das Zuk\u00fcnftige, die er verk\u00fcndet. Dieses neue Reich bedeutet aber zugleich die Aufl\u00f6sung aller menschlichen Ma\u00dfst\u00e4be, die Zerst\u00f6rung aller Kategorien, in die wir Menschen so gerne alles einteilen. Es bedeutet auch, dass Torheit und Klugheit nicht mehr sein werden, denn das sind zutiefst menschliche Kategorien. Und wenn wir an das Himmelreich als unsere Zukunft denken, m\u00fcssen wir uns eingestehen, dass menschliche Kategorien auch versagen k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen uns eingestehen, dass wir nicht mehr sicher sein k\u00f6nnen, was klug oder t\u00f6richt sein wird im Himmelreich. Denn wer wei\u00df schon, was Gott als klug oder t\u00f6richt beurteilt.<\/p>\n<p>Wenn ich meine Predigt an dieser Stelle beenden w\u00fcrde, w\u00fcrde ich sie alle im Gef\u00fchl der Hoffnungslosigkeit nach Hause schicken. Denn sie k\u00f6nnten mir mit Recht entgegenhalten: Wie k\u00f6nnen wir uns \u00fcberhaupt vorbereiten? Was n\u00fctzt es, sich \u00fcber das Jetzt und Hier hinaus Gedanken \u00fcber die Zukunft zu machen? Wir k\u00f6nnen doch sowieso nicht erkennen, was eine gute Vorbereitung wirklich bedeutet. Wir wissen doch nicht, welche Ma\u00dfst\u00e4be an uns gelegt werden.<\/p>\n<p>Man kann sich auf die Zukunft also nicht mit klugen Taten vorbereiten. Dass man an die Zukunft denkt, ist allein auch noch keine kluge Vorbereitung. Klug wird die Vorbereitung wirklich erst, wenn wir uns deutlich machen, dass es auch anders kommen kann, als wir denken. Denn was passiert, wenn wir uns sicher f\u00fchlen? Wenn wir denken, dass wir an die Zukunft gedacht haben? Dass wir vorgesorgt haben? Wenn wir \u00d6l f\u00fcr unsere Lampen gekauft haben? Im Grunde sind wir in unseren menschlichen Ma\u00dfst\u00e4ben h\u00e4ngen geblieben. Wir haben uns nicht von ihnen gel\u00f6st. Wir haben nicht bedacht, dass in der Zukunft vielleicht Anderes als die menschliche Klugheit z\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Jesus erz\u00e4hlt diese Geschichte von den t\u00f6richten und klugen Jungfrauen, um zu verdeutlichen, dass es nicht genug ist, sich in der Gegenwart einzurichten. Er erz\u00e4hlt vom Himmelreich. Er stellt unserer Gegenwart eine neue Gegenwart gegen\u00fcber. N\u00e4mlich das Himmelreich.<\/p>\n<p>Und wahrhaftig klug ist es, darauf zu hoffen und daran zu glauben. Es ist angebracht, sich auf die Suche danach einzulassen, sich vorzubereiten und sich immer wieder zu \u00fcberpr\u00fcfen nach unseren menschlichen Ma\u00dfst\u00e4ben. Denn hier auf der Erde haben wir nun einmal keine anderen. Es ist auch angebracht, zu wissen, dass wir nie sicher sein k\u00f6nnen, eben weil wir nur in menschlichen Kategorien denken.<\/p>\n<p>Die wahre Klugheit bei aller unserer Vorbereitung aber ist die Hoffnung, die wir haben k\u00f6nnen: Gott misst mit anderen Ma\u00dfst\u00e4ben, als mit unseren.<\/p>\n<p>Und deshalb k\u00f6nnen wir darauf hoffen, dass am Ende, wenn wir selbst vor der verschlossenen T\u00fcr stehen und uns sehr, sehr t\u00f6richt f\u00fchlen und rufen &#8222;Herr, Herr, tu uns auf, dass dann die T\u00fcr aufgeht, und der Herr sagt: Wahrlich, ich sage dir: Ich kenne dich.&#8220;<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Gudrun Schwabe<br \/>\n<a href=\"mailto:gudzilla@genion.de\">gudzilla@genion.de<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzter Sonntag des Kirchenjahres (Ewigkeitssonntag) | 23. November 2003 | Mt 25, 1-13 | Gudrun Schwabe | Von den klugen und t\u00f6richten Jungfrauen Eine beunruhigende Geschichte. 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