{"id":9627,"date":"2021-02-07T19:49:52","date_gmt":"2021-02-07T19:49:52","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9627"},"modified":"2022-09-13T16:29:39","modified_gmt":"2022-09-13T14:29:39","slug":"profil-oder-turnschuhe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/profil-oder-turnschuhe\/","title":{"rendered":"Profil oder Turnschuhe"},"content":{"rendered":"<p><b><span style=\"color: #000099;\">Andachten (2003)<br \/>\n&#8222;Profil oder Turnschuhe&#8220;, verfa\u00dft von Rainer M\u00fcller-Brandes<\/span><\/b><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Profil oder Turnschuhe<br \/>\nEpheser 6, 11a<\/strong><\/p>\n<p>Liebe Hausgemeinde,<br \/>\neinen Satz nur m\u00f6chte ich heute in den Mittelpunkt stellen. Er steht im 6.Kapitel des Epheserbriefs. Es hei\u00dft dort:<br \/>\n&#8220; <em>Zieht an die Waffenr\u00fcstung Gottes, damit ihr bestehen k\u00f6nnt<\/em>.&#8220; Mehr nicht.<\/p>\n<p>Diese Zeilen gehen an die Gemeinde in Ephesus. Ich war mal in Ephesus. Im Urlaub mit Freunden. Und ich mu\u00df sagen, das sieht heute noch beeindruckend aus, obwohl nur noch Ruinen \u00fcbrig sind: Ephesus, das war damals das New York von heute &#8211; eine der gr\u00f6\u00dften und bedeutendsten St\u00e4dte. Alles gab es in Ephesus, gro\u00dfe B\u00e4der mit freien Eintritt, B\u00fcchereien Theater, sogar Stra\u00dfenbeleuchtung.. Und einen Tempel hatten die, da kommt unsere Kapelle, auch die Neust\u00e4dter Kirche nicht mit. Ein Tempel -f\u00fcr eine G\u00f6ttin &#8211; nur aus Marmor. Eines der sieben Weltwunder war das. Wenn in diesem Tempel geopfert wurde, war das so prachtvoll, da\u00df die Besucher schwer beeindruckt waren und nur so schw\u00e4rmten.<\/p>\n<p>Ja und daneben stelle man sich ein kleines armseliges Haus vor, wo sich die Christen trafen. Vielleicht 20 erst, vielleicht 30, eine kleine versch\u00fcchterte Gemeinde im Schatten des Tempels. Die auch noch schief angeschaut wurden, wenn heraus kam, da\u00df sie zu den Christen geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Tja und heute sieht es so aus, als h\u00e4tte wir gewonnen. Der Tempel in Ephesus steht nicht mehr und bei uns gibt es in jedem Dorf eine Kirche. \u00dcber 55 Millionen Menschen geh\u00f6ren unserer oder der katholischen Kirche an. Die absolute Mehrheit hier bei uns.<\/p>\n<p>Aber manchmal denke ich, soviel hat sich zu fr\u00fcher doch nicht ver\u00e4ndert . Ich habe den Eindruck, manchmal f\u00fchlen wir uns gar nicht gro\u00df anders als die kleine versch\u00fcchterte Schar von Christen damals in Ephesus. Eben haben wir das Lied &#8222;Liebster Jesus wir sind hier&#8220; gesungen und sie kennen wahrscheinlich die Umdichtung eines Ostberliner Pfarrers, der daraus in einem Gottesdienst machte: Liebster Jesus wir sind vier.<\/p>\n<p>Manchmal frage ich mich: Was ist los mit uns Christen: Ist es uns unangenehm, als Christen erkannt zu werden?<br \/>\nEs gab eine Umfrage bei Pastoren &#8211; zum Gl\u00fcck bei Pastoren in Westfalen nicht bei uns. Wenn die &#8211; was wei\u00df ich &#8211; zum Friseur oder zur Bank gehen und dann gefragt werden von der Friseuse zum Beispiel, wo sie denn arbeiten, dann ist es mehr als 35 % Prozent der Pfarrer peinlich zuzugeben, da\u00df sie bei der Kirche arbeiten. Und das gilt ja nicht nur f\u00fcr Pfarrer. Und vielleicht erinnern wir uns ja auch selber an \u00e4hnliche Situationen.<\/p>\n<p>Warum ist das eigentlich so?<br \/>\nEs wird ja keiner verlegen, zu erz\u00e4hlen, da\u00df er am Sonntag Fu\u00dfball spielen war. Keiner wird verlegen, wenn er erz\u00e4hlt, da\u00df er schwimmen war.<\/p>\n<p>Warum sind wir manchmal verlegen zu sagen, da\u00df wir in der Kirche waren?<br \/>\nWeil das nicht im Trend liegt?<\/p>\n<p>Die Kirchen in Deutschland sind nach dem Staat der gr\u00f6\u00dfte Arbeitgeber. Und trotzdem kommt bei uns Christen manchmal dieser verlegene Blick, wenn wir erz\u00e4hlen, wof\u00fcr wir stehen.<br \/>\nManchmal habe ich den Eindruck, da\u00df Ephesus wieder ganz stark geworden ist. Nur anders nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p>&#8222;Zieht an die Waffenr\u00fcstung Gottes.&#8220;<\/p>\n<p>Es stimmt, unsere Kirche ist heute eine Stimme unter vielen und wir m\u00fcssen zusehen , da\u00df unsere Stimme nicht \u00fcberh\u00f6rt wird.<\/p>\n<p>&#8211; Weil das schade w\u00e4re. Weil wir etwas zu sagen haben. Mehr als Kino.<\/p>\n<p>Und genau da setzen die Worte aus dem Epheserbrief an. Zupackend.<br \/>\n&#8220; Zieht an die Waffenr\u00fcstung Gottes, damit ihr bestehen k\u00f6nnt.&#8220;<\/p>\n<p>Neulich habe ich beim B\u00fcrgeramt angerufen, weil ich meine Steuerklasse \u00e4ndern lassen wollte und die Dame am Telefon fragte mich, ganz Dienst am B\u00fcrger: &#8222;Wenn Sie Steuern sparen wollen, k\u00f6nnen Sie z.B. auch aus der Kirche austreten.&#8220;<\/p>\n<p>Wir brauchen nicht zu sagen:<br \/>\n&#8220; Ich glaube an Gott, Entschuldigung.&#8220; Die meisten Menschen sind in irgendeiner Form religi\u00f6s und suchen. Nur suchen sie viel zu selten bei uns. Und ganz oft bleibt ein Vakuum, eine Leere, die wir nicht mehr f\u00fcllen.<\/p>\n<p>&#8222;Zieht an die Waffenr\u00fcstung Gottes, damit ihr bestehen k\u00f6nnt.&#8220;<\/p>\n<p>Sogar eine gro\u00dfe Turnschuhfirma, Nike, wei\u00df um diese Leere. Nike der gro\u00dfe Konkurrent von Adidas, sammelt jetzt Turnschuhe von ber\u00fchmten Sportlern und stellt sie in Kaufh\u00e4usern auf, wie Reliquien unter Glas. Dann kann man da den Schuh von Michael Jordan oder vielleicht irgendwann mal von Lothar Matth\u00e4us sehen. Der Firmenchef von Nike begr\u00fcndete diese Aktion; in einem Interview sagte er:<br \/>\n&#8220; Wir wollen den Besuch eines Nike-Kaufhauses zu einen emotionalen Spitzenereignis machen, das alle packt.&#8220; Und auf die Kirche angesprochen, sagt er: &#8222;Wenn die Kirche da nicht mithalten kann, dann mu\u00df sie eben ihren Job besser machen.&#8220;<\/p>\n<p>Ich glaube, wir m\u00fcssen wieder mehr Profil zeigen. Mehr Selbstbewu\u00dftsein gegen dieses leise Wegr\u00fccken von unserem Glauben. Sonst sind unsere Kirchen irgendwann geschlossen und wir k\u00f6nnen f\u00fcr emotionale Spitzenereignisse Turnschuhe anschauen.<\/p>\n<p>Im Epheserbrief, das zum Schlu\u00df, <em>wird<\/em> eine milit\u00e4rische Sprache gebraucht. Waffenr\u00fcstung, sp\u00e4ter ist vom Helm und Schwert die Rede. Und der Autor benutzt diese Worte ganz bewu\u00dft, weil er sich &#8211; nicht nur f\u00fcr die Leute neben dem gro\u00dfen Tempel in Epheseus &#8211; weil er sich einen offensiven, selbstbewu\u00dften Glauben w\u00fcnscht.<br \/>\nStehen wir ruhig zu unsern Glauben. Erz\u00e4hlen wir von ihm. Erz\u00e4hlen wir von dem sch\u00f6nen Gottesdienst in und um der Marktkirche. Erz\u00e4hlen wir davon, da\u00df in Deutschland Sonntag f\u00fcr Sonntag immer noch mehr Menschen in unsere Gottesdienste gehen, als zum Fu\u00dfball, Bundesliga inbegriffen.<\/p>\n<p>Liebe Hausgemeinde, wenn wir es nur zulie\u00dfen, ich glaube, wir w\u00e4ren unglaublich stark. Gott hat uns M\u00f6glichkeiten in den Scho\u00df gelegt, die wir noch viel zu wenig nutzen. Trauen wir uns und unserem Glauben doch mehr zu. Unsere Gemeinden, unsere Kirche, unser Land braucht Menschen, die keine Angst vor dem haben m\u00fcssen, was kommt.<br \/>\nZiehen wir sie an, die Waffenr\u00fcstung Gottes. Und gehn los, in die neue Woche.<br \/>\nAmen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>EG 395 1-3<\/strong><\/p>\n<p><strong>Gebet:<\/strong><br \/>\nHerr, unser Gott, manchmal bemerken wir, wie unser Glaube leise von uns wegr\u00fcckt. Hilf uns, hier Stop zu sagen und mutiger f\u00fcr Dich einzustehen:<br \/>\nDa\u00df wir bei unserer Arbeit immer wieder auch nach Dir fragen.<br \/>\nDa\u00df wir auch bei uns zu Hause in unserer Familie nicht vergessen, wof\u00fcr wir eigentlich stehen wollen.<br \/>\nDa\u00df wir selber nicht gleichg\u00fcltig werden gegen\u00fcber Dir und unserer Kirche.<\/p>\n<p>Schenke uns immer wieder neu Deine N\u00e4he, r\u00fcste uns aus mit Glauben, der uns selbstbewu\u00dft und zufrieden in die neue Woche gehen l\u00e4\u00dft .<br \/>\nDenn wir wissen: in dir sind wir stark.<br \/>\nAmen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastor Rainer M\u00fcller-Brandes, Hannover<br \/>\n<a href=\"mailto:rainer.mueller-brandes@evlka.de\">rainer.mueller-brandes@evlka.de<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andachten (2003) &#8222;Profil oder Turnschuhe&#8220;, verfa\u00dft von Rainer M\u00fcller-Brandes Profil oder Turnschuhe Epheser 6, 11a Liebe Hausgemeinde, einen Satz nur m\u00f6chte ich heute in den Mittelpunkt stellen. 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