{"id":9629,"date":"2021-02-07T19:49:49","date_gmt":"2021-02-07T19:49:49","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9629"},"modified":"2022-09-16T11:07:58","modified_gmt":"2022-09-16T09:07:58","slug":"taufe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/taufe\/","title":{"rendered":"Taufe"},"content":{"rendered":"<h3><strong><b><span style=\"color: #000099;\">Andachten (2003)<br \/>\n&#8222;Taufe&#8220;, verfa\u00dft von Rainer M\u00fcller-Brandes<\/span><\/b><\/strong><\/h3>\n<hr \/>\n<p><strong>Taufe<br \/>\nMatth\u00e4us 3, 17<\/strong><\/p>\n<p>Endlich war es soweit:<br \/>\nNach diversen Vorbereitungen, nach Telefonaten, Briefen und Gespr\u00e4chen mit unserem Ortspfarrer wurde unser kleiner Philipp getauft. Das war nat\u00fcrlich sch\u00f6n und ich stand nun auf der anderen Seite, und das war auch mal ganz heilsam. Als Gemeindepfarrer fand ich es n\u00e4mlich immer schwierig, wenn eine Familie ihr Kind unbedingt an einem bestimmten Termin und unbedingt von einem bestimmten Pfarrer taufen lassen wollte. Und oft wurde es gar nicht so recht verstanden, da\u00df am besagten Termin ihr Wunschpfarrer gar nicht zur Verf\u00fcgung stand. Und wenn dann ein anderer Termin vorschlagen wurde, ging das nicht, weil das Restaurant schon gebucht war.<\/p>\n<p>Ja, uns ging es jetzt ganz genauso, unser Wunschpfarrer konnte erst nicht, und als er konnte, konnten wir nicht und so fort. Und bei all dem kamen mir doch zunehmend Zweifel, ob Gott sich das so gedacht hatte?<br \/>\nNur, wie hat er sich das denn gedacht? Warum hat er seinen Sohn taufen lassen?<\/p>\n<p>Wir hatten das Haus voll mit G\u00e4sten, die Sp\u00fclmaschine war \u00fcberlastet und ich stand an der Sp\u00fcle und wusch ab.<br \/>\nUnd ein Satz ging mir nicht aus dem Kopf. Dieser Satz: &#8222;Du bist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.&#8220; Das hat Gott bei der Taufe zu seinem Sohn Jesus Christus gesagt.<br \/>\nUnd dann kam ich ins Gr\u00fcbeln. Das ist doch total sch\u00f6n, wenn ein Vater seinem Sohn so etwas sagt. Und das, obwohl er kein s\u00fc\u00dfes Kleinkind mehr ist, sondern schon erwachsen ist.<\/p>\n<p>Wenn wir mal \u00fcberlegen: Wann hat eigentlich mein Vater mal so etwas zu mir gesagt? Oder wann haben Sie Ihren Kindern mal zu verstehen gegeben, da\u00df sie durchaus stolz auf sie sind. Da\u00df sie sie gern haben?<br \/>\nIch selber sag so etwas selten, weil ich immer denke, daf\u00fcr brauchts doch einen Anla\u00df. Vielleicht wenn Philipp irgendwann mal freiwillig den Abwasch \u00fcbernimmt, aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen, da\u00df das wahrscheinlich ein Wunschtraum bleibt.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich sagen wir so selten nette Worte, weil es so wenig Situationen gibt, in denen wir auch hundertprozentig sicher sind, da\u00df diese Worte angebracht sind.<br \/>\nAndererseits &#8211; wenn wir wollten, k\u00f6nnten wir geeignete Situationen sicher finden oder herbeif\u00fchren. Jeder Sohn, jede Tochter w\u00fcrde sich \u00fcber solche freundliche Worte freuen. Und umgekehrt geht es uns ja nicht anders. Umgekehrt h\u00f6ren wir doch auch gerne freundliche Worte. &#8222;Das war gute Arbeit&#8220; oder &#8222;Mit Dir arbeite ich gern zusammen&#8220;. Lob ist unbezahlbar.<br \/>\nUnd wenn wir so etwas h\u00f6ren, dann geht bei uns ja sozusagen die Sonne auf oder theologisch ausgedr\u00fcckt: Wenn jemand uns so etwas sagt, dann ist das so, &#8211; wei\u00df ich nicht-als k\u00f6nnte man einen winzigen Blick auf Gott werfen<br \/>\noder vielleicht sogar so, als w\u00fcrde er sich mir pers\u00f6nlich einen winzigen Moment zuwenden und l\u00e4cheln.<br \/>\nUnd solche Momente k\u00f6nnten ja gern \u00f6fter kommen.<\/p>\n<p>&#8222;Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.&#8220;<br \/>\nSo weit die Gedanken beim Abwasch.<br \/>\nTja, und als ich dann in Vorbereitung auf heute mal im Matth\u00e4usevangelium nachgelesen habe, habe ich gesehen, da\u00df da gar nicht steht: &#8222;Du bist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe&#8220;. Da steht vielmehr, &#8222;dies ist mein lieber Sohn.&#8220; D.h. Gott redet Jesus gar nicht direkt an, sondern teilt dies uns Menschen in aller \u00d6ffentlichkeit mit.<br \/>\nSo wie am letzen Sonntag.<br \/>\nDenn die Taufe ist kein privates Geschehen zwischen Vater und Sohn, so wie wenn ich zu meine Sohn sagen, da\u00df er mein allerliebster Sohn ist.<br \/>\nsondern wenn Gott in der Taufe spricht, dann spricht er nicht nur zu Jesus, sondern auch zu allen anderen, die dabei sind. Sie sollen es genauso wissen, wie Gott zu Jesus steht. Und Gott legt sich in der Taufe fest: Er sagt. Dies ist mein geliebter Sohn und er bleibt es auch.<br \/>\nDas hei\u00dft:<br \/>\nIch halte zu ihm, egal was kommt. Ob er einen Unfall hat, ob er seinen guten Ruf verliert, ob er er eines Tage mal alt und schwach wird, ob er mir Kummer macht oder Freude: Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Wenn einer von euch etwas gegen ihn hat dann hat er mich zum Gegner. Das erkl\u00e4re ich hiermit feierlich.<\/p>\n<p>So versteh ich Gottes Worte Wort bei Jesu Taufe. Und so versteh ich diese Worte bei jeder Taufe, auch bei der von Philipp.<br \/>\nDie Geschichte von der Taufe Jesu sagt mir, was in unserer Taufe geschieht oder geschehen ist:<br \/>\nWir lassen uns taufen, weil Jesus sich hat taufen lassen. Aus keinem anderen Grund.<br \/>\nWir lassen uns taufen, weil wir doch Anteil haben wollen an dem, was Jesus zugesprochen wurde,<br \/>\nweil wir Anteil haben wollen an dem, was Jesus uns dann auch zugesprochen hat: Gotteskindschaft: Du bist mein geliebter Sohn, du bist mein geliebte Tochter. Du.<br \/>\nWir alle &#8211; und der Philipp jetzt auch &#8211; k\u00f6nnen mit vollen Recht sagen: Wir geh\u00f6ren dazu. Wir k\u00f6nnen mit vollem Recht sagen:<br \/>\nGott war bei unserer Taufe aufmerksam dabei. Und durch die Taufe hat er der Gemeinde, der \u00d6ffentlichkeit erkl\u00e4rt, da\u00df Sie, ich, sein Sohn, seine Tochter sind.<\/p>\n<p>Und was wir bei unseren Kindern, bei unsern Eltern zwar versuchen, aber oft genug auch nicht schaffen k\u00f6nnen, n\u00e4mlich zu ihnen zu stehen, egal, was passiert:<br \/>\ner bekommt es hin: Nat\u00fcrlich wenn wir zufrieden sind und uns auf das Wochenende freuen, aber auch wenn es wieder Montag wird und es manchmal schwer f\u00e4llt, zur Arbeit zur\u00fcckzukehren. Diesen Bonus haben wir &#8211; in jeder Lebenslage.<br \/>\nDu bist mein geliebter Sohn, Du bist meine geliebte Tochter, an dir habe ich Wohlgefallen. Das z\u00e4hlt.<br \/>\nAuch wenn Philipp in der Kirche kurz gebr\u00fcllt hat.<br \/>\nAmen<\/p>\n<hr \/>\n<p>EG 200,1,2,4<br \/>\nGebet:<br \/>\nHerr, unser Gott in der Taufe hast du uns gesagt: Du bist mein geliebter Sohn, du bist meine geliebte Tochter. Das mu\u00df ich mir erstmal klarmachen.. Das mu\u00df ich mir erstmal sagen lassen.<br \/>\nGib, da\u00df ich etwas davon mitnehme zu meinen Kollegen, zur Familie am Wochenende. Danke daf\u00fcr. Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastor Rainer M\u00fcller-Brandes, Hannover<br \/>\n<a href=\"mailto:rainer.mueller-brandes@evlka.de\">rainer.mueller-brandes@evlka.de<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andachten (2003) &#8222;Taufe&#8220;, verfa\u00dft von Rainer M\u00fcller-Brandes Taufe Matth\u00e4us 3, 17 Endlich war es soweit: Nach diversen Vorbereitungen, nach Telefonaten, Briefen und Gespr\u00e4chen mit unserem Ortspfarrer wurde unser kleiner Philipp getauft. Das war nat\u00fcrlich sch\u00f6n und ich stand nun auf der anderen Seite, und das war auch mal ganz heilsam. 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