{"id":9643,"date":"2002-03-07T19:49:50","date_gmt":"2002-03-07T18:49:50","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9643"},"modified":"2025-04-24T11:36:58","modified_gmt":"2025-04-24T09:36:58","slug":"reflexion-zu-martin-luthers-predigt-von-1528-ueber-den-2-artikel-des-credo-und-zu-einer-passionspredigt-heute-ueber-phil-2-5-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/reflexion-zu-martin-luthers-predigt-von-1528-ueber-den-2-artikel-des-credo-und-zu-einer-passionspredigt-heute-ueber-phil-2-5-11\/","title":{"rendered":"Philipper 2, 5-11"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: left;\">Reflexion zu Martin Luthers Predigt von 1528 \u00fcber den 2. Artikel des CREDO und zu einer Passionspredigt heute \u00fcber Phil 2, 5-11 | Hans Theodor Goebel |<\/h3>\n<p><span id=\"luther\">Christus, Gottes eingeborener Sohn, der Herr<\/span><br \/>\nMartin Luther, WA 30 I, 90,16: &#8222;Herr sey hie so viel als erl\u00f6ser etc.&#8220;<\/p>\n<p><strong>1.<em>(Elementarisierung)<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Luther elementarisiert. Indem er am 10. Dezember 1528 &#8222;den Glauben&#8220; predigt<b><a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"> [1] <\/a><\/b>. Dazu konzentriert er die F\u00e4lle der einzelnen Bekenntnisaussagen oder Artikel auf die uns gel\u00e4ufigen drei (<em>einstmals zw\u00f6lf<\/em>), sc. den Glauben an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Er legt das CREDO aus in jeweils kurzer Beantwortung der drei Fragen, &#8222;inwiefern&#8220; (<em>quomodo<\/em>)<b><a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"> [2]<\/a><\/b>wir geschaffen sind, erl\u00f6st sind, geheiligt sind und werden. So sollen es die Kinder und Unkundigen &#8222;auffs aller einfeltigst lernen&#8220;. Und verstehen, was sie sagen, wenn sie den Glauben aufz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Das ist ein didaktisches Konzept. Lernen, verstehen, Auskunft geben k\u00f6nnen \u00fcber den Glauben, wenn du gefragt wirst. Herunter gebrochen die Glaubensaussagen aufs Allerelementarste. Lernen sollen nicht nur die Ungelehrten und Kinder. Sondern lernen auch die Lehrer \u2013 wie Luther \u00fcberzeugt ist \u2013 f\u00fcrs Lehren und durchs Lehren.<\/p>\n<p>Das Anliegen hat Aktualit\u00e4t in s\u00e4kularer oder posts\u00e4kularer Gesellschaft. Lernen, um was es elementar geht im christlichen Glauben, es verstehen und Auskunft geben k\u00f6nnen. Im Diskurs nicht nur zwischen Lehrern und Kindern, sondern auch zwischen erwachsenen Christen, Glaubenden aus anderen Religionen und &#8222;religi\u00f6s Unmusikalischen&#8220; (J\u00fcrgen Habermas) in der Gesellschaft. Das Genus &#8222;Elementare Lehrpredigt f\u00fcr Unkundige&#8220; k\u00f6nnte sich noch andere Orte und Zeiten suchen als die christlichen Ortskirchen am Sonntagmorgen um 10 Uhr. Weltliche Pl\u00e4tze, Hallen am Kirchentag, Stadtpredigt am Sonntagabend, Seminare.\u00a0Zielgruppe sind heute gerade auch junge Menschen. Die im Gespr\u00e4ch mit sich selbst und ihresgleichen kundig sein m\u00fcssen \u00fcber den &#8222;christlichen Glauben&#8220;.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> <em>(regimen change)<\/em><\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Wie Luther den ersten Glaubensartikel konzentriert auf die Sch\u00f6pfung, so den zweiten auf die Erl\u00f6sung. Er fokussiert den Glauben an Jesus Christus darauf, dass er &#8222;unser Herr&#8220; (<em>dominus noster<\/em>) sei. Und legt dies aus durch den Gedanken: Er hat mich befreit. Eben <em>darin <\/em>soll begriffen sein und verstanden werden, dass Jesus Christus sei mein Herr. Sein Herr sein als Befreiung f\u00fcr mich. <em>Wenn du gefragt werden wirst: was meinstu damit, dass du sagst: Ich glaube an Jesus Christus ect? antworte: das meine ich damit, dass Jesus Christus, der wahre Sohn Gottes, sei mein Herr geworden. Inwiefern? Darin, dass er mich befreit hat vom Tod, den S\u00fcnden, den h\u00f6llischen M\u00e4chten und allem \u00dcbel ect..<\/em><\/p>\n<p>Jesus Christus ist mein Herr &#8222;geworden&#8220;. Zu meinem Herrn gemacht worden (<em>sit meus dominus factus<\/em>). Ein <em>Geschehen<\/em> ist hier in den Blick genommen. Dynamik, nicht Statik. Ein Geschehen mit bestimmtem Ausgang. N\u00e4mlich der Herrschaft Jesu Christi, die f\u00fcr mich Befreiung ist.<\/p>\n<p><em>Regime change: <\/em>Ein tyrannischer, Menschen verachtender und Leben zerst\u00f6render Herrscher, der vorher (<em>antea<\/em>) \u00fcber mich Macht hatte: <em>diabolus erat noster dominus<\/em>, wird vertrieben und seiner Herrschaft entsetzt. Und die vorher ihm und seinem Todessystem dienen mussten, sind nun befreit.<\/p>\n<p>Was sich in diesen Tagen liest wie eine w\u00f6rtliche Selbstdarstellung der geplanten US-Aktion gegen Saddam Hussein, ist hier Luthers Zusammenfassung des Glaubens an Jesus Christus. Wie nahe liegt die elementar fokussierte Sprache der Evangeliumsverk\u00fcndigung bei der Sprache dieser Kriegspropaganda. Da gilt es auf das je Besondere zu achten.<\/p>\n<p>Was von Jesus Christus zu glauben und zu bekennen ist, legt Luther hier ganz in das Tun Jesu Christi. Und dieses Tun beendet einen alten Zustand von Herrschaft und begr\u00fcndet einen neuen. Befreiung ist \u00dcberf\u00fchrung aus dem Dienst Satans in den Dienst des Herrn Jesus Christus. Befreiung zu seinem Dienst. Freiheit ist Freiheit im Dienst Jesu Christi. Keine Freiheit gibt es f\u00fcr Luther <em>zwischen<\/em> Herrschaft Satans und Herrschaft Jesu Christi, zwischen dem Dienst des Todes und dem Dienst des Lebens.<\/p>\n<p>Alles andere im 2. Artikel des CREDO wie Jungfrauengeburt, Passion, Auferstehung Jesu Christi usw expliziert f\u00fcr Luther nur den notwendigen Vollzugsmodus und die Kosten: Jesu Christi Leib und Leben (<em>suo proprio corpore et sanguine<\/em>) dieses regime change f\u00fcr mich. Ist nicht Gegenstand eigener Reflexion in dieser Predigt. Die wahre Gottessohnschaft geh\u00f6rt hingegen ins<em> Subjekt<b><a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"> [3] <\/a><\/b><\/em>: <em>Ich glaube, dass Jesus Christus der wahre Sohn Gottes (verus dei filius) sei mein Herr geworden<\/em>. <em>Dieser Jesus Christus, <\/em>der der wahre Sohn Gottes <em>ist<\/em>, \u2013 so kann ich jetzt genauer formulieren \u2013 legt sein ganzes Sein in das Tun, mich zu befreien. Von seinem Tun spricht Luther in der Zeitform des Perfekts: Er<em> hat<\/em> mich befreit. Wie von der Sch\u00f6pfung (des Vaters) so kann Luther auch von der Erl\u00f6sung (des Sohnes) sagen, sie sei ausgef\u00fchrt und vollendet: <em>Christus suum officium implevit. <\/em>Im Unterschied zu dem noch andauernden und allererst am Tag der Totenauferweckung und im ewigen Leben vollendeten Werk des Heiligen Geistes. Jedoch ragt das an sich selbst vollendete Werk der Erl\u00f6sung Jesu Christi in die Gegenwart hinein. Entfaltet hier \u2013 an uns \u2013 seine dynamische Aktivit\u00e4t: Jesus Christus <em>befreit uns (liberat nos)<\/em> und <em>gibt (dat) Gerechtigkeit, Leben, Glauben, Macht, Heil, Weisheit usw.<\/em> Ich halte dieses Praesens nicht nur f\u00fcr ein rhetorisches also f\u00fcr eine Form lebendigen Erz\u00e4hlens von der Geschichte Jesu Christi, sondern f\u00fcr sachlich begr\u00fcndet: In unserer Gegenwart verzahnt sich das vollendete Werk der Erl\u00f6sung Jesu Christi mit unserer, mit meiner Lebensgeschichte. Im Werk unserer Heiligung durch den Heiligen Geist.<\/p>\n<p>Mit dieser <em>Zeit<\/em>bestimmung der Dynamik des Heilswerkes Jesu Christi in der Gegenwart ist f\u00fcr mich und dich ein <em>Orts<\/em>wechsel verbunden: Er hat mich in seine Herrschaft gebracht. Er <em>habe dich ynn seine schos genommen\u00a0<\/em>sagt Luther. Und schl\u00e4gt damit homiletisch seelsorgerlich den Ton der Verheissung an. Tr\u00f6stliche Gewissheit spricht sich aus. Da wird Geborgenheit zu-gesagt und Vertrauen pro-voziert.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong> <em>(Christushymnus)<\/em><\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Lese ich diese CREDO-Predigt Luthers \u00fcber den 2. Artikel neben dem Christushymnus aus Philipper 2, habe ich im Sinn zu halten, dass Luther hier nicht diesen Bibeltext auslegt und predigt (wie er das an anderer Stelle getan hat<b><a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"> [4] <\/a><\/b>). Dessen bewusst stelle ich fest, dass die beiden verschiedenen Texte \u2013 der Christushymnus und die Katechismuspredigt \u2013 zentral den Gedanken des <em>regime change <\/em>traktieren. Beide meinen damit das Heilsgeschehen in Jesus Christus.<b><a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"> [5]<\/a><\/b><\/p>\n<p>Der Hymnus stellt in seiner ersten Strophe die selbstbestimmte Erniedrigung dar: Der Gott gleich war erniedrigte sich selbst(\ufffd\u03b5\u03b1\u03c5\u03c4\u03cc\u03bd) in die menschliche Knechtschaft, in den Tod am Kreuz. Das war die freie Tat seines Gehorsams. Der Gehorsamstat des Gekreuzigten entspricht in der folgenden Strophe seine Erh\u00f6hung durch Gott. Den, der gehorsam war bis zum Tod am Kreuz, namentlich ihn hat Gott vor dem Kosmos proklamiert als Herrn des Kosmos. Und hat damit kund gemacht, dass er ihm und keinem Anderen seine eigene Weltherrschaft &#8222;\u00fcbertragen&#8220; hat. Indem die M\u00e4chte der Welt diesem Herrn akklamieren, vollziehen sie gleichsam ihre eigene Entm\u00e4chtigung nach.<\/p>\n<p>Die Welt wird damit erl\u00f6st von sich selbst. Und der Mensch in der Welt, sofern er selbst Welt ist, von der Versklavung unter sich selbst. Erl\u00f6st von der Macht, die ihn um seine Freiheit bringt und so umbringt (vgl. Galater 4). Erl\u00f6sung ist hier als &#8222;Herrschaftswechsel&#8220; (K\u00e4semann) verstanden. Oder umgekehrt: Regime change als Befreiung. Befreiung der Welt und des Menschen von ihrer eigenen M\u00e4chtigkeit und Machtversessenheit. In diesem Sinn l\u00e4sst sich auch Luthers Front gegen die religi\u00f6se Selbsterm\u00e4chtigung des Menschen Gott gegen\u00fcber &#8211; die versuchte Selbstrechtfertigung durch eigene Werke &#8211; verstehen (vgl. schon seine Auslegung des 1. CREDO-Artikels).<\/p>\n<p>Im Vergleich mit dem Christushymnus aus dem Philipperbrief zeigt sich auch, dass Luthers elementarisierende Reduktion und Konzentration des 2. CREDO-Artikels Engf\u00fchrungen oder Verk\u00fcrzungen mit sich bringt. Zwei fallen mir auf:<\/p>\n<ol>\n<li>Der Christushymnus im Philipperbrief betrachtet den Herrschaftswechsel durch Jesus Christus in seiner <em>kosmischen <\/em>Dimension. Die ist in Luthers Katechismuspredigt zwar angelegt, wenn er von Tod und Teufel und Gesetz als Leben bestimmenden M\u00e4chten spricht. Aber nicht ausgef\u00fchrt. Weil Luther die Herrschaft Jesu Christi konzentriert auf <em>meine pers\u00f6nliche Erl\u00f6sung. <\/em>Die seelsorgerliche St\u00e4rke dieser Zur\u00fcckf\u00fchrung macht zugleich ihre Problematik aus: Das Eine, das Alles ver\u00e4ndert, wird zu dem, was einzig mich angeht. Oder umgekehrt: Einzig, was mich angeht, wird zum Ein und Alles. Die &#8222;neutestamentliche Tradition hat mit Hilfe&#8220; des Mythos Sprache gefunden f\u00fcr die kosmische Weite der Erl\u00f6sung (K\u00e4semann). Antwort auf die Frage nach der Weltherrschaft heute und morgen. Das muss in Acht bleiben! Vielleicht m\u00fcssen wir neu Sprache daf\u00fcr finden<b><a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"> [6] <\/a><\/b>.<\/li>\n<\/ol>\n<ol>\n<li>Den Christushymnus des Philipperbriefs kennzeichnet auch, dass er kritisch mit dem Mythos bricht, sofern der auf die Verg\u00f6ttlichung des Menschen zielt. Der Christushymnus sieht es so gewendet, dass Gott gerade dem, der als Gott Mensch wurde, dem Gehorsamen, Erniedrigten, Gekreuzigten die Weltherrschaft zuerkannt hat (s. K\u00e4semann). Wenn man so will, ist das die <em>neue Weltordnung, <\/em>die durch das, was in und an Jesus Christus geschah, von Gott de facto in Geltung und ins Recht gesetzt ist. Die Erl\u00f6sung hat eine neue Weltordnung gesetzt \u2013 die, nach der sie sich selbst in Jesus Christus vollzogen hat. Das bedeutet: Die bisher geltende Weltordnung ist ausser Kraft gesetzt und unter Kritik und Gericht Jesu Christi selber gestellt (s. K\u00e4semann). Dementsprechend ermahnt Paulus die Christen in Philippi, mit ihrem Leben gestimmt und gesinnt zu sein auf das, was <em>in Christus<\/em> Geltung hat und Recht. In seiner Weltherrschaft. Die neue Weltordnung \u2013 das ist nicht die Selbstdurchsetzung als Durchsetzung der eigenen Macht, sondern Selbsthingabe, Ent\u00e4usserung, Dienst an dem Anderen und f\u00fcr ihn. Mit dem Ziel der Befreiung des Anderen \u2013 aus der Unterdr\u00fcckung zur selbst\u00e4ndigen Kommunikation. Herrschaftswechsel besagt hier die positive Bestimmung der Freiheit, zu der uns Jesus Christus befreit hat. Freiheit <em>zu,<\/em> zur Wahrnehmung eigener Verantwortung, nicht nur Freihei<em>t von <\/em>(vgl. K\u00e4semann). Luthers Katechismuspredigt ber\u00fchrt sich mit dem Christushymnus darin, dass er von der Befreiung zum Dienst unter der Herrschaft Jesu Christi spricht<em>. <\/em>Diese in Luthers Predigt formal bleibende Bestimmung f\u00e4llt der Hymnus <em>inhaltlich<\/em> mit dem Verweis auf den eigenen Weg Jesu Christi in die Niedrigkeit und den Dienst, der zur neuen Weltordnung geworden ist. Luther deutet das gleichwohl an, indem er Jesu Christi Herr sein f\u00fcr mich auslegt als sein Befreien und Erl\u00f6sen. Herr ist Jesus Christus jedoch eben und gerade als der geworden, der sich hingegeben hat. So besingt es der Hymnus. Zwischen der alten und der neuen Weltordnung gibt es kein Drittes \u2013 darin stimmt Luthers Predigt mit dem Hymnus \u00fcberein.<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>4.<em>(Synopse)<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Kann die Passionspredigt gewinnen aus der Synopse von Christushymnus im Philipperbrief und Luther-Predigt \u00fcber den zweiten Glaubensartikel?<\/p>\n<ol>\n<li>Der Predigt kann es gut bekommen, sich von Luther elementar konzentrieren zu lassen. Auf die allerpers\u00f6nlichste Zusage der Geschichte Jesu Christi: Dein Herr ist er und ist es so, dass er dich erl\u00f6st hat, befreit von allem, was Macht \u00fcber dich hat, dich gefangen h\u00e4lt, dir Angst macht. Befreit vom Tod und von der Macht des B\u00f6sen, die du selbst gegen dich enfesselt hast. Die homiletische Zuspitzung ad personam wird durch den Hymnus des Philipperbriefs eingebettet in die kosmische Weite des regimen change Jesu Christi. Und gibt ihm so exklusive Gewissheit. Zwischen deinen Erl\u00f6ser und dich passt <em>nichts, <\/em>das Macht haben will \u00fcber dich \u2013 auch nicht die Macht der S\u00fcnde, die Macht deiner belastenden Vergangenheit und die der dich bedrohenden Zukunft (vgl. R\u00f6mer 8, 38f). Es ist aber, was in Jesus Christus geschehen ist, kein Geschehen zwischen deinem Erl\u00f6ser und dir allein f\u00fcr sich genommen. Es ist Geschehen, das die Welt inkludiert und ver\u00e4ndert hat. Eben so tr\u00f6ste es dich! Und mache dir Mut, \u00fcber dich selbst hinaus zu denken.<\/li>\n<li>Gott hat den, der sich selbst erniedrigt hat bis zum Tod am Kreuz \u2013 gerade darin und als solchen \u2013 zum Herrn der Welt erh\u00f6ht und proklamiert. Von diesem Ziel her gesehen ist Jesu Christi Weg in die Tiefe seines Todes <em>sein<\/em> Weg zur Weltherrschaft geworden. Und die neue Weltordnung for ever. So ist seine Herrschaft unsre Befreiung geworden. Die Befreiung der Welt von der Macht \u00fcber sich selbst und von der Versessenheit der Macht auf die Macht. Die Befreiung von der Allmachtsfantasie versuchter Selbsterl\u00f6sung oder Selbstgen\u00fcgsamkeit. Jesu Christi damit errichtete neue Weltordnung ist zugleich unsere Befreiung von dem Weltschema der eigenen Machtdurchsetzung auf Kosten der Anderen. Er hat auf die Durchsetzung seiner g\u00f6ttlichen Macht verzichtet. Gerade darin ist er aber \u00fcber die alten M\u00e4chte aber auch m\u00e4chtig &#8222;gemacht&#8220; geworden. Ihr Christen, seid bedacht auf das, was im Bereich des Christus gilt, lebt also nach seiner neuen Weltordnung \u2013 das kann heissen: Verzichtet darauf, (fremde) Gewalt durch (eigene) Gewalt abschaffen und so (eigene) Macht durchsetzen zu wollen. Das w\u00e4re noch immer das alte Weltschema. Vielleicht erfahrt ihr dann &#8222;in der noch nicht erl\u00f6sten Welt&#8220; vorl\u00e4ufig nur die eigene Ohnmacht. Aber die ist schon das Angeld eurer Befreiung vom alten Schema eigener Machtdurchsetzung. Eure Befreiung zu einem anderen Umgang mit Macht.<br \/>\nDie dritte Versuchung Jesu Christi durch den Satan (Matth\u00e4us 4,8ff) ist die der Macht \u00fcber die Reiche der Welt. Vom Satan verliehen. Sie kann abgr\u00fcndiger sein als die Erf\u00fcllung des Machtverlangens um seiner selbst willen. Fjodor M. Dostojewski zeigt im <em>Grossinquisitor <\/em>die Versuchung der Macht, deren Zweck ist, die Masse der selbst schwachen Menschen gl\u00fccklich zu machen, ihnen die Freiheit, die sie \u00fcberfordert, abzunehmen und die Freiheit f\u00fcr diese Leidenden zu verwalten, sie vor sich selbst zu retten. Im Namen Gottes. Im Sinne dessen, was Jesus selbst gewollt habe. In der biblischen Geschichte entsagt Jesus dieser Macht. Im Sinne der Kirche des <em>Grossinquisitors <\/em>wird damit er selbst zum gr\u00f6ssten Ketzer und muss auf den Scheiterhaufen. Jesus habe kein <em>Recht <\/em>noch einmal zu kommen und diese Kirche zu <em>st\u00f6ren. <\/em>Da spiegelt Dostojewski die Kritik der selbstm\u00e4chtigen Kirche und ihrer Menschheitsmission durch den wiederkommenden Jesus Christus, den Richter. Der aber geht schweigend auf den Grossinquisitor zu &#8211; und k\u00fcsst ihn still. \u2013 Das ist seine ganze Antwort. Die neue Weltordnung. Von ihr her m\u00fcssen die Kirchen heute neu Kritik der Machtpolitik &#8211; auch als Religionskritik lernen. Die Kritik hegemonialer Weltpolitik und pr\u00e4ventiver kriegerischer Machtdurchsetzung, die sich religi\u00f6s zu legitimieren suchen als Mission der Befreiung und Demokratisierung aller V\u00f6lker, die in der alten Weltordnung leiden unter Terror und Diktatur. Warum sollte diese Mission nicht wohl gemeint sein k\u00f6nnen? Nur geht es nicht in jedem Fall und gar nicht vorrangig darum, die subjektive Wahrhaftigkeit der \u00fcberzeugung bei Ideologen und Akteuren solcher Politik in Zweifel zu ziehen. Vielmehr geht es um das kritische Pr\u00fcfen und Bedenken, wieweit in bestimmter historischer Situation politische und milit\u00e4rische &#8222;Antworten&#8220; auf Terror und Unterdr\u00fcckung noch selbst dem Schema der alten Weltordnung verhaftet sind und sie fortsetzen. <em>Muss<\/em> das so sein? Ist das nicht immer noch selbst verantwortete Knechtschaft unter einem t\u00f6tenden Gesetz? Sind nicht andere Wege ge\u00f6ffnet \u2013 und zu finden &#8211; vor dem letzten der unvermeidlichen Gewalt? Darf dann das Handeln im alten Schema sich selbst religi\u00f6s legitimieren? Die christlichen Kirchen haben mit Recht zu hinterfragen begonnen, ob derlei politische oder Zivilreligion dem entspricht, was in Jesus Christus f\u00fcr die Welt ins Recht und zur Geltung gekommen ist. Oder ob nicht vielmehr sein Name hierf\u00fcr zu Unrecht in Anspruch genommen wird. Die &#8222;untergr\u00fcndige Korrespondenz&#8220; (J.Habermas) der religi\u00f6sen Motivation und Sprache in terroristischen Verbrechen wie im Krieg gegen den Terrorismus und seine vermeintlichen Helfershelfer sch\u00e4rft das kritische Bewusstsein. <em>Dem Gekreuzigten geh\u00f6rt die Welt. Nicht den Gewaltt\u00e4tern und sich selbst Durchsetzern. Gott hat den regimen change vollzogen. Seid darauf bedacht und verhaltet euch so, wie es der neuen Weltordnung in Jesus Christus entspricht, der Gottes Sohn war und war es nicht anders als dass er sich selbst niedrig machte, Mensch wurde, seine Freiheit lebte, indem er den Geknechteten zum Knecht wurde, gehorsam bis zum Tod am Kreuz. Gerade so hat ihn Gott zum Herrn der Welt ausgerufen! Herr sein \u2013 das ist hier neu vollzogen und definiert.<br \/>\nSein Herr sein sei hier soviel wie Befreiung.<\/em><br \/>\nDas ist eine Botschaft zum Glauben und zum Hoffen, wo nichts zu hoffen ist.<\/li>\n<\/ol>\n<hr \/>\n<p><b><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1] <\/a><\/b>WA 30 I, 86-94.<\/p>\n<p><b><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2] <\/a><\/b>Schon <em>Anselm von Canterbury <\/em>(1033\/4-1109) hat es f\u00fcr n\u00f6tig erachtet, danach zu fragen, <em>quomodo sit, quod catholica ecclesia corde credit et ore confitetur <\/em>(zit. bei Karl Barth, Fides quaerens intellectum. Anselms Beweis der Existenz Gottes im Zusammenhang seines theologischen Programms (1931), Karl Barth Gesamtausgabe, Z\u00fcrich 1981,26). Anselm hat so den 2. Artikel des CREDO zu verstehen (intelligere) und auszulegen sich bem\u00fcht im Dialog mit seinem Ordensbruder Boso, der die Fragen der Glaubenden und Nichtglaubenden, der Gebildeten und Ungebildeten vorbringt (Anselm von Canterbury, CUR DEUS HOMO. WARUM GOTT MENSCH GEWORDEN (Lateinisch u. Deutsch), besorgt u. \u00fcbersetzt von Franciscus Salesius Schmitt O.S.B., Darmstadt <sup>3<\/sup>1960, s. I. Buch. 1. Cap.).<\/p>\n<p><b><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3] <\/a><\/b>Die Gottessohnschaft Jesu Christi ist also kein hinzutretendes Pr\u00e4dikat.<\/p>\n<p><b><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4] <\/a><\/b>WA Br.I 283ff (Nr. 126), zit. bei: Emanuel Hirsch, Hilfsbuch zum Studium der Dogmatik, Leipzig und Berlin 1937, 28ff.<\/p>\n<p><b><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5] <\/a><\/b>Vgl. zum Folgenden: Ernst K\u00e4semann, Kritische Analyse von Phil. 2,5-11 (1950), in: Ernst K\u00e4semann, Exegetische Versuche und Besinnungen I, G\u00f6ttingen 1960, 51-95.<\/p>\n<p><b><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6] <\/a><\/b>In seinen \u00dcberlegungen zu dem eschatologischen Kampf des Reiches Jesu Christi mit dem Reich Satans um die Welt expliziert Luther gerade die kosmische Dimension. &#8211; Siehe dazu: Hans-Georg Geyer, Luthers Auslegung der Bergpredigt, in: &#8222;Wenn nicht jetzt, wann dann?&#8220;, Aufs\u00e4tze f\u00fcr Hans-Joachim kraus zum 65. Geburtstag, hg.v. Hans-Georg Geyer u.a., Neukirchen-Vluyn 1983, 283-293. \ufffd Geyer: &#8222;Darauf hat M.Luther\ufffd allerdings unverwandt insistiert: Das Gottesreich der Wahrheit und des Lebens f\u00e4ngt in dieser Welt beim Individuum an, konkret zu werden; andernfalls bleibt es ein d\u00fcrrer dogmatischer Satz, der de facto das Gesch\u00e4fts des Gegenteils betreibt. Aber es w\u00e4re in der Perspektive derselben Erkenntnis M.Luthers ein grober Irrtum und eine schlimme Irrlehre zu meinen, dass Gottes Reich beim Individuum stehen- und in seiner Innerlichkeit steckenbliebe. Der Enge seines Anfangs in einem neuen Herzen entspricht seine Vollendung in der Weite eines neuen Himmels und einer neuen Erde.&#8220; (aaO 293).<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Prof. Dr. Hans Theodor Goebel<br \/>\n<\/strong><b><a href=\"mailto:HTheo_Goebel@web.de\">HTheo_Goebel@web.de<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reflexion zu Martin Luthers Predigt von 1528 \u00fcber den 2. Artikel des CREDO und zu einer Passionspredigt heute \u00fcber Phil 2, 5-11 | Hans Theodor Goebel | Christus, Gottes eingeborener Sohn, der Herr Martin Luther, WA 30 I, 90,16: &#8222;Herr sey hie so viel als erl\u00f6ser etc.&#8220; 1.(Elementarisierung) Luther elementarisiert. Indem er am 10. 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