{"id":9645,"date":"2003-06-07T19:49:50","date_gmt":"2003-06-07T17:49:50","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9645"},"modified":"2025-04-24T11:30:55","modified_gmt":"2025-04-24T09:30:55","slug":"jona","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jona\/","title":{"rendered":"Jona 4"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"color: #000099;\">Predigtreihe zu biblischen Gestalten \u2013 Jona | Jona 4 | Christian Berndt |<\/span><\/h3>\n<p><b>&#8222;Gott &#8211; gn\u00e4diger als gerecht&#8220;<\/b><\/p>\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder,<\/p>\n<p>fast am Ende des Alten Testaments befindet sich ein kleines Buch mit vier Kapiteln, das Buch Jona. Es erz\u00e4hlt, wie der Name schon sagt, von dem Propheten Jona. Wir kennen Jona vor allem als den Mann im Walfisch. Aber die Geschichte von Jona hat noch viel mehr zu bieten.<\/p>\n<p>So war zum Beispiel kein anderer Prophet so erfolgreich wie Jona. Weder Samuel, noch Elia, noch Jesaja. Jona war so erfolgreich, er brauchte nur 5 Worte, um eine gewaltige Stadt von ihrer Schuld zu \u00fcberzeugen und zu Gott zu bringen. 5 Worte!<\/p>\n<p>Zugleich regte sich kein anderer Prophet so sehr \u00fcber seinen Erfolg und \u00fcber Gott auf wie Jona. Schlie\u00dflich wollte Gott endlich einmal b\u00f6se, ungerechte Menschen f\u00fcr ihre Schuld b\u00fc\u00dfen lassen und sie richtig bestrafen, so wie sie es f\u00fcr ihre schlechten Taten verdient h\u00e4tten. Aber dann &#8230;<\/p>\n<p>Doch h\u00f6rt die Geschichte besser von Anfang an und macht euch selbst ein Bild von beiden, Jona und Gott.<\/p>\n<p>Es ist die Zeit vor vielen hundert Jahren, als in Israel noch K\u00f6nige herrschen und Propheten den Willen Gottes verk\u00fcnden. Da gibt Gott einem seiner Propheten, Jona, genannt die Taube, einen Auftrag. &#8222;Mache dich auf, Jona!&#8220; so beginnt Gott &#8211; und Jona wei\u00df sofort, dass ihm jetzt eine gro\u00dfe Aufgabe zukommen wird. Das Wort Gottes verk\u00fcnden. Nur er und seine Berufskollegen d\u00fcrfen das. Mal ist es eine gute Nachricht f\u00fcr die Menschen einer Stadt, mal ist es aber auch eine Warnung Gottes, ja manchmal sogar die Ansage, dass ein ganzes Volk untergehen wird, weil es sich nicht an das h\u00e4lt, was Gott von ihm will.<\/p>\n<p>&#8222;Wo wird Gott mich diesmal hinschicken?&#8220; fragt er sich &#8211; und h\u00f6rt mit Entsetzen die n\u00e4chsten Worte von Gott: &#8222;Ja, mach dich auf &#8230; in die gro\u00dfe und m\u00e4chtige Stadt Ninive und k\u00fcndige ihren Einwohnern an, dass ich sie strafen werde. Denn ich kenne ihre Bosheit.&#8220; Eine Gerichtsbotschaft war nichts Neues f\u00fcr Jona, aber Ninive! Das ist die Hauptstadt der Assyrer, der schrecklichsten aller Feinde. Die sich am wenigsten an Gott halten, die \u00fcber die 10 Gebote nur lachen und fremden G\u00f6tzen dienen, die nur zechen, huren und morden, wie es ihnen gef\u00e4llt.<\/p>\n<p>Und was w\u00e4re, wenn &#8211; Jona mag diesen Gedanken gar nicht denken &#8211; was w\u00e4re, wenn Gott es zwar ank\u00fcndet, aber die Stadt dann gar nicht bestrafen und vernichten wird? Wenn er, Jona, als Gottes Sprachrohr den Untergang prophezeien w\u00fcrde, Gott aber stillh\u00e4lt? Schlie\u00dflich ist Gott unberechenbar. Ihm w\u00e4re durchaus zuzutrauen, dass er sogar solch b\u00f6sen, grausamen, gottesl\u00e4sternden Menschen vergeben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Jona erschauert bei diesen Gedanken. Was soll er nur tun? Nach Ninive will er auf keinen Fall. Mit Gott \u00fcber seinen Auftrag diskutieren &#8211; das ist ausgeschlossen. Und bleiben kann er auch nicht, wo Gott ihn doch hier ergreifen kann. Also macht er sich auf und geht so schnell er kann &#8230; in die von Ninive entgegengesetzte Richtung &#8211; hinab zum Hafen von Jafo. Dort h\u00e4lt Jona nach einem Schiff Ausschau, das ihn so weit wie m\u00f6glich wegbringen w\u00fcrde &#8211; noch weiter weg von Ninive, weg von seinem Auftrag.<\/p>\n<p>Es dauert nicht lange, da findet er ein ausl\u00e4ndisches Schiff, das nach Spanien fahren soll. Er geht an Bord, bezahlt seine Reise und legt sich v\u00f6llig ersch\u00f6pft unter Deck schlafen. Doch er kann sich nur kurz ausruhen. Bald wird er unsanft vom Kapit\u00e4n geweckt: &#8222;Jona, Jona, steh auf. Wie kannst du blo\u00df schlafen?&#8220; Jona wird pl\u00f6tzlich hellwach. Alles scheint zu beben und sich zu drehen. &#8222;Ein riesiger Sturm!&#8220; schreit der Kapit\u00e4n ihm zu. &#8222;Wir haben schon allen Ballast von Bord geworfen. Aber der Wind wird immer schlimmer. Wir gehen gleich unter! An Deck kann sich schon keiner mehr halten. Komm, rufe deinen Gott an, damit er uns helfe.&#8220;<\/p>\n<p>Der Kapit\u00e4n zieht Jona in den Mannschaftsraum, wo alle anderen sich verzweifelt an etwas klammern, beten oder sich \u00fcbergeben. Doch Jona kommt kein Gebet \u00fcber die Lippen.<\/p>\n<p>Das Schiff b\u00e4umt sich immer mehr auf, immer st\u00e4rker werden alle hin und her geworfen. Schlie\u00dflich schreit einer der Matrosen: &#8222;Die G\u00f6tter z\u00fcrnen uns. Daran muss einer von uns Schuld sein. Lasst uns also die G\u00f6tter fragen und losen, wer es ist.&#8220; Und so losen sie, und es trifft Jona. Sogleich best\u00fcrmen sie ihn: &#8222;Sag, warum geht es uns so schlecht? Wer bist du und was machst du hier?&#8220;<\/p>\n<p>Da bekennt Jona: &#8222;Ich bin ein Hebr\u00e4er und verehre den Herrn, den Gott des Himmels, der das Land und das Meer geschaffen hat. Vor diesem Gott fliehe ich.&#8220; Die ausl\u00e4ndischen Seeleute bekommen noch mehr Angst vor diesem Gott, der den gro\u00dfen Sturm befehlen kann. Und sie flehen Jona an: &#8222;Hilf uns! Was sollen wir denn nur machen, damit dieser Sturm aufh\u00f6rt?&#8220;<\/p>\n<p>Endlich sieht Jona ein, dass es keinen Sinn mehr hat, vor Gott wegzulaufen. &#8222;Werft mich einfach \u00fcber Bord! Dann wird sich das Meer beruhigen. Der Sturm ist nur durch meine Schuld \u00fcber uns gekommen.&#8220; Doch die Seeleute weigern sich, dies zu tun. Sie sammeln noch einmal alle Kr\u00e4fte, steigen nach oben und rudern verzweifelt gegen den Sturm an. Erfolglos. Schweren Herzens nehmen sie schlie\u00dflich Jona und werfen ihn ins Meer. Augenblicklich legt sich der Sturm. Die Seeleute erschrecken und f\u00fcrchten sich noch mehr vor dem Gott des Jona, dem Gott Israels. Sie bringen ihm sogar ein Schlachtopfer dar und bekehren sich zum Glauben an diesen Gott.<\/p>\n<p>Doch Jona bekommt das gar nicht mehr mit. Sobald er ins Wasser gest\u00fcrzt ist, schickt Gott einen gro\u00dfen Fisch, der ihn mit Haut und Haaren verschluckt. Erst hier, im Bauch des Fisches, und ganz alleine betet Jona endlich zu seinem Gott, dem Herrn \u00fcber Land und Wasser, Menschen und Tiere. Er zitiert alle Psalmen, an die er sich erinnert. Er dankt Gott f\u00fcr seine Rettung durch den Fisch. Und er verspricht ihm, seinen Auftrag nun zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Drei Tage und drei N\u00e4chte muss Jona ausharren, bis der Fisch ihn wieder an das Ufer ausspuckt. Kaum hat er wieder Erde unter den F\u00fc\u00dfen, da nimmt sich Gott Jona noch einmal direkt vor und wiederholt seinen Auftrag: &#8222;Mach dich auf, geh in die gro\u00dfe und m\u00e4chtige Stadt Ninive, und verk\u00fcnde den Menschen dort die Botschaft, die ich dir schon gesagt habe!&#8220; Scheinbar gel\u00e4utert macht sich Jona nun wirklich auf den Weg nach Ninive. Seinen Auftrag w\u00fcrde er erf\u00fcllen, dessen ist er sich nun bewusst. Widerstand war zwecklos. Aber Gott hatte ihm ja keine Details genannt! So geht Jona keineswegs mitten in die Stadt oder gar zum K\u00f6nig von Ninive. Ganz langsam und leise schleicht er sich auf einen kleineren Platz, stellt sich auf eine Kiste und spricht nur 5 Worte: &#8222;40 Tage bis zum Untergang!&#8220; Das ist seine ganze Predigt. &#8222;Sollen sie doch untergehen,&#8220; denkt er, &#8222;sollen sie ihre Strafe bekommen, die verhassten Niniviten! Komm, Gott, jetzt bist du an der Reihe!&#8220; Mit diesem Gedanken verstummt Jona und sieht seinen Auftrag als erf\u00fcllt an.<\/p>\n<p>&#8222;40 Tage bis zum Untergang!&#8220; Nur einmal sagt Jona diese Worte. Sie schlagen in Ninive ein wie eine Bombe. V\u00f6llig verdutzt muss Jona mit ansehen, was sich nun vor seinen Augen abspielt. Ein gro\u00dfes Fasten wird ausgerufen, alle legen ihre sch\u00f6nen Kleider ab und ziehen einen Sack an zum Zeichen der Bu\u00dfe. Sogar der K\u00f6nig, m\u00e4chtiger Herrscher \u00fcber viele V\u00f6lker, h\u00fcllt sich in einen Sack und setzt sich in die Asche. Die Menschen in Ninive befolgen alle Rituale der Bu\u00dfe, ja, sogar die Tiere m\u00fcssen fassten und einen Sack tragen.<\/p>\n<p>So schw\u00f6ren K\u00f6nig und Volk ihren fr\u00fcheren b\u00f6sen Wegen ab und flehen Gott um Erbarmen an. 40 Tage lang. Diese Bekehrung macht auf Gott einen so starken Eindruck, dass er seinen Beschluss zur\u00fccknimmt und Ninive nicht vernichtet.<\/p>\n<p>Jona sch\u00e4umt vor Wut. Er schreit Gott an: &#8222;Ich wusste, dass es so kommen wird! Das ist nicht gerecht. Ninive hat den Tod verdient. Nie wollten sie etwas von dir wissen; immer haben sie selber Unrecht getan. Aber ich wusste, dass du zu gn\u00e4dig und g\u00fctig bist. Du l\u00e4sst dich umstimmen und strafst dann doch nicht&#8230;. Ach, lass mich doch sterben, das ist besser als weiter zu leben.&#8220;<\/p>\n<p>Gott erf\u00fcllt ihm diesen Wunsch jedoch nicht, sondern fragt nur zur\u00fcck: &#8222;Ist es recht von dir, so w\u00fctend zu sein?&#8220;<\/p>\n<p>Jona aber schweigt. Voller Grimm verzieht er sich vor die Stadt. Dort sitzt er in der gl\u00fchenden Sonne, bis Gott es noch ein letztes Mal mit ihm versucht.<\/p>\n<p>Blitzschnell l\u00e4sst er eine Rizinusstaude wachsen, die Jona k\u00fchlenden Schatten verschafft. Jona freut sich \u00fcber dieses Geschenk, aber seine Freude w\u00e4hrt nur kurz. Denn Gott schickt einen Wurm, der die Staude sticht und damit verwelken l\u00e4sst. W\u00e4hrend die Sonne von oben herabbrennt, l\u00e4sst Gott auch noch einen hei\u00dfen Ostwind aufkommen. Jona bekommt so f\u00fcrchterliche Kopfschmerzen, dass er sich nur noch den Tod w\u00fcnscht.<\/p>\n<p>Erneut fragt ihn da Gott: &#8222;Ist es recht von dir, so w\u00fctend \u00fcber die eingegangene Staude zu sein?&#8220; Als Jona vehement bejaht, stellt Gott seine letzte Frage: &#8222;Du leidest wegen dieser einen Staude, f\u00fcr die du nichts tun mu\u00dftest. Und ich sollte nicht leiden wegen der gro\u00dfen Stadt Ninive mit all ihren Menschen und Tieren? Soll ich nun gerecht sein oder barmherzig?&#8220;<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastor Christian Berndt, Stade<br \/>\n<a href=\"mailto:Christian.Berndt@evlka.de\">Christian.Berndt@evlka.de <\/a> <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigtreihe zu biblischen Gestalten \u2013 Jona | Jona 4 | Christian Berndt | &#8222;Gott &#8211; gn\u00e4diger als gerecht&#8220; Liebe Schwestern und Br\u00fcder, fast am Ende des Alten Testaments befindet sich ein kleines Buch mit vier Kapiteln, das Buch Jona. Es erz\u00e4hlt, wie der Name schon sagt, von dem Propheten Jona. 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