{"id":9649,"date":"2003-05-07T19:49:51","date_gmt":"2003-05-07T17:49:51","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9649"},"modified":"2025-04-24T09:49:48","modified_gmt":"2025-04-24T07:49:48","slug":"matthaeus-7-13-16a-konfirmationsgottesdienst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-7-13-16a-konfirmationsgottesdienst\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 7, 13-16a"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"color: #000099;\">Predigt zur Konfirmation | Mai 2003 | Matth\u00e4us 7, 13-16a | Sibylle Reh |<\/span><\/h3>\n<p><i>Geht durch das enge Tor! Denn das Tor<br \/>\nist weit, das ins<br \/>\nVerderben f\u00fchrt, und der Weg dahin ist breit, und viele gehen auf ihm. Aber das<br \/>\nTor, das zum Leben f\u00fchrt, ist eng und Weg dahin ist schmal, und nur wenige finden<br \/>\nihn.<\/i><\/p>\n<p><i>H\u00fctet euch vor den falschen Propheten, sie kommen zu euch kommen<br \/>\nzu euch wie Schafe, in Wirklichkeit aber sind sie rei\u00dfende W\u00f6lfe. An<br \/>\nihren Fr\u00fcchten werdet ihr sie erkennen. <\/i><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Ein Tor, das zum Leben f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Das ist gut zu h\u00f6ren, denn wir haben ja hier 17 junge Menschen in der<br \/>\nKirche, die heute konfirmiert werden und die eine Zukunft vor sich haben.<br \/>\nUnd sehr viele Eltern, Verwandte und Freunde sind hier, die sie hier<br \/>\nmit guten W\u00fcnschen begleiten.<\/p>\n<p>In so einer Situation haben die Eltern Pl\u00e4ne f\u00fcr ihre Kinder, wollen<br \/>\nihnen einen guten Start ins Leben erm\u00f6glichen. Die Jugendlichen haben<br \/>\nauch Pl\u00e4ne. Sie wollen nat\u00fcrlich vieles anders und besser machen, als<br \/>\nihre Eltern.<\/p>\n<p>Aber wie das Leben so spielt, liebe Gemeinde: einen Moment glaubt man,<br \/>\ndas Leben in der Hand zu haben, auf einem guten Weg zu sein, im anderen<br \/>\nMoment ist alles anders. Pl\u00f6tzlich sieht man sich von einer in eine Richtung<br \/>\ngedr\u00e4ngt, in die man nie wollte. Das ist so wie in einer gro\u00dfen Menschenmenge,<br \/>\nbeispielsweise im Fu\u00dfballstadion, in der man mitgerissen wird, man kann<br \/>\nnicht in eine andere Richtung laufen als die Menge.<\/p>\n<p>Diese Situation kommt im Leben so h\u00e4ufig vor, dass sie in Science-Fiction-<br \/>\noder Horror\u0096 Filmen oft beschrieben wird.<\/p>\n<p>Mir f\u00e4llt dazu auch eine Erz\u00e4hlung von Friedrich D\u00fcrrenmatt ein, sie<br \/>\nhei\u00dft &#8222;der Tunnel&#8220;.<\/p>\n<p>Ein Zug f\u00e4hrt in einen Tunnel. Das ist nichts Ungew\u00f6hnliches, es gibt<br \/>\nviele Tunnel in der Schweiz. Aber der Tunnel h\u00f6rt nicht auf. Nach einer<br \/>\nWeile geht das Licht an und die Fahrg\u00e4ste gehen wieder ihren Besch\u00e4ftigungen<br \/>\nnach. Der Zug f\u00e4hrt weiter durch den Tunnel. Ein Fahrgast fragt den Schaffner<br \/>\nnach dem Tunnel. Er glaubt zun\u00e4chst, im falschen Zug zu sein, weil er<br \/>\ndie Strecke kennt und der Tunnel nur kurz sein d\u00fcrfte. Der Schaffner<br \/>\nsagt, der Zug fahre planm\u00e4\u00dfig und werde in 15 Minuten den n\u00e4chsten Bahnhof<br \/>\nerreichen. Der Fahrgast glaubt ihm nicht, er sucht den Zugf\u00fchrer. Er<br \/>\nfindet den Zugf\u00fchrer im Speisewagen. Der Zugf\u00fchrer sagt ihm, es sei kein<br \/>\nGrund zur Beunruhigung, der Zug fahre ja auf Schienen, der Tunnel m\u00fcsse<br \/>\nalso irgendwo hinf\u00fchren. An dem Tunnel sei nichts Ungew\u00f6hnliches, au\u00dfer,<br \/>\ndass er nicht aufh\u00f6re. Als der Fahrgast vorschl\u00e4gt, die Notbremse zu<br \/>\nziehen, f\u00fchrt ihn der Zugf\u00fchrer nach vorne, durch den Packwagen zur Lokomotive.<\/p>\n<p>Vorne im F\u00fchrerstand ist niemand, der Zug rast f\u00fchrerlos unaufhaltsam<br \/>\nin einem Abgrund. Der Zugf\u00fchrer fragt den Fahrgast: &#8222;Was sollen wir tun.&#8220; Dieser<br \/>\nantwortet, fasziniert vom Abgrund: &#8222;nichts!&#8220;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, das ist die Situation, die ich vorhin beschrieben habe.<i> <\/i>Pl\u00f6tzlich<br \/>\nmerkt jemand, dass er sein Leben nicht mehr in der Hand hat, dass er<br \/>\nvon dem Weg in den Abgrund nicht mehr abbiegen kann.<\/p>\n<p>Liebe Konfirmanden, ich hoffe, dass ihr das Leben nicht so begreift,<br \/>\nwie diese Zugfahrt.<\/p>\n<p>Der Weg zum Abgrund, ist nicht der einzig m\u00f6gliche Weg<i>. &#8222;Geht durch<br \/>\ndas enge Tor.&#8220;<\/i> diese Aufforderung Jesu, w\u00e4re sinnlos, es dieses<br \/>\nenge Tor nicht geben w\u00fcrde. Wir sitzen nicht in einem Zug, der in den<br \/>\nAbgrund f\u00fchrt. Jesus redet noch von einer anderen T\u00fcr, einem anderen<br \/>\nWeg, eine T\u00fcr, die ins Leben f\u00fchrt. Diese T\u00fcr \u00f6ffnet Jesus den Menschen.<\/p>\n<p>Diese Aussage von der T\u00fcr ins Leben steht in der Bergpredigt. Die Bergpredigt<br \/>\nist eine lange Rede Jesu, die uns Matth\u00e4us \u00fcberliefert hat. In dieser<br \/>\nRede preist Jesus seine Anh\u00e4nger gl\u00fccklich und verspricht ihnen das Himmelreich.<br \/>\nEr erwartet aber auch eine ganze Menge von ihnen: Nicht zur\u00fcckschlagen,<br \/>\nwenn sie jemand schl\u00e4gt, &#8211; niemanden zu beschimpfen, &#8211; im Streit nachzugeben,<br \/>\n&#8211; nicht auf seinem Recht beharren. Er fasst dies alles in der goldenen<br \/>\nRegel zusammen: <i>&#8222;Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch<br \/>\nihnen&#8220; (Mt 7, 12a).<\/i> Das hei\u00dft: behandelt die Menschen nicht so, wie<br \/>\nsie euch behandeln, sondern so, wie ihr gerne behandelt werden m\u00f6chtet.<br \/>\nOrientiert euch an denen, die es schlecht machen. Das sind die Dinge,<br \/>\ndie uns Jesus auf dem Weg zum Leben mitgibt.<\/p>\n<p>Liebe Konfirmanden- Eltern und -Gro\u00dfeltern, sie merken nun, dass ihre<br \/>\nKinder erwachsen werden, sie gehen eigen Wege, und wir Erwachsenen denken<br \/>\ndas eine oder andere Mal, sie gehen falsch. Wir k\u00f6nnen sie leider nicht<br \/>\nmehr vor allem bewahren, manche Fehler m\u00fcssen sie selber machen. So wie<br \/>\nwir das auch getan haben und noch tun. Jeder muss seinen Weg zum Leben<br \/>\nselber finden.<\/p>\n<p>Liebe Konfirmanden, ihr seid nun auf eurem Lebensweg und ihr seid auf<br \/>\nder Suche nach Leben. Ich denke zur\u00fcck an mich in eurem Alter. Damals<br \/>\nwar ich, wie viele andere Jugendliche, davon \u00fcberzeugt, dass die Menschheit<br \/>\ndabei sei, sich selber zu zerst\u00f6ren, so wie der Zug, der in den Abgrund<br \/>\nf\u00e4hrt. Entweder durch Atombomben oder durch das Ozonloch. Au\u00dferdem gab<br \/>\nes da auch schon das Problem der Ungleichheit in der Welt, von Arm und<br \/>\nReich, und auch dass konnte auf Dauer nicht gut gehen.<\/p>\n<p>Wir Jugendlichen hatten damals viele Vorschl\u00e4ge an die Erwachsenen,<br \/>\nwie die Menschheit zu retten sei. Ihr Konfirmanden habt das auch, und<br \/>\ndas ist gut so.<\/p>\n<p>Es gibt vieles, was euch nicht gef\u00e4llt, in dieser Welt, wie sie die<br \/>\nanderen Generationen gestaltet haben. Ich wei\u00df, es gibt so vieles, was<br \/>\nihr gerne \u00e4ndern w\u00fcrdet, wenn ihr etwas zu sagen h\u00e4ttet.<\/p>\n<p>Die meisten Erwachsen haben sich an die Ungerechtigkeiten in der Welt<br \/>\ngew\u00f6hnt. Die Welt ist, wie sie ist. Es geht eben nicht anders, es gibt<br \/>\nkeine bessere Welt. Die gro\u00dfen sozialen Unterschiede in unserer durch<br \/>\nMarktwirtschaft gepr\u00e4gten Welt will hoffentlich keiner mehr ersetzen<br \/>\ndurch eine sozialistische Diktatur. Alle &#8222;dritten Wege&#8220; haben sich inzwischen<br \/>\ndem einen oder anderen gen\u00e4hert.<\/p>\n<p>Und doch spricht Jesus von einer T\u00fcr, die ins Leben f\u00fchrt!<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich gibt es viele, die gute Ratschl\u00e4ge verkaufen. Es ist leider<br \/>\noft so, dass diese Ratschl\u00e4ge nur den Interesser dieser &#8222;Verk\u00e4ufer&#8220; dienen.<br \/>\nJesus nennt solche Leute falsche Propheten. Und falsche Propheten trifft<br \/>\nman viele heute, religi\u00f6ser und weltlicher Art. Ob sie nun unser Geld<br \/>\noder unsere Seele wollen, Vorsicht ist n\u00f6tig. Auch darum habe ihr Konfirmandenunterricht.<br \/>\nEr soll euch etwas helfen, euch zumindest in religi\u00f6sen Dingen, nicht<br \/>\nein X f\u00fcr ein U vormachen zu lassen. Ich hoffe er hilft auch, die schmale<br \/>\nT\u00fcr zu finden.<\/p>\n<p>Ich will noch eine Geschichte erz\u00e4hlen:<\/p>\n<p>Als ich konfirmiert wurde, da gab es in den D\u00f6rfern um G\u00f6ttingen herum<br \/>\neinen merkw\u00fcrdigen Konfirmationsbrauch. Ich habe ihn nicht mitgemacht,<br \/>\ndenn ich war ein Stadtkind, aber meine Klassenkameraden erz\u00e4hlten mir<br \/>\nausf\u00fchrlich davon. Am Konfirmationstag, am Nachmittag, trafen sich die<br \/>\nfrisch konfirmierten Jugendlichen, um gemeinsam von Haus zu Haus zu ziehen<br \/>\nund sich begl\u00fcckw\u00fcnschen zu lassen. Und die Erwachsenen sagten zu den<br \/>\nJugendlichen: &#8222;Jetzt seid ihr erwachsen und d\u00fcrft Alkohohl trinken!&#8220; Diejenigen<br \/>\nJugendlichen, die so unvorsichtig waren, alles zu trinken, was ihnen<br \/>\nangeboten wurde, kamen nat\u00fcrlich nicht weit. Sie torkelten irgendwann<br \/>\nim Stra\u00dfengraben, sehr zur Schadenfreude der Erwachsenen. Das waren keine<br \/>\nErlebnisse, mit denen die Betroffenen prahlen konnten, es war eher besch\u00e4mend.<br \/>\nWer den Schaden hat, braucht f\u00fcr den Spott nicht zu sorgen! Ich wei\u00df nicht,<br \/>\nob dieser Brauch einen Sinn hatte, ich denke auch nicht, dass Konfirmation<br \/>\nunbedingt ein Anlass ist, Alkohol an Jugendliche unter 16 Jahren zu verteilen.<br \/>\nAber die einige Jugendliche lernten etwas daraus: sie lernten, dass es<br \/>\nnicht klug ist, alles zu tun, was erlaubt ist.<\/p>\n<p>Das ist auch so eine Situation, in der einigen Jugendlichen etwas aus<br \/>\nder Hand glitt. Ihnen wurde erz\u00e4hlt, in der Erlaubnis Alkohol zu trinken<br \/>\nl\u00e4ge Freiheit. Aber wenn sie das taten, gingen sie gerade nicht ihren<br \/>\neigenen Weg, sondern den Weg, den ihnen einige Erwachsene vorgaben. Dieser<br \/>\nWeg f\u00fchrte zum Gl\u00fcck nicht ins Verderben, er f\u00fchrte aber doch in den<br \/>\nStra\u00dfengraben.<\/p>\n<p>Und ihr Konfirmanden, ihr werdet solche Erfahrungen in Zukunft \u00f6fter<br \/>\nmachen. Es wird euch immer mehr Selbstverantwortung zugetraut, und ihr<br \/>\nm\u00fcsst immer mehr selbst entscheiden. Und ihr werdet es bald merken: nicht<br \/>\nalles, was so toll klingt, wenn man noch zu jung daf\u00fcr ist, ist wirklich<br \/>\ngut, wenn man alt genug dazu ist. Ihr m\u00fcsst lernen, nein zu sagen, wenn<br \/>\nihr merkt, etwas tut euch nicht gut. Ihr m\u00fcsste euren Weg finden. Ich<br \/>\nhabe gesehen, dass viele von euch schon jetzt sehr verantwortungsvoll<br \/>\nmit ihrer Freiheit umgehen.<\/p>\n<p>Liebe Konfirmanden, ich m\u00f6chte euch Mut machen, nach der T\u00fcr zu suchen,<br \/>\ndie zum Leben f\u00fchrt. Es gibt sie, dass hat uns Jesus versprochen, er<br \/>\nhat sie f\u00fcr uns ge\u00f6ffnet, weil Gott nicht m\u00f6chte, dass unser Leben wie<br \/>\nein Zug ist, der in den Abgrund f\u00e4hrt. Es gibt einen schmalen Weg zum<br \/>\nLeben. Wir als Gemeinde k\u00f6nnen nicht den Weg f\u00fcr euch gehen, das m\u00fcsst<br \/>\nihr selber tun. Aber wir k\u00f6nnen den Weg alle gemeinsam suchen. Auf dem<br \/>\nWeg sind wir zum Gl\u00fcck nicht allein. Wir haben Gottes Beistand.<\/p>\n<p>Da geht jemand mit, wo wir auch hingehen. Er h\u00e4lt einen auch mal an<br \/>\nder Hand, wenn es n\u00f6tig ist.<\/p>\n<p>Liebe Konfirmanden, liebe Gemeinde, es ist auch Sinn einer Konfirmation:<br \/>\ndie jungen Leuten zu diesem Zeitpunkt, an der Schwelle zum Erwachsenwerden,<br \/>\nan Gottes Beistand zu erinnern, f\u00fcr sie zu beten und ihnen Gottes Segen<br \/>\nzuzusprechen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastorin Sibylle Reh<br \/>\nJenaer Str. 58<br \/>\n38444 Wolfsburg<br \/>\n<a href=\"mailto:sreh@gmx.de\">E-Mail: sreh@gmx.de<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zur Konfirmation | Mai 2003 | Matth\u00e4us 7, 13-16a | Sibylle Reh | Geht durch das enge Tor! Denn das Tor ist weit, das ins Verderben f\u00fchrt, und der Weg dahin ist breit, und viele gehen auf ihm. 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