{"id":9662,"date":"2002-03-07T19:49:49","date_gmt":"2002-03-07T18:49:49","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9662"},"modified":"2025-04-24T10:57:10","modified_gmt":"2025-04-24T08:57:10","slug":"ich-glaube-an-gott-den-allmaechtigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/ich-glaube-an-gott-den-allmaechtigen\/","title":{"rendered":"&#8222;Ich glaube an Gott, &#8230; den Allm\u00e4chtigen&#8230;\u201c"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><strong>Reflexion zum Glaubensbekenntnis \u2013 <\/strong><strong>&#8222;Ich glaube an Gott, &#8230; den Allm\u00e4chtigen&#8230;\u201c | Christian-Erdmann Schott |<\/strong><\/h3>\n<p>Vor der Allmacht Gottes kann der Mensch eigentlich nur niederknieen und anbeten, &#8211; so wie es der Beter des 150. Psalms, dieses gewaltigen Lobgesanges, der das Buch der Psalter im Alten Testament abschlie\u00dft, getan hat:<\/p>\n<p>&#8222;Halleluja! Lobet Gott in seinem Heiligtum,<br \/>\nlobet ihn in der Feste seiner Macht!<br \/>\nLobet ihn f\u00fcr seine Taten,<br \/>\nlobet ihn in seiner gro\u00dfen Herrlichkeit!&#8220;<\/p>\n<p>Hier zeigt sich, dass Heiligkeit, Hoheit, Herrlichkeit und Allmacht Gottes zusammengeh\u00f6ren und zusammenwirken, aber von uns Menschen kaum ganz verstanden, sondern eigentlich nur lobpreisend besungen werden k\u00f6nnen:<\/p>\n<p>&#8222;Alles was Odem hat, lobe den Herrn! Halleluja!&#8220;<\/p>\n<p>Und doch: Auch wenn wir das Wirken des Allm\u00e4chtigen nicht wirklich erfassen k\u00f6nnen, sollen und wollen wir doch versuchen, uns wenigstens ein St\u00fcck weit in sie hineinzudenken und den Spuren der Allmacht Gottes in unserer Welt nachzusp\u00fcren. Ich denke, dass sie f\u00fcr die heute lebenden Generationen in vier Bereichen erkennbar sein k\u00f6nnen:<\/p>\n<p>I. Im Bereich der Sch\u00f6pfung und der Erhaltung der Sch\u00f6pfung.<\/p>\n<p>In unsere Lebenszeit fallen Gef\u00e4hrdungen unseres Planeten in einem noch nie dagewesenen Ausma\u00df durch Raubbau und Umweltzerst\u00f6rungen, durch Atom- und Wasserstoffbomben, durch Naturkatastrophen und technische Fehlentwicklungen, durch Kriege, Kriminalit\u00e4t und den Terrorismus in seinen immer wieder neuen vielf\u00e4ltigen Spielarten. Aber wir erleben zugleich, dass die Welt noch steht und die Naturordnung wirksam ist; dass Gott diese Welt noch immer in seinen H\u00e4nden h\u00e4lt, &#8211; in H\u00e4nden, die so stark und m\u00e4chtig sind, dass auch die geballte Kraft des gesamtmenschheitlichen Zerst\u00f6rungsw\u00fctens dagegen nicht ankommt. Still, best\u00e4ndig, zuverl\u00e4ssig und zugleich mit seiner, wie es aussieht, nicht zu ersch\u00f6pfenden Allmacht sch\u00fctzt Gott das Leben und die Erde als die Grundlage des Lebens, &#8211; so wie er es Noah nach der Sintflut versprochen hatte: &#8222;Solange die Erde steht, soll nicht aufh\u00f6ren Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht&#8220; (l. Mose 8,22).<\/p>\n<p>II. Im Bereich der Geschichte.<\/p>\n<p>Die \u00e4lteren unter uns haben zwei Wenden erlebt: 1945 und 1989. Beide male sind Systeme zusammengebrochen, die durchaus unterschiedlich waren. Aber in einem Punkte waren sich Nationalsozialisten und Kommunisten einig: Sie verachteten Gott und seine Gebote. Sie glaubten nicht an Gott und kannten seine Allmacht nicht. So meinten sie, sich \u00fcber alle Grenzen hinwegsetzen zu d\u00fcrfen und Menschen, V\u00f6lker, das Leben nach ihren Vorstellungen einzurichten. Sie beanspruchten f\u00fcr sich die absolute Macht und nahmen eine Stelle ein, die nur Gott einnehmen kann. Zuletzt sind beide Systeme in L\u00fcge, Terror, Unrecht, Entrechtung und Ermordung Andersdenkender geendet.<\/p>\n<p>Gott hat sich das eine Weile angesehen. Er hat sie zeigen lassen vor aller Augen, was in ihnen ist und wozu sie f\u00e4hig sind. Dann hat er zugeschlagen. \u00dcber Nacht sind sie ganz tief gest\u00fcrzt. Das war das Gericht Gottes. In seiner Allmacht brauchte er nur einen Finger zu bewegen &#8211; und die ganze scheinbar un\u00fcberwindbare, f\u00fcr die Ewigkeit angelegte Herrlichkeit, die sich die Nazis und die Kommunisten aufgebaut hatten, war weg. Der Apostel Paulus hat wohl recht, wenn er uns warnt, Gott zu untersch\u00e4tzen. Seine Allmacht ist fast immer mit einer unsere Menschenma\u00dfe unbegreiflich weit \u00fcbersteigenden Langmut verbunden. Aber das ist nicht Schw\u00e4che, im Gegenteil, seine Allmacht in Verbindung mit seiner Langm\u00fctigkeit und Gerechtigkeit ist seine St\u00e4rke. Darum sagt Paulus: \u201eIrret euch nicht! Gott l\u00e4\u00dft sich nicht spotten. Denn was der Mensch s\u00e4t, das wird er ernten\u201c (Gal. 6,7).<\/p>\n<p>III. Im Bereich der Kirche.<\/p>\n<p>Wer die Kirchengeschichte des letzten halben Jahrhunderts miterlebt hat, wei\u00df, dass die Kirchen vielf\u00e4ltig gef\u00e4hrdet waren &#8211; bei den Nazis, bei den Kommunisten, durch Gleichg\u00fcltigkeit, durch Hass, aber nat\u00fcrlich auch durch eigene Fehler und Vers\u00e4umnisse. Aber wir haben doch auch miterlebt und sehen es t\u00e4glich, dass die Kirche nicht untergegangen ist. Sie steht nicht gerade gl\u00e4nzend da &#8211; aber wann hat sie eigentlich jemals gl\u00e4nzend dagestanden? &#8211; und ist unver\u00e4ndert und bleibend das Gef\u00e4\u00df des Geistes Gottes in dieser Welt.<\/p>\n<p>Ihre Erhaltung ist im Grunde ein Wunder. Ohne die Allmacht Gottes k\u00f6nnte es dieses Wunder nicht geben. Dabei ist die Allmacht Gottes hier verbunden mit seinem Willen zur Gemeinschaft mit den Menschen. Er l\u00e4sst die Kirche nicht untergehen, weil er sie brauchen will zur Verk\u00fcndigung seines Willens, zur Sammlung von Menschen, die auf ihn h\u00f6ren, nach seinem Willen leben, ihn als ihren Sch\u00f6pfer loben und ihm danken.<\/p>\n<p>Man kann es auch etwas anders sagen: Gott setzt seine Allmacht zum Aufbau seines Reiches in dieser Welt ein. Darum hat er die Propheten, darum hat er Jesus Christus gesandt und nach seinem Tod auferweckt und seinen Namen bis heute gesch\u00fctzt. Der Name des Sohnes, Jesus Christus, verk\u00fcndigt durch die Kirche ist kein toter, vergessener, sondern ein mit seiner Botschaft neues Leben schenkender Name.<\/p>\n<p>IV. Im Bereich unseres pers\u00f6nlichen Lebens.<\/p>\n<p>Ich habe eine Menge Menschen kennen gelernt, die mir von Wundern in ihrem Leben erz\u00e4hlt haben. Da sind Menschen gesund geworden, die die \u00c4rzte schon aufgegeben hatten. Da sind Menschen aus gef\u00e4hrlichen Situationen im Stra\u00dfenverkehr oder im Urlaub unbesch\u00e4digt herausgekommen. Andere haben im Feld pers\u00f6nlicher Beziehungen Erh\u00f6rungen ihrer Gebete erfahren, die sie nur staunen und sehr dankbar werden lie\u00dfen. Sie alle stehen daf\u00fcr ein, dass es Wunder heute gibt, wie es sie immer gegeben hat.<\/p>\n<p>Hier wird zugleich deutlich, wie sehr wir, h\u00e4ufig nicht reflektiert, mit der Allmacht Gottes rechnen. Jedes Gebet um Hilfe, auch f\u00fcr andere, ruft Gott an, damit er eingreife und handle, wo andere kaum noch einen Weg sehen. Und hier sind dann auch die Wunder angesiedelt. Das ist auch im Neuen Testament so. Mehr als die H\u00e4lfte der Wunder des Neuen Testamentes sind Gebetserh\u00f6rungen. Meist sind es nur sehr kurze Gebete &#8222;Herr, erbarme dich\u201c oder \u00e4hnlich. Aber sie sind doch immer von dem Glauben getragen, dass der Herr, den wir anrufen, auch die Macht, die Allmacht hat, uns zu helfen; ja, dass er diese seine Allmacht mit seiner Barmherzigkeit verbindet und etwas f\u00fcr uns tut, was niemand sonst tun kann.<\/p>\n<p>Die Allmacht &#8211; das hat diese Spurensuche gezeigt &#8211; ist eine Eigenschaft Gottes, die in Verbindung mit anderen Eigenschaften und Wesensz\u00fcgen Gottes wirksam wird. In Verbindung mit seinem Zorn wirkt sie das Gericht. In Verbindung mit seiner Menschenfreundlichkeit erm\u00f6glicht, schafft und erh\u00e4lt sie Gemeinschaft, die sich auf unserer Seite in Lob, Dank, Lebensfreude, Geborgenheit verwirklicht. Durch das Glaubensbekenntnis aber wird deutlich: Alle diese Aussagen \u00fcber &#8222;Den Allm\u00e4chtigen\u201c stehen unter dem Vorzeichen des Glaubens. Durch den Glauben und im Glauben ist es dem Christen m\u00f6glich, hinter den sichtbaren Dingen und Ereignissen eine Wirklichkeit, die wir Gott nennen, und ihre Wirkungen in Leben und Welt wahrzunehmen. Diese M\u00f6glichkeit des Erkennens und Kommunizierens ist dem Unglauben verschlossen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Christian-Erdmann Schott<br \/>\nPfarrer em.<br \/>\nElsa-Braendstroem-Str. 21<br \/>\n55124 Mainz (Gonsenheim)<br \/>\n<\/strong><strong>Tel.: 06131\/690488<br \/>\nFax: 06131\/686319<br \/>\n<a href=\"mailto:ce.schott@surfeu.de\">E-Mail: ce.schott@surfeu.de<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reflexion zum Glaubensbekenntnis \u2013 &#8222;Ich glaube an Gott, &#8230; den Allm\u00e4chtigen&#8230;\u201c | Christian-Erdmann Schott | Vor der Allmacht Gottes kann der Mensch eigentlich nur niederknieen und anbeten, &#8211; so wie es der Beter des 150. 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