{"id":9684,"date":"2003-12-07T19:49:37","date_gmt":"2003-12-07T18:49:37","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9684"},"modified":"2025-06-28T09:57:11","modified_gmt":"2025-06-28T07:57:11","slug":"1-korinther-15-19-28-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-15-19-28-4\/","title":{"rendered":"1.Korinther 15, 19 &#8211; 28"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>Es gibt nichts Schlimmeres als eine geschlossene T\u00fcr, dort, wo<br \/>\nman gerne hinein m\u00f6chte. Gar eine Kirchent\u00fcr.<\/p>\n<p>Die offene T\u00fcr ist das Bild f\u00fcr das Reich Gottes, dort, wo<br \/>\nalle willkommen sind.<\/p>\n<p>&#8222;Die T\u00fcr steht immer offen&#8220;, so sagt man von einem Haus,<br \/>\nwo man immer aufgenommen und herzlich empfangen wird, wann und wie auch<br \/>\nimmer man kommt: Ob man nun fr\u00f6hlich ist, traurig oder \u00e4ngstlich.<\/p>\n<p>Unsere Vorstellung vom Reich Gottes ist die offene T\u00fcr. Das Reich<br \/>\nGottes ist wohl da, wo man nicht zu sp\u00e4t kommen kann, die <em>immer <\/em> offene<br \/>\nT\u00fcr.<\/p>\n<p>Und das Reich Gottes ist dort, wo man in dem Zustand ankommt, in dem<br \/>\nman nun einmal ist.<\/p>\n<p>Die stets offene T\u00fcr ist n\u00e4mlich das Bild f\u00fcr die Gnade<br \/>\nund Barmherzigkeit.<\/p>\n<p>Einer aus meiner Gemeinde gab mir neulich ein Bild, das er auf einer<br \/>\nReise in Deutschland aufgenommen hatte. Er war auf ein Schild gesto\u00dfen<br \/>\nam Eingang einer deutschen Kirche mit diesem Wortlaut: &#8222;Die T\u00fcr<br \/>\nunserer Kirche steht f\u00fcr Sie offen. Sie l\u00e4dt sie ein, die Schwelle<br \/>\nzu \u00fcberschreiten und einzutreten. Alles darf mit hinein: Ihre Fr\u00f6hlichkeit<br \/>\nund Ihre Traurigkeit, Ihre Hoffnungen und Ihre \u00c4ngste, Ihre Erinnerungen<br \/>\nund Ihre Tr\u00e4ume. Sie sind eingeladen, die T\u00fcr zu durchschreiten&#8220;.<\/p>\n<p>Ein sch\u00f6ner Text, der die Einladung zum Ausdruck bringt, die darin<br \/>\nliegt, da\u00df man in die Kirche und zum Gottesdienst kommt. Das ist<br \/>\nwie der Eintritt in das Reich Gottes.<\/p>\n<p>Um so schwerer f\u00e4llt es deshalb, das Gleichnis von den zehn Brautjungfrauen,<br \/>\ndas f\u00fcr diesen zweiten Advent bestimmt ist, zu verstehen. Zehn Jungfrauen,<br \/>\nf\u00fcnf t\u00f6richte und f\u00fcnf kluge, gehen dem Br\u00e4utigam<br \/>\nentgegen mit ihren \u00d6llampen, so wie dies zur Zeit Jesu Sitte war.<br \/>\nDer Br\u00e4utigam l\u00e4\u00dft auf sich warten. Die M\u00e4dchen<br \/>\nschlafen ein. Als sie erwachen, ist kein \u00d6l mehr in den Lampen.<\/p>\n<p>Die klugen Jungfrauen haben extra \u00d6l mit, aber sie wollen nicht<br \/>\nmit den t\u00f6richten teilen, die diese Situation nicht vorhergesehen<br \/>\nhaben. Die m\u00fcssen nun zum Kaufmann gehen, um mehr \u00d6l zu besorgen.<\/p>\n<p>Als sie zur\u00fcckkommen, ist der Br\u00e4utigam gekommen. Die T\u00fcr<br \/>\nist geschlossen. &#8222;Herr, tu uns auf!&#8220; bitten sie. Aber der antwortet: &#8222;Ich<br \/>\nkenne euch nicht&#8220;.<\/p>\n<p>Der Gedanke des Gerichts ist wichtig in den Predigttexten der Adventszeit.<br \/>\nDie gro\u00dfe Frage aber ist, wie sich das Gericht zur Barmherzigkeit<br \/>\nGottes verh\u00e4lt. Wie sich die verschlossene T\u00fcr zur offenen<br \/>\nverh\u00e4lt, das ist eine Frage nach dem Glauben an Christus.<\/p>\n<p>In Bethlehem traf der Herr auf eine geschlossenen T\u00fcr, als sie<br \/>\nin der Herberge anklopften, damit Maria in die warme Stube hineinkommen<br \/>\nkonnte, um ihr Kind zu geb\u00e4ren.<\/p>\n<p>In Jerusalem ging der auferstandene Christus durch die verschlossene<br \/>\nT\u00fcr, um zu seinen J\u00fcngern zu kommen und ihnen den Segen Gottes<br \/>\nzu spenden.<\/p>\n<p>Ist der Ausgangspunkt eine geschlossene T\u00fcr, erz\u00e4hlt das Evangelium<br \/>\nvon Ihm, der durch diese verschlossene T\u00fcr hindurch\u00adbrechen<br \/>\nkann. Das Evangelium erz\u00e4hlt von ihm, der verschlossenen T\u00fcren,<br \/>\nwiderwilliger Ablehnung und Unglauben und menschlicher Verschlossenheit<br \/>\ntrotzen kann.<\/p>\n<p>Und das Evangelium erz\u00e4hlt, da\u00df dies geschehen kann, immer<br \/>\nwieder. Da\u00df das Wort von ihm die Kraft hat, T\u00fcren und Herzen<br \/>\nzu \u00f6ffnen und in uns einzuziehen. Und da\u00df dies geschieht,<br \/>\ngeschehen kann. Hier und jetzt beim Gottesdienst oder morgen. Niemand<br \/>\nkennt den Tag oder die Stunde.<\/p>\n<p>Mit dieser Hoffnung vor Augen sollen wir im Advent leben &#8211; so als w\u00e4ren<br \/>\nwir Brautjungfrauen, die auf den Br\u00e4utigam warten. Ein Lehrst\u00fcck,<br \/>\nwie man in der Zeit mit der Ewigkeit vor Augen leben soll.<\/p>\n<p>Advent hei\u00dft warten, oder eher <em>erwarten <\/em>. Wenn unser<br \/>\nWarten auf das Reich Gottes, darauf da\u00df sich die verschlossenen<br \/>\nT\u00fcren f\u00fcr uns \u00f6ffnen, nicht nur ein Warten ist, sondern<br \/>\neine <em>Erwartung <\/em> des Reiches Gottes mit all dem, was es an Freude<br \/>\nund Fest mit sich bringt, dann mu\u00df man erwarten, da\u00df wir<br \/>\nuns auf das <em>freuen <\/em> und deshalb vorbereiten, was geschehen soll,<br \/>\nuns bereit machen, damit wir da sind und bereit, wenn es geschieht, wenn<br \/>\nsich die T\u00fcr \u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Haben wir aber nicht die gro\u00dfen Erwartungen an das, was geschehen<br \/>\nwird, dann sind wir wie die t\u00f6richten Jungfrauen, die nicht vorgesorgt<br \/>\nhaben und unbedacht waren. Sie haben nicht eingesehen, welch eine einmalige<br \/>\nGelegenheit es f\u00fcr sie ist, mit zum Fest zukommen.<\/p>\n<p>Vielleicht kommt wieder einmal eine Gelegenheit. Ich meine Hochzeiten<br \/>\ngibt es ja genug, so viele, da\u00df Brautleute heutzutage oft erleben,<br \/>\nda\u00df die Herberge voll ist von anderen Hochzeitsg\u00e4\u00adsten<br \/>\nan dem Tag, den sie sich nun gerade ausersehen hatten, um ihr Fest zu<br \/>\nfeiern.<\/p>\n<p>Um wirklich das Einmalige an dem Fest zu betonen, zu dem das Reich Gottes<br \/>\neinl\u00e4dt, gen\u00fcgt es nicht, da\u00df man sagt, es handele sich<br \/>\num ein Fest wie andere auch &#8211; und da\u00df das Reich Gottes eine offene<br \/>\nT\u00fcr ist, wie wir sie von den offenen H\u00e4usern kennen, die wir<br \/>\nvielleicht das Gl\u00fcck hatten irgendwann in unserem Leben einmal erleben<br \/>\nzu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Das Reich Gottes ist nicht nur eine offene T\u00fcr.<br \/>\nEs ist eine T\u00fcr,<br \/>\ndie einem <em>ge\u00f6ffnet wird <\/em>.<br \/>\nDas ist einer, der sie \u00f6ffnet<br \/>\n&#8211; <em>f\u00fcr dich <\/em>.<\/p>\n<p>So pers\u00f6nlich sollen wir es verstehen &#8211; sowohl was den T\u00fcr\u00f6ffner<br \/>\nangeht als auch uns selbst. Das ist wichtig. Es handelt sich nicht nur<br \/>\num eine zuf\u00e4llig offene T\u00fcr, eine M\u00f6glichkeit unter anderen<br \/>\noffenen T\u00fcren. Es handelt sich um eine T\u00fcr, die jemand f\u00fcr<br \/>\ndich \u00f6ffnet, zu deinem Besten, f\u00fcr dich. Weil der Wirt will,<br \/>\nda\u00df gerade du beim Fest dabeisein sollst.<\/p>\n<p>Es kann jeden Augenblick passieren, da\u00df sich die T\u00fcr \u00f6ffnet,<br \/>\nin welchem Zustand du auch bist. &#8222;Darum wachet! Denn ihr wisset<br \/>\nweder Tag noch Stunde&#8220;.<\/p>\n<p>Das ist der Gedanke des Gerichts hier in der Adventszeit. <em>Du <\/em> kannst<br \/>\nzu sp\u00e4t kommen. Du kannst die Stunde verschlafen. Du kannst so t\u00f6richt<br \/>\nsein, da\u00df du es dir selbst sp\u00e4ter nie vergeben k\u00f6nnen<br \/>\nwirst.<\/p>\n<p><em>Du <\/em> kannst dich selbst ausschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Du hast eine Verantwortung, die niemand f\u00fcr dich tragen kann, die<br \/>\ndu nicht mit anderen teilen kannst.<\/p>\n<p>Es gibt Entschl\u00fcsse im Leben, die dir niemand abnehmen kann.<\/p>\n<p>Worauf wartest du?<\/p>\n<p>Wache und bete. Steh auf von den Toten &#8211; du bekommst Ohren zum H\u00f6ren<br \/>\nund Augen zum Sehen.<\/p>\n<p>Freue dich dar\u00fcber, w\u00e4hrend du auf dem Wege bist, da\u00df dir<br \/>\njemand entgegenkommt.<\/p>\n<p>Freue dich dar\u00fcber, da\u00df es einen Menschen gibt, der sein<br \/>\nLeben mit uns anderen teilen konnte &#8211; im Unterschied zu den sogenannten<br \/>\nklugen Jungfrauen.<\/p>\n<p>Er \u00f6ffnete die T\u00fcr zum Leben, indem er die T\u00fcr f\u00fcr<br \/>\nden Tod zuschlug &#8211; dem gehen wir deshalb nicht entgegen, wenn wir uns<br \/>\nin der Nacht bewegen und die winterliche Finsternis um uns immer dichter<br \/>\nwird.<\/p>\n<p>Er kommt uns entgegen als das Licht, das wir selbst nicht am Leuchten<br \/>\nhalten k\u00f6nnen, als das Licht, das f\u00fcr uns leuchtet, wenn unser<br \/>\neigenes ausbrennt.<\/p>\n<p>Mit der Hoffnung sollen wir leben &#8211; mit dem Gericht und der Unwiderruflichkeit<br \/>\naller Dinge. Wir k\u00f6nnen uns selbst in unserer Torheit und unserem<br \/>\nMangel an Glauben ausschlie\u00dfen. Wir k\u00f6nnen das Licht in anderen<br \/>\nausl\u00f6schen.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen zu sp\u00e4t kommen. Und wenn wir dastehen und anklopfen,<br \/>\nso erz\u00e4hlt das Gleichnis, dann sagt er: Ich kenne euch nicht.<\/p>\n<p>M\u00f6ge der Auferstandene sich selbst in uns erkennen &#8211; hier in der<br \/>\nFurcht vor dem Gericht &#8211; und den verschlossenen T\u00fcren trotzen, zu<br \/>\nuns hineingehen und seinen Frieden bringen, damit wir ein Licht in uns<br \/>\nanz\u00fcnden k\u00f6nnen, das wir aus der Kirchent\u00fcr mit<br \/>\nuns hinaustragen k\u00f6nnen, damit es f\u00fcr uns leuchtet in all der<br \/>\nZeit, in der wir auf das Kommen des Br\u00e4utigams warten &#8211; auch wenn<br \/>\ndas eine Ewigkeit dauert. Amen.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Pastorin Eva T\u00f8jner G\u00f6tke<br \/>\nPlatanvej 10<br \/>\nDK-5230 Odense M<br \/>\nTel.: ++ 45 &#8211; 66 12 56 78<br \/>\n<a href=\"mailto:etg@km.dk\">email: etg@km.dk<\/a> <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt nichts Schlimmeres als eine geschlossene T\u00fcr, dort, wo man gerne hinein m\u00f6chte. Gar eine Kirchent\u00fcr. 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