{"id":9686,"date":"2003-12-07T19:49:41","date_gmt":"2003-12-07T18:49:41","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9686"},"modified":"2025-06-28T09:59:05","modified_gmt":"2025-06-28T07:59:05","slug":"jakobus-5-7-8-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jakobus-5-7-8-2\/","title":{"rendered":"Jakobus 5, 7-8"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>7 \u00a0\u00a0\u00a0So seid nun geduldig, liebe Br\u00fcder, bis zum<br \/>\nKommen des Herrn.<br \/>\nSiehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde<br \/>\nund ist dabei geduldig, bis sie empfange den Fr\u00fchregen und Sp\u00e4tregen.<br \/>\n8 \u00a0\u00a0\u00a0Seid auch ihr geduldig und st\u00e4rkt eure Herzen;<br \/>\ndenn das Kommen des Herrn ist nahe.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>in den Wochen vor Weihnachten wird in unseren H\u00e4usern wieder viel gebacken.<br \/>\nUnsere Kinder k\u00f6nnen die Zeit kaum abwarten. Und wenn es darum geht ein<br \/>\nleckeres Lebkuchenhaus herzustellen, erfordert es eine fast unendliche Geduld<br \/>\nvon unsern Kindern. Die einzelnen Zutaten m\u00fcssen genau nach Rezept in einer<br \/>\nganz bestimmten Reihenfolge verr\u00fchrt werden. Die Formen vorbereitet, der<br \/>\nBackofen auf eine ganz bestimmte Temperatur vorgeheizt; dann kann das Ganze<br \/>\ngelingen.<br \/>\nUnd wie sie dann ungeduldig vor dem Backofen stehen, wann ist der Kuchen fertig,<br \/>\nwie oft wird schnell mal die Ofent\u00fcr aufgemacht und versucht zu probieren,<br \/>\nob der Kuchen nicht schon fertig ist. \u0093Nein! Ihr m\u00fcsst noch warten. Macht<br \/>\nschon mal den Zuckergu\u00df\u0094. Und wenn die einzelnen Teile aus dem Ofen kommen,<br \/>\nmuss immer noch gewartet werden bis der Kuchen abgek\u00fchlt ist.<br \/>\nGeduldig und mit Vorsicht m\u00fcssen die Teile des Kuchenhauses zusammengesetzt,<br \/>\nmit Zuckergu\u00df verklebt und bunt verziert werden. Wirklich eine Geduldsarbeit.<br \/>\nAber die Kinder machen es mit. Sie haben ein Ziel vor Augen, ein wundersch\u00f6nes,<br \/>\nleckeres Lebkuchenhaus. Nun steht es bei uns in der K\u00fcche. Jedes mal, wenn<br \/>\nich dieses originelle Lebkuchenh\u00e4uschen sehe, ist es an einer anderen Stelle<br \/>\nangeknabbert. An Weihnachten werden wir Eltern wohl nur noch die weniger s\u00fc\u00dfen<br \/>\nGrundmauerreste essen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Geduld ist schwer zu lernen und es scheint als wenn es immer schwerer wird.<br \/>\nUnd warum sollte ich \u00fcberhaupt geduldig sein? Lebkuchen und Gl\u00fchwein<br \/>\nim Sommer, warum denn eigentlich nicht? Wenn ich den Sommer im Winter will,<br \/>\ndann gehe ich halt ins Sonnenstudio oder zu Weihnachten in die Karibik.<\/p>\n<p>Vielleicht<br \/>\nsind wir dabei zu vergessen, dass es gut und sinnvoll ist, dass alles seine<br \/>\nbestimmte Zeit hat.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite kann ich nur dann geduldig sein,<br \/>\nwenn ich wirklich etwas f\u00fcr mich Hilfreiches und Wertvolles zu erwarten<br \/>\nhabe. Ich bringe dann den langen Atem auf, wenn ich wei\u00df, etwas<br \/>\nWertvolles liegt verborgen in der Zukunft, jetzt noch nicht sichtbar<br \/>\nund aber ich geduldig, aber auch beharrlich diesem Ziel entgegen gehe.<\/p>\n<p>Ohne ein inneres Bild vor Augen, ohne ein klar erkennbares Ziel, kann<br \/>\nich nicht geduldig sein.<\/p>\n<p>Ich denke wir werden immer wieder von der F\u00fclle der Angebote<br \/>\nerschlagen. Ich bef\u00fcrchte, weder ein \u0093G\u00f6ttliches G\u00f6ttingen\u0094 noch<br \/>\nein himmlisches Kaufvergn\u00fcgen werden unsere Sehnsucht nach Gl\u00fcck erf\u00fcllen<br \/>\nk\u00f6nnen.<br \/>\nDie Entt\u00e4uschungen kommen doch schneller als wir denken.<\/p>\n<p>Aber wo k\u00f6nnen wir diese tieferen Erfahrungen des Gl\u00fcck oder der<br \/>\nZufriedenheit finden?<\/p>\n<p>Diese Woche bin ich einem jungen Mann auf dem Friedhof begegnet. Er hat seine<br \/>\nMutter besucht. Sie ist vor einigen Wochen gestorben. Sie war l\u00e4ngere Zeit<br \/>\nschwer krank und er hat sie mit gro\u00dfer Geduld gepflegt. Er hat sein Studium<br \/>\nunterbrochen und hat immer sehr genau gesp\u00fcrt, was seine Mutter brauchte.<br \/>\nAuch wenn ganz klar war, dass sie sterben w\u00fcrde, hat er ihr immer wieder<br \/>\nMut gemacht und sie konnte wieder neu innere und \u00e4u\u00dfere Kr\u00e4fte<br \/>\nsammeln. Ich habe gesp\u00fcrt, dass diese Geduld gro\u00dfen Lebensmut ausgestrahlt<br \/>\nhat mit dem Sterben und dem Tod getr\u00f6stet umzugehen.<\/p>\n<p>Ich glaube, wir m\u00fcssen immer wieder neu lernen, im richtigen Augenblick,<br \/>\ndas Wesentliche von dem Unwesentlichen zu unterscheiden, anstatt uns orientierungslos<br \/>\ntreiben und hetzen zu lassen.<br \/>\nWie oft haben wir den Eindruck, etwas zu vers\u00e4umen, wenn wir nicht in jeder<br \/>\nBeziehung auf dem allerneusten Stand sind? Aber wenn wir dabei nur einen Augenblick<br \/>\ninnehalten und unsere Lage bedenken, sp\u00fcren wir sofort, dass uns diese Wogen<br \/>\ndes Immer-Neuen \u00fcberrollen und ins Abseits schleudern werden, weil wir alle<br \/>\ndem Lauf der Zeit und damit der Verg\u00e4nglichkeit unterworfen sind.<\/p>\n<p>Aber beim Stichwort \u0093Geduld\u0094 werden wir immer wieder bei unseren eigenen Schw\u00e4chen<br \/>\ngepackt. Wie schwer f\u00e4llt es uns, Geduld mit unseren Mitmenschen zu haben.<br \/>\nWie schnell urteilen wir \u00fcber andere Menschen ohne sie selbst zu h\u00f6ren,<br \/>\nwie leichtfertig reden wir oft und gerne \u00fcber andere anstatt mit ihnen zu<br \/>\nreden, auch wenn es vielleicht unbequem und l\u00e4stig ist. Wir suchen doch<br \/>\nimmer eher den scheinbar bequemeren Weg.<\/p>\n<p>\u0093 Geduld\u0094 schenkt dem anderen die Freiheit, sich auf seine Weise zu entwickeln,<br \/>\nauch einmal Fehler machen zu d\u00fcrfen und daraus gegenseitig zu lernen, daran<br \/>\nsogar zu wachsen und stark zu werden. Aber nicht nach dem Motto: \u0093Ich bin sowieso<br \/>\nder Beste und immer besser als alle anderen\u0094, sondern ich nehme mich selbst zur\u00fcck<br \/>\nund schenke dem anderen und damit nat\u00fcrlich auch mir neue \u00a0Entwicklungsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>So wie ein Bauer auf die kostbare Frucht seiner Ernte aus ist, k\u00f6nnen auch<br \/>\nwir auf unsere Hoffnung hin leben. Durch Jesus Christus hat Gott uns seine Begleitung<br \/>\nversprochen. Er will den oft schweren Weg durch unseren Alltag mitgehen. Er will<br \/>\ngeduldig am Haus unseres Lebens bauen. Er gibt uns die Zusage seiner N\u00e4he.<\/p>\n<p>Wir werden seine N\u00e4he sp\u00fcren, wenn wir bereit sind, uns immer wieder<br \/>\nneu auf ihn einzulassen. Die Ungeduld der Kinder an Weihnachten hat nat\u00fcrlich<br \/>\nauch etwas Faszinierendes: Sie erwarten etwas Gro\u00dfes. Sie verbinden gro\u00dfe<br \/>\nHoffnungen damit.<\/p>\n<p>Uns Erwachsenen ist diese Hoffnung wohl etwas verloren gegangen. Die Zeit,<br \/>\nin der die Tage immer noch dunkler und k\u00e4lter werden, ist ein Bild f\u00fcr<br \/>\ndie Grundlebenssituation von uns Menschen: Wir leben in der Ungeborgenheit und<br \/>\nder K\u00e4lte.<br \/>\nAber in der Adventszeit sp\u00fcren wir die Sehnsucht nach Geborgenheit besonders.<br \/>\nVertraute Symbole, Riten und Kerzen \u00f6ffnen unsere Herzen. Gott kommt in<br \/>\ndie Nacht. Er wird arm, klein und unscheinbar und macht sich so sehr auf den<br \/>\nWeg zu uns, das er ein Teil von uns wird. Er teilt mit uns, um unser Leben von<br \/>\ninnen her aufzubrechen und es zu \u00f6ffnen f\u00fcr Gottes Licht.<\/p>\n<p>Auf diesem Weg bewahre der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als alle menschliche<br \/>\nVernunft eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.<\/p>\n<p><strong>Gerhard Weber<br \/>\nPastor in St. Martin Geismar<br \/>\nCharlottenburger Stra\u00dfe 10<br \/>\n37085 G\u00f6ttingen<br \/>\n<a href=\"mailto:gerhard.weber.goe@t-online.de\">email: gerhard.weber.goe@t-online.de<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>7 \u00a0\u00a0\u00a0So seid nun geduldig, liebe Br\u00fcder, bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Fr\u00fchregen und Sp\u00e4tregen. 8 \u00a0\u00a0\u00a0Seid auch ihr geduldig und st\u00e4rkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe. 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