{"id":9687,"date":"2003-12-07T19:49:41","date_gmt":"2003-12-07T18:49:41","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9687"},"modified":"2025-06-28T10:00:32","modified_gmt":"2025-06-28T08:00:32","slug":"1-korinther-4-1-5-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-4-1-5-2\/","title":{"rendered":"1. Korinther 4, 1-5"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>Wir leben, liebe Gemeinde, heute in einer Gesellschaft, die ohne diese<br \/>\nBerufsgruppe nicht mehr aus \u0096 und zurechtkommt: ich meine das Dienstleistungsgewerbe.<br \/>\nSein Prozentsatz an der Zahl der der Besch\u00e4ftigten ist enorm, im<br \/>\nproduzierenden Gewerbe sind nur beinahe ebensoviel Menschen t\u00e4tig.<br \/>\nUnd jeder von uns hat seine Erfahrungen mit den Frauen und M\u00e4nnern,<br \/>\ndie in unz\u00e4hligen B\u00fcros oder \u00c4mtern ihren Dienst in vielf\u00e4ltiger<br \/>\nWeise tun. Die B\u00fcrokratie bestimmt dabei oftmals unser Leben, und<br \/>\nwir erwarten von den Mitarbeitern, dass sie ihre Aufgaben und Pflichten<br \/>\ngewissenhaft, kompetent, b\u00fcrgernah verwalten, betreuen und ordnen.<br \/>\nSie sollen als Menschen in den B\u00fcros, als Sekret\u00e4rinnen oder<br \/>\nAmtsdiener ihren \u0084Job machen\u0093, und zwar so, dass es wenig Klagen dar\u00fcber<br \/>\ngibt. Denn sie sind Menschen, die Pflichten \u00fcbernommen haben, die<br \/>\nbeobachten, kontrollieren, einrichten und ausrichten, letztlich mitbestimmen,<br \/>\nob dieses oder jenes m\u00f6glich wird oder unterbleibt. Das verlangt<br \/>\nvon ihnen Kompetenz, Redlichkeit und Treue ihrem Dienstherrn gegen\u00fcber<br \/>\nund vor allem Wahrhaftigkeit. Dazu sollte auch geh\u00f6ren, dass sie<br \/>\nihre Dienstleistung unvoreingenommen, ohne Ansehen der Person erbringen.<\/p>\n<p>Das w\u00e4ren unsere Erwartungen an sie, die der Apostel Paulus in<br \/>\nKorinth antraf, und die er etwas hausbacken Haushalter, Sachverwalter<br \/>\nf\u00fcr bestimmte Aufgaben nannte. Er hatte nicht die Mitarbeiter der<br \/>\nStadt- und Hafenverwaltung im Blick, als er den Korinthern \u00fcber<br \/>\ndie Haushalter schrieb, sondern meinte in erster Linie die \u0084Diener Christi,<br \/>\ndie wie Haushalter der Geheimnisse Gottes\u0093 wirken. Offenbar gab es zwischen<br \/>\nihnen und einer Schar von Kirchg\u00e4ngern Probleme, solche Probleme,<br \/>\ndie den Apostel zu grunds\u00e4tzlichen \u00dcberlegungen veranlassten.<br \/>\nNun w\u00e4re es f\u00fcr uns zu fragen, worin denn die Aufgabe der \u0084Haushalter<br \/>\nder Geheimnisse Gottes\u0093 l\u00e4gen, was sie zu tun und was sie unter<br \/>\nallen Umst\u00e4nden zu lassen haben. Wir erfahren in Paulus&#8216; Brief unter<br \/>\nanderem, dass sie Taufe und Abendmahl als Gaben Gotte \u0084recte et rite\u0093 \u0096 w\u00fcrdig<br \/>\nund recht \u0096 zu verwalten haben, dass sie in Seesorge und Beichte t\u00fcchtig<br \/>\nund verschwiegen , ihre Wortverk\u00fcndigung wie ihr Gebet lauter und<br \/>\ndem Evangelium Jesu Christi gem\u00e4\u00df sein sollen. Dass sie darum<br \/>\nwissen \u0096 und darin wird sich das Geheimnis Gottes am ehesten benennen<br \/>\nlassen \u0096 \u0084 dass das Wort vom Kreuz denen eine Torheit ist, die verloren<br \/>\nwerden, uns aber, die wir selig werden, ist es eine Gotteskraft!\u0093 \u0096 Gemeint<br \/>\nist damit jene schwer verst\u00e4ndliche gute Nachricht, dass Gott am<br \/>\nKreuz im Tode seines Sohnes Jesus Christus unserer S\u00fcnde und Schuld<br \/>\ns\u00fchnt und sodann in der Auferstehung von den Toten das Kreuz ins<br \/>\nLeben wendet. Wahrlich eine umfassende, geheimnisvolle, f\u00fcr unseren<br \/>\nGlauben ungemein wichtige Botschaft.<\/p>\n<p>Die \u0084Haushalter der Geheimnisse Gottes\u0093 sollen die genannten Aufgaben,<br \/>\ndie Gaben Gottes an die, die glauben, treu und redlich weitergeben, predigen,<br \/>\nspenden, mit ihrem eigenen Leben und Glaubenseinsatz bezeugen. Denn \u0084die<br \/>\nGeheimnisse Gottes m\u00fcssten wir doch lieber anbeten als erforschen;<br \/>\nChristus erkennen bedeutet doch: seine Heiltaten erkennen und sie bezeugen.\u0093 (Melanchton).<\/p>\n<p>Sch\u00f6n und gut, meint der Apostel, doch er muss ein andere Erfahrung<br \/>\nmit der modernen Gemeinde in Korinth machen. Hier wissen es alle besser<br \/>\nals er selbst, hier haben sie alles schon verstanden und beginnen, nach<br \/>\nihrem Wissen und mit ihren Einsichten zu urteilen und zu beurteilen,<br \/>\nabzuw\u00e4gen oder zu verwerfen, meinen, dem Wirken und der Lehre Jesu<br \/>\ndieses oder jenes hinzusetzen zu wollen und jenes zu streichen, was zu<br \/>\nsehr den eigenen Anschauungen widerspricht. Wie das geht kennen wir:<br \/>\nf\u00fcr die Reformation zeigte sich der Richtgeist im Machtanspruch<br \/>\nder katholischen Kirche und ihrer Repr\u00e4sentanten; heute wollen Synoden<br \/>\nbestimmen, was geglaubt werden soll und was dem christlichen Glaubensgut<br \/>\nnicht mehr bekommt. In diese heillos zerstrittene, rechthaberische, von<br \/>\nEitelkeit und Dummheit erf\u00fcllte Welt so genannten christlichen Lebens<br \/>\nspricht Paulus deutliche, harte, klare Worte. Worte, die die Hochstimmung<br \/>\nund das Selbstgef\u00fchl der Korinther empfindlich treffen, ihnen ihre<br \/>\nKompetenz als \u0084Haushalter der Geheimnisse Gottes\u0093 absprechen und ihnen,<br \/>\nin den folgenden Kapiteln seines Briefes, deutlich sagen, worin und weshalb<br \/>\nsie eher Haushalter ihrer verquasten Ideen und Gef\u00fchle sind, als<br \/>\nsolide und rechtschaffene Diener Christi. Denn das, was sie sich anma\u00dfen<br \/>\nzu richten und zu urteilen, ist Aufgabe dessen, der jetzt kommt: in diese<br \/>\nWelt, zu den Menschen, nach Korinth, auch nach \u0085.. \u0084daher sollt ihr nicht<br \/>\nvor der Zeit urteilen, bis da der Herr kommt, der euch beurteilen wird,<br \/>\nder beleuchten wird das Verborgene aus der Finsternis und die Herzenspl\u00e4ne<br \/>\noffenbaren will.\u0093 Aus dieser Erwartung heraus gilt es zu leben: dass<br \/>\nder Herr als Richter jederzeit kommt, um zu kl\u00e4ren, was hier im<br \/>\nUnklaren ist, um zu ordnen, was wir verwirren und nicht mehr in den Griff<br \/>\nbekommen, um jene Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, denen die Welt<br \/>\ndas Recht aberkennt. Diesen Herrn gilt es jetzt zu erwarten. Er kommt,<br \/>\ner wird entscheiden, er l\u00e4utert und urteilt, er ordnet, was zu ordnen<br \/>\nsein wird.<\/p>\n<p>Den Korinthern ist es ebenso schwer gefallen, dem Apostel in seinem<br \/>\nRat zu folgen und vom eigenen Richtgeist abzusehen, wie es unserer Welt<br \/>\nschwer f\u00e4llt, Gott mehr zu gehorchen als den t\u00f6richten Einsichten<br \/>\nder eigenen Zeit. Schaut man in die Welt unserer Tage \u0096 und man kann<br \/>\nbereits bei der Kirche im eigenen Lande bleiben \u0096 dann erkennt man unschwer,<br \/>\nwie m\u00fchsam und widerborstig sie sich dem Evangelium Jesu f\u00fcgt<br \/>\nund beugt, wie sie mit Winkelz\u00fcgen und Ausreden und einer Nonchalance<br \/>\nGrundz\u00fcge des Glaubens beiseite r\u00e4umt, um sich selbst zu feiern<br \/>\nund im Kontext der mond\u00e4nen Welt ein W\u00f6rtchen mitreden zu k\u00f6nnen.<br \/>\nDie Geschichte hingegen lehrt, dass kaum jemand zuh\u00f6rt, dass viele<br \/>\nfragen:<\/p>\n<p>H\u00f6rt, traut ihr es dem Kind der Krippe nicht oder nicht mehr zu,<br \/>\ndass es kommt, um zu scheiden, was sich im Dunkel der Welt sich aufgeh\u00e4uft<br \/>\nhat. Wurde nicht von ihm gesagt:<\/p>\n<p align=\"center\"><em>\u0084Und es wird eine Rute aufgehen vom<br \/>\n<\/em><em>Stamme Isai und ein Zweig aus<br \/>\n<\/em><em>seiner Wurzel Frucht bringen, auf welchem wird ruhen<br \/>\n<\/em><em>der<br \/>\nGeist des Herrn\u0085<br \/>\n<\/em><em>und wird richten mit Gerechtigkeit die Armen<br \/>\n<\/em><em>und rechtes Urteil sprechen<br \/>\n<\/em><em>den Elenden im Lande<br \/>\n<\/em><em>und wird mit dem Stabe seines Mundes<br \/>\ndie Erde schlagen\u0085<br \/>\n<\/em><em>Gerechtigkeit wird der Gurt seiner Lenden sein<br \/>\n<\/em><em>und der<br \/>\nGlaube der Gurt seiner H\u00fcften.\u0093 <\/em><\/p>\n<p>Habt ihr die Botschaft vernommen? Wo ist sie unter euch angekommen?<br \/>\nHabt ihr das Kind der Krippe schon so manipuliert, dass es mit kitschigen<br \/>\nAccessoires euch nicht mehr st\u00f6rt, bereits G\u00f6tze eurer Selbstgef\u00e4lligkeit<br \/>\ngeworden ist? Oder geh\u00f6rt ihr zu denen, die einst sagten: den Mann<br \/>\naus Nazareth k\u00f6nnen und wollen wir nicht mehr dulden. Der regt das<br \/>\nVolk auf und verdirbt uns unsere Ruhe und Selbstsicherheit. Deshalb bringt<br \/>\nihn ans Kreuz, nagelt ihn fest, damit er m\u00f6glichst nicht noch einmal<br \/>\nzu uns kommt.<\/p>\n<p>Fataler Weise hat sich solch ein Wunsch nicht erf\u00fcllt, denn Gott<br \/>\nsetzte am Ostermorgen einen neuen Anfang, der den Glaube der Christen<br \/>\nelementar bis heute pr\u00e4gt und st\u00e4rkt, aus dem sie Hoffnung<br \/>\nfassen und sie bekennen:<\/p>\n<p align=\"center\"><em>\u0084\u0085 und aufgefahren gen Himmel,<br \/>\n<\/em><em>er sitzt zur Rechten Gottes,<br \/>\n<\/em><em>des allm\u00e4chtigen Vaters,<br \/>\n<\/em><em>von dort wird er kommen,<br \/>\n<\/em><em>zu richten die Lebenden und die<br \/>\nToten.\u0093 <\/em><\/p>\n<p>Und er kommt, auch noch heute: mit dieser Zuversicht, ja mit dieser<br \/>\nGewissheit leben wir als Christen, und wir tun gut daran, uns von dieser<br \/>\nErwartung, dass Jesus Christus als Richter der Welt kommen wird, nicht<br \/>\nzu trennen. Denn aus solcher Gewissheit heraus erw\u00e4chst mir eine<br \/>\nFreiheit im Glauben, dass ich getrost und unverzagt auch dann in einer<br \/>\nGemeinde oder Kirche leben und glauben kann, wenn sie in Teilen dieser<br \/>\nVorstellung weder entspricht noch zustimmt. Mag sie urteilen und entscheiden,<br \/>\nmag sie bekennen oder nicht! Ihr Zeugnis und ihre Glaubw\u00fcrdigkeit<br \/>\nbemisst sich allein aus dem, dass sie IHN, Jesus Christus als den Kommenden<br \/>\nbezeugt, als Richter wie als Heiland und es seiner Gerechtigkeit anheim<br \/>\nstellt, zu urteilen, was gilt und was verworfen werden muss. Paulus macht<br \/>\nuns dieses deutlich und klar, wenn er schreibt, das die Haushalter, die<br \/>\nSachverwalter der Geheimnisse Gottes allein darin w\u00fcrdig ihrer Aufgabe<br \/>\nnachkommen, wo sie treu und uneingeschr\u00e4nkt bekennen:<\/p>\n<p align=\"center\"><em>\u0084Jesus Christus, mein Herr und Heiland.\u0093 <\/em><\/p>\n<p align=\"center\">Amen.<\/p>\n<p><strong>Christian Tegtmeier<br \/>\nPfarrer in Kirchberg<br \/>\nAlte Dorfstr. 4<br \/>\n38723 Seesen<br \/>\n<a href=\"mailto:gabriele.tegtmeier@t-online.de\">gabriele.tegtmeier@t-online.de<\/a> <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir leben, liebe Gemeinde, heute in einer Gesellschaft, die ohne diese Berufsgruppe nicht mehr aus \u0096 und zurechtkommt: ich meine das Dienstleistungsgewerbe. Sein Prozentsatz an der Zahl der der Besch\u00e4ftigten ist enorm, im produzierenden Gewerbe sind nur beinahe ebensoviel Menschen t\u00e4tig. 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