{"id":9691,"date":"2003-12-07T19:49:35","date_gmt":"2003-12-07T18:49:35","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9691"},"modified":"2025-06-28T10:02:31","modified_gmt":"2025-06-28T08:02:31","slug":"1-korinther-41-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-41-5\/","title":{"rendered":"1. Korinther 4:1-5"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p align=\"left\"><em>Daf\u00fcr halte uns jedermann: f\u00fcr Diener Christi und Haushalter \u00fcber<br \/>\nGottes Geheimnisse. Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern,<br \/>\nals dass sie f\u00fcr treu befunden werden. Mir aber ist&#8217;s ein Geringes,<br \/>\ndass ich von euch gerichtet werde oder von einem menschlichen Gericht;<br \/>\nauch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mir zwar nichts bewusst,<br \/>\naber darin bin ich nicht gerechtfertigt; der Herr ist&#8217;s aber, der mich<br \/>\nrichtet. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der<br \/>\nauch ans Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist, und wird<br \/>\ndas Trachten der Herzen offenbar machen. Dann wird einem jeden von<br \/>\nGott sein Lob zuteil werden. <\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Gut hast du es gemacht! Das lassen wir uns gerne sagen. Das Lob, die<br \/>\nAnerkennung der anderen, ihr positives Urteil \u00fcber mich, das h\u00f6re<br \/>\nich gerne. Das brauche ich oft richtiggehend. Vor allem dann, wenn ich<br \/>\nmir selber unsicher bin. Nicht richtig einsch\u00e4tzen kann, was ich<br \/>\ngetan habe. War es wirklich in Ordnung so? H\u00e4tte ich nicht manches<br \/>\ndoch lieber noch anders machen sollen? W\u00e4re das nicht besser gewesen?<br \/>\nGerade in meiner Unsicherheit sehne ich mich nach Anerkennung von au\u00dfen.<br \/>\nWill mir von anderen sagen lassen, was ich mir selber nicht glaube. Will<br \/>\nvon anderen ein Urteil, wo ich meinem eigenen nicht traue. Will h\u00f6ren:<br \/>\nGut hast du es gemacht.<\/p>\n<p>Und hinter dieser Sehnsucht steckt ja noch viel mehr. Nicht nur die<br \/>\nBest\u00e4tigung f\u00fcr meine Worte und Taten ersehne ich, sondern<br \/>\ndadurch eine Best\u00e4tigung meiner Person: Du hast es nicht nur gut<br \/>\ngemacht, du bist gut. Bist in Ordnung, bist liebenswert. Wir sch\u00e4tzen<br \/>\ndich.<\/p>\n<p>Ich vermute, dass es nicht nur mir so geht, dass manche unter Ihnen<br \/>\ndiese Sehnsucht auch kennen. \u0096 Ich wei\u00df allerdings zugleich, dass<br \/>\ndiese Sehnsucht gef\u00e4hrlich sein kann, dass sie in die Irre f\u00fchren<br \/>\nkann. Wie leicht machen wir uns abh\u00e4ngig von solchem positiven Urteil<br \/>\nder anderen. Richten unser Handeln danach aus. Fragen vor allem danach,<br \/>\nwie es ankommt, wie wir ankommen. Das gilt ja nicht nur f\u00fcr Politiker,<br \/>\ndenen populistische Tendenzen nachgesagt werden, und die manchmal Meinungsumfragen<br \/>\nzum wichtigsten Entscheidungskriterium machen.<\/p>\n<p>Nicht nur sie, wir alle k\u00f6nnen abh\u00e4ngig werden von anderen<br \/>\nund ihrem Urteil. Und verlieren dadurch unsere Freiheit.<\/p>\n<p>Aber nicht allein das ist das Problem. Oft glaube, oft vertraue ich<br \/>\nanderen genauso wenig wie mir selbst und meine Unsicherheit bleibt. Und<br \/>\nich warte weiter \u0096 auf das Lob, auf das Urteil, das z\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Paulus sagt, von wem dieses Urteil kommt. Das Urteil, das z\u00e4hlt<br \/>\nund die Unsicherheit beendet. <em>Der Herr ist&#8217;s aber, der mich richtet.<br \/>\nDarum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt. <\/em><\/p>\n<p>Der Apostel redet \u00fcber dieses Urteil angesichts der Urteile, die<br \/>\nin der Gemeinde in Korinth \u00fcber ihn gesprochen werden. Was er dort<br \/>\nzu h\u00f6ren bekommt, das f\u00e4llt nicht gut aus. Er kommt schlecht<br \/>\nan bei vielen dort. Jedenfalls gibt es andere, die offensichtlich besser<br \/>\nankommen. Aber das bek\u00fcmmert ihn nicht: <em>Mir aber ist&#8217;s ein Geringes,<br \/>\ndass ich von euch gerichtet werde oder von einem menschlichen Gericht. <\/em><\/p>\n<p>Paulus wei\u00df, dass hier nur vorl\u00e4ufig gerichtet wird. Und<br \/>\ner nutzt die Gelegenheit, nicht nur dieses Urteil, sondern alle menschlichen<br \/>\nUrteile in Frage zu stellen. Euer Urteil ist nicht von Bedeutung f\u00fcr<br \/>\nmich, \u00fcberhaupt kein menschliches Urteil, sei es gut oder schlecht.<\/p>\n<p>Das gilt auch f\u00fcr ihn selbst: <em>auch richte ich mich selbst nicht. <\/em>Auch<br \/>\nmein eigenes Urteil, so sagt Paulus, interessiert nicht. Ich wei\u00df zu<br \/>\ngut, dass ich mich irren k\u00f6nnte. <em>Ich bin mir zwar nichts bewusst,<br \/>\naber darin bin ich nicht gerechtfertigt. <\/em><\/p>\n<p>Auch das eigene Gewissen ist also keine letztg\u00fcltige Instanz, nicht<br \/>\nihm gegen\u00fcber muss sich Paulus, nicht ihm gegen\u00fcber m\u00fcssen<br \/>\nwir uns verantworten. Nur einer spricht das entscheidende Gut so! Gut<br \/>\nhast du es gemacht! Du z\u00e4hlst f\u00fcr mich, bist mir Das ist der<br \/>\nkommende Richter.<\/p>\n<p>Paulus wartet auf diesen Richter, und das macht ihn unabh\u00e4ngig.<br \/>\nSo kann er in Freiheit seiner Gemeinde in Korinth gegen\u00fcber treten<br \/>\nund ihr sagen, was er meint, in Gottes, in Jesu Namen sagen zu m\u00fcssen.<br \/>\nOhne R\u00fccksicht darauf, dass er sich damit vielleicht noch unbeliebter<br \/>\nmachen wird. Darauf kommt es nicht an. Ich bin nicht dazu da, es den<br \/>\nMenschen recht zu machen. Sondern Christus und Gott selbst: <em>Daf\u00fcr<br \/>\nhalte uns jedermann: f\u00fcr Diener Christi und Haushalter \u00fcber<br \/>\nGottes Geheimnisse. <\/em><\/p>\n<p>Diener Christi und Haushalter \u00fcber Gottes Geheimnisse, das gilt<br \/>\nnat\u00fcrlich in ganz besonderem Ma\u00dfe f\u00fcr den Apostel, dem<br \/>\ndas Amt der Verk\u00fcndigung aufgetragen ist. Es gilt aber heute nicht<br \/>\nnur den Pfarrern und Pfarrerinnen, den Predigern und Pr\u00e4dikantinnen.<br \/>\nDiener und Dienerinnen Christi, das sind alle Getauften. Uns allen ist<br \/>\nes aufgetragen, Haushalter zu sein \u00fcber Gottes Geheimnisse. Gerade<br \/>\nheute gilt das, wo die Kirche auch im fr\u00fcheren \u0084christlichen Abendland\u0093 zur<br \/>\nMinderheit wird. \u0096 In der theologischen Fakult\u00e4t hier in Leipzig<br \/>\nhaben wir vor zwei Wochen in einer Tagung dar\u00fcber nachgedacht, \u00fcber<br \/>\ndas Leben der Christen in der Diaspora, in der Zerstreuung. Und mich<br \/>\nhat besonders angesprochen, als es da hie\u00df, die Gemeindeglieder<br \/>\nm\u00fcssten darum als Erwachsene ihren Glauben leben und Verantwortung \u00fcbernehmen,<br \/>\ndas Amt nicht den Hauptamtlichen \u00fcberlassen. \u0096<\/p>\n<p>Haushalterinnen Gottes, und Diener Christi \u0096 das sind wir alle. Und<br \/>\ndabei kommt es nicht darauf an, dass wir gut ankommen. Nur daran, dass<br \/>\ndie gute Botschaft ankommt, das diese gute Botschaft gut ankommt bei<br \/>\ndenen, die sie brauchen. <em> Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern,<br \/>\nals dass sie f\u00fcr treu befunden werden. <\/em><\/p>\n<p>Und f\u00fcr treu befinden wird der Richter, der uns besser kennt, als<br \/>\nwir uns selber kennen. Der, auf den wir ja warten im Advent. Dessen Kommen<br \/>\nwir in unseren Liedern erbitten. Nur auf sein Urteil kommt es an. Und<br \/>\ndas ist noch nicht gesprochen. <em>Der Herr ist&#8217;s aber, der mich richtet.<br \/>\nDarum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch ans Licht<br \/>\nbringen wird, was im Finstern verborgen ist, und wird das Trachten der<br \/>\nHerzen offenbar machen. Dann wird einem jeden von Gott sein Lob zuteil<br \/>\nwerden. <\/em><\/p>\n<p>So singen ja auch unsere Adventslieder von dem, der kommen wird, zu<br \/>\nrichten die Lebenden und die Toten. Mit ihnen erbitten wir sein Kommen: <em>Ach<br \/>\nlieber Herr, eil zum Gericht! Lass sehn dein herrlich Angesicht. <\/em> Ganz<br \/>\nohne Angst singt Erasmus Alber hier von dem kommenden Richter. (EG 6,1).<br \/>\nBei Paul Gerhardt klingt es ein wenig bedr\u00e4ngender: <em>Er kommt<br \/>\nzum Weltgerichte: zum Fluch dem, der ihm flucht, mit Gnad und s\u00fc\u00dfem<br \/>\nLichte dem, der ihn liebt und sucht. <\/em>Aber auch hier \u00fcberwiegt<br \/>\ndie Freude \u00fcber den, der da kommen wird. <em>Ach komm, ach komm,<br \/>\no Sonne, und hol uns allzumal zum ewgen Licht und Wonne in deinen Freudensaal. <\/em> (EG<br \/>\n11,10)<\/p>\n<p>Die vier Adventssonntage mit ihren Texten buchstabieren die Weise seines<br \/>\nKommens durch. Sagen uns, was wir von unserem Richter zu erwarten haben.<\/p>\n<p><em>Siehe, dein K\u00f6nig kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer. <\/em>(Sacharja<br \/>\n9,9) So wird am Ersten Advent unser Herr beschrieben, der sanftm\u00fctig<br \/>\nauf einem Esel in Jerusalem einreitet.<\/p>\n<p><em>Seht auf und erhebt eure H\u00e4upter, weil sich eure Erl\u00f6sung<br \/>\nnaht. <\/em> (Lukas 21,28) So fasst der Wochenspruch des Zweiten Advent<br \/>\nzusammen, was das Kommen unseres Herrn und Richters bringen wird: Die<br \/>\nErl\u00f6sung.<\/p>\n<p>Heute, am dritten Advent, wird die Vorbereitung auf sein Kommen in den<br \/>\nBlick genommen: <em>Bereitet dem HERRN den Weg; denn siehe, der HERR<br \/>\nkommt gewaltig. <\/em> (Jesaja 40,3.10)<\/p>\n<p>Und ganz besonders freudig ist dann der Wochenspruch f\u00fcr den vierten<br \/>\nAdvent gestimmt: <em>Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals<br \/>\nsage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe! <\/em> (Philipper 4,4.5b)<\/p>\n<p>An all dem ist es abzulesen, wer er ist, unser kommender Herr. Und an<br \/>\ndem, was dann folgt, nach Weihnachten folgt und nach dem Einzug in Jerusalem.<br \/>\nEin Richter ist er, der sein eigenes Leben hergibt, damit bei uns am<br \/>\nEnde das Urteil dastehen kann: Gut so!<\/p>\n<p>Ein Wort hat sich mir besonders eingepr\u00e4gt, das von diesem Herrn<br \/>\nspricht \u0096 es soll vom j\u00fcngeren Blumhardt stammen \u0096 Er ist ein Richter,<br \/>\nder uns Menschen nicht hinrichtet, sondern herrichtet. Der uns so herrichtet,<br \/>\ndass wir liebens- und lobenswert werden, so dass es am Ende hei\u00dft: <em>Dann<br \/>\nwird einem jeden von Gott sein Lob zuteil werden. <\/em><\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><strong>Irene Mildenberger, Leipzig<br \/>\n<a href=\"mailto:liturgie@uni-leipzig.de\"> liturgie@uni-leipzig.de <\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Daf\u00fcr halte uns jedermann: f\u00fcr Diener Christi und Haushalter \u00fcber Gottes Geheimnisse. Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als dass sie f\u00fcr treu befunden werden. Mir aber ist&#8217;s ein Geringes, dass ich von euch gerichtet werde oder von einem menschlichen Gericht; auch richte ich mich selbst nicht. 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