{"id":9712,"date":"2003-12-07T19:49:30","date_gmt":"2003-12-07T18:49:30","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9712"},"modified":"2025-06-28T10:19:32","modified_gmt":"2025-06-28T08:19:32","slug":"roemer-1-1-7-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-1-1-7-3\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 1, 1-7"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>wir beginnen das Weihnachtsfest, das Fest der Geburt Christi, am Heiligen<br \/>\nAbend. Was feiern wir da? Einen historischen Gedenktag? Wir in St. Petersburg<br \/>\nhaben in diesem Jahr zur\u00fcckgeblickt auf dreihundert Jahre der Geschichte<br \/>\nunserer Stadt. 1703 hatte Peter der Gro\u00dfe sie gegr\u00fcndet. Wir<br \/>\nerinnern uns, weil es unsere Stadt ist. Mit der Geburt Jesu Christi ist<br \/>\ndas etwas anderes. Wir kennen das historische Datum gar nicht. Vor allem<br \/>\ngeht es nicht allein um ein Geschehen das 2000 Jahre zur\u00fcckliegt<br \/>\nund das wir durch unser Erinnern in die Gegenwart holen.<\/p>\n<p>Der gro\u00dfe schlesische Mystiker Johann Scheffler, genannt Angelus<br \/>\nSilesius, der schlesische Engel, hat im 17. Jahrhundert einmal geschrieben: \u0084W\u00e4r<br \/>\nChristus hundertmal in Bethlehem geboren und nicht in dir, so w\u00e4rst<br \/>\nDu doch verloren\u0093. Der Apostel Paulus gebraucht eine andere Sprache.<br \/>\nEr stellt die Geburt Christi in die Geschichte, die er als ganze \u0084das<br \/>\nEvangelium Gottes\u0093 nennt. Sie beginnt schon mit den Propheten, zu diesem<br \/>\nEvangelium geh\u00f6rt der Weg von der Geburt zur Auferstehung, von Weihnachten<br \/>\nbis Ostern, und sie schlie\u00dft den apostolischen Auftrag ein, die<br \/>\nBotschaft vom Sohne Gottes weiter zu tragen. Die Br\u00fccke von der<br \/>\nVergangenheit zur Gegenwart ist die Verk\u00fcndigung, das Amt des Apostels.<br \/>\nSein Ziel ist es, den \u0084Gehorsam des Glaubens\u0093 aufzurichten, unter allen<br \/>\nHeiden. Damals schrieb er an die R\u00f6mer, an alle Heiden, das schlie\u00dft<br \/>\nauch uns in St. Petersburg oder auch Christen in aller Welt mit ein.<br \/>\nDamit r\u00fcckt Weihnachten, die Geburt dessen, der nach seiner nat\u00fcrlichen<br \/>\nAbstammung aus der K\u00f6nigsfamilie Davids kam, in die Mitte der Geschichte.<br \/>\nWir z\u00e4hlen ja auch die Jahre nach Weihnachten also vor Christi Geburt<br \/>\nund nach Christi Geburt. Und weil diese Geburt in die Geschichte geh\u00f6rt,<br \/>\ndeshalb kann man von ihr durch Geschichten erz\u00e4hlen, wie es unter<br \/>\nden Evangelisten vor allem Lukas getan hat.<\/p>\n<p>In allen diesen Geschichten geht es aber darum, da\u00df sie das Evangelium<br \/>\nGottes erz\u00e4hlen, in dessen Mitte eben Jesus Christus, Gottes- und<br \/>\nMarienssohn steht. Es ist die Geschichte vom Sinn und Ziel unseres Lebens.<br \/>\nUm das deutlich zu machen, m\u00fcssen wir noch weiter ausholen, als<br \/>\nes der Apostel am Anfang seines Briefes an die R\u00f6mer tut. Das Evangelium<br \/>\nGottes gilt allen Menschen, den Nachkommen Abrahams, zu denen auch K\u00f6nig<br \/>\nDavid geh\u00f6rt, also den Juden und allen anderen V\u00f6lkern, der<br \/>\nHeiden, weil wir alle davon gezeichnet sind, da\u00df wir nicht nach<br \/>\ndem urspr\u00fcnglichen Willen Gottes, unseres Sch\u00f6pfers, leben.<br \/>\nWir sind gezeichnet davon, da\u00df wir Gott vergessen haben, wir sind<br \/>\ngezeichnet von der S\u00fcnde und deshalb vom Tod. Die Heilige Schrift<br \/>\nsagt, wir sind Adams Kinder. Das Evangelium Gottes ist sein Weg, uns<br \/>\nzur\u00fcckzuholen in die Gemeinschaft mit ihm. Gott liebt uns und deshalb<br \/>\nl\u00e4\u00dft er seinen Sohn als Kind in der Krippe zu uns kommen,<br \/>\nerweckt den Gekreuzigten aus dem Tod und l\u00e4dt ein zum Glauben an<br \/>\nihn und damit an Jesus Christus als Gabe des Heiligen Geistes. Das wissen<br \/>\nwir nicht aus uns selbst. Das mu\u00df uns gesagt werden.<\/p>\n<p>Der Apostel Paulus stellt sich am Anfang dieses Briefes der Gemeinde<br \/>\nin Rom vor. Er beruft sich deshalb auf Gewi\u00dfheiten, die er auch<br \/>\nbei seinen Adressaten voraussetzen kann. Da\u00df Jesus Christus, Gottes<br \/>\nSohn, als Kind in unsere Welt kam, das geh\u00f6rt zum Kern des Christenglaubens.<br \/>\nDie meisten Weihnachtsgeschichten enden damit, da\u00df die Menschen,<br \/>\ndie damals dabei waren, es weitererz\u00e4hlten. Auch Paulus schreibt<br \/>\nals Apostel, wenn er die r\u00f6mische Gemeinde daran erinnert, was Grundlage<br \/>\ndes gemeinsamen Glaubens ist.<\/p>\n<p>Zu diesen Grundlagen geh\u00f6rt nun auch, da\u00df diese Geburt tief<br \/>\nin der Geschichte verankert ist. \u0084Geboren aus dem Geschlecht Davids\u0093.<br \/>\nDa treten doch die Geschichten dieser Familie in unser Ged\u00e4chtnis.<br \/>\nEtwa die Erz\u00e4hlung von der Moabiterin Ruth, die als Witwe mit ihrer<br \/>\nSchwiegermutter nach Bethlehem, in das Land Juda kommt und da\u00df Fremde<br \/>\ndoch einen Anverwandte ihres verstorbenen Mannes f\u00fcr sich gewinnt<br \/>\nund so zu einer der Stammm\u00fctter Davids wird. Oder die Geschichten<br \/>\nder Frauen dieses K\u00f6nigs und der sp\u00e4teren Mutter Salomos \u0096 auch<br \/>\nsie geh\u00f6rt zu den Ahnfrauen Jesu. Nicht irgendein Kind, nein, der<br \/>\nErbe einer sehr besonderen Geschichte wird Mariens Sohn und sein Leben<br \/>\nwird von Geschichten gezeichnet und begleitet sein, das erz\u00e4hlen<br \/>\nuns die Evangelien. Nat\u00fcrlich wollen sie uns damit erinnern was<br \/>\ngeschah. Aber er selbst, Jesus Christus, ist eben nicht nur eine Gestalt<br \/>\nder Vergangenheit, sondern ist \u0084Gottes Sohn in Kraft\u0093, wie der Apostel<br \/>\nschreibt und damit wohl eine den R\u00f6mern bekannte kathechetische<br \/>\nFormel zitiert. Er ist der gegenw\u00e4rtige Herr. An ihn zu erinnern<br \/>\nhei\u00dft nicht nur in die Vergangenheit zu schauen, sondern nach oben,<br \/>\nzu Gott, seinem Vater und um uns, wo er als unser Herr wirkt und nach<br \/>\nvorn zu sehen. Denn der, der als Kind, verborgen von der \u00d6ffentlichkeit<br \/>\nkam, wird seine Herrschaft sichtbar machen. Das sprechen wir in jedem<br \/>\nGottesdienst aus, wenn wir das Glaubensbekenntnis zitieren. Weihnachten<br \/>\nweist auch auf Karfreitag und auf Ostern voraus. Alle diese Taten Gottes<br \/>\nk\u00f6nnen wir nur in Geschichten erz\u00e4hlen und wir m\u00fcssen<br \/>\nsie weitererz\u00e4hlen, weil an ihnen unser Glaube und damit das gelingende<br \/>\nLeben h\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Der Evangelist Lukas berichtet, da\u00df Jesus in der Stadt seines<br \/>\nAhnherrn Davids, in Bethlehem geboren wurde. Dort ist heute nicht der<br \/>\nFriede, den die Engel in der Nacht der Geburt verhei\u00dfen haben.<br \/>\nAber die Christen feiern dennoch Weihnachten. Sie tun das aber \u0096 wie<br \/>\nwir in Ru\u00dfland \u0096 an verschiedenen Tagen. Die Christen abendl\u00e4ndischer<br \/>\nTradition am 25. Dezember, ebenso eigentlich die Christen orthodoxer<br \/>\nTradition, aber wenn sie noch dem alten julianischen Kalender folgen,<br \/>\ndann ist das eben nach dem neuen Stil der 7. Januar. Die Armenier feiern<br \/>\nWeihnachten am 6. Januar, das ist der 19. Januar des gregorianischen<br \/>\nKalenders. Drei Daten sind dies und doch ein Weihnachtsfest, weil wir<br \/>\nalle zu denen geh\u00f6ren, die \u0096 wie der Apostel schreibt \u0096 von Jesus<br \/>\nChrstus berufen sind. Viele Geschichten und ein Herr. Er m\u00f6ge und<br \/>\nallen ein gesegnetes Weihnachtsfest schenken. Amen.<\/p>\n<p><strong>D. Georg Kretschmar<br \/>\nErzbischof der ELKRAS (Ev.-luth. Kirche in Ru\u00dfland, der Ukraine, in Kasachstan<br \/>\nund Mittelasien)<br \/>\nSt. Petersburg<br \/>\n<\/strong><a href=\"mailto:kanzlei@elkras.org\"><strong>E-Mail: kanzlei@elkras.org <\/strong><\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, wir beginnen das Weihnachtsfest, das Fest der Geburt Christi, am Heiligen Abend. Was feiern wir da? Einen historischen Gedenktag? Wir in St. Petersburg haben in diesem Jahr zur\u00fcckgeblickt auf dreihundert Jahre der Geschichte unserer Stadt. 1703 hatte Peter der Gro\u00dfe sie gegr\u00fcndet. 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