{"id":9714,"date":"2003-12-07T19:49:43","date_gmt":"2003-12-07T18:49:43","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9714"},"modified":"2025-06-28T10:23:32","modified_gmt":"2025-06-28T08:23:32","slug":"titus-3-4-7-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/titus-3-4-7-2\/","title":{"rendered":"Titus 3, 4-7"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Weihnachten ist ein Wunder.<\/p>\n<p>Wir machen uns Gedanken, was wir anderen schenken k\u00f6nnen. Wir investieren<br \/>\nviel Geld und Zeit, um Familie und Freunde einzuladen und miteinander<br \/>\nzu feiern. Wir haben Weihnachtskarten geschrieben und erhalten von Menschen,<br \/>\nmit denen wir sonst \u00fcbers Jahr kaum Kontakt haben. Die Geschenke<br \/>\nsind heute schon ausgepackt, und sie sagen ihre Botschaft: Ich denke<br \/>\nan Dich, ich m\u00f6chte Dir eine Freude machen, ich bin dankbar, dass<br \/>\nDu da bist.<\/p>\n<p>Woher kommt dieses Weihnachtswunder? Unser Predigttext sagt es: Gottes<br \/>\nFreundlichkeit und Menschenliebe ist der Grund und Jesus Christus ist<br \/>\ndas Geschenk, das unser Leben ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Nun wir wissen es alle: Tats\u00e4chlich ver\u00e4ndern wir unser Leben<br \/>\nzu Weihnachten, allerdings nur auf Zeit. Wir geben viel Geld aus. Wir<br \/>\nw\u00fcnschen uns Gl\u00fcck und Gottes Segen. Wir lassen es uns wirklich<br \/>\ngut gehen; aber das kann man sich nur einmal im Jahr leisten, und auch<br \/>\num unserer Gesundheit willen ist es gut, dass diese Feiertage wieder<br \/>\nvorbei gehen. Das ist das Problem unserer Weihnachten, dass es nicht<br \/>\nbrauchbar ist f\u00fcr das ganze Jahr; es dauert drei bis vier Tage,<br \/>\ndann ist wieder Alltag. Das Geschenk Gottes will mehr, es will uns ver\u00e4ndern,<br \/>\nvon Fesseln befreien, zur Gemeinschaft bef\u00e4higen, zum Leben ermutigen.<\/p>\n<p>Der Text gibt uns mehrere Hilfen, damit wir wirklich Weihnachten feiern<br \/>\nund nicht nur \u00fcppige Tage verbringen. Hier werden einander gegen\u00fcber<br \/>\ngestellt das Tun des Gesetzes und die Barmherzigkeit Gottes. Mit dem<br \/>\nTun des Gesetzes ist all das gemeint, was wir als Menschen ausdenken,<br \/>\norganisieren und auch tun k\u00f6nnen. Nach bestem Wissen und Gewissen,<br \/>\nmit Vernunft und Klarheit k\u00f6nnen wir Regeln zum Zusammenleben aufstellen;<br \/>\nich denke hier z.B. an den EU-Konvent und die EU-Verfassung. Nach bestem<br \/>\nWissen und Gewissen k\u00f6nnen wir die sozialen Verh\u00e4ltnisse regeln;<br \/>\nich denke hier an das Sozialwort des \u00d6kumenischen Rates der Kirchen<br \/>\nin \u00d6sterreich, das am 1. Adventsonntag der \u00d6ffentlichkeit \u00fcbergeben<br \/>\nwurde. Das alles ist unter uns m\u00f6glich und daf\u00fcr sind wir dankbar.<br \/>\nEs sind Regeln des Zusammenlebens, f\u00fcr Gerechtigkeit und Frieden<br \/>\nin der Welt, aber es ver\u00e4ndert noch nicht den Menschen selbst.<\/p>\n<p>Was den Menschen ver\u00e4ndert, ist nie das, was er tut; denn dies<br \/>\nist ein endloses Gesch\u00e4ft und unterliegt den Gesetzen dieser Welt.<br \/>\nWas den Menschen ver\u00e4ndern kann ist ausschlie\u00dflich ein Geschenk:<br \/>\nDas Geschenk der Annahme ohne wenn und aber, die Zusage der W\u00fcrde<br \/>\nnach dem Bild Gottes, die Befreiung von den Gesetzen der Zeit durch<br \/>\ndie Dimension der Ewigkeit.<br \/>\nUnser Predigttext verwendet hier ganz gro\u00dfe Worte und heilige Begriffe,<br \/>\num zu zeigen, dass es um eine neue Wirklichkeit geht. Der Text spricht hier<br \/>\nvon dem Bad der Wiedergeburt, gemeint ist die Taufe; und von der Erneuerung<br \/>\nim Heiligen Geist, den Gott \u00fcber uns reichlich ausgegossen hat durch<br \/>\nJesus Christus und er spricht davon, dass wir Erben des ewigen Lebens sind<br \/>\nnach unserer Hoffnung.<\/p>\n<p>Damit sind wir aber bei einem weiteren Thema des Glaubens: Man sieht<br \/>\nes den Menschen nicht an, aus welchem Grund heraus sie leben und handeln;<br \/>\naus den Werken des Gesetzes, oder aus dem Glauben. Im Titusbrief wird<br \/>\nes zwar benannt als moralisch einwandfreies Leben im Unterschied zwischen<br \/>\neinst und jetzt: \u0084Wir waren fr\u00fcher unverst\u00e4ndig, ungehorsam,<br \/>\ngingen in die Irre, waren mancherlei Begierden und Gel\u00fcsten dienstbar<br \/>\nund lebten in Bosheit und Neid\u0093, so der alte Mensch, und der neue Mensch<br \/>\nwird ebenfalls beschrieben: \u0084Erinnere sie daran, dass sie der Gewalt<br \/>\nder Obrigkeit untertan und gehorsam seien, zu allem guten Werk bereit,<br \/>\nniemanden verleumden, nicht streiten, g\u00fctig sein, alle Sanftmut<br \/>\nbeweisen gegen alle Menschen\u0093.<\/p>\n<p>Aber das tun nicht nur wiedergeborene Christen; auch andere Menschen leben<br \/>\nso: Humanisten, Atheisten, Gl\u00e4ubige anderer Religionen. Auch wenn wir<br \/>\ndie Themen wechseln; auch wenn wir ein Leben aus dem Glauben in unserem Kontext<br \/>\nbeschreiben, also etwa sagen: Vers\u00f6hnung unter den V\u00f6lkern und Frieden. \u00dcberwindung<br \/>\nder Gewalt in Familie, in Beruf und auf der Stra\u00dfe. Wirtschaft im Dienst<br \/>\ndes Lebens und nicht neoliberale Ausbeutung &#8230; usw., auch dann finden wir<br \/>\ndoch auf jeder Seite Christen und Nichtchristen.<\/p>\n<p>Mit dieser Feststellung sind wir allerdings ganz genau bei Weihnachten.<br \/>\nWir stehen an der Krippe, sehen ein Neugeborenes und seine Eltern und befinden<br \/>\nuns in einem Stall, weil kein Platz mehr war in der Herberge. Gott wird Mensch,<br \/>\nein Mensch wie Du und ich. Nicht ein Marsm\u00e4nnchen, nicht ein Superman,<br \/>\nnicht einmal ein Harry Potter. Und doch geht hier der Himmel auf, die Finsternis<br \/>\nwird \u00fcberwunden und die Engel singen vom Frieden auf Erden und von den<br \/>\nMenschen, denen Gottes Freundlichkeit und Menschenliebe gilt.<\/p>\n<p>Das ist das gro\u00dfe Geschenk, von dem leben; das ist der Grund,<br \/>\nwarum in unserer irdischen Zeit schon Gottes Herrlichkeit aufleuchtet<br \/>\nund unser Leben tr\u00e4gt und st\u00e4rkt. Weihnachten geht vor\u00fcber,<br \/>\ndas ist wahr und das werden wir auch nicht aufhalten. Doch das neue Leben<br \/>\nwird bleiben, n\u00e4mlich, dass die Eine und der Andere leuchten wie<br \/>\nein Licht in der Dunkelheit. Was bleiben wird ist, dass immer wieder<br \/>\nMenschen sich hingeben wie die Kerze, die sich selber verbrennt. Was<br \/>\nbleiben wird ist, dass K\u00fcnstler, Wissenschaftler, Politiker oder<br \/>\nauch einer von uns Geistesblitze haben aus dem Geist Jesu Christi, die<br \/>\ndie Welt ver\u00e4ndern. Was bleiben wird ist, dass wir Barmherzigkeit \u00fcben<br \/>\naneinander, weil wir die Barmherzigkeit Gottes erfahren haben.<\/p>\n<p>Das wirklich Neue, das mit Weihnachten in die Welt gekommen ist, bleibt verborgen,<br \/>\noder besser, es ist offenbart im Antlitz des Menschen. Wer das glaubt und erkennt,<br \/>\ndarf sich \u0084Erbe des ewigen Lebens\u0093 nennen. Von dieser Erbschaft lebt die Hoffnung;<br \/>\ndie Hoffnung jedes Einzelnen und die Hoffnung der ganzen Welt.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><strong>Bischof Mag. Herwig Sturm<br \/>\nWien<br \/>\nEvangelische Kirche A.B. in \u00d6sterreich<br \/>\nMail c\/o <\/strong><\/p>\n<p><a href=\"mailto:a.philipp@okr-evang.at\">a.philipp@okr-evang.at<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, Weihnachten ist ein Wunder. Wir machen uns Gedanken, was wir anderen schenken k\u00f6nnen. Wir investieren viel Geld und Zeit, um Familie und Freunde einzuladen und miteinander zu feiern. 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