{"id":9717,"date":"2003-12-07T19:49:37","date_gmt":"2003-12-07T18:49:37","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9717"},"modified":"2025-06-28T10:24:23","modified_gmt":"2025-06-28T08:24:23","slug":"titus-3-4-7-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/titus-3-4-7-3\/","title":{"rendered":"Titus 3, 4-7"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>der biblische Abschnitt<br \/>\nf\u00fcr das Weihnachtsfest<br \/>\nim Jahr 2003 entstammt dem Brief des Paulus an Titus, darin ein Abschnitt<br \/>\naus dem 3. Kapitel. Ich m\u00f6chte Ihnen und Euch diesen Abschnitt nicht<br \/>\neinfach vorlesen. Ich m\u00f6chte ihn einbetten in eine Geschichte, die<br \/>\nsich \u0096 so stelle ich mir vor \u0096 tats\u00e4chlich so ereignet haben k\u00f6nnte.<br \/>\nWeihnachten bedeutet ja: Ewigkeit bricht herein in die Zeit. Weihnachten<br \/>\nbedeutet ja: Die Mitte der Zeit, die F\u00fclle der Zeit ist in Christus<br \/>\nangebrochen. Unsere Zeit, chronologisch gedacht, wird durchkreuzt von<br \/>\nGottes Zeit, dem Kairos, dem Zeitpunkt Gottes, mit dem er aus der Ewigkeit<br \/>\nin unsere Diesseitigkeit hereinbricht. Deshalb wundern Sie sich nicht,<br \/>\nwenn ihnen die nun folgende Erz\u00e4hlung rund um den Apostel Paulus<br \/>\nseltsam aktuell vorkommt. Es ist alles nur eine Geschichte. Aber sie<br \/>\nk\u00f6nnte sich so ereignet haben, gerade jetzt wieder an Weihnachten.<\/p>\n<p>Kommen Sie mit auf eine winterliche Reise nach Griechenland, dort besuchen<br \/>\nwir den Apostel Paulus in seinem Winterquartier. Paulus war nach langer<br \/>\nReiset\u00e4tigkeit endlich ein wenig zur Ruhe gekommen. Kalte, klare<br \/>\nTage mit blauem Himmel und einem kleinen lodernden Feuer in der beheizten<br \/>\nStube zwangen Paulus zur Winterpause \u0096 und zum Nachdenken \u00fcber seinen<br \/>\nDienst und Auftrag.<\/p>\n<p>Seine Heimat auf Zeit \u0096 wie immer, in seinem Aposteldasein,<br \/>\nsolange bis Gott ihn zu neuen Aufgaben ruft \u0096 seine Heimat auf Zeit diesmal:<br \/>\nNikopolis, eine kleine r\u00f6mische Kolonie, die Hauptstadt von Epirus,<br \/>\nim Nordwesten Griechenlands gelegen. Hier wollte Paulus den Winter verbringen,<br \/>\nhier wollte er sich nach dem Winter mit Titus treffen. Hier k\u00f6nnte<br \/>\nein guter Ausgangspunkt f\u00fcr seine weiteren Missionsreisen liegen,<br \/>\nso dachte er sich jedenfalls.<\/p>\n<p>Bis hierher hat mich Gott gef\u00fchrt,<br \/>\nsagte er sich. Titus war auf Kreta zur\u00fcckgeblieben. Abwarten, was<br \/>\nals n\u00e4chstes dran ist. Kraft sch\u00f6pfen. Ausruhen und auf Gott<br \/>\nh\u00f6ren. Und: Briefe schreiben und Freunde treffen. Das war jetzt<br \/>\nwichtig. Seine k\u00f6rperlichen Beschwerden hatten ihm immer wieder<br \/>\neinen Strich durch die Rechnung gemacht, aber er hatte gelernt, m\u00fchsam,<br \/>\nder Eiferer, dass Gott ein anderes Tempo vorgibt und bei ihm die Uhr<br \/>\nanders geht als bei den Menschen.<\/p>\n<p>Paulus ging auf den kleinen Marktplatz<br \/>\nvon Nikopolis. Seine Gedanken wanderten hin\u00fcber nach Kreta, wo Titus<br \/>\nseit einiger Zeit die von ihnen beiden gegr\u00fcndete Gemeinde leitete.<br \/>\nPaulus machte sich Sorgen. Wird Titus das schaffen? Manche neuen Ideen<br \/>\nund Gedanken waren dort aufgekommen, wird Titus seine Gegner \u00fcberzeugen<br \/>\nk\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Paulus hatte angefangen, dem Freund einen Brief zu schreiben,<br \/>\nin der gew\u00e4rmten Stube seiner Gastgeber. Der Brief hatte schon drei<br \/>\nKapitel, war fast fertig, doch irgendwie zog es ihn an die frische Luft,<br \/>\nraus, unter den azurblauen Winterhimmel. Nikopolis \u0096 ein kleines St\u00e4dtchen, \u00fcbersetzt:<br \/>\nSiegesstadt. Ja, dachte sich Paulus, wenn doch der Sieg des Glaubens<br \/>\nhier auch Einzug halten k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Im Moment schien dazu die Zeit noch<br \/>\nnicht reif. Der Marktplatz war voll mit H\u00e4ndlern und Handwerkern,<br \/>\njeder bot seine Waren und Dienstleistungen an \u0096 aber von der heilsamen<br \/>\nBotschaft der Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes in Jesus Christus<br \/>\nwar hier nichts zu sp\u00fcren. Paulus schob sich durch die Menschenmassen.<br \/>\nSie feierten ein Winterfest, wie es hier hie\u00df, zu Ehren einer der<br \/>\nvielen griechischen G\u00f6tter, die jahreszeitlich wechselnd verehrt<br \/>\nwurden. Kindern wurden in dieser Jahreszeit Geschenke gemacht, und mit<br \/>\nkleinen Laternen erhellte man die anbrechende Nacht. Langsam sank die<br \/>\nSonne. Dann begann das abendliche Ritual: Man versuchte die G\u00f6tter<br \/>\ngn\u00e4dig zu stimmen, in dem jeder Haushalt sein Anwesen besonders<br \/>\nsch\u00f6n schm\u00fcckte. Ein jeder war au\u00dferdem bedacht, dem<br \/>\nanderen Gutes zu tun \u0096 ihn mit Gutem gerade zu \u00fcberh\u00e4ufen,<br \/>\nman schenkte und lie\u00df sich beschenken \u0096 und nat\u00fcrlich wurden<br \/>\nauch den G\u00f6ttern in den kleinen Stadttempeln Opfer und Geschenke<br \/>\ngebracht. \u0084Gutes tun und die G\u00f6tter gn\u00e4dig stimmen\u0093 \u0096 so lernten<br \/>\nes schon die Kinder auf der Stra\u00dfe, sei der Sinn dieses Winterfestes.<\/p>\n<p>Aber nach ein paar Tagen war wieder alles vergessen vom Lichterglanz<br \/>\nder Dezembertage und vom scheinbar so freundlichen Miteinander, bei<br \/>\ndem sogar an die Armen gedacht wurde. Die Bewohner von Nikopolis hatten<br \/>\ndazu extra eine Herberge hergerichtet mit Suppenk\u00fcche f\u00fcr die, die<br \/>\nohne Arbeit und Dach \u00fcber dem Kopf leben mussten. Drei Tage lang<br \/>\nkonnten sie sich satt essen. Paulus hatte diesen Brauch nicht gekannt,<br \/>\nsich aber von Herzen daran gefreut. Doch als er nachfragte, ob es so<br \/>\netwas auch unterm Jahr g\u00e4be, wurde er entt\u00e4uscht. Nein, sagte<br \/>\nihm ein Gesch\u00e4ftsmann, in wenigen Tagen ist alles vorbei. Dann geht&#8217;s<br \/>\nhier wieder wie immer zu: \u0084Sie schicken die Bettler schon an den Stadttoren<br \/>\nwieder weg, und von dem Lichterglanz dieser wenigen Tage bleibt nichts<br \/>\nzur\u00fcck!\u0093, sagte der Gesch\u00e4ftsmann, und f\u00fcgte hinzu: \u0084Aber<br \/>\nehrlich gesagt: Ich lebe ganz gut davon!\u0093 Der Mann hatte ja recht, schlie\u00dflich<br \/>\nverdiente er nur sein gutes Geld damit.<\/p>\n<p>Paulus war sehr nachdenklich<br \/>\ngeworden. Er dachte daran, wie wichtig es w\u00e4re, dass auch die Nikopoliten<br \/>\nvon der Menschenfreundlichkeit und Menschenliebe Gottes etwas erfuhren.<br \/>\nEr stellte sich vor, wie das w\u00e4re: wenn hier eine christliche Gemeinde<br \/>\nentst\u00fcnde, die wie die ersten Christen in Jerusalem und danach an<br \/>\nvielen Orten diese Liebe immer, das ganze Jahr \u00fcber praktizierten \u0096 und<br \/>\ndie ihre Lichter nicht nur einmal im Jahr brennen lie\u00dfen, sondern<br \/>\njeden Tag, im Sommer und im Winter, und alles teilten, wie es ihnen von<br \/>\nJesus vorgelebt worden war&#8230; Klar, die Bewohner von Nikopolis waren<br \/>\nvoller Tugend, sie bem\u00fchten sich um einen freundlichen und liebevollen<br \/>\nUmgang miteinander, aber es fehlte ihnen doch die Botschaft von Jesus<br \/>\nChristus, dem tragenden Grund, der auch dann noch tr\u00e4gt, wenn unsere<br \/>\nMenschlichkeit versagt.<\/p>\n<p>Er versank in Gedanken, tr\u00e4umte seinen Tagtraum<br \/>\nweiter, und erinnerte sich an jenes Gebet, das Jesus sie gelehrt hatte:<br \/>\nDein Wille geschehe. Ja, so muss es hei\u00dfen: Dein Wille geschehe \u0096 und<br \/>\nich will warten und offen sein daf\u00fcr, wann die Zeit reif ist, sagte<br \/>\ner sich, reif f\u00fcr den Aufbau deiner Gemeinde in Nikopolis. Als er<br \/>\nan das gro\u00dfe Denkmal in Nikopolis kam, am S\u00fcdrand des Marktplatzes,<br \/>\nstaunte er nicht schlecht: \u00dcberlebensgro\u00df war der alte Kaiser<br \/>\nTitus Flavius Vespasianus zu sehen, dessen Regierungszeit doch schon<br \/>\nwieder um war. Als Unterschrift las er an diesem Denkmal: \u0084Freundlichkeit<br \/>\nund Menschenliebe.\u0093 Dieser Kaiser, Titus, hatte nur drei Jahre das Zepter<br \/>\ninne gehabt, aber sich doch durch Hilfsaktionen und seine sprichw\u00f6rtliche<br \/>\nTugendhaftigkeit und Besonnenheit beim Volk offensichtlich gro\u00dfen<br \/>\nRuhm erworben. Ein Mann der Humanit\u00e4t, jener Titus Flavius Vespasianus,<br \/>\nsicher. Allerdings wussten die Insider nur zu genau, dass er zugleich<br \/>\nein harter und unbarmherziger Herrscher gewesen sein muss. Aber das wollte<br \/>\nniemand wissen. Tugend wurde ganz gro\u00df geschrieben bei den Nikopoliten,<br \/>\nschlie\u00dflich galt es, dem Kaiser nachzueifern und die G\u00f6tter<br \/>\ndurch gutes Tun gn\u00e4dig zu stimmen.<\/p>\n<p>Titus \u0096 bei diesem gro\u00dfen<br \/>\nKaiser-Namen musste Paulus unwillk\u00fcrlich an seinen Freund, Titus,<br \/>\nauf der Insel Kreta denken. Er, der Sch\u00fcler und engste Mitarbeiter<br \/>\nin der Sache des Herrn, weilte ja noch immer dort, gerne w\u00fcrde er<br \/>\njetzt mit ihm reden ,von ihm h\u00f6ren, wie es um die von Paulus und<br \/>\nTitus gegr\u00fcndete Gemeinde auf Kreta gerade steht. Paulus hatte sich<br \/>\nso an Titus gefreut \u0096 er war ein Mann, auf den man sich verlassen konnte.<br \/>\nTitus \u0096 mit diesem Namen verband sich f\u00fcr den Apostel Paulus der<br \/>\nbleibende Eindruck eines loyalen und durchsetzungsf\u00e4higen Gemeindeleiters,<br \/>\ndem es immer um die Sache des Herrn gegangen war, und nie um seine eigene<br \/>\nEhre.<\/p>\n<p>Die zunehmende K\u00e4lte des Abends machte Paulus nun allerdings<br \/>\ndoch zu schaffen. Er machte sich auf den Heimweg: schlie\u00dflich wollte<br \/>\ner den Brief an Titus heute zu Ende bringen. Was ging ihm nicht alles<br \/>\nim Kopf herum! Das Winterfest der Griechen hier, ihre aufrichtige Humanit\u00e4t,<br \/>\ndie doch nach einigen Tagen schon wieder vom Alltag \u00fcberlagert war.<br \/>\nVor allem: Ihr Eifer, den G\u00f6ttern zu gefallen, und ihr Irrglaube,<br \/>\nmit ihren kleinen und gro\u00dfen Opfern ihre G\u00f6tter gn\u00e4dig<br \/>\nstimmen zu k\u00f6nnen. Was war doch der Glaube an Jesus Christus dagegen<br \/>\nf\u00fcr eine Befreiung! Sich das Heil nicht selbst verdienen m\u00fcssen,<br \/>\nsich die Seligkeit nicht erkaufen zu k\u00f6nnen, sondern sie geschenkt<br \/>\nzu bekommen \u0096 das ist Gnade. Und sich f\u00fcr den anderen nicht nur<br \/>\nan guten Tagen, sondern grunds\u00e4tzlich helfend und dienend einzusetzen,<br \/>\nwie es Paulus auch in den anderen von ihm gegr\u00fcndeten Gemeinden<br \/>\ngelehrt hatte. Weil Christus ja dazu gekommen ist, dass die Verlorenen<br \/>\nund Einsamen und Kraftlosen und Gescheiterten das Heil finden.<\/p>\n<p>Trotz<br \/>\naller K\u00e4lte wurde es Paulus nun regelrecht warm, und der eine Gedanke<br \/>\nan dieses gr\u00f6\u00dfte Geschenk seines Lebens, das Geschenk des<br \/>\nGlaubens an Jesus Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen, machte<br \/>\nihn froh und heiter. Das war die Hoffnung \u0096 seit seiner Taufe lie\u00df er<br \/>\nsich die nicht mehr nehmen. Ja, und das war ja auch das Zeichen, an das<br \/>\ner sich immer wieder erinnerte: Seine Taufe \u0096 mit der er ein f\u00fcr<br \/>\nallemal dazugeh\u00f6rt, zu jener immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Gemeinde<br \/>\nJesu Christi \u0096 in Jerusalem, in Rom, auf Kreta und vielleicht bald auch<br \/>\nin Nikopolis.<\/p>\n<p>Paulus ging zur\u00fcck in seine kleine Gaststube, legte<br \/>\nein wenig Holz auf und setzte den Brief an Titus fort. Er hatte ihm schon<br \/>\ngeschrieben, wie wichtig es ist, dass es \u00c4lteste gibt und Bisch\u00f6fe,<br \/>\ndie f\u00fcr die rechte Verk\u00fcndigung des Wortes Gottes und f\u00fcr<br \/>\ndie Leitung der Gemeinde da sind. Auch hatte er sie ermahnt, Junge und<br \/>\nAlte, dass keiner sich zu wichtig nehme, sondern sie jeweils voneinander<br \/>\nlernen k\u00f6nnen, was es hei\u00dft, \u0084ein Leib zu sein\u0093. Schlie\u00dflich<br \/>\nhatte er f\u00fcr Titus begr\u00fcndet, warum Christen anders miteinander<br \/>\numgehen als es in der Welt g\u00e4ngige Praxis ist: Weil sie aus der<br \/>\nGnade leben. Weil sie aus der Vergebung leben. Dass sie den l\u00e4ngeren<br \/>\nAtem haben und nicht auf das Ansehen der Person achten. Dass sie seit<br \/>\nJesus Christus in diese Welt gekommen ist, einen tragenden Grund, den<br \/>\ntragenden Grund gefunden haben f\u00fcr ihr Leben, und Gott nicht mehr<br \/>\nl\u00e4nger gn\u00e4dig stimmen m\u00fcssen durch ihr vermeintlich tugendhaftes<br \/>\nLeben. Und so war ihm der sch\u00f6ne Satz aufs Papier geflossen, den<br \/>\nzu sp\u00e4teren Zeiten die Menschen an Weihnachten immer wieder h\u00f6ren<br \/>\nsollten: \u0084Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen.\u0093<\/p>\n<p>Darum<br \/>\ngeht es doch, dachte Paulus. Aber das muss ich dem Titus noch genauer<br \/>\nerkl\u00e4ren. Er ging an sein Stehpult, griff noch einmal zur Feder<br \/>\nund schrieb die S\u00e4tze, die heute an diesem Sonntag als unser Predigttext<br \/>\nzu h\u00f6ren sind. Er dachte an die Menschen auf dem Marktplatz in Nikopolis,<br \/>\nmit ihren vergeblichen Bem\u00fchungen, den G\u00f6ttern zu gefallen,<br \/>\nund ihrer Festtagsstimmung, mit der sie drei Tage lang der Armen gedenken<br \/>\nund dann gezwungenerma\u00dfen wieder zur Tagesordnung \u00fcbergehen.<br \/>\nUnd er dachte an die imposante Statue des Titus Flavius Vespasianus,<br \/>\ndes tugendhaften Herrschers, dem gro\u00dfen Vorbild der Nikopoliten.<br \/>\nUnd so schrieb er die folgenden Zeilen, unser heutiger Predigttext: \u0084Als<br \/>\naber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilandes,<br \/>\nJesus Christus, da machte er uns selig \u0096 nicht um der Werke der Gerechtigkeit<br \/>\nwillen, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit \u0096 durch<br \/>\ndas Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist, den er \u00fcber<br \/>\nuns reichlich ausgegossen hat durch Jesus Christus, unsern Heiland, damit<br \/>\nwir, durch dessen Gnade gerecht geworden, Erben des ewigen Lebens w\u00fcrden<br \/>\nnach unserer Hoffnung\u0093 (Titus 3, 4-7).<\/p>\n<p>Das sa\u00df. Eigentlich war<br \/>\ndem nun nichts mehr hinzuzuf\u00fcgen. Ob Titus die Anspielung auf die<br \/>\nTaufe vernommen hatte: Das \u0084Bad der Wiedergeburt\u0093 \u0096 das war f\u00fcr<br \/>\nPaulus die eigentliche Quelle der Kraft! In der Taufe wurde es ihm doch<br \/>\ngerade zugesprochen, das Wunder der Gnade! In diesem \u0084Bad der Wiedergeburt\u0093,<br \/>\nwie Paulus es nannte, wurde doch deutlich, dass alles Trennende, alle<br \/>\nSchuld und S\u00fcnde, die uns vom heiligen Gott trennt, ein f\u00fcr<br \/>\nallemal von ihm selbst abgewaschen wurde \u0096 eben gratis, als Geschenk,<br \/>\naus reiner Gnade. Das kann man sich nicht verdienen. Man kann sich nicht<br \/>\nselbst taufen. Das geschieht an einem \u0096 es ist das Abbild der Gnade.<br \/>\nSo ist es mit dem Glauben ja auch: Sein Grund ist gelegt in dem, der<br \/>\nals Mensch, geboren von Maria, unter uns gelebt hat. In ihm, in Jesus<br \/>\nvon Nazareth, ist die heilsame Gnade, die heilende Kraft f\u00fcr uns<br \/>\nerschienen \u0096 wenn das kein Grund zur Freude ist!<\/p>\n<p>Paulus war wieder ganz<br \/>\nfroh und getrost in seinem Herzen. Ach, wenn das nur viele erfahren \u0096 auch<br \/>\ndie, die sich abstrampeln mit ihren guten Werken. Auch die, die sich<br \/>\nselbst nicht lieben k\u00f6nnen. Auch die, die andere wegschicken und<br \/>\naburteilen, drau\u00dfen vor den Toren, und gar nicht erst herein lassen.<br \/>\nAuch die, die es einst erfahren haben und dann wieder verga\u00dfen.<br \/>\nAuch die, die mit zweierlei Ma\u00df messen und heute so und morgen<br \/>\nso handeln. Auch die, denen die Kraft ausgeht auf ihrem Weg, und die<br \/>\nsich heillos verrannt haben in ihrem Leben. Eben allen gilt diese Botschaft!<br \/>\nDem Titus jedenfalls wollte er dies noch einmal in Erinnerung rufen:<br \/>\nW\u00e4re der eine, der Heiland, Christus, nicht erschienen, h\u00e4tten<br \/>\nwir von der Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes nichts, aber rein<br \/>\ngar nichts verstehen k\u00f6nnen. W\u00e4re der eine, der Heiland, Christus,<br \/>\nnicht das Abbild der heilsamen, heilenden Gnade Gottes, so w\u00e4re<br \/>\nunser Glauben und unser Handeln umsonst. Weil in ihm aber Gott selbst<br \/>\nerschienen ist, auf dieser Erde, geht diese Botschaft weiter um den Erdball.<br \/>\nWeil in Christus Gottes Freundlichkeit und Menschenliebe sichtbar wird,<br \/>\ndarum d\u00fcrfen wir wie Neugeborene immer wieder von ganz vorne anfangen.<br \/>\nUnd wie frisch Gebadete uns f\u00fchlen, wie die, denen alles abgewaschen<br \/>\nwurde, was noch alt und schmutzig und dreckig war. Titus w\u00fcrde das<br \/>\nverstehen. Und er w\u00fcrde es seinen Leuten gewiss so weitergeben wie<br \/>\ner, Paulus, es hier geschrieben hatte.<\/p>\n<p>Paulus ging vom Stehpult weg und<br \/>\nlie\u00df den Brief an Titus liegen. Es hatte an der T\u00fcr geklopft.<br \/>\nSein Gastgeber stand da und lud ihn ein, mit ihm zu Abend zu essen. Im<br \/>\nSpeisesaal sei es sch\u00f6n warm und man k\u00f6nne sich gepflegt unterhalten.<br \/>\nPaulus z\u00f6gerte kurz, doch dann willigte er ein. Zwar h\u00e4tte<br \/>\ner seinen Brief an Titus gerne noch mit dem Schlusswort versehen und<br \/>\nfertig geschrieben. Doch in solchen Situationen fragte er sich immer: \u0084Was<br \/>\nw\u00fcrde Jesus jetzt tun?\u0093 Und da war ihm klar, dass das Essen mit<br \/>\ndem Gastgeber jetzt Vorrang hatte. Nichts geht \u00fcber das pers\u00f6nliche<br \/>\nGespr\u00e4ch \u0096 das wusste auch Paulus nur zu gut. Seine Briefe waren<br \/>\nihm oft sehr scharf geraten, und nicht immer hatten sie ihn richtig verstanden.<br \/>\nIm Reden aber und im Zuh\u00f6ren war er besser als sein Ruf. Er sp\u00fcrte<br \/>\nes: Der k\u00fchle Winter in Nikopolis w\u00fcrde ihm noch manche neue<br \/>\nEinsicht bescheren. Gott hatte ihn hierher an diesen Ort gestellt. Wer<br \/>\nwei\u00df: vielleicht k\u00f6nnte er so seinem Gastgeber sogar etwas<br \/>\nvon der Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes berichten, wenn er nach<br \/>\ndem Grund seiner Heiterkeit gefragt w\u00fcrde. Vielleicht w\u00fcrde<br \/>\nin diesem Dezember der eine oder andere in Nikopolis sich von der heilsamen<br \/>\nGnade Gottes erreichen lassen. Und sich gar taufen lassen. Aber bitte \u0096 das<br \/>\nblieb abzuwarten. Wenn Gottes Zeit gekommen ist, dann handelt er, wie<br \/>\nes ihm gef\u00e4llt.<\/p>\n<p>Beim Hinausgehen dachte er noch einmal an den Satz,<br \/>\nden er gerade im Brief an Titus geschrieben hatte. Diese Botschaft<br \/>\nsollte alle Menschen erreichen: \u0084Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe<br \/>\nGottes, unsres Heilandes, Jesus Christus, da machte er uns selig, nicht<br \/>\num der Werke der Gerechtigkeit willen, sondern nach seiner Barmherzigkeit.\u0093 Das<br \/>\ngilt in Zeit und Ewigkeit. Gott sei Dank! Das ist Gnade \u0096 wie froh ihn<br \/>\ndas machte. Viel wichtiger als Tugend und Freundlichkeit ist doch diese<br \/>\ngro\u00dfartige Aussicht: \u0084Erben des ewigen Lebens\u0093 genannt zu werden.<br \/>\nOb das denen, die seinen Brief lesen und davon h\u00f6ren werden, in<br \/>\nKreta und vielleicht noch an manch anderem Ort so einleuchten w\u00fcrde?<br \/>\nTitus w\u00fcrde es verstehen, und was die anderen betrifft, so konnte<br \/>\ner das heute getrost seinem Herrn Jesus Christus \u00fcberlassen, und<br \/>\ndem Geist Gottes, der allein Ohren und Herzen \u00f6ffnet. Damals wie<br \/>\nheute. Amen<\/p>\n<p>Anmerkung:<br \/>\nDiese Predigt versucht, den biblischen Text ins Szene zu setzen (Henning Luther),<br \/>\nwobei das Wagnis bei dieser Predigt darin besteht, die Szenerie rund um Paulus<br \/>\nin Nikopolis so aufzubauen, dass sie in unsere gegenw\u00e4rtige Weihnachtswelt<br \/>\nhineinleuchtet. Historische Details sind nur teilweise \u00fcberpr\u00fcft,<br \/>\nteilweise ist die Szenerie schlicht frei erfunden. F\u00fcr kritische R\u00fcckmeldungen<br \/>\nbin ich sehr dankbar.<\/p>\n<p><strong>Christoph Lang<br \/>\n<a href=\"mailto:LangCh@gmx.net\">LangCh@gmx.net<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, der biblische Abschnitt f\u00fcr das Weihnachtsfest im Jahr 2003 entstammt dem Brief des Paulus an Titus, darin ein Abschnitt aus dem 3. Kapitel. Ich m\u00f6chte Ihnen und Euch diesen Abschnitt nicht einfach vorlesen. 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