{"id":9718,"date":"2003-12-07T19:49:39","date_gmt":"2003-12-07T18:49:39","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9718"},"modified":"2025-06-28T10:25:17","modified_gmt":"2025-06-28T08:25:17","slug":"hebraeer-11-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/hebraeer-11-3\/","title":{"rendered":"Hebr\u00e4er 1,1-3"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p align=\"left\">An Weihnachten hei\u00dft das Thema: Gott wird Mensch. Alle drei Worte sind in diesem Satz zu betonen: <em>Gott &#8211; wird &#8211; Mensch. <\/em>Wie das verstanden werden kann: Dazu lese ich die ersten drei Verse des Hebr\u00e4erbriefes im Neuen Testament vor:<\/p>\n<p>1 Nachdem Gott vorzeiten vielfach und vielf\u00e4ltig geredet hat zu den V\u00e4tern durch die Propheten,<\/p>\n<p>2 hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn, den er eingesetzt hat zum Erben \u00fcber alles, durch den er auch die Welt gemacht hat.<\/p>\n<p>3 Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und tr\u00e4gt alle Dinge mit seinem kr\u00e4ftigen Wort und hat vollbracht die Reinigung von den S\u00fcnden und hat sich gesetzt zur Rechten der Majest\u00e4t in der H\u00f6he.<\/p>\n<p align=\"left\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Genau genommen ist es ein Lied am Anfang des Hebr\u00e4erbriefes, ein hoch gesinntes, kunstvoll gedichtetes, sorgsam \u00fcberlegtes Lied.<\/p>\n<p>Die gegenteilige Erfahrung l\u00e4\u00dft sich dagegen mit einfachen Worten ausdr\u00fccken, am besten auf fr\u00e4nkisch: Mit dem hob i a scho gschussert.<\/p>\n<p align=\"center\">~~~~~~~~~~~~<\/p>\n<p>\u0084Mit dem hob i a scho gschussert.\u0093 So mag ein alter Mann in Nazareth erz\u00e4hlen, 30 Jahre nach Jesu Tod.<\/p>\n<p>Alte Menschen sind oft schwerh\u00f6rig; und sie erinnern sich besser an die Kindheit als da\u00df sie an den Fragen heute Anteil nehmen. So einen alten Mann stelle ich mir in Nazareth vor.<\/p>\n<p>Ich stelle mir vor, jener alte Mann hat Besuch bekommen. Eine Pilgergruppe von Christen j\u00fcdischer Herkunft ist auf dem Weg nach Jerusalem, mit einem Abstecher nach Nazareth. Diese Christen stammen aus Ephesus, aus der christliche Gemeinde dort. Drei M\u00e4nner sind zu dieser Pilgerreise entsandt worden: Eliser, Simeon und Phlegos. Sie haben von ihrer Gemeinde den Auftrag, nach Jerusalem zu pilgern und dort die Urgemeinde zu besuchen. Lange sind sie mit dem Schiff gefahren. Jetzt wandern sie durchs Heilige Land. Vor ihnen liegt die Stadt Nazareth.<\/p>\n<p>\u0084Mensch, ob wir wohl das Haus sehen, in dem der Herr Jesus aufgewachsen ist?\u0093 fragt sich Simeon: \u0084Jesus von Nazareth! Und ob wir wohl jemanden treffen, der ihn noch selbst gekannt hat?\u0093<\/p>\n<p>Doch die drei werden entt\u00e4uscht: Die Menschen in Nazareth sind schweigsam. Nur Kinder f\u00fchren sie zu jenem schwerh\u00f6rigen Mann. \u0084Der kann euch was erz\u00e4hlen\u0093 meinen sie. Die drei verneigen sich vor dem Alten. Eliser, der \u00c4lteste der drei, erkl\u00e4rt: \u0084Wir kommen von weit her und wollen nach Jerusalem. Wir wollen gerne die originalen Geschichten \u00fcber Jesus h\u00f6ren und sammeln.\u0093<\/p>\n<p>\u0084Jesus?\u0093 Der Alte h\u00e4lt seine Hand ans Ohr, dann nickt er: \u0084Ja, d\u00e4 Jesus! Mit dem hob i a scho Schusser gspillt. Sei Vadder woar a Zimmermo. Wie hot er glei widda ghei\u00dfn? Josef, richtig, Josef hot er si gschrim. Ja, d\u00e4 Jesus. Ma hot scho lang nix mer von nerm gh\u00f6rt.\u0093 Der Alte nickt und l\u00e4chelt und nickt und versinkt wieder in seinen Erinnerungen.<\/p>\n<p align=\"center\">~~~~~~~~~~~~<\/p>\n<p>\u0084Na, was war jetzt das?\u0093 fragt Simeon, als sie weiterwandern. \u0084War das \u00fcberhaupt eine Antwort?\u0093 \u0084Wir d\u00fcrfen vor allem nicht vergessen, was unser Auftrag ist\u0093 wiederholt Eliser eifrig. Die anderen winken ab, doch Eliser f\u00e4hrt fort: \u0084Wir wollen nicht nur alte Geschichten h\u00f6ren, sondern wir wollen ihre tiefere Bedeutung verstehen. Genau das haben uns die Gemeindevorsteher als Auftrag mitgegeben. Wir schicken euch nach Jerusalem, sagten sie. Sammelt die Geschichten und pr\u00fcft sie: Ist dieser Jesus von Nazareth wirklich von Gott? Und wie ist das zu verstehen?\u0093<\/p>\n<p>Nach einer Weile erwidert Phlegos nachdenklich: \u0084Ja, das ist unser Auftrag. Ich glaube, heute haben wir das Gegenteil einer Antwort erhalten. Wir fragten, ob Jesus von Gott sei. Der alte Schwerh\u00f6rige erz\u00e4hlte, wie Jesus ein Mensch war. Sogar gespielt hatte er mit ihm.\u0093 Und Simeon schlo\u00df: \u0084Ich bin gespannt, was wir in Jerusalem erleben.\u0093<\/p>\n<p align=\"center\">~~~~~~~~~~~~<\/p>\n<p>In Jerusalem werden die drei freundlich in der Gemeinde aufgenommen. Sie wohnen bei einem der Gemeindevorsteher. Sie h\u00f6ren viele Geschichten, die in Ephesus noch nicht bekannt waren. Ihr Gastgeber f\u00fchrt sie herum: Er zeigt den Tempelvorplatz mit den H\u00e4ndlern. Er zeigt den H\u00fcgel Golgatha. Am Morgen des ersten Tags der Woche feiern die G\u00e4ste einen Gottesdienst mit, der vor der Grabesh\u00f6hle des Arimathia gehalten wird. \u0084Hier hat Gott unseren Herr Jesus auferweckt.\u0093 erkl\u00e4rt ihr Gastgeber.<\/p>\n<p>Dies nimmt Simeon zum Anla\u00df und fragt ihn: \u0084Ihr glaubt also, da\u00df dieser Jesus von Gott selbst best\u00e4tigt wurde? Von Gott selbst kommt?\u0093 &#8211; \u0084Aber selbstverst\u00e4ndlich\u0093 &#8211; antwortet der Gastgeber und stemmt entr\u00fcstet die Arme in seine Seite. \u0084Ist das f\u00fcr euch so zu denken wie bei den Propheten fr\u00fcher?\u0093 st\u00f6\u00dft Eliser nach. &#8211; \u0084Nein! Aber jetzt verstehe ich eure Frage\u0093 meint der Gastgeber. Er denkt nach. \u0084Nein. Gott hat \u00f6fter durch die Propheten gesprochen; auch einmal so und einmal anders. Bei Jesus ist es mehr als bei den Propheten. Wir glauben, da\u00df es bei Jesus endg\u00fcltig ist.\u0093 Er denkt wieder nach. \u0084Durch Jesus hat sich Gott endg\u00fcltig gezeigt. So wie bei ihm will Gott wirklich zu den Menschen sein. Jesus kommt wirklich von Gott.\u0093<\/p>\n<p>\u0084Also, ich verstehe das nicht!\u0093 wirft Phlegos ein. \u0084Einerseits ist er ein Mensch, andererseits kommt er wirklich von Gott, drittens hat er nicht blo\u00df Gottes Geist wie die Propheten.\u0093 \u0084Und viertens\u0093 f\u00fcgt Simeon hinzu, \u0084viertens habt ihr erz\u00e4hlt, wie Jesus Gott mit \u00bbVater\u00ab angeredet hat.\u0093 \u0084Und f\u00fcnftens\u0093 schlie\u00dft sich Eliser an \u0084f\u00fcnftens lebte Jesus wie wir in der j\u00fcdischen Tradition. Wir bekennen, da\u00df nur <em>ein <\/em>Gott ist. Alle anderen G\u00f6tter und G\u00f6tzen sind nichts, sind nur ein falsches Ger\u00fccht. Nur <em>ein <\/em>Gott ist!\u0093<\/p>\n<p>\u0084Wie versteht ihr das?\u0093 fragen Phlegos und Eliser und Simeon ihren Gastgeber in Jerusalem. Der zuckt die Achseln. \u0084Mu\u00df man es \u00fcberhaupt verstehen? Wir erz\u00e4hlen. Wir erz\u00e4hlen von Jesu Liebe und seinen Predigten, von seinen Wundertaten; von seinem Sterben und seiner Auferstehung. Das gen\u00fcgt doch! Mehr denken wir in der Jerusalemer Gemeinde nicht nach!\u0093<\/p>\n<p>Doch Eliser sch\u00fcttelt den Kopf. \u0084Nein, uns gen\u00fcgt das nicht. Wir wollen wenigstens ansatzweise verstehen, wie Jesus zugleich Mensch war und wirklich von Gott kommt.\u0093<\/p>\n<p>Ein Erlebnis aus den Wochen in Jerusalem ist noch berichtenswert. Der Sohn des Gastgebers war H\u00e4ndler. Als er eines Tages einen Posten ungesponnene Wolle aus Bethlehem abholen mu\u00dfte, durften die drei Pilger ihn begleiten. Er erz\u00e4hlte ihnen auf dem Weg von der Volksz\u00e4hlung und von Jesu Geburt, von den Hirten und den Weisen. Die drei waren sehr beeindruckt. Aber als sie ihm dieselben Fragen stellten wie Tage zuvor seinem Vater, da reagierte er \u00e4hnlich hilflos: \u0084Wir erz\u00e4hlen die Geschichten von Jesus! Gen\u00fcgt das nicht?\u0093<\/p>\n<p align=\"center\">~~~~~~~~~~~~<\/p>\n<p>Tags darauf mu\u00dften sich die drei Pilger verabschieden. Eine Weile begleiteten sie einige Br\u00fcder aus Jerusalem, dann wanderten sie allein hinunter in die Hafenstadt Caesarea. Auf dem Weg dachten sie nach, was ihnen der Besuch in Jerusalem gebracht hatte.<\/p>\n<p>\u0084Also mich haben die Geschichten von Jesu Geburt beeindruckt.\u0093 meint Simeon. \u0084Anderseits kann ich mir nicht vorstellen, da\u00df vorher nichts war.\u0093 Eliser schaut ihn fragend an, Simeon erkl\u00e4rt: \u0084Nun, zu seinen Lebzeiten war Jesus so, wie Gott wirklich sein will. Und dann ist er in den Himmel gefahren &#8211; sagen sie! Irgendwie mu\u00df er doch auch vorher bei Gott gewesen sein.\u0093<\/p>\n<p>Phlegos nickt: \u0084Ich denke gerade dar\u00fcber nach. Versucht, euch an eure Schulzeit zu erinnern, an \u0084griechische Philosophie\u0093, immer mein Lieblingsfach. Dort wurde ein Weltgeist angenommen, besser eine Ordnung, eine Ordnung des Kosmos. Der griechische Fachausdruck hei\u00dft \u00bb ????? \u00ab. Logos bedeutet zugleich \u00bbWort\u00ab und \u00bbOrdnung\u00ab. Der Logos ist soviel wie die Wirkweise Gottes. Durch den Logos hat Gott die Welt geschaffen und durch den Logos, durch die Ordnung, das Wort erh\u00e4lt er sie.\u0093 Phlegos redet sich in Eifer: \u0084Vielleicht k\u00f6nnen wir so Jesu Geburt erkl\u00e4ren: Der Logos wurde Mensch. Das w\u00e4re wenigstens eine Teilantwort auf unsere Ausgangsfrage.\u0093<\/p>\n<p>Immer langsamer geht Eliser bei dieser Rede und bleibt schlie\u00dflich stehen, h\u00e4lt Phlegos am \u00c4rmel zur\u00fcck. \u0084Nein!\u0093 widerspricht er. \u0084Mir leuchtet ja ein, da\u00df Jesus schon vor seiner Geburt von und bei Gott war. Aber dieses griechische Denken und diese Begriffe! Das ist doch Jesus v\u00f6llig fremd, da mache ich jedenfalls nicht mit. Du kannst ja dem gelehrten Johannes einen Tipp geben, wenn wir wieder in Ephesus sind. Vielleicht kann der mit deinem Gedanken etwas anfangen. Aber f\u00fcr unseren Schlu\u00dfbericht mache ich da nicht mit.\u0093<\/p>\n<p>Mit solchen Gespr\u00e4chen gelangen sie schlie\u00dflich in die Hafenstadt Caesarea. Sie suchen und finden schnell ein Schiff. Es geh\u00f6rt zur Reederei Lukios in Korinth, Schnelltransporte und Linienverkehr. Zwar f\u00e4hrt ihr Schiff nach Korinth, nicht nach Ephesus. Aber auf der Insel Syros k\u00f6nnen sie umsteigen auf die Gegenlinie nach Ephesus.<\/p>\n<p align=\"center\">~~~~~~~~~~~~<\/p>\n<p>Auf dem Schiff haben die drei viel Zeit. Sie sitzen auf Deck in der Sonne und d\u00f6sen und denken nach. Wie ist das zu verstehen: Jesus und Gott? Ohne Absicht spielt Eliser mit einer M\u00fcnze. Dann hebt er sie mit einem Ruck vor die Augen und starrt sie an. \u0084Ist es mit Gott und mit Jesus nicht so wie mit dieser M\u00fcnze? Irgendwo steht ein M\u00fcnzstock und ein Pr\u00e4gestempel, den wir nicht kennen. Wir sehen nur das Pr\u00e4gebild auf der M\u00fcnze. So sehen wir in Jesus ein Pr\u00e4gebild des Gottes, den wir nicht sehen.\u0093<\/p>\n<p>\u0084Ja, dies ist ein gutes Bild\u0093 stimmen die beiden anderen zu und Simeon f\u00e4hrt fort: \u0084Mir f\u00e4llt auch ein Vergleich ein: Jesus ist wie das Meer. Wie das Wasser kr\u00e4ftig das Schiff tr\u00e4gt, fr\u00fcher schon und heute und morgen auch, so tr\u00e4gt Jesu Wort die Ordnung der Welt.\u0093 Phlegos l\u00e4chelt sp\u00f6ttisch: \u0084Das ist aber nahe an dem Logos-Gedanken der griechischen Philosophie. Da wird unser Freund hier nicht einverstanden sein.\u0093<\/p>\n<p>Doch Eliser: \u0084Na ja, so lasse ich es mir gefallen. H\u00f6rt, mir ist noch ein Bild f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis von Jesus und Gott eingefallen. Erinnert ihr euch an die r\u00f6mischen Soldaten, an die starken Wachen in Caesarea und Jerusalem? Viel st\u00e4rker als bei uns in Ephesus! Wie sie die Menschen geschunden haben! Wir m\u00fcssen irgendwie ausdr\u00fccken, da\u00df Jesus dieser Macht entzogen ist. Wie w\u00e4re es mit dem Bild: Jesus sitzt im Himmel zur Rechten Gottes? Das bedeutet, er hat Macht \u00fcber alle M\u00e4chte!\u0093 \u0084Ja\u0093, entgegnet Simeon. \u0084Jetzt haben wir schon drei Bilder, die das Verh\u00e4ltnis von Gott und Jesus zum Thema haben. Wir m\u00fcssen sie aufschreiben! Erstens das Pr\u00e4gebild von der M\u00fcnze; zweitens das Wasser, das ein Schiff tr\u00e4gt; und jetzt drittens ein Thron zur Rechten Gottes.\u0093<\/p>\n<p>\u0084Wenn ihr schon aufz\u00e4hlt, was Jesus getan hat\u0093, erg\u00e4nzt Phlegos etwas brummig, \u0084wenn schon, dann schreibt auch auf: Jesus reinigt die Menschen von ihren S\u00fcnden. Trotzdem! Ich bin noch nicht zufrieden mit diesen Bildern. Jesus ist noch mehr in Beziehung zu Gott. Ich will diese Beziehung noch besser verstehen.\u0093<\/p>\n<p align=\"center\">~~~~~~~~~~~~<\/p>\n<p>Am Ende der Woche legte das Schiff mit den drei Gef\u00e4hrten in Syros an. Syros ist eine kleine Insel im \u00e4g\u00e4ischen Meer. Ein mittelgro\u00dfer Hafen, eine kleine Stadt. Bedeutung hat die Insel vor allem f\u00fcr die korinthische Reederei Lukios, Schnelltransporte und Linienverkehr. Hier teilten sich die Schiffahrtslinien, einerseits Antiochien und \u00f6stliches Mittelmeer, andererseits Ephesus. So mu\u00dften die drei Freunde ihr Schiff verlassen und auf ein anderes der Gegenlinie warten. Die Sonne ging gerade unter, als sie ihr Gep\u00e4ck in einer Schenke verstaut hatten. Christen gab es offensichtlich keine auf der Insel.<\/p>\n<p>Es ist Freitagabend. Der Sabbat bricht an. So entschlie\u00dfen sich die drei, heute den j\u00fcdischen Gottesdienst in der Synagoge zu besuchen ( wie das damals h\u00e4ufig war ). Im Gottesdienst liest ein Rabbiner den 110. Psalm vor:<\/p>\n<p align=\"left\"><em>Ein Psalm Davids.<br \/>\n<\/em><em>Es spricht der Herr zu meinem Herrn:<br \/>\n<\/em><em>Setze dich zu meiner Rechten<br \/>\n<\/em><em>bis da\u00df ich hinlege deine Feinde<br \/>\n<\/em><em>als Schemel f\u00fcr deine F\u00fc\u00dfe. <\/em>[Ps. 110,1]<\/p>\n<p align=\"left\">Der Rabbiner erkl\u00e4rt: \u0084Dieser Psalm wurde gebetet bei der Thronbesteigung des K\u00f6nigs &#8211; als es noch K\u00f6nige in Juda gab. Es ist bildliche Redeweise: Gott spricht zum K\u00f6nig. Der K\u00f6nig soll sich zur Rechten Gottes auf einen Thron setzen. Gott streitet f\u00fcr ihn.\u0093<\/p>\n<p>Phlegos tuschelt Eliser ins Ohr: \u0084Siehst du, das ist exakt der Beleg f\u00fcr deinen Gedanken. Nur da\u00df wir nicht von irgendeinem K\u00f6nig, sondern von Jesus reden.\u0093 Eliser nickt und legt den Finger auf die Lippen.<\/p>\n<p>\u0084Dazu k\u00f6nnen wir auch den Psalm 2 lesen\u0093, f\u00e4hrt der Rabbiner fort. Diesen Psalm betete damals der K\u00f6nig bei der Thronbesteigungsfeier. Beachten Sie wieder die \u00fcbertragene Redeweise: Der K\u00f6nig bezeichnet sich als Sohn Gottes! So betet er:<\/p>\n<p align=\"left\"><em>Kundtun will ich dem Beschlu\u00df des Herrn<br \/>\n<\/em><em>Er sprach zu mir; Mein Sohn bist du,<br \/>\n<\/em><em>ich habe dich heute gezeugt.<br \/>\n<\/em><em>Bitte mich, so will ich dir die V\u00f6lker<br \/>\n<\/em><em>und die Enden der Erde zum Eigentum<br \/>\n<\/em><em>und zum Erbe geben. <\/em>\u0093 [Ps. 2,7-8]<\/p>\n<p>Phlegos rutscht unruhig auf seinem Platz hin und her. Eliser mu\u00df ihn mehrfach streng ansehen, bis der Gottesdienst vorbei ist.<\/p>\n<p>Als sie endlich allein sind, platzt Phlegos heraus: \u0084Heute haben wir die bisher beste Antwort auf unsere Frage geh\u00f6rt. Wie steht Jesus zu Gott? Wir k\u00f6nnen diese beiden Bilder vom Sohn und vom Universalerben auf dem Thron verwenden. Wir k\u00f6nnen auf den 110. und den 2. Psalm zur\u00fcckgreifen. Damals waren es Psalmen \u00fcber menschliche K\u00f6nige, aber heute ist doch klar, da\u00df es nur Vorhersagen \u00fcber Jesus sein k\u00f6nnen.\u0093<\/p>\n<p>Simeon wendet ein: \u0084Wenn wir Jesus den Sohn Gottes nennen, dann m\u00fcssen wir aufpassen, da\u00df wir nicht gegen das erste Gebot versto\u00dfen. Es gibt nur einen Gott, nicht mehrere G\u00f6tter.\u0093<\/p>\n<p>\u0084Simeon hat recht\u0093 meint Eliser. \u0084Trotzdem ist Phlegos Vorschlag der beste Gedanke auf unserer Fahrt bisher. Wir m\u00fcssen nur betonen, was es ist: ein Versuch zu verstehen, wie Jesus zu Gott steht. Es ist unsere Erkl\u00e4rung, unser Verst\u00e4ndnisversuch! Jesus war Mensch. Das hat uns der Alte in Nazareth klar gemacht. Jesus kommt wirklich von Gott. Davon erz\u00e4hlen die Christen in Jerusalem viele Geschichten. Aber wie pa\u00dft das zusammen? &#8211; Ja, Phlegos, ich finde deine Idee gut: Jesus als der, von dem der Psalm spricht: Mein Sohn bist du.\u0093<\/p>\n<p align=\"center\">~~~~~~~~~~~~<\/p>\n<p>Zwei Tage sp\u00e4ter ankerte ein Schiff der Gegenlinie im Hafen der Insel. Eliser, Simeon und Phlegos stiegen ein und trafen zu ihrem Erstaunen: Apollos. Apollos war ein angesehener Mann in der Gemeinde von Ephesus, gelehrt und fromm. Er war Gro\u00dfkaufmann und stets unterwegs zwischen Griechenland und Ephesus.<\/p>\n<p>Die drei erz\u00e4hlen Apollos von ihrer Fahrt und Apollos ist beeindruckt. \u0084Ich werde mir das Ergebnis eures Nachdenkens merken!\u0093 verspricht er. \u0084Nur: Ihr m\u00fc\u00dft es in eine bessere Form bringen, nicht blo\u00df eine Erz\u00e4hlung. Ein Prophetenspruch oder ein Gedicht oder ein Lied m\u00fc\u00dfte es sein.\u0093<\/p>\n<p>Apollos h\u00e4lt inne und \u00fcberlegt: \u0084Vielleicht so? So k\u00f6nnte es gehen: <em>Viel <\/em>fach und <em>viel <\/em>f\u00e4ltig <em>vor <\/em>zeiten hat Gott geredet zu den <em>V\u00e4 <\/em>tern durch die Pro <em>phe <\/em>ten &#8230;\u0093 So geschieht es. Sie schreiben das Lied auf. Apollos macht sich eine Abschrift f\u00fcr die Gemeinden, die er auf seiner n\u00e4chsten Reise besuchen wird.<\/p>\n<p>Nach wenigen Tagen bei gutem Wind liegt Ephesus vor ihnen. Apollos und die drei Pilger kehren heim.<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfer Gottesdienst wird am Abend darauf gefeiert. Alle singen und beten miteinander. Eliser berichtet von der Reise, Simeon erz\u00e4hlt die Jesusgeschichten, die in Ephesus noch unbekannt waren, die sie in Jerusalem geh\u00f6rt hatten. Phlegos legt die Gedanken dar, die ihm bei jenem j\u00fcdischen Gottesdienst gekommen waren. Er und Apollos tragen das schlie\u00dflich das Lied vor, das als Ergebnis entstanden ist:<\/p>\n<p>Nachdem Gott vorzeiten vielfach und vielf\u00e4ltig geredet hat zu den V\u00e4tern durch die Propheten,<\/p>\n<p>hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn, den er eingesetzt hat zum Erben \u00fcber alles, durch den er auch die Welt gemacht hat.<\/p>\n<p>Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und tr\u00e4gt alle Dinge mit seinem kr\u00e4ftigen Wort und hat vollbracht die Reinigung von den S\u00fcnden und hat sich gesetzt zur Rechten der Majest\u00e4t in der H\u00f6he.<\/p>\n<p>Zum Schlu\u00df hebt der Gemeindevorsteher noch einmal seine H\u00e4nde. \u0084Liebe Freunde\u0093, wendet er sich an die drei, \u0084wir haben euch auf Pilgerreise geschickt, damit ihr nachdenkt, ob und wie Jesus von Gott ist. Ihr habt uns reich beschenkt. Gott hat euch sicher gef\u00fchrt und euch neue Erkenntnis gegeben \u00fcber das Geheimnis Jesu. Ihm sei Ehre und Preis, euch aber Dank.\u0093 Und der Gemeindevorsteher wendet sich um und schlie\u00dft den Gottesdienst: \u0084Der Friede des Herrn sei mit uns allen.\u0093<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p align=\"center\">~~~~~~~~~~~~<\/p>\n<p>Als Nachwort, liebe Gemeinde in ###, bleiben mir noch zwei Bemerkungen:<\/p>\n<p>Erstens: Die Personen sind erfunden, alles andere \u00fcber die Entwicklung der Lehre von Christus und \u00fcber die Urspr\u00fcnge des Hebr\u00e4erbriefes ist flei\u00dfig in den wissenschaftlichen B\u00fcchern nachgelesen.<\/p>\n<p>Zweitens: Bald nach jener Zeit wurde dieser Lied im Hebr\u00e4erbriefes einer der wichtigsten Texte f\u00fcr das Weihnachtsfest [altkirchliche Epistel!]. Deshalb ist es wirklich die M\u00fche des Gedankens wert, diesem Abschnitt \u0084Hebr\u00e4er 1\u0093 nachzudenken: \u00fcber die Person Jesu, seine Geschichte, \u00fcber Gott und Mensch. Denn dies ist das Thema des Weihnachtsfestes: <em>Gott &#8211; wird \u0096 Mensch! <\/em><\/p>\n<p>Gott bewahre unsere Herzen, Sinne und Vernunft in Christus Jesus.<\/p>\n<p><strong>Evangelisch-Lutherisches Dekanat Wei\u00dfenburg (Bay.)<br \/>\nDekan Dr. Reinhard Brandt<br \/>\nPfarrgasse 5, 91781 Wei\u00dfenburg<br \/>\nTel. 09141 \/ 9746 &#8211; 0 (B\u00fcro)<br \/>\nTel. 09141 \/ 9746 &#8211; 10 (Durchwahl)<br \/>\nFax 09141 \/ 9746 &#8211; 14<br \/>\nE-Mail <a href=\"mailto:dekan@st-andreaskirche.de\">dekan@st-andreaskirche.de <\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An Weihnachten hei\u00dft das Thema: Gott wird Mensch. Alle drei Worte sind in diesem Satz zu betonen: Gott &#8211; wird &#8211; Mensch. Wie das verstanden werden kann: Dazu lese ich die ersten drei Verse des Hebr\u00e4erbriefes im Neuen Testament vor: 1 Nachdem Gott vorzeiten vielfach und vielf\u00e4ltig geredet hat zu den V\u00e4tern durch die Propheten, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8543,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[59,1,727,157,543,114,637,349,3,109,1338],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-9718","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-hebraeer","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-christfest-i","category-deut","category-kapitel-01-chapter-01-hebraeer","category-kasus","category-nt","category-predigten","category-reinhard-brandt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9718","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9718"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9718\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13991,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9718\/revisions\/13991"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9718"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9718"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9718"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=9718"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=9718"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=9718"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=9718"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}