{"id":9720,"date":"2003-12-07T19:49:34","date_gmt":"2003-12-07T18:49:34","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9720"},"modified":"2025-06-28T10:27:02","modified_gmt":"2025-06-28T08:27:02","slug":"hebraeer-1-1-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/hebraeer-1-1-4\/","title":{"rendered":"Hebr\u00e4er 1, 1-4"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p><em>1 Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den V\u00e4tern durch die Propheten, <\/em><\/p>\n<p><em>2 hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn, den er eingesetzt hat zum Erben \u00fcber alles, durch den er auch die Welt gemacht hat. <\/em><\/p>\n<p><em>3 Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und tr\u00e4gt alle Dinge mit seinem kr\u00e4ftigen Wort und hat vollbracht die Reinigung von den S\u00fcnden und hat sich gesetzt zur Rechten der Majest\u00e4t in der H\u00f6he <\/em><\/p>\n<p><em>4 und ist so viel h\u00f6her geworden als die Engel, wie der Name, den er ererbt hat, h\u00f6her ist als ihr Name. <\/em><\/p>\n<p><em>5 Denn zu welchem Engel hat Gott jemals gesagt: \u00bbDu bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt\u00ab? Und wiederum: \u00bbIch werde sein Vater sein, und er wird mein Sohn sein\u00ab? <\/em><\/p>\n<p><em>6 Und wenn er den Erstgeborenen wieder einf\u00fchrt in die Welt, spricht er: \u00bbUnd es sollen ihn alle Engel Gottes anbeten.\u00ab <\/em><\/p>\n<p>1.<br \/>\nVorgestern Heiliger Abend: Das Kind in der Krippe, anschaulich und zum Anfassen wie beim Krippenspiel alle Jahre wieder, altvertraut seit Jahrhunderten, vertraut und immer wieder ersehnt auch in unserem Lebenslauf!<\/p>\n<p>Gestern das gro\u00dfe Fest: Weihnachten ins seiner ganzen Bedeutung, rot im Kalender, in allen Kirchen und Konfessionen begangen, die festliche Feier des Abendmahls, in Rom der Segen urbi et orbi!<\/p>\n<p>Heute nun eine so ganz andere Weihnachtsgeschichte: Fast m\u00f6chte man von ihr sagen: \u0084Der Alltag hat uns wieder\u0093, ganz n\u00fcchtern und theorielastig einerseits und doch in ihrer Begrifflichkeit sprudelnd wie Kaskaden, sprachlich hochkonzentriert und durch und durch bekenntnishaft! Ich lade Sie ein, sich mit mir auf diese so ganz andere Weihnachtsgeschichte nach dem Brief an die Hebr\u00e4er einzulassen.<\/p>\n<p>2.<br \/>\nSie beginnt mit einem Gegensatz: Fr\u00fcher hat Gott vielfach zu den Altvorderen geredet, doch jetzt in den letzten Tagen \u0096 ganz aktuell also \u0096 redet er zu uns durch seinen Sohn. Hier ist etwas Umwerfendes passiert, denn eine Entwicklung ist \u0096 endlich \u0096 an ihr Ende gekommen. Ein langer Weg hat sein Ziel erreicht. Das Suchen ist im Finden aufgegangen, das Ahnen in der Gewissheit und das Tasten im Schauen. Gott hat auf dem Weg zu seinen Menschen den Meilenstein gesetzt, an dem sich alles Weitere orientieren und nach dem sich die Seinen richten werden. Dieses Ereignis hat Raum und Zeit er\u00f6ffnet und umgriffen.<\/p>\n<p>\u0084Ein Sohn ist uns geboren\u0093, und zwar d e r Sohn \u0096 Gottes gro\u00dfes und grundlegendes Ja zu uns Menschen. Das \u00fcberbietet in der Tat alles das, was den Propheten versprochen war. Es gibt so viele verschiedene Jas \u0096 angefangen bei dem zaudernden \u0084Ja \u0096 aber\u0093 \u00fcber das hinhaltende \u0084Jaaa\u0093 oder das gehorsame \u0084Jawoll\u0093 bis hin zu dem Grund legenden \u0084Ja\u0093. Ich denke da z. B. an den Amtseid, an ein tiefes Versprechen voreinander oder auch an das Ja, das sich zwei Menschen zueinander und f\u00fcreinander sagen: Ja. Dieses Ja legt wirklich Grund, kann deshalb immer wieder neu Bezugspunkt der Erinnerung, der Ermutigung, der Selbstvergewisserung sein. Genau dieses Meilenstein-Ja Gottes uns Menschen gegen\u00fcber erfolgte damals in der Nacht drau\u00dfen vor Bethlehem: \u0084Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben\u0093 (Jes 9,5) \u0096 Licht aus dem Dunkel, die Engelsbotschaft gegen tiefe Angst, die Erf\u00fcllung aller bisherigen Verhei\u00dfung. Ja und abermals Ja \u0096 das elementare Wort von Weihnachten! Kurt Marti hat das gro\u00dfe Ja Gottes unvergesslich zum Ausdruck gebracht: \u0084Ich wurde nicht gefragt bei meiner Zeugung, und die mich zeugten, wurden auch nicht gefragt bei ihrer Zeugung. Niemand wurde gefragt au\u00dfer dem einen, und der sagte Ja. Ich wurde nicht gefragt bei meiner Geburt, und die mich gebar, wurde auch nicht gefragt bei ihrer Geburt. Niemand wurde gefragt au\u00dfer dem einen, und der sagte Ja.\u0093<\/p>\n<p>3.<br \/>\nUnd \u0096 wie k\u00f6nnte es anders sein bei diesem letzten und gro\u00dfen Ja, bei dem Sohn und Erben? \u0096 dieser steht nat\u00fcrlich ein f\u00fcr die Verl\u00e4sslichkeit, f\u00fcr die Best\u00e4ndigkeit, f\u00fcr die Verhei\u00dfungen Gottes. Insofern ist die Mitteilung an die Hebr\u00e4er nicht nur einleuchtend, sondern stimmig und konsequent, dass er ihn \u0084eingesetzt hat zum Erben \u00fcber alles\u0093. Um das noch zu unterstreichen, um Zweifel \u00fcberhaupt nicht erst aufkommen zu lassen, f\u00fcgt der Briefschreiber hinzu, dass Gott durch ihn \u0084auch die Welt gemacht hat\u0093. Hier wird der ganz gro\u00dfe Bogen geschlagen vom Uranfang an bis zum Ende aller Tage: Er und immer wieder er \u0096 wie am Anfang so auch jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit! In diesen Bildern werden wir f\u00f6rmlich erinnert an byzantinische Christusdarstellungen oder an die Ikonen der Orthodoxie: Wie er als Weltenherrscher, als Pantokrator in allem und \u00fcber allem thront, die eine Hand zum Segen erhoben und in der anderen Hand die Heilige Schrift. Das Kind in der Krippe und dieser Weltenherrscher \u0096 unterschiedlicher kann man die Weihnachtserfahrung gar nicht ausdr\u00fccken, und doch geh\u00f6rt beides ganz eng zusammen, verweist das eine immer schon auf das andere und umgekehrt. Elementarer kann die Rolle \u00fcberhaupt nicht geschildert werden, die Gott seinem Sohn zugedacht hat: Erf\u00fcllung und Heil, Garant und deshalb auch Erbe mit allen Rechten.<\/p>\n<p>4.<br \/>\nDas aber hat Konsequenzen f\u00fcr die, die sich an ihn halten. Weil er n\u00e4mlich als der Sohn und Erbe, als der Garant Gottes von letzter Wichtigkeit f\u00fcr Sch\u00f6pfung und Welt, f\u00fcr Zukunft und Leben ist, deshalb gibt er mir den Rahmen und das Ma\u00df vor \u0096 f\u00fcr meinen Glauben, f\u00fcr meinen Alltag, f\u00fcr mein Selbstverst\u00e4ndnis. Sicher, wir alle kennen gen\u00fcgend Einfl\u00fcsterer im Gro\u00dfen und im Kleinen, kennen diejenigen nur zu gut, die in der Bibel an anderer Stelle \u0084M\u00e4chte und Gewalten\u0093 genannt werden. Wir kennen die, die sich als Engel ausgeben, und auch die, die lange schon gefallene Engel sind. Und weil deren Einfl\u00fcsse und deren Rolle oft so gro\u00df sind, hei\u00dft es an die Hebr\u00e4er ganz unmissverst\u00e4ndlich: Der Sohn aber \u0084ist so viel h\u00f6her geworden als die Engel, wie der Name, den er ererbt hat, h\u00f6her ist als ihr Name\u0093. Deshalb muss sich f\u00fcr mich alles messen lassen an der Elle, die Jesus der Christus vorgegeben hat. Da k\u00f6nnen alle die Einfl\u00fcsterer und erst recht die Einpeitscher Zeter und Mordio schreien; da k\u00f6nnen sie alle ihre Mittel einsetzen \u0096 gegen\u00fcber dem Erben Gottes sind sie durch die Bank hindurch nicht einmal zweite oder dritte Garnitur. Er als der Sohn und der Erbe ist der, der den Ton angibt. Das ist sicher fordernd, es ist aber unendlich mehr f\u00f6rdernd und sogar tr\u00f6stlich. Wie hei\u00dft es so sch\u00f6n im alten Kirchenlied: \u0084Hab ich das Haupt zum Freunde und bin geliebt bei Gott, was kann mir tun der Feinde und Widersacher Rott?\u0093 (EG 351,1) Ein solches Selbst- und Lebensverst\u00e4ndnis setzt Kraft frei und nicht weniger Mut und Vertrauen und Trost in guten wie in schweren Tagen, f\u00fcrs Leben und auch dann, wenn es ans Sterben geht. Im Bibelwort f\u00fcr heute wird dieser Aspekt wieder auf ganz eigene Weise ausgedr\u00fcckt: Er, der Erbe, \u0084tr\u00e4gt alle Dinge mit seinem kr\u00e4ftigen Wort\u0093 \u0096 also die Sterne und die Atome, das Eichh\u00f6rnchen und die Rose und deshalb auch uns und unser ganzes Leben. Deshalb k\u00f6nnen wir uns auch mitten in allen Turbulenzen, die dieses Leben mit sich bringt, auf das Wort Gottes verlassen. In unseren Tagen hat Jochen Klepper diese Glaubens\u00fcberzeugung, mit der er gelebt hat und mit der er sehr bewusst in den Tod gegangen ist, auf seine Art wiedergegeben:<\/p>\n<p>\u0084Ja, ich will euch tragen \/ bis zum Alter hin. \/ Und ihr sollt einst sagen \/ dass ich gn\u00e4dig bin.<br \/>\nStets will ich euch tragen \/ recht nach Retterart. \/ Wer sah mich versagen, \/ wo gebetet ward?<br \/>\nLasst nun euer Fragen, \/ Hilfe ist genug. \/ Ja, ich will euch tragen, \/ wie ich immer trug.\u0093<br \/>\n(EG 380, 1.4.7)<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><strong>Oberlandeskirchenrat J\u00fcrgen J\u00fcngling<br \/>\nEvangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck<br \/>\n<a href=\"mailto:sonderseelsorge.lka@ekkw.de\">E-Mail: sonderseelsorge.lka@ekkw.de<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1 Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den V\u00e4tern durch die Propheten, 2 hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn, den er eingesetzt hat zum Erben \u00fcber alles, durch den er auch die Welt gemacht hat. 3 Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8543,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[59,122,1,727,157,114,121,1314,637,349,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-9720","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-hebraeer","category-adv_weihn_neujahr","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-deut","category-festtage","category-juergen-juengling","category-kapitel-01-chapter-01-hebraeer","category-kasus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9720","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9720"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9720\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14160,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9720\/revisions\/14160"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9720"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9720"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9720"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=9720"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=9720"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=9720"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=9720"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}