{"id":9739,"date":"2021-02-07T19:49:35","date_gmt":"2021-02-07T19:49:35","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9739"},"modified":"2022-10-10T09:03:49","modified_gmt":"2022-10-10T07:03:49","slug":"1-korinther-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-12\/","title":{"rendered":"1. Korinther 12"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>Der 88-j\u00e4hrige Gr\u00fcnder und Prior der Gemeinschaft von Taiz\u00e9 hat<br \/>\ndiese Tage in Hamburg bei 60.000 jungen Menschen aus vielen L\u00e4ndern<br \/>\nder Erde seinen Jahresbrief 2004 \u0084An den Quellen der Freude\u0093 verlesen<br \/>\nlassen. Dessen Schluss lautet:<\/p>\n<p>\u0084Auch wir haben Zeiten, in denen wir nicht erkennen k\u00f6nnen, dass<br \/>\nuns Christus durch den Heiligen Geist ganz nahe ist. Unabl\u00e4ssig<br \/>\nbegleitet er uns. Er erhellt unsere Seele mit unerwartetem Licht. Und<br \/>\nwir entdecken, dass zwar in uns etwas dunkel bleiben kann, aber in jedem<br \/>\nMenschen vor allem das Geheimnis seiner Gegenwart liegt. Versuchen wir,<br \/>\nuns eine Gewissheit zu bewahren! Welche? Christus sagt zu jedem Menschen: \u0082Ich<br \/>\nliebe dich mit einer Liebe, die kein Ende kennt. Niemals verlasse ich<br \/>\ndich. Durch den Heiligen Geist bin ich stets bei dir.&#8217;\u0093<\/p>\n<p>Das ist das Testament des alten Mannes f\u00fcr uns Weiterlebenden:<br \/>\nGeh zur Quelle der Freude, sagt er. Erfrische dich an der Erfahrung von<br \/>\nGottes unabl\u00e4ssiger Liebe. Lass dich t\u00e4glich von \u0084Neubeginn<br \/>\nzu Neubeginn\u0093 (Roger) erneuern in deiner Hoffnungskraft, in deiner Liebesf\u00e4higkeit,<br \/>\nin deinem Lebensmut. Gott ist niemals der Urheber des B\u00f6sen. Gott<br \/>\nist niemals der Grund f\u00fcr Ungl\u00fcck, Katastrophe, Vernichtung.<br \/>\nGott ist niemals der Strafende. Wenn du an Gott zweifelst, sagt Fr\u00e8re<br \/>\nRoger, dann geh\u00f6rt das wohl zu deinem Leben. Aber lass nicht zu,<br \/>\ndass die Finsternis in deinem Herzen dein Vertrauen in den Gott auffrisst,<br \/>\nder dir stets zur Seite ist und der dich mehr liebt, als du dir je vorstellen<br \/>\nkannst. Bitte Gott im Gebet, dass er dir diese Zweifel nimmt. Es sind<br \/>\nAnfechtungen, die zu nichts Gutem f\u00fchren, au\u00dfer, dass du sie \u00fcberwindest,<br \/>\nau\u00dfer, dass Gott sie dir \u00fcberwindet. Damit du anschlie\u00dfend<br \/>\nbewusster noch und gest\u00e4rkt dein Leben in Empfang nimmst. Lass dich<br \/>\nnicht von deiner Angst, von deiner Sorge \u00fcberw\u00e4ltigen. \u00dcberlass<br \/>\ndeine St\u00e4rken und deine Schw\u00e4chen, deine Begabungen und deine<br \/>\nGrenzen Gott. Selbst Irrt\u00fcmer und Fehler, selbst Schuld trennt dich<br \/>\nnicht von Gott, weil Gott sich nicht von dir trennt. Sieh du nur zu,<br \/>\ndass du Verantwortung f\u00fcr dein Leben \u00fcbernimmst, damit du das<br \/>\nDeine tust, dass in dir die Sehnsucht nach dem ewigen Leben nicht erstickt<br \/>\nwird. Wenn du eines Tages den Durst und den Hunger nach Gott, nach Gerechtigkeit,<br \/>\nnach Wahrheit, nach Freiheit verlieren solltest, das w\u00e4re f\u00fcr<br \/>\ndich furchtbar. Aber auch dann gilt noch: Tiefer als deine Abgr\u00fcnde<br \/>\nist die Abgr\u00fcndigkeit der Liebe Gottes.<\/p>\n<p>Auf die Frage, ob Gott am Ende der Zeit alle Menschen retten oder ob<br \/>\nes einen Himmel f\u00fcr die einen und eine ewige H\u00f6lle f\u00fcr<br \/>\ndie anderen geben wird, hat der alte Theologieprofessor und Mentor der<br \/>\nBekennenden Kirche Karl Barth einmal gesagt: \u0084Ein Tor, wer nicht daran<br \/>\nglaubt, dass Gott ausnahmslos alle retten wird. Ein Narr, wer davon \u00f6ffentlich<br \/>\nspricht.\u0093<\/p>\n<p>Zu Anfang des 3.Jahrtausends nach Christi Geburt werden wir lernen,<br \/>\ndie Bibel in neuer Klarheit \u0084evangelisch\u0093 zu lesen. Fr\u00e8re Roger<br \/>\nf\u00fchrt seit vielen Jahren vor, was das meinen k\u00f6nnte. Auch der<br \/>\naltersweise Barth hat aufgrund von Lebenserfahrung und theologischer<br \/>\nEinsicht ein Bibellesen praktiziert, das dem Geist des Evangeliums gem\u00e4\u00df ist.<br \/>\nDer heute beliebte Benediktiner Anselm Gr\u00fcn und der alte J\u00f6rg<br \/>\nZink f\u00fchren es ebenfalls vor:<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnen Menschen von heute ihre eigene Bibel so lesen, dass<br \/>\nihnen der Geist Gottes dabei einleuchten kann? Wie k\u00f6nnen Menschen<br \/>\nmit durchschnittlicher Bildung \u0096 ohne Theologiestudium und ohne kirchliche<br \/>\nBevormundung, aber angeleitet von hilfreicher Seelsorge und Theologie \u0096 ihre<br \/>\neigene Bibel so lesen, dass sie in Wahrheit \u0084Gottes Wort\u0093 darin lesen,<br \/>\nso dass sich \u0084ihr Leben dabei ver\u00e4ndert und erneuert\u0093 (Dietrich<br \/>\nBonhoeffer 1944)?<\/p>\n<p>H\u00f6ren wir den f\u00fcr heute vorgeschlagenen Bibeltext und versuchen<br \/>\nwir die Probe am Beispiel:<\/p>\n<p>\u0084Das ist das Zeugnis, dass uns Gott das ewige Leben gegeben hat, und<br \/>\ndieses Leben ist in seinem Sohn.<br \/>\nWer den Sohn hat, der hat das Leben;<br \/>\nWer den Sohn Gottes nicht hat, der<br \/>\nhat das Leben nicht.<br \/>\nDas habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass<br \/>\nihr das ewige Leben habt,<br \/>\ndie ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes\u0093 (1.Johannes<br \/>\n5,11-13).<\/p>\n<p>Jeder von uns h\u00f6rt einen solchen Text anders. Es w\u00e4re gerade<br \/>\nbei schwierigen Texten wichtig, dass sich Gemeinde zusammensetzt und<br \/>\nmit einander spricht. Was hast du geh\u00f6rt? Welche Worte, welche inneren<br \/>\nBilder sind bei dir h\u00e4ngen geblieben? Welche Vielfalt von Eindr\u00fccken<br \/>\nund Ideen gibt es in unserem Kreis?<\/p>\n<p>Darum bildet Bibelgespr\u00e4chskreise, wo ihr k\u00f6nnt. Versucht<br \/>\ndas pers\u00f6nliche Gespr\u00e4ch \u00fcber einem euch gemeinsam angehenden<br \/>\nBibeltext. Nichts anderes geschieht, wo immer auf der Welt Aufbr\u00fcche<br \/>\ndes Geistes in der Kirche sichtbar sind. Es geschieht bei den Hunderttausend<br \/>\nJugendlichen und Erwachsenen in Taiz\u00e9. Es geschieht in den Basisgemeinden<br \/>\nLateinamerikas, in den wachsenden Kirchen Afrikas und Ostasiens. Menschen<br \/>\nkommen zusammen und erwarten tats\u00e4chlich, dass der Heilige Geist<br \/>\nda ist, wenn sie sich treffen, wenn sie sich f\u00fcr den Geist und f\u00fcr<br \/>\neinander \u00f6ffnen lassen.<\/p>\n<p>Und das Wunder geschieht. Das \u0084Unerwartete\u0093 (Fr\u00e8re Roger). Und<br \/>\nMenschen, Christen werden einander zu Seelsorgenden. Manch einer erz\u00e4hlt<br \/>\nvon seinen pers\u00f6nlichen furchtbaren \u00c4ngsten. Auch und gerade<br \/>\nin Bezug auf Gott. Da gibt es die Vorstellung, dass man selber vielleicht \u0084gerettet\u0093 sei,<br \/>\ndie ungl\u00e4ubigen Verwandten aber wahrscheinlich in die \u0084H\u00f6lle\u0093 m\u00fcssten.<\/p>\n<p>Neulich erz\u00e4hlte mir jemand, dass ein intelligenter junger Mann,<br \/>\nder seit Jahren unter dem Unfalltod seiner Schwester leidet, von einem \u0084Medium\u0093 dazu<br \/>\naufgerufen wurde, f\u00fcr die Verstorbene zu beten, damit sie endlich<br \/>\naus dem furchtbaren Fegefeuer in den Himmel kommen k\u00f6nnte. Seitdem<br \/>\nplagt ihn das Schuldgef\u00fchl, vielleicht nicht genug f\u00fcr seine<br \/>\nSchwester getan, nicht genug gebetet zu haben.<\/p>\n<p>Mit Martin Luthers Entdeckung, dass wir hinter allen Gottesfratzen einen<br \/>\nuns gn\u00e4digen Gott glauben k\u00f6nnten, scheint es bei vielen modernen<br \/>\nund aufgekl\u00e4rten Menschen von heute noch nicht getan zu sein. Nicht<br \/>\nnur, dass sie in Wahrheit nicht daran glauben \u0096 etwa, weil sie von Luther<br \/>\nund evangelischem Verst\u00e4ndnis des Glaubens zu wenig w\u00fcssten.<br \/>\nSchlimmer noch: Auch wenn sie davon ausreichend wissen, ist ihre Seele<br \/>\ndoch letztlich von Angst erf\u00fcllt und nicht von Vertrauen. Sie k \u00f6 n<br \/>\nn e n einfach nicht im evangelischen, im Freude wirkenden Sinn \u0084glauben\u0093.<\/p>\n<p>Unsere Leistungsgesellschaft ist l\u00e4ngst auch zum Seelsorge-\u0084Fall\u0093 geworden.<br \/>\nEs geht ja nur an der \u0096 auch wichtigen &#8211; Oberfl\u00e4che um Arbeitspl\u00e4tze,<br \/>\num Einsparungen, K\u00fcrzungen, gerechte Rentenfinanzierung, den richtigen<br \/>\nWeg zu mehr Wirtschaftswachstum und mehr Gerechtigkeit weltweit. Dahinter \u0096 abgr\u00fcndig \u0096 geht<br \/>\nes um die Frage, wof\u00fcr \u00fcberhaupt leben? Und aufgrund welcher<br \/>\nGewissheiten leben? Und wer bin ich eigentlich in diesem gigantischen<br \/>\nGewebe, das wir Leben und Kosmos nennen, das wir mit technischen Mitteln<br \/>\neinigerma\u00dfen zu beherrschen trachten, aber nie in den Griff kriegen?<br \/>\nWof\u00fcr leben? Was ist der Sinn? Und woher nehme ich eigentlich die<br \/>\nKraft, dieses Leben \u0096 vorausgesetzt, es gibt einen Sinn \u0096 sinnvoll zu<br \/>\nleben? Wie lebe ich denn in der Wahrheit?<\/p>\n<p>\u0084Wahrheit\u0093 ist ein Schl\u00fcsselbegriff des Evangelisten Johannes. \u0084Die<br \/>\nWahrheit wird euch frei machen\u0093 kann er von Jesus sagen. \u0084Was ist Wahrheit?\u0093 zweifelt<br \/>\ndagegen der Machtmensch Pilatus. Vielleicht m\u00f6chte er gern \u0084glauben\u0093.<br \/>\nAber er kann es nicht. Und will&#8217;s vielleicht auch nicht, wer wei\u00df.<br \/>\nJedenfalls w\u00e4scht er dann seine H\u00e4nde in Unschuld und gibt<br \/>\ndie Wahrheit in Person, gibt den \u0084Menschen\u0093 (\u0084Seht den Menschen!\u0093) dran \u0096 ans<br \/>\nKreuz.<\/p>\n<p>Wie kommen wir also zu dieser Wahrheit? Der Briefschreiber Johannes<br \/>\nkennt ein inneres \u0084Zeugnis\u0093, das der Heilige Geist denen gew\u00e4hrt,<br \/>\ndie \u0084an den Namen des Sohnes Gottes glauben\u0093. Es ist ein Zeugnis, das \u0084in\u0093 den<br \/>\nMenschen, in ihrer Seele laut wird. So sagt Johannes. Diese Menschen<br \/>\nwissen aus tiefster Herzensgewissheit: Ich geh\u00f6re zu Gott; und Gott<br \/>\ngeh\u00f6rt zu mir. Und weil Gott und ich so unverbr\u00fcchlich zusammen<br \/>\nsind, darum geh\u00f6rt mir auch Gottes ewiges Leben. Auch der Tod wird<br \/>\nmich nicht aus Gottes Gemeinschaft und Liebe rei\u00dfen. Im Gegenteil:<br \/>\nMein Tod wird die Erf\u00fcllung meiner Gemeinschaft mit Gott sein. So<br \/>\nwie der Tod des Jesus seine Erf\u00fcllung seiner Gemeinschaft mit Gott<br \/>\nwar. Auferstehung hei\u00dft zun\u00e4chst \u0084nur\u0093 dies: Der, den Pilatus<br \/>\nans Kreuz nageln lie\u00df, der ist der \u0084Christus\u0093, der gesalbte Heiland,<br \/>\nder besondere Sohn Gottes. Das ist nun vor aller Welt aufgerichtet und<br \/>\nklar.<\/p>\n<p>Soweit k\u00f6nnte ein Bibelleser mit je eigener Sprache wohl auch kommen<br \/>\nin seinem Bem\u00fchen, den Bibeltext zu verstehen. Oder so weit k\u00f6nnten<br \/>\nMenschen einander zum Verst\u00e4ndnis helfen, die etwa in einem Gespr\u00e4chskreis,<br \/>\nin der Familie, unter Freunden zusammen s\u00e4\u00dfen, um einen solchen<br \/>\nText zu verstehen.<\/p>\n<p>Nun aber \u0096 stelle ich mir vor \u0096 ist einer da, der diesen Text auf der<br \/>\nFolie seiner vielleicht kaum bewussten Urangst liest: Mit mir ist es<br \/>\nnicht in Ordnung. Ich h\u00e4tte mich mehr um meine Schwester k\u00fcmmern<br \/>\nm\u00fcssen. Ich h\u00e4tte \u00fcberhaupt dies und jenes anders machen<br \/>\nsollen. Ich bin jedenfalls so, wie ich bin, wahrscheinlich doch nicht<br \/>\nliebenswert genug, als dass mich mein Sch\u00f6pfer wirklich unbedingt<br \/>\nlieben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Oder jemand anders kennt jemand anderen, bei dem er vermutet, dass der<br \/>\neher in die H\u00f6lle fahren wird als in den Himmel. Und er sorgt sich<br \/>\num diesen Menschen. Oder auch: Er gibt ihn verloren. Vielleicht mit dem<br \/>\nSpruch, bei Gott k\u00f6nne man ja nie wissen. Vielleicht vergibt er<br \/>\ndem seine Schuld doch; aber wahrscheinlich sei es wohl nicht. Nach dem,<br \/>\nwas so alles in der Bibel \u0084steht\u0093.<\/p>\n<p>Und da \u0084steht\u0093 es ja auch: \u0084Wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das<br \/>\nLeben nicht.\u0093 So \u0084steht\u0093 es \u0084da\u0093. Und ganz zum Schluss des 1. Johannesbriefes<br \/>\nsteht in dieser Richtung noch mehr: \u0084Wenn jemand seinen Bruder s\u00fcndigen<br \/>\nsieht, eine S\u00fcnde nicht zum Tode, so mag er bitten, und Gott wird<br \/>\nihm das Leben geben \u0096 denen die nicht s\u00fcndigen zum Tode. Es gibt<br \/>\naber eine S\u00fcnde zum Tode; bei der sage ich nicht, dass jemand bitten<br \/>\nsoll ..Wir wissen, dass, wer von Gott geboren ist, der s\u00fcndigt nicht<br \/>\n..\u0093 Und so endet der Brief, wie wir ihn in der Bibel lesen: \u0084Kinder,<br \/>\nh\u00fctet euch vor den Abg\u00f6ttern\u0093. Was f\u00fcr ein \u00e4ngstlicher<br \/>\nBriefschluss. In der Bibel. Nicht jedes Wort der Bibel ist einfach Gottes<br \/>\nWort.<\/p>\n<p>Der Jahresbrief von Fr\u00e8re Roger endete dagegen mit dem Wunsch,<br \/>\neine Gewissheit zu bewahren. \u0084Christus sagt zu jedem Menschen: \u0082Ich liebe<br \/>\ndich mit einer Liebe, die kein Ende kennt. Niemals verlasse ich dich.<br \/>\nDurch den Heiligen Geist bin ich stets bei dir&#8216;.\u0093 Roger bezieht sich<br \/>\ndabei auf Bibelworte aus Jeremia 31,3 und dem Johannesevangelium 14,16-18.<br \/>\nAuch in diesem Johannestext gibt es eine Passage, nach der die (ungl\u00e4ubige) \u0084Welt\u0093 den<br \/>\nals \u0084Tr\u00f6ster\u0093 versprochenen \u0084Geist der Wahrheit\u0093 \u0084nicht empfangen<br \/>\nkann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht\u0093.<\/p>\n<p>Roger, der Ausleger der Bibel, nimmt sich im Vertrauen auf den gegenw\u00e4rtig<br \/>\nwirkenden Geist Gottes die Freiheit, diesen Satz und mit ihm alle Passagen,<br \/>\ndie in der Bibel nach Drohung und Ausschluss von Erl\u00f6sung, Heil<br \/>\nund ewigem Leben klingen (und es gibt davon Hunderte), so zu verstehen:<br \/>\nEs ist Tatsache, dass Menschen ihr Leben verfehlen k\u00f6nnen. Es ist<br \/>\nTatsache, dass Menschen, die vielleicht von Geburt an unter Armut und<br \/>\nDem\u00fctigung gelitten haben, sp\u00e4ter aus lauter innerer Finsternis<br \/>\nAngst und Schrecken gegen andere verbreiten: Gewalt, Krieg und Terror.<br \/>\nEs ist Tatsache, dass es dunkle Kr\u00e4fte in uns und um uns gibt, die<br \/>\ndas Feuer unserer Sehnsucht nach dem Guten, nach Liebe und Frieden ersticken<br \/>\nk\u00f6nnen. Es gibt Traurigkeit, die t\u00f6tet. Es gibt Depression<br \/>\nund Krankheiten der Angst. Dagegen \u0096 das ist Tatsache \u0096 muss der Mensch<br \/>\nauch k\u00e4mpfen. Gebet ist das st\u00e4rkste Kampfmittel auf Seiten<br \/>\ndes Guten, auf Seiten des Lichtes, auf Seiten des Glaubens. Gebet ist<br \/>\nst\u00e4rker als Zerstreuung und Medikamente. Alles zu seinem Zweck.<br \/>\nGebet als Zeit, sich von Gott erf\u00fcllen zu lassen, tr\u00e4gt durch.<\/p>\n<p>Aber niemals \u0096 so Fr\u00e8re Roger \u0096 ma\u00dfe ich mir an, jemanden<br \/>\nanders verloren zu geben. Und niemals m\u00f6chte ich meinem inneren<br \/>\nSelbstzweifel erliegen und mich im Grunde selbst verloren geben, indem<br \/>\nich der Liebe Gottes nicht wirklich zutraue, dass sie gr\u00f6\u00dfer<br \/>\nist als meine Finsternis und meine Verfehlung. Niemals lasse ich mir<br \/>\nein zweifelhaftes und in seiner Wirkung manchmal t\u00f6dliches Gottesbild<br \/>\neinreden.<\/p>\n<p>Die Selbstmordattentate unserer Zeit sind ohne ein finsteres Gottesbild<br \/>\nnicht denkbar. Im Grunde geht es auch in dieser Frage um eine geistige<br \/>\nAuseinandersetzung in denkbar gr\u00f6\u00dfter Klarheit, Dringlichkeit<br \/>\nund Tiefe: Wer ist Gott in Wahrheit? Was ist das menschliche Leben in<br \/>\nWahrheit? Was ist sein Sinn?<\/p>\n<p>Inmitten von Fragen der Weltwirtschaft und des politischen Friedenskalk\u00fcls<br \/>\ngeht es um solche grundlegenden geistig-seelischen Fragen. Sie stehen<br \/>\nauf der Tagesordnung der Welt in Wahrheit ganz oben.<\/p>\n<p>Wer allein oder miteinander die Bibel liest im Geist dieser Fragen \u0096 im<br \/>\nGeist des Gebetes \u0096 kommt zum \u0084inneren Zeugnis\u0093, kommt zur \u0084Wiedergeburt\u0093,<br \/>\nwie Johannes sagen kann. Wo und wann und wie Gott will. So lernen wir,<br \/>\ndie ganze Bibel evangelisch zu lesen.<\/p>\n<p>Und h\u00f6ren dann: \u0084Das habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst,<br \/>\ndass ihr das ewige Leben habt.\u0093<\/p>\n<p>Und die andern auch. Irgendwann. Irgendwie. Weil Gott will.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Bernd Vogel<br \/>\n<a href=\"mailto:Bernd.Vogel@evlka.de\">Bernd.Vogel@evlka.de<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 88-j\u00e4hrige Gr\u00fcnder und Prior der Gemeinschaft von Taiz\u00e9 hat diese Tage in Hamburg bei 60.000 jungen Menschen aus vielen L\u00e4ndern der Erde seinen Jahresbrief 2004 \u0084An den Quellen der Freude\u0093 verlesen lassen. 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