{"id":9753,"date":"2004-01-07T19:49:42","date_gmt":"2004-01-07T18:49:42","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9753"},"modified":"2025-06-28T13:09:17","modified_gmt":"2025-06-28T11:09:17","slug":"roemer-12-1-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-12-1-8\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 12, 1-8"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">1. Sonntag nach Epiphanias, 11. Januar 2004<br \/>\nPredigt \u00fcbe<\/span><\/b><b><span style=\"color: #000099;\">r R\u00f6mer 12, 1-8, verfa\u00dft von Friedrich Malkemus <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Das ist Ihnen bestimmt auch schon einmal gesagt worden: Mensch, bleibe so, wie Du bist! Ob Sie noch wissen, was dieser Satz bei Ihnen an Gedanken ausgel\u00f6st hat? Ach so, ich bin demnach ein ganz netter Kerl. Ich gefalle meinem Gegen\u00fcber, so wie ich gerade bin. Aber hat dieser es auch ganz ehrlich gemeint? Ist das auch keine Lobhudelei? Wir brauchen doch gar nicht lange zu gr\u00fcbeln und stellen dann einige M\u00e4ngel an uns und unserem erhalten fest. Es k\u00f6nnte eigentlich doch schon manches in meinem Leben anders und besser werden. Gerade jetzt am Jahresbeginn kommen solche Spr\u00fcche und Gedankeng\u00e4nge auf und machen uns zu schaffen. Lehnen wir uns nur nicht behaglich zur\u00fcck und wiegen wir uns nur nicht in dem Gedanken: Na, wenn die Leute mich so positiv einordnen und als v\u00f6llig in Ordnung finden, warum sollte ich an mir herumbasteln und etwas ver\u00e4ndern. Ich bin halt o.k.! Was will ich mehr!<\/p>\n<p>Genau hier an der Stelle gro\u00dfer Selbstgef\u00e4lligkeit meldet sich unser Schriftwort zu Worte. Eben die Selbstgef\u00e4lligkeit stellt der Apostel auf den Pr\u00fcfstand. Das geht uns v\u00f6llig gegen den Strich, das liegt absolut nicht im Trend. Wir m\u00f6chten uns so akzeptieren, wie wir sind und die anderen Leute sollen das gef\u00e4lligst auch tun! Ich will best\u00e4tigt und auf keinen Fall in Frage gestellt werden. Wo doch heute die Beliebtheitskurven so gepflegt und begehrt sind! \u0096 Diese den Menschen zugewandte Seite ist vielfach eine reine Fassadenseite. Das blitzt manchmal durch unsere eigenen Worte hindurch. Wenn wir etwa sagen: Na, wenn Sie w\u00fcssten, wie es in mir wirklich aussieht! \u0096 Oder wiederum erz\u00e4hlen einige etwas \u00fcber einen sogenannten tollen, gro\u00dfartigen Menschen. Und dann sagt einer doch ganz \u00fcberraschend: Ja, ihr Leute, den m\u00fcsstet ihr erst einmal wirklich kennenlernen! \u0096 Will dieser Insider nicht andeuten, dass es in der besagten Person auch Hintergr\u00fcnde, wenn nicht Abgr\u00fcnde gibt? \u0096 Um dieses Vordergr\u00fcndige und Fassadenhafte wei\u00df der Apostel Paulus sehr wohl Bescheid. Er wendet das Thema und lenkt den Lichtkegel der Betrachtung von der Selbstgef\u00e4lligkeit zur Betrachtung der Gottgef\u00e4lligkeit.<\/p>\n<p>Es ist eben nicht der Sinn und das Ziel deines Lebens, dass du dich im Spiegel deiner Selbstzufriedenheit spiegelst oder nach der Wonne suchst, von den Leuten hofiert, begehrt und bestaunt zu werden. Nein, den von Gott angedachten Sinn des Lebens zu finden und ihm mit dem Leben zu gefallen, das geschieht gerade durch den radikalen, also auch m\u00f6glicherweise schmerzhaften Verzicht auf alle Eitelkeit meiner Person. Darum spricht der Apostel vom Opfer, weil er wei\u00df, wie schwer, ja wie nahezu unm\u00f6glich dem Menschen die Trennung von seiner Eitelkeit f\u00e4llt. Er, das bin ich auch, m\u00f6chte das ja eigentlich nicht. Daf\u00fcr ist er zu sehr in sich selbst verliebt.<\/p>\n<p>Aber ob es uns nun gef\u00e4llt oder nicht, hier setzt der Apostel mit seiner Therapie an. Das wahre Lebendigsein, das Heilige und das Gott Gef\u00e4llige beginnt da, wo wir uns mit Leib und Leben ganz und gar Gott zum Opfer geben. Was das hei\u00dft? Mein Leben und die Weise meines Lebens und Denkens werden v\u00f6llig zur Disposition gestellt. Die Runderneuerung findet im Lichte der g\u00f6ttlichen Wahrheit statt. Ich mu\u00df eben nicht in allem und jedem \u0084in\u0093 sein. Was macht es schon, dass ich nicht im Trend dieser meiner Zeit liege. Sehr wichtig aber ist es, dass mein Leben die Gestalt eines vern\u00fcnftigen Gottesdienstes annimmt.<\/p>\n<p>Ich setze neue Akzente und bilde neue Schwerpunkte. Die Vorgabe hierzu kommt nicht von der mich umgebenen Welt. Mit ihr setze ich mich kritisch auseinander und mit meinen eingeschliffenen Lebensgewohnheiten. Ich beginne mich wie Paulus von der Botschaft Jesu Christi her in Frage zu stellen und will nicht einfach das Verhalten in dieser Welt kopieren. Ich denke nach und besinne mich, ich z\u00f6gere und sage nicht eilfertig: Die anderen Leute machen es ja auch so, also will ich es auch tun!<\/p>\n<p>Denn das Allzuselbstverst\u00e4ndliche, das Alteingeschliffene kann durchaus vor Gott das Grundverkehrte, das Verh\u00e4ngnisvolle und h\u00f6chst Gef\u00e4hrliche sein! Wie lange haben wir in der sog. Christlichen Welt gebraucht, bis wir endlich begriffen haben, dass der Schwache und Behinderte zu uns geh\u00f6rt und wir zu ihm geh\u00f6ren und einer von dem anderen lernen kann. Der alte darf mir nicht l\u00e4stig sein, weil er bed\u00e4chtiger reagiert und eben mehr Geduld im Umgang erfordert. Mit ihm die Langsamkeit auszuhalten, das kann der vern\u00fcnftige Gottesdienst sein, das Gute und das Vollkommene. \u0096 Der gesellschaftliche Prozess, der jetzt in unserem Lande als Erneuerung und Wandlung eingeleitet ist, kann durchaus in dieser Linie liegen. Pl\u00f6tzlich erkennen wir, wie verwoben wir alle miteinander sind in dem Geflecht der Probleme. Wir k\u00f6nnen uns nicht selbsts\u00fcchtig und narzistisch vereinzeln und verstecken oder gar mit unseren Konten in das ferne Ausland entfliehen.<\/p>\n<p>Der Beruf unseres Lebens, der vern\u00fcnftige Gottesdienst ist die liebevolle und selbstlose Hingabe an die Menschen um mich her. Aber nicht um meinem Willen oder deren zu willfahren, sondern, das muss sehr deutlich werden, weil es Gottes Wille ist. Es hat einen zeichenhaften Charakter, wenn wir uns dem Schema dieser Welt gegen\u00fcber verweigern, weil wir den vern\u00fcnftigen Gottesdienst anstreben. Es hat aber auch und ebenso einen zeichenhaften Charakter, wenn wir uns deutlich und sehr entschlossen engagieren und eine Bewegung unterst\u00fctzen und st\u00e4rken, die den Aufbruch zu dem vern\u00fcnftigen Gottesdienst markiert. Die Barmherzigkeit Gottes ermutigt uns, an der Gestaltung dieser Welt uns zu beteiligen und das Opfer unseres ganzen Einsatzes einzubringen.<\/p>\n<p>Wir stehen als Christen nicht an der Seite der Entwicklung und lassen ihren Strom nicht einfach vorbeiziehen. Wir stehen mitten im Strom des Lebens und gestalten mit das Gute und Gott Wohlgef\u00e4llige.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Lieder zum Gottesdienst:<\/strong><br \/>\nEG 288 Nun jauchzt dem Herren, alle Welt<br \/>\nEG 441 Du h\u00f6chstes Licht, du ewger Schein<br \/>\nEG 72 O Jesu Christe, wahres Licht<\/p>\n<p><strong>Gebet<\/strong>: Mit Freude versammeln wir uns, lieber allm\u00e4chtiger Herr, vor deinem Angesicht und unter deinem Wort. Sende deinen Geist in unsere Herzen, dass wir deine Weisung aufnehmen und ihr folgen. Wir loben dich, den Vater, Sohn und heiligen Geist. Amen<\/p>\n<p><strong>Gebet<\/strong>: Herr, unser Gott und Vater \u0096 in dieser Zeit feiern wir in unseren Gemeinden die Ankunft deines Lichtes mitten im Dunkel der Tage, mitten im Dunkel der Welt. Du hast Jesus in unsere Mitte kommen lassen als das Licht der Welt. Lass uns und viele, viele Menschen an diesem Lichte teilhaben, die Freude dar\u00fcber empfangen und diese Freude weitergeben. Wir bitten dich, lass uns erkennen, dass dieses Licht allen Menschen scheinen m\u00f6chte. Davon soll keiner ausgeschlossen sein. Gib, dass wir den Menschen, der uns ferne war oder noch ferne ist, dass wir ihn neu sehen und verstehen. Gib, dass wir nicht Schatten verbreiten, aber Tr\u00e4ger deines Lichtes werden.<\/p>\n<p>Lass uns Licht tragen in die verworrenen Beziehungen, die uns umgeben. Lass uns aufrichten die Gebeugten, denen wir begegnen.<\/p>\n<p>Befreie uns von aller Ungeduld gegen\u00fcber den Schwachen und Langsamen.<\/p>\n<p>Mache uns stark dann, wenn Mut und Bekenntnis von uns f\u00fcr andere Menschen gefordert wird, in dem \u00f6ffentlichen und im privaten Bereich. Das Licht der Welt, Jesus Christus leuchte uns in Kirche und Familie und in der V\u00f6lkerwelt.<\/p>\n<p>Wir preisen und loben dich!<\/p>\n<p>Vaterunser &#8230;<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Friedrich Malkemus<br \/>\nDekan i. R. Kirchenrat<br \/>\nWolfgang-Zeller-Str. 13<br \/>\n34613 Schwalmstadt-Ziegenhain<br \/>\nTel.: 06691 71642 <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Sonntag nach Epiphanias, 11. Januar 2004 Predigt \u00fcber R\u00f6mer 12, 1-8, verfa\u00dft von Friedrich Malkemus Liebe Gemeinde! Das ist Ihnen bestimmt auch schon einmal gesagt worden: Mensch, bleibe so, wie Du bist! Ob Sie noch wissen, was dieser Satz bei Ihnen an Gedanken ausgel\u00f6st hat? 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