{"id":9763,"date":"2004-02-07T19:49:43","date_gmt":"2004-02-07T18:49:43","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9763"},"modified":"2025-06-28T13:15:17","modified_gmt":"2025-06-28T11:15:17","slug":"roemer-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-12\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 12"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>Im Brief an die R\u00f6mer schreibt der Apostel Paulus im 12. Kapitel:<br \/>\n(Textlesung)<br \/>\n&#8230;<br \/>\nLetzte Woche habe ich mich hingesetzt und Paulus eine Brief geschrieben.<\/p>\n<p>Lieber Paulus!<br \/>\n\u0093Die Liebe sei herzlich, die Liebe sei ohne Falsch, seid fr\u00f6hlich in Hoffnung,<br \/>\ngeduldig in Tr\u00fcbsal, geharrlich im Gebet, freut euch mit den Fr\u00f6hlich<br \/>\nund weint mit den Weinenden, und, und und&#8230;\u0093:So viele Ermahnungen am St\u00fcck<br \/>\ngeben nicht einmal besorgte Eltern ihren Kindern mit auf den Weg. Fast habe ich<br \/>\nden Eindruck, du sprichst hier vom Himmel auf Erden. Ist das nicht zu sch\u00f6n,<br \/>\num wahr zu sein, wie du hier das Zusammenleben von Menschen und das Leben in<br \/>\neiner Gemeinde beschreibst? Nimmst du den Mund nicht zu voll? Eine Gemeinschaft,<br \/>\nwo jeder seine Begabungen einbringt, wo Menschen einander achten und mit Respekt<br \/>\nbegegnen, wo sie mitf\u00fchlen und aufrichtig und fair miteinander umgehen.<\/p>\n<p>Hast du das eigentlich je einmal erlebt? In Korinth, in Thessalonich,<br \/>\nin Philippi oder wo du sonst noch gewesen bist? Was du hier schreibst,<br \/>\nist f\u00fcr mich ein Idealbild, eine Vision, wie ein Leben miteinander<br \/>\nim besten Fall gelingen kann. Aber ich bitte dich: die Wirklichkeit sieht<br \/>\nanders aus.<\/p>\n<p>Das Zusammenleben von Menschen war zu deiner Zeit bestimmt nicht einfacher<br \/>\nals heute, auch wenn manches bei uns in Deutschland ganz anders ist.<br \/>\nUnsere Gesellschaft ist viel differenzierter als zu deiner Zeit. Menschen<br \/>\nlassen sich nicht mehr einteilen in eine reiche Oberschicht, die in riesigem<br \/>\nLuxus schwelgt, in freigelassene Sklaven, die den Handel beherrschen,<br \/>\nin verarmte Arbeiter und Schuldsklaven.<\/p>\n<p>Auch unsere Volkskirche hat ganz andere Strukturen als die Gemeinde<br \/>\nin Rom, an die du schreibst. Unsere Gemeinden sind so gro\u00df, dass<br \/>\nniemand mehr alle Mitglieder kennt. Keiner ist auch nur ansatzweise in<br \/>\nder Lage, Beziehung zu 1800 Menschen aufzunehmen. Das geht beim besten<br \/>\nWillen nicht. Das war bei den Hausgemeinden zu deiner Zeit leichter:<br \/>\nda kannte man sich, da war vielleicht auchNestw\u00e4rme m\u00f6glich.<br \/>\nDa gab es wohl einen Zusammenhalt, da waren Menschen auch aufeinander<br \/>\nangewiesen.<\/p>\n<p>Manches war anders zu deiner Zeit, Paulus, aber vieles ist gleich geblieben.<\/p>\n<p>Wo Menschen miteinander leben und arbeiten, da gibt es unterschiedliche<br \/>\nInteressen. Da sieht jeder nur das Seine und nimmt nicht mehr die Bed\u00fcrfnisse<br \/>\ndes anderen wahr und da meinen Menschen zu wissen, was gut ist f\u00fcr<br \/>\nden anderen.<\/p>\n<p>Wo Menschen miteinander leben und arbeiten, da gibt es immer auch Konkurrenz,<br \/>\nda spielt Neid eine Rolle, da gibt es Missverst\u00e4ndnisse und da ist<br \/>\nimmer ein gro\u00dfes Bed\u00fcrfnis da, \u00fcber andere zu reden.<br \/>\nDa sehen Menschen den anderen durch ihre Brille und bewerten ihn nach<br \/>\nihren Ma\u00dfst\u00e4ben.<\/p>\n<p>Lieber Paulus, ich glaube, daran hat sich nichts ge\u00e4ndert. Ich<br \/>\nf\u00fcrchte, wir Menschen haben da in den letzten 2000 Jahren nicht<br \/>\nviel Entscheidendes dazu gelernt.<\/p>\n<p>Was kannst du uns dann mit diesen vielen Ermahnungen dann aber mit auf den<br \/>\nWeg geben? Welchen Sinn hat das Idealbild, das du uns da so leuchtend vor Augen<br \/>\nstellst?<br \/>\nWenn ich dich recht verstehe, dann geht es hier \u0096 wie auch sonst so oft in<br \/>\ndeinen Briefen um etwas ganz Wichtiges in unserem Zusammenleben : es geht um<br \/>\ndie Liebe.<\/p>\n<p>Ich vermute ja: die Menschen zu deiner Zeit haben genauso wie wir heute gedacht,<br \/>\ndass Liebe das Einfachste der Welt ist. Dass niemand sich darum bem\u00fchen<br \/>\nmuss, dass die Liebe am Leben bleibt. Nichts sei leichter, als sich zu lieben,<br \/>\nobwohl wir tagt\u00e4glich erleben, manchmal ja auch am eigenen Leib, wie<br \/>\nschwer das ist. Und wie es passieren kann, dass Liebe umschlagen kann in<br \/>\nHass und Aggression und Verachtung.<\/p>\n<p>Kaum ein Traum zerbricht so schnell an der Realit\u00e4t wie die Hoffnung,<br \/>\ndie Liebe w\u00fcrde ohne eigene Arbeit und M\u00fche bis in alle Ewigkeit<br \/>\ndauern. Und ich bin \u00fcberzeugt, auch bei den Menschen, die sich wehtun<br \/>\nund verletzen, stand am Anfang oft die Liebe.<\/p>\n<p>Aber du meinst ja nicht in erster Linie die Liebe von Menschen in einer Familie,<br \/>\ndu sprichst hier vor allem von der br\u00fcderlichen Liebe, wie du das nennst.<br \/>\nIch m\u00f6chte erg\u00e4nzen: auch von der schwesterlichen Liebe. Denn wir<br \/>\nFrauen m\u00f6chten heute auch gesehen und angesprochen werden. Das ist heute<br \/>\nanders als bei dir damals.<br \/>\nVerstehe ich dich richtig, wenn du mit dieser Liebe die Sympathie f\u00fcr<br \/>\neinen anderen meinst, und die Hoffnung, die ich in mir sp\u00fcre, wenn ich<br \/>\nmich mit anderen zusammen f\u00fcr etwas begeistere und wo wir miteinander<br \/>\nplanen und entwickeln und unsere Ideen verwirklichen? Dass zu dieser Liebe<br \/>\nauch die Freude und Lebendigkeit geh\u00f6ren, die ich in der Begegnung mit<br \/>\nanderen immer wieder erleben darf? Und dass ich erfahren darf, dass ich M\u00f6glichkeiten<br \/>\nund Begabungen in mir habe, die andere in mir wecken und zum Vorschein bringen?<br \/>\nIst das nicht auch Liebe?<br \/>\nLiebe ist eine Kunst. Ich bin sicher, Paulus: du hast das gewusst: ein liebevoller<br \/>\nUmgang miteinander f\u00e4llt uns nicht in den Scho\u00df.<\/p>\n<p>Ja, Paulus, auch dort, wo Menschen lebendig sind und sich sp\u00fcren<br \/>\nund miteinander leben und arbeiten und ihren Hoffnungen Ausdruck geben,<br \/>\nauch dort machen sie immer wieder die Erfahrung: es ist schwer, diese<br \/>\ngeschwisterliche Liebe zu leben. Es gibt Situationen, da bin ich einfach<br \/>\nratlos, da bin ich verzweifelt, da bin ich am Ende meiner Kraft.<\/p>\n<p>Nicht nur ich habe schon erlebt, dass meine Hoffnung entt\u00e4uscht<br \/>\nwurde, dass meine Bilder vom anderen zerbrochen sind. Und ich wei\u00df,<br \/>\nwie weh das tut, wenn andere mir nicht ehrlich begegnen und hinter meinem<br \/>\nR\u00fccken Schlechtes reden.<\/p>\n<p>Ja, die Liebe zwischen zwei Menschen, die Liebe zwischen Eltern und<br \/>\nKindern, und die Liebe zwischen Menschen, die in einer Gemeinde sich<br \/>\nbegegnen und die ein St\u00fcck ihres Lebens miteinander teilen, diese<br \/>\nLiebe ist eine Kunst.<br \/>\nPaulus, wenn ich dich recht verstehe, dann geh\u00f6ren zu dieser Kunst des<br \/>\nLiebens drei ganz wichtige Dinge.<\/p>\n<p>Wer lieben will, so wie du das beschreibst, der muss dem Menschen neben<br \/>\nsich Raum lassen. Nur wer diesen Raum der Liebe geschenkt bekommt, der<br \/>\nkann sich entfalten und wachsen. Menschen wachsen an den Hoffnungen,<br \/>\ndie in sie gesetzt werden und sie k\u00f6nnen manchmal Ideen und Kr\u00e4fte<br \/>\nentwickeln, die sie nur in diesem Raum der Liebe entfalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und doch, Paulus, das f\u00e4llt schwer. Denn oft wei\u00df ich genau,<br \/>\nwas gut ist f\u00fcr den anderen. Oft wei\u00df ich genau, was die andere<br \/>\nbraucht. Oft wei\u00df ich genau, was der andere tun soll und welche<br \/>\nAufgaben er zu erf\u00fcllen hat. Und ich merke gar nicht, wie ich ihm<br \/>\nmeine eigenen Bilder \u00fcberst\u00fclpe und ihm seinen Raum nehme,<br \/>\nwo er lieben und arbeiten und seinen Ideen und Hoffnungen entfalten kann.<br \/>\nIch merke gar nicht, wie ich dem anderen die Luft nehme zum Atmen, weil<br \/>\nich doch nur das Beste will f\u00fcr ihn und f\u00fcr mich.<\/p>\n<p>Ja, es ist es wichtig, dass Menschen einander Raum geben, wo sie sich<br \/>\nbegegnen und miteinander leben und arbeiten.<\/p>\n<p>Ein zweites sprichst du an: den ehrlichen Umgang miteinander. Du kennst<br \/>\nuns Menschen durch und durch, dass du das gleich so offen ansprichst.<br \/>\nDu hast bestimmt auch deine Erfahrungen gemacht, wie schwer das Menschen<br \/>\nf\u00e4llt, dem anderen immer das wahre Gesicht zu zeigen. Ihm ehrlich<br \/>\nzu begegnen, ohne Hintergedanken, ohne Fassade, ohne eine h\u00f6fliche<br \/>\nFreundlichkeit, die den anderen im Grunde nur tief verachtet. Du wei\u00dft,<br \/>\nwie schwer mir das f\u00e4llt, dass ich dem anderen zeige, wer ich wirklich<br \/>\nbin und was ich f\u00fchle, was ich meine und denke und plane.<\/p>\n<p>Wenn ich dich richtig verstehe, dann hat dieser ehrliche Umgang miteinander<br \/>\nganz viel damit zu tun, wie sich der einzelne sieht.<br \/>\nNur wer mit sich im Reinen ist, der kann zu sich stehen mit all seinen Schw\u00e4chen<br \/>\nund Fehlern. Nur wer sich geliebt wei\u00df, der muss die Schw\u00e4chen und<br \/>\nFehler nicht immer beim anderen suchen und den Finger dort in die Wunde legen.<br \/>\nNur wer wei\u00df, dass er angenommen ist, kann damit leben, dass der andere<br \/>\nnicht perfekt ist.<\/p>\n<p>Paulus, kann es sein, dass mein Bed\u00fcrfnis, dass alle und alles<br \/>\nm\u00f6glichst perfekt sein muss damit zusammenh\u00e4ngt, dass Menschen<br \/>\nimmer wieder das Gef\u00fchl haben: ich werde nicht wahrgenommen, ich<br \/>\nwerde nicht gesehen?<br \/>\nOft h\u00f6re ich Menschen klagen, was der andere alles nicht kann und nicht<br \/>\nmitbringt. Das sind Menschen, die einen Partner suchen, das sind Eltern, die \u00fcber<br \/>\nihre Kinder reden, oder das sind Menschen in einer Gemeinde oder bei der Arbeit:<br \/>\nSo oft h\u00f6re ich Klagen \u00fcber das, was nicht da ist.<\/p>\n<p>Paulus, ich glaube, das ist eine Krankheit unserer Zeit: dass Menschen<br \/>\nso oft das in den Vordergrund stellen, was fehlt und dar\u00fcber nicht<br \/>\nmehr wahrnehmen k\u00f6nnen, was ihnen geschenkt ist und was sie von<br \/>\nanderen empfangen. Ich habe auch fast den Eindruck: je reicher Menschen<br \/>\nleben, desto mehr machen sie sich an dem fest, was ihnen ihrer Meinung<br \/>\nnach fehlt.<\/p>\n<p>Ich bin immer wieder Menschen begegnet in L\u00e4ndern der Dritten Welt,<br \/>\ndie waren wirklich arm, und in ihren Gemeinden hab es lange nicht so<br \/>\nviele Angebote wie bei uns heute. Ich bin in Slumgemeinden in Korea Menschen<br \/>\nbegegnet, die treffen sich zum Gottesdienst und zum gemeinsamen Essen,<br \/>\nund die sch\u00f6pfen daraus ihre Kraft f\u00fcr ihren Alltag. Trotz<br \/>\nallem, was sie nach unseren deutschen Ma\u00dfst\u00e4ben nicht haben,<br \/>\nhaben sie sehr zufrieden gewirkt.<\/p>\n<p>Aber ich m\u00f6chte dabei nicht stehen bleiben. Ich bin froh, dass<br \/>\ndu uns da auf ein Geheimnis aufmerksam machst, das uns alle entlasten<br \/>\nkann und diesen Zwang zum Perfektionismus auch nehmen kann.<\/p>\n<p>Zwischen den Zeilen sagst du: Keiner muss alles k\u00f6nnen. Das tut<br \/>\nmir gut. Ich bin froh, dass ich nicht alles k\u00f6nnen muss, dass ich<br \/>\nmeine St\u00e4rken und Schw\u00e4chen haben darf. Und ich bin froh, dass<br \/>\ndu uns auf das Geheimnis aufmerksam machst, wie Menschen lernen k\u00f6nnen,<br \/>\nnicht immer nur das Defizit zu sehen und zu jammern und zu klagen. Denn<br \/>\nwer immer nur auf das sieht, was fehlt, wird nichts anderes mehr wahrnehmen.<\/p>\n<p>Du sagst uns: Jeder von uns hat eine Aufgabe, jeder hat seine Begabungen.<br \/>\nDu nennst das Charismen, Gnadengaben. Und meine Aufgabe ist, auf Entdeckungsreise<br \/>\nzu gehen, was ich gut kann, wo meine St\u00e4rke ist, und diese Begabung<br \/>\nnicht bei mir zu behalten sondern sie einzubringen.<\/p>\n<p>Ja, Paulus, das ist ganz einfach und zugleich genial: Wenn in einer<br \/>\nGemeinde viele Menschen auf Talentsuche gehen und ihre F\u00e4higkeiten<br \/>\nund Begabungen einsetzen f\u00fcr andere, dann wird das ein richtig lebendige<br \/>\nGemeinschaft. Da k\u00f6nnen Menschen entdecken, was ihnen geschenkt<br \/>\nist und da k\u00f6nnen Menschen das miteinander teilen und sich unterst\u00fctzen.<br \/>\nSie k\u00f6nnen auch die Kraft sp\u00fcren, die sie daraus bekommen:<br \/>\nDas, was ich anderen verschenke an Zeit und Kraft und wo ich meine Gaben<br \/>\neinsetze, das kommt wieder als Lebensfreude zu mir zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Wo Menschen ihre Begabungen teilen mit anderen, werden sie gesehen und<br \/>\nm\u00fcssen die Fehler und Schw\u00e4chen nicht immer beim anderen suchen.<\/p>\n<p>Ein dritter Punkt ist dir wichtig, Paulus: unser Mitgef\u00fchl. Auch<br \/>\ndas geh\u00f6rt zur Kunst des Liebens: dass Menschen sich zeigen, so<br \/>\nwie sie sind: in ihrer Fr\u00f6hlichkeit und Ausgelassenheit, in ihrer<br \/>\nHeiterkeit und mit ihrer Freude \u0096 und in ihrem Schmerz und ihrer Trauer,<br \/>\nmit ihrer Verzweiflung und ihrer Scham. Dazu geh\u00f6rt, dass Menschen<br \/>\nmitf\u00fchlen: in meiner Bibel ist dieser Satz ganz fett gedruckt: \u0084Freut<br \/>\neuch mit den Fr\u00f6hlichen und weint mit den Weinenden.\u0093<\/p>\n<p>Vielleicht ist das Menschen in deinen Gemeinden leichter gefallen. Aber wir<br \/>\nwerden von klein an dazu erzogen, dass wir etwas leisten, dass wir etwas<br \/>\nschaffen, dass wir gute Noten mit nach Hause bringen, dass wir Erfolg haben,<br \/>\nbei uns spielen Gef\u00fchle nur eine kleine Rolle. Bei uns m\u00fcssen Menschen<br \/>\nfunktionieren. Wir lernen oft gar nicht mehr, unsere Freude zu sp\u00fcren<br \/>\nund unsere Trauer, unsere Fr\u00f6hlichkeit und unsere Traurigkeit. So vieles<br \/>\ndecken wir zu und lenken uns ab mit unseren unz\u00e4hligen Besch\u00e4ftigungen.<\/p>\n<p>\u0084Freut euch mit den Fr\u00f6hlichen und weint mit den Weinenden\u0093: das<br \/>\nhei\u00dft auch, dass Menschen Abschied nehmen von ihren Beurteilungen<br \/>\nund Verurteilungen, von ihren Erwartungen und ihren Klagen. Nur dort,<br \/>\nwo ich mit dem anderen mitf\u00fchle, kann ich ihm offen und ehrlich<br \/>\nbegegnen.<\/p>\n<p>Lieben ist wirklich eine Kunst und dazu noch eine Riesenaufgabe, lieber<br \/>\nPaulus. Und ich sp\u00fcre heraus: Wo Menschen einander begegnen mit<br \/>\ndieser Anteilnahme und diesem Mitgef\u00fchl, wo Menschen ihr wahres<br \/>\nGesicht zeigen k\u00f6nnen und sie ihre Begabungen einbringen, dort,<br \/>\nwo Menschen einander den offenen Raum der Liebe geben, hat das eine ganz<br \/>\nstarke Ausstrahlung nach au\u00dfen.<\/p>\n<p>Ja, Paulus: so w\u00fcrde ich mir das Zusammenleben von Menschen auch<br \/>\ngerne w\u00fcnschen. Ich sehne mich sehr danach, dass wir dieses Idealbild<br \/>\nuns immer wieder vor Augen stellen und dass das so eine Art Leitbild<br \/>\nwird, ein Bild, das uns leitet, f\u00fcr unser Zusammenleben in den Familien<br \/>\nund im Beruf und in der Gemeinde.<br \/>\nAber du verschweigst ja auch nicht, dass dieser Weg nicht mit goldenen Steinen<br \/>\ngepflastert ist. Paulus, ich mag das, wenn du trotz allem auch einen Blick<br \/>\nhast f\u00fcr die Realit\u00e4t. Du wei\u00dft, wie steinig und wie m\u00fchevoll<br \/>\ndieser Weg der Liebe ist.<\/p>\n<p>Du hast selber ja viele Entt\u00e4uschungen durchgemacht. Und doch machst<br \/>\ndu mir und uns allen Mut: \u0084Seid fr\u00f6hlich in Hoffnung, geduldig in<br \/>\nTr\u00fcbsal, beharrlich im Gebet.\u0093<\/p>\n<p>Es entlastet mich, dass ich nicht aus eigener Kraft dieses Idealbild<br \/>\nverwirklichen muss. Ich bin froh, dass ich aus der Kraft des Glaubens<br \/>\nleben darf und ich brauche auf diesem Weg der Liebe viel, viel Geduld<br \/>\nund ich brauche die Verbindung im Gebet. Nur so k\u00f6nnen Menschen<br \/>\nimmer wieder kleine, vorsichtige Schritte gehen und sich den Raum f\u00fcr<br \/>\ndie Liebe lassen, ehrlich sein und Anteil nehmen, ihre Aufgaben erkennen<br \/>\nund sich verschenken.<\/p>\n<p>Du bist selber in deinem Leben immer wieder solche Schritte gegangen.<br \/>\nDu hast mit deinen Gemeinden mitgelitten und dich mitgefreut. Und wenn<br \/>\ndu ihnen und uns deine Ermahnungen mit auf den Weg gibst, dann wei\u00df ich:<br \/>\ndu tust das nicht als Moralapostel. Dahinter steht deine Liebe, die gespeist<br \/>\nist aus einer viel gr\u00f6\u00dferen Liebe. Und aus dieser Liebe m\u00f6chte<br \/>\nich auch leben.<\/p>\n<p><strong> Gunhild Riemenschneider<br \/>\nBornweg 12<br \/>\n74081 Heilbronn<br \/>\nmail: <a href=\"mailto:riemenschneider@ekhg-hn.de\">riemenschneider@ekhg-hn.de <\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Brief an die R\u00f6mer schreibt der Apostel Paulus im 12. Kapitel: (Textlesung) &#8230; Letzte Woche habe ich mich hingesetzt und Paulus eine Brief geschrieben. 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