{"id":9776,"date":"2004-02-07T19:49:37","date_gmt":"2004-02-07T18:49:37","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9776"},"modified":"2025-06-28T13:24:58","modified_gmt":"2025-06-28T11:24:58","slug":"2-korinther-4-6-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-korinther-4-6-10\/","title":{"rendered":"2. Korinther 4, 6-10"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p align=\"left\">Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten,<br \/>\nder hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, da\u00df durch<br \/>\nuns entst\u00fcnde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes<br \/>\nin dem Angesicht Jesu Christi.<br \/>\n<em>Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gef\u00e4\u00dfen, damit die \u00fcberschwengliche<br \/>\nKraft von Gott sei und nicht von uns.<br \/>\nWir sind von allen Seiten bedr\u00e4ngt, aber wir \u00e4ngstigen uns nicht.<br \/>\nUns ist bange, aber wir verzagen nicht.<br \/>\nWir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen.<br \/>\nWir werden unterdr\u00fcckt, aber wir kommen nicht um.<br \/>\nWir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserem Leibe, damit auch das Leben<br \/>\nJesu an unserem Leibe offenbar werde. <\/em><\/p>\n<p align=\"left\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p align=\"left\">in seinem letzten gro\u00dfen Roman l\u00e4sst Thomas<br \/>\nMann den Titelhelden, den sp\u00e4teren Hochstapler Felix Crull, ein<br \/>\nKindheitserlebnis schildern, dass f\u00fcr sein ganzes sp\u00e4teres<br \/>\nLeben von entscheidender Bedeutung sein sollte.<br \/>\nEs handelt vom ersten Theaterbesuch.<br \/>\nDem zw\u00f6lfj\u00e4hrigen erscheint das Theater wie eine \u0084Kirche des Vergn\u00fcgens\u0093,<br \/>\nin der die Menschen voller Entz\u00fccken \u0084mit offenen M\u00fcndern zu den<br \/>\nIdealen ihres Herzens\u0093 emporblicken d\u00fcrfen.<br \/>\nIm hellen Licht der Scheinwerfer tritt ein begnadeter Schauspieler auf, der<br \/>\nInbegriff eines strahlenden Helden, der alle Schwierigkeiten des Lebens mit<br \/>\nBravour und Leichtigkeit meistert. Alle Herrlichkeit der Welt scheint in ihm<br \/>\npersonifiziert zu sein.<br \/>\nAls der Junge dann freilich nach der Vorstellung in die Garderobe des Schauspielers<br \/>\ngef\u00fchrt wird, zeigt sich ihm ein ganz anderes Bild. Die Scheinwerfer sind<br \/>\nverloschen, die Per\u00fccke abgenommen und die Schminke entfernt. Und was<br \/>\nnun vor dem Spiegel sitzt, ist ein \u00e4ltlicher Mann mit Glatze, der billige<br \/>\nWitze rei\u00dft..<\/p>\n<p align=\"left\">Da wird dem Heranwachsenden deutlich, was f\u00fcr uns<br \/>\nHeutige im Zeitalter von Film und Fernsehen ja noch in weit st\u00e4rkerem<br \/>\nMa\u00dfe gilt: Wir Menschen verehren den sch\u00f6nen Schein und verdr\u00e4ngen<br \/>\ngerne das oft so armselige Sein. Wir haben eine gro\u00dfe Sehnsucht<br \/>\nnach Herrlichkeit und Glanz, gerade dann, wenn die Wirklichkeit uns so<br \/>\nwenig Glanzvolles bietet.<br \/>\nUnd nicht anders als die J\u00fcnger Petrus, Jakobus und Johannes im Evangelium<br \/>\ndes heutigen Sonntags w\u00fcnschen auch wir uns oft eine \u0084Kirche des Vergn\u00fcgens\u0093,<br \/>\nin der wir mit offenen M\u00fcndern zu den Idealen unseres Herzens emporblicken<br \/>\nk\u00f6nnen. Denn selten genug bietet sich uns die Gelegenheit, dass wir von<br \/>\nunserer Kirche und Gemeinde sagen k\u00f6nnten: <em>Hier ist gut sein, hier<br \/>\nlass uns H\u00fctten bauen. <\/em><\/p>\n<p align=\"left\">Dabei sehnen wir uns ganz zu Recht, wenn schon nicht nach<br \/>\ndem sch\u00f6nen, so doch nach dem hellen Schein. Mehr noch: Paulus nennt<br \/>\ndiese Sehnsucht eine gottgewollte Sehnsucht.<br \/>\nGott selbst, <em>der im Anfang das Licht aus der Finsternis hervorleuchten<br \/>\nlie\u00df <\/em>, schreibt der Apostel, der <em>hat einen hellen Schein in<br \/>\nunsere Herzen gegeben, dass durch uns entst\u00fcnde die Erleuchtung zur Erkenntnis<br \/>\nder Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi.<br \/>\n<\/em>Dieser helle Schein in unseren Herzen ist also eine Wirklichkeit und<br \/>\nein Schatz, ein Kleinod, ebenso wie die Auferstehung Jesu Christi eine Wirklichkeit<br \/>\nist f\u00fcr unseren Glauben und der einzige Schatz der uns bleibt, wenn<br \/>\nwir von dieser Welt m\u00fcssen.<br \/>\nUnd wo unser Sein diesem Schein nicht entspricht \u0096 noch nicht entspricht \u0096 da<br \/>\nsehnen wir uns ganz zurecht nach der <em>H\u00fctte Gottes bei den Menschen <\/em>,<br \/>\nwie es die Offenbarung des Johannes sagt. Und also danach, dass die Wirklichkeit<br \/>\nder Auferstehung unsere Wirklichkeit verwandelt.<\/p>\n<p align=\"left\">Und Gott sei Dank d\u00fcrfen wir es zu Zeiten erfahren,<br \/>\ndass dieser helle Schein mehr ist als nur eine Sehnsucht in unseren Herzen.<br \/>\nGott sei Dank erleben wir Glanzpunkte im Leben der Kirche und unserer<br \/>\nGemeinde, wo wir etwas sp\u00fcren von der Freude und von dem Vergn\u00fcgen<br \/>\nunseres Glaubens. Wo wir mit offenem Mund staunen d\u00fcrfen. Und wo<br \/>\nwir mitgerissen werden von der Begeisterung der frohen Botschaft.<br \/>\nDa ist etwa der Kirchentag, der mitrei\u00dfende Gottesdienst am Schluss,<br \/>\nden \u00fcber 100.000 vor allem junge Menschen feiern. Junge Menschen, die<br \/>\nwir an einem Sonntag wie heute im Gottesdienst so schmerzlich vermissen.<br \/>\nDa ist die mitrei\u00dfende Predigt eines begnadeten Predigers. Oder das Gemeinschaftserlebnis<br \/>\nbeim Feierabendmahl. Oder die Band mit ihren zeitgem\u00e4\u00dfen Musikst\u00fccken.<br \/>\nDa k\u00f6nnen wir sie sp\u00fcren, die \u0084 <em>Erleuchtung zur Erkenntnis der<br \/>\nHerrlichkeit Gottes\u0093 <\/em>, und ein frisches Wehen geht durch die Gemeinschaft<br \/>\nder Versammelten.<br \/>\nWer hat sich da nicht schon einmal gefragt, warum es denn nicht immer so sein<br \/>\nk\u00f6nnte in unseren Gottesdiensten?<\/p>\n<p align=\"left\">Eine Kirche, die so reich begnadet ist, die in sich solche<br \/>\nSch\u00e4tze birgt, warum ist die nicht immer eine Kirche des Vergn\u00fcgens,<br \/>\nsondern so oft eine Kirche der Langeweile und des \u00c4rgernisses? Ein<br \/>\nSchatz ist doch kein totes Kapital. Er will investiert sein in die Gemeinde.<br \/>\nAber nun macht dieser Schatz, dieser helle Schein, den Begnadeten so reich,<br \/>\ndass, wer ihn hat, leicht \u00fcberm\u00fctig werden kann. Wir erleben es ja<br \/>\nnoch heute, wie allein schon der schn\u00f6de irdische Mammon Menschen stolz<br \/>\nund hochm\u00fctig macht.<\/p>\n<p align=\"left\">Wir erleben es, wie Menschen mehr und mehr verlangen, dass<br \/>\ndie \u0084Highlights\u0093 des Lebens zum Alltag werden sollen und jederzeit abrufbar.<br \/>\nVom \u0084Luxus, den man sich t\u00e4glich leistet\u0093 spricht die Werbung. Und<br \/>\nvon \u0084fun and action non stop\u0093 manches Angebot im Internet. Wir h\u00f6ren<br \/>\nvon jungen Menschen, die nur noch \u0084Spa\u00df haben\u0093 wollen. Und die<br \/>\nalles einzig nach dem Lustgewinn bemessen, den es bringt.<br \/>\nUnd nicht selten sehen wir uns mit der Erwartungshaltung gegen uns selbst und<br \/>\nan andere Menschen konfrontiert, dass wir mehr darstellen m\u00fcssen, als<br \/>\nwir eigentlich sind. Nur der \u0096 so scheint es \u0096 hat im Leben Erfolg, der nach<br \/>\ndem Leitspruch lebt: \u0084Ein bisschen Schein, ein bisschen Schwein, wenig Sein<br \/>\nund viel Design.\u0093<\/p>\n<p align=\"left\">Wie sollte also nicht erst dieser himmlische Schatz den,<br \/>\nder ihn zu haben glaubt, stolz und hochm\u00fctig machen? Wie sollte<br \/>\ndann nicht leicht der helle Schein zum blo\u00df noch sch\u00f6nen Schein<br \/>\nwerden, der uns vergessen l\u00e4sst, zu sein, was wir sein sollen: \u0084Kirche<br \/>\nf\u00fcr die Anderen\u0093, wie es Dietrich Bonhoeffer formulierte. L\u00e4uft<br \/>\neine Kirche, die nur noch Kirche des Vergn\u00fcgens w\u00e4re, nicht<br \/>\nGefahr, eine Kirche der Vergn\u00fcgungss\u00fcchtigen zu werden? Eine<br \/>\nKirche, in der dann kein Platz mehr w\u00e4re f\u00fcr die Niedergeschlagenen<br \/>\nund Leidtragenden, f\u00fcr die Verfolgten und Unterdr\u00fcckten, f\u00fcr<br \/>\ndie Schwachen und Angefochtenen, die keine Freude am Leben mehr finden?<\/p>\n<p align=\"left\">Gott kennt diese Gefahr und steuert ihr, indem er uns diesen<br \/>\nSchatz vorsorglich in irdene Gef\u00e4\u00dfe gab.<br \/>\n<em>Wir haben diesen Schatz in irdenen Gef\u00e4\u00dfen <\/em>. Paulus nennt<br \/>\ndie Tr\u00e4gerinnen und Tr\u00e4ger, Besitzerinnen und Besitzer dieses Schatzes<br \/>\nirdene Gef\u00e4\u00dfe.<br \/>\nEr denkt dabei an eine Gepflogenheit der damaligen Zeit, der wir noch in unserem<br \/>\nJahrhundert die \u00fcberaus wertvollen Schriftrollen &#8211; Funde von Qumran am<br \/>\nToten Meer verdanken. Vor allem in unsicheren Kriegszeiten wurden damals Gold,<br \/>\nSchmuck, Schriftrollen und allerlei Wertgegenst\u00e4nde in gro\u00dfen Tonkr\u00fcgen<br \/>\nvergraben. Da sind sie dann dem Zugriff der R\u00e4uber und Pl\u00fcnderer<br \/>\nentzogen, mottensicher und f\u00fcr Jahrhunderte vor Feuchtigkeit gesch\u00fctzt.<br \/>\nAber diese Tonkr\u00fcge haben auch den Nachteil, dass sie zerbrechlich sind.<br \/>\nMan kannte damals metallene, h\u00f6lzerne und irdene Gef\u00e4\u00dfe. Und<br \/>\ndie irdenen waren die schw\u00e4chsten. Ein kleiner Sto\u00df, schon gab es<br \/>\nScherben.<br \/>\nUnd nun vergleicht Paulus uns Christinnen und Christen mit solchem Geschirr.<br \/>\nWir sind also f\u00fcr den hellen Schein ein recht tr\u00fcber Schirm, und<br \/>\nf\u00fcr den himmlischen Schatz alles andere als eine Luxus \u0096 Verpackung.<br \/>\nBegnadete Menschen haben es, sagt Paulus, unabdingbar n\u00f6tig, solch fragw\u00fcrdiges<br \/>\nGeschirr zu sein, damit sie nicht eines Tages dem Wahn verfallen und der Versuchung<br \/>\nerliegen, selber kr\u00e4ftig und gro\u00dfe Lichter sein zu wollen, <em>damit<br \/>\ndie \u00fcberschw\u00e4ngliche Kraft von Gott sei und nicht von uns. <\/em><\/p>\n<p align=\"left\">In vier schlichten S\u00e4tzen schildert Paulus die Zerbrechlichkeit<br \/>\nder irdenen Gef\u00e4\u00dfes, die wir als Kirche, als Kirchengemeinde<br \/>\nund als einzelner Christenmensch eben sind:<br \/>\n<em>Wir werden von allen Seiten bedr\u00e4ngt, aber wir \u00e4ngstigen uns<br \/>\nnicht <\/em>. Gerade weil wir Begnadete sind, sind uns Schranken auferlegt.<br \/>\nUnsere Auswahl ist nicht reichhaltig. Gegen die zahllosen Showmaster, Pop \u0096 Stars,<br \/>\nTop &#8211; Models und Sportler im Fernsehen k\u00f6nnen wir ebenso wenig anstinken<br \/>\nwie gegen die Freizeitangebote vieler Vereine und Dienstleistungs- \u0096 Anbieter.<br \/>\nFinanziell sind wir immer knapper dran. Aber \u00e4ngstigen tun wir uns nicht.<br \/>\nUnd wir haben auch keinen Grund zur Sorge, denn zum N\u00f6tigen reicht es<br \/>\nimmer noch. Und vor dem Nichts brauchen wir nicht zu stehen. So geh\u00f6ren<br \/>\nwir nicht zu denen, die mit ihrem Besitz prahlen, aber auch nicht zu denen,<br \/>\ndie gar nichts haben. Angeben nach Hochstapler \u0096 Manier und \u00fcbertriebene<br \/>\nSelbstdarstellung w\u00e4ren vermessen. Jammern und Klagen aber w\u00e4re<br \/>\nundankbar. So h\u00e4lt Gott uns in einer Dauer \u0096 Abh\u00e4ngigkeit, die<br \/>\nsich bei n\u00e4herem Hinsehen als Freiheit erweist.<\/p>\n<p align=\"left\"><em>Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. \u0096 <\/em> im<br \/>\nGriechischen hei\u00dft es: \u0084weglos, ratlos\u0093. Zur christlichen Existenz<br \/>\ngeh\u00f6rt es, dass wir oft den Weg nicht sehen und nicht wissen, was<br \/>\nwerden soll. Weder das Leben der Kirche noch das eines einzelnen Christenmenschen<br \/>\nl\u00e4sst sich vorausplanen. Und zukunftsf\u00e4hig werden wir gewiss<br \/>\nnicht dadurch, dass wir uns als Kirchengemeinde eine Art Unternehmenskonzept<br \/>\ngeben und Strukturen festlegen, die doch nichts weiter bewirken, als<br \/>\ndass bestenfalls die Arbeit einzelner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter<br \/>\nein wenig \u00fcbersichtlicher und leichter wird. Im ung\u00fcnstigsten<br \/>\nFall aber schaffen sie nichts weiter als starre Machtverh\u00e4ltnisse<br \/>\nund neue Hierarchien, die alles andere als motivierend sind f\u00fcr<br \/>\njemanden, der nicht an oberster Stelle steht.<br \/>\nWir haben Fragen und stehen vor R\u00e4tseln. \u0084Wei\u00df ich den Weg auch<br \/>\nnicht&#8230;\u0093 \u0096 und \u0084ich kann allein nicht gehen, nicht einen Schritt&#8230;\u0093 Aber<br \/>\ndoch m\u00fcssen wir nicht verzweifeln.<br \/>\nWo zugegebenerma\u00dfen nach menschlichem Ermessen kein Weg mehr ist, da<br \/>\nwei\u00df der Glaube noch um einen Weg: \u0084Weg hast du aller wegen, an Mitteln<br \/>\nfehlt dir&#8217;s nicht.\u0093 In aller Ausweglosigkeit und Ratlosigkeit steht uns als<br \/>\nBegnadeten noch immer das Gebet als Weg offen. Also: weder hektischer Aktionismus<br \/>\nnoch Verzweiflung und Resignation, sondern beten und flehen und dann arbeiten.<br \/>\nUns ist bange, aber wir verzagen nicht.<\/p>\n<p align=\"left\"><em>Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. <\/em> \u0096 Gewiss,<br \/>\nVerfolgung leiden wir ganz bestimmt nicht. Aber auch bei uns ist christliche<br \/>\nExistenz alles andere als ein Garantieschein zum Sch\u00f6nhaben. Im<br \/>\nGegenteil, Paulus stellt hier den Gl\u00e4ubigen zu den gew\u00f6hnlichen<br \/>\nund allgemein menschlichen Widerw\u00e4rtigkeiten hinzu noch eine Extraportion<br \/>\nin Aussicht, und das sind die Bekenntnisleiden. Das wird sich erst dann<br \/>\nin vollem Umfang zeigen, wenn die Kirchenmitglieder tats\u00e4chlich<br \/>\nin unserer Gesellschaft eine Minderheit werden. Wenn also erst einmal<br \/>\ndie Situation eingetreten sein wird, dass es nicht mehr als gut b\u00fcrgerlich<br \/>\nund opportun gilt, einer Kirche anzugeh\u00f6ren. Werden wir dann noch<br \/>\nden Glauben haben an den guten Hirten, der die Seinen kennt? Und den<br \/>\nMut, nicht dem Herdentrieb der anderen zu folgen, die in die Irre gehen<br \/>\nwie Schafe? Gott verl\u00e4sst die Seinen nicht. Sie stehen in seinem<br \/>\neigentlichen Dienst und er steht zu ihnen, m\u00f6gen sie dann auch noch<br \/>\nso klein und erb\u00e4rmlich in der Gesellschaft dastehen.<\/p>\n<p align=\"left\">Ja auch darin sind die Begnadeten nicht verlassen, wenn<br \/>\nsie in der Verfolgung dann auch tats\u00e4chlich unterliegen. In diesem<br \/>\nschlimmsten Fall gilt der vierte aller S\u00e4tze <em>: Wir werden unterdr\u00fcckt,<br \/>\naber wir kommen nicht um: <\/em> wir werden \u0084zu Boden gedr\u00fcckt, aber<br \/>\nnicht vernichtet\u0093, wie es w\u00f6rtlich hei\u00dft.<br \/>\nAls Stephanus, dieser besonders Begnadete, unter den Steinw\u00fcrfen seiner<br \/>\nM\u00f6rder einknickte und den Geist aufgab, da wurde er nicht vernichtet,<br \/>\nda erf\u00fcllte sich vielmehr die Verhei\u00dfung des guten Hirten: \u0084Ich<br \/>\ngebe ihnen das ewige Leben und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand<br \/>\nwird sie aus meiner Hand rei\u00dfen.\u0093 Ja auch und sogar die Sache, f\u00fcr<br \/>\ndie ein Bekenner zu Boden geht und stirbt, wird durch den Tod des Bekenners<br \/>\nweder zuschanden noch vernichtet, im Gegenteil: der Tod des Bekenners Christi<br \/>\nist der Sieg der Sache. Wir w\u00fcrden heute in Dietrich Bonhoeffer oder in<br \/>\nHans und Sophie Scholl keine leuchtenden Vorbilder sehen, wenn es nicht so<br \/>\nw\u00e4re.<\/p>\n<p align=\"left\">So schildert der Apostel das christliche Leben als einen<br \/>\nSchatz in irdenen Gef\u00e4\u00dfen.<br \/>\nWas dabei herauskommt, ist sicher keine Kirche des Vergn\u00fcgens. Aber eine<br \/>\nKirche der Wahrheit, der heiteren Gelassenheit und vor allem: eine Kirche der<br \/>\nauch dann noch Vergn\u00fcgten, wenn nichts mehr Vergn\u00fcgen macht.<br \/>\nWas bei dieser Schilderung des Apostels auff\u00e4llt, ist, dass er am christlichen<br \/>\nLeben ein Anteilhaben an der Niederlage und am Sieg erkennt , am Leiden und<br \/>\nSterben, aber auch am Auferstehen Jesu Christi: \u0084Wir tragen allezeit das Sterben<br \/>\nJesu an unserem Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserem Leibe offenbar<br \/>\nwerde.\u0093<\/p>\n<p align=\"left\">Weiter f\u00e4llt an der Schilderung des Apostels auf,<br \/>\ndass er v\u00f6llig ohne Nebenton dar\u00fcber sprechen kann:<br \/>\nOhne das hier so nahe liegende Selbstmitleid, ohne auch den menschlich so begreiflichen<br \/>\nM\u00e4rtyrer \u0096 Hochmut. Da ist nichts zu sp\u00fcren von Wehleidigkeit und<br \/>\nLarmoyanz, aber auch nichts von Bekenner \u0096 Pathos und Heldenbrust. Wie sollte<br \/>\nes auch! Handelt es sich doch hier um Lebenszeichen des Auferstandenen und<br \/>\nnicht um menschliche Leistung. Alles ist hier Gnade. Und nichts ist hier Selbstdarstellung.<br \/>\nWeil die \u00fcberschw\u00e4ngliche Kraft von Gott kommt und nicht aus uns<br \/>\nselbst, ist es Gott selbst, der beides vollbringt: Die \u0084Highlights\u0093 im Leben<br \/>\neiner Gemeinde \u0096 als Lebenszeichen des Auferstandenen. Und der allt\u00e4glich<br \/>\nzu bestehende \u00c4rger und Frust \u0096 als Zeichen, dass wir einem Gekreuzigten<br \/>\nnachfolgen.<\/p>\n<p align=\"left\">Liebe Gemeinde, wir feiern heute den letzten Sonntag nach<br \/>\nEpiphanias, der zugleich der letzte Sonntag des Weihnachtsfestkreises<br \/>\nist. Der n\u00e4chste Sonntag, \u0084Septuagesimae\u0093 hei\u00dft er, geh\u00f6rt<br \/>\nals der erste Vorfastensonntag bereits zum Osterfestkreis. Und zwischen<br \/>\nWeihnachten und Ostern liegt die Passion.<\/p>\n<p align=\"left\">Auch unser menschliches Leben geschieht zwischen diesen<br \/>\nbeiden Polen: Der Niedrigkeit und dem Leiden einerseits \u0096 und der Herrlichkeit<br \/>\nund den Freuden andererseits. So ist es.<br \/>\nWir tragen in uns den hellen Schein des kommenden Lebens mit dem Auferstandenen.<br \/>\nUnd wir tragen an uns die ganze Last des Seins zum Tode. So sind wir zerbrechliche,<br \/>\nirdene Gef\u00e4\u00dfe eines Schatzes, dessen Kapitalertr\u00e4ge erst noch<br \/>\nausstehen.<\/p>\n<p align=\"left\">Aber in diesem Leben kann nicht nur ein \u00e4ltlicher<br \/>\nSchauspieler mit Glatze die Rolle eines strahlenden Helden spielen und<br \/>\ndennoch zu dem stehen, was er ist. Auch wir brauchen keine Hochstapler<br \/>\nzu werden, nur weil die Welt den hellen Schein in unseren Herzen mit<br \/>\ndem sch\u00f6nen Schein verwechselt und das Sein so gern verdr\u00e4ngt.<br \/>\nWir d\u00fcrfen Gott dankbar sein f\u00fcr die \u0084Highlights\u0093, in denen bei uns<br \/>\netwas aufleuchtet von dem hellen Schein in unseren Herzen, sodass durch uns<br \/>\ntats\u00e4chlich andere Menschen erleuchtet werden zur Erkenntnis der Herrlichkeit<br \/>\nGottes im Angesicht Jesu Christi entsteht. Aber dieses Angesicht ist auch das<br \/>\nAngesicht eines Gekreuzigten. Und so brauchen wir uns auch unserer Schwachheit<br \/>\nals irdene Gef\u00e4\u00dfe nicht zu sch\u00e4men, auch dann nicht, wenn die<br \/>\nWelt den sch\u00f6nen Schein wahren will.<br \/>\nWeil wir das Sterben des Gekreuzigten immer an uns tragen, wird das Leben des<br \/>\nAuferstandenen an uns offenbar werden zu der Zeit, die Gott gibt. Denn die<br \/>\nKraft dazu kommt von Gott und nicht aus uns selbst.<\/p>\n<p align=\"left\">Amen.<\/p>\n<p class=\"Stil1\" align=\"left\">Gerhard Prell, Pfarrer<br \/>\nBad<br \/>\nEndorf<br \/>\neMail: <a href=\"mailto:Gary.P@gmx.de\">Gary.P@gmx.de <\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, da\u00df durch uns entst\u00fcnde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi. Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gef\u00e4\u00dfen, damit die \u00fcberschwengliche Kraft von Gott sei und nicht von uns. 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