{"id":9777,"date":"2004-02-07T19:49:39","date_gmt":"2004-02-07T18:49:39","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9777"},"modified":"2025-06-28T13:25:48","modified_gmt":"2025-06-28T11:25:48","slug":"predigt-zu-epiphanias","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-epiphanias\/","title":{"rendered":"2. Korinther 4, 6-10"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><strong><span style=\"color: #000099;\">Letzter Sonntag nach Epiphanias, 1. Februar 2004<br \/>\nPredigt \u00fcbe<\/span><span style=\"color: #000099;\">r 2. Korinther 4, 6-10, verfa\u00dft von Klaus Steinmetz<\/span><\/strong><\/h3>\n<hr \/>\n<p>Mit dem heutigen Sonntag und der ihm folgenden Woche geht die Epiphaniaszeit des Kirchenjahres zu Ende. Epiphanias bedeutet \u0084Erscheinung\u0093. Mit der Erscheinung des Sterns, dem die Weisen aus dem Morgenland gefolgt sind, hat es angefangen. In allen Geschichten und Texten, die in den Gottesdiensten an den Sonntagen seit dem 6. Januar vorgelesen wurden, schien etwas davon auf, wer der ist, der da geboren und gekommen ist. Bis dann heute in der Erz\u00e4hlung von seiner Verkl\u00e4rung alles Licht auf ihn f\u00e4llt: Dies ist mein lieber Sohn; den sollt ihr h\u00f6ren!<\/p>\n<p>Im heutigen Predigttext kommt einer zu Wort, der in den Umkreis dieses Lichtes geraten ist. Er sagt, wie sich das bei ihm ausgewirkt hat. Wenn Paulus auf das f\u00fcr ihn wichtigste, grundlegende Ereignis seines Lebens zur\u00fcckblickt \u0096 man nennt es oft seine \u0084Bekehrung\u0093, dann kann er davon nur in gro\u00dfen, geradezu \u00fcberschw\u00e4nglichen Worten sprechen: Licht, heller Schein, Erleuchtung, Herrlichkeit. \u0084Gott, der sprach: Licht soll in der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, dass durch uns entst\u00fcnde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi\u0093. Nicht zuf\u00e4llig erinnern diese Worte an die Sch\u00f6pfungsgeschichte. Es werde Licht! Und auch an die Weihnachtsgeschichte: ..die Klarheit des Herrn umleuchtete sie. Mag auch die Erz\u00e4hlung in der Apostelgeschichte, dass bei Damaskus eine \u00fcberw\u00e4ltigende Lichterscheinung Paulus f\u00fcr einige Tage regelrecht geblendet habe, legendenhaft ausgeschm\u00fcckt sein, so hat sie doch nur die Bedeutsamkeit des Vorgangs in die bildhafte Sprache einer anschaulichen Geschichte \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Er selbst hat es immer wieder ausgesprochen, was ihm da im Licht, als Licht aufgegangen ist, das Licht, das sich mit einem Namen bezeichnen l\u00e4sst: Jesus Christus. Und dieses Licht, dieser Name bedeutet, dass er selbst, dass alle von der Gnade und Liebe Gottes allein leben, ob sie es wissen oder nicht. Aber sie sollen es wissen. Und so wurde die Erleuchtung f\u00fcr ihn zugleich Beauftragung und Sendung. Er ist von jetzt an dazu da, dass durch ihn andere Menschen dieses Licht erreicht, dass ihnen diese befreiende Klarheit \u00fcber sie selber aufgeht. Und wie sehr ist dieser Mann f\u00fcr diesen Auftrag da gewesen! Fast die ganze damals bekannte Welt hat er durchquert. Es ist schon beeindruckend, was er geleistet hat.<\/p>\n<p>Doch so sehr er auch f\u00fcr dieses Licht sich einsetzen konnte und musste, mit seiner ganzen Kraft, mit seinem ganzen Leben, die Garantie daf\u00fcr \u00fcbernehmen kann und will er nicht. Das muss ein anderer tun, Gott selbst. Die Kraft des Lichtes ist Gottes Kraft, nicht seine, des Paulus. Es darf keine Verwechslung zwischen Herrn und Diener, zwischen dem Boten des Lichts und dem Licht selber geben. Und es kann diese Verwechslung auch gar nicht geben, wenn man den Boten genau ansieht. Es ist merkw\u00fcrdig: Der vom Licht Erfasste steht selber nicht im Licht und wird nicht zur Lichtgestalt. Er steht bestenfalls in einem Raum, in dem Licht und Dunkel um die Vorherrschaft ringen.<\/p>\n<p>Wohl ist ihm so etwas wie ein Schatz anvertraut. Aber er selber ist f\u00fcr diesen Schatz nur so etwas wie ein irdenes Gef\u00e4\u00df. Irden, aus Ton \u0096 das hei\u00dft in erster Linie zerbrechlich, gef\u00e4hrdet. Im Vergleich zu einem Gef\u00e4\u00df aus Metall oder gar Gold eher unansehnlich, eben f\u00fcr den normalen Gebrauch und auch Verbrauch bestimmt. Und was das nun genauer bedeutet, erfahren wir,, wenn wir aus den folgenden S\u00e4tzen des Paulus jeweils nur den ersten Teil h\u00f6ren:<\/p>\n<p>Ich bin von allen Seiten bedr\u00e4ngt \u0096 mir ist bange (w\u00f6rtlich: Ich stecke in einer Aporie) \u0096 ich leide Verfolgung \u0096 ich werde unterdr\u00fcckt. Und zuletzt: Das ist geradezu ein Sterben, was sich in seinem Leben vollzieht. \u0084Allezeit trage ich das Sterben Jesu an meinem Leib\u0093. Das Sterben Jesu \u0096 auch und gerade hierin ist er ihm verbunden. Also eine alles andere als gl\u00e4nzende, beneidenswerte Existenz. Eben \u0084irdenes Gef\u00e4\u00df\u0093, am Rande des Zerbrechens. Kein Wunder, dass manche fragten: Und dieses unansehnliche Gef\u00e4\u00df, dieser gezeichnete Mensch soll einen Schatz umschlie\u00dfen und zu bieten haben?<\/p>\n<p>Nun sind dies zun\u00e4chst die ganz pers\u00f6nlichen Erfahrungen des Paulus, nur von ihm so gemachte Erfahrungen. Und Erfahrungen sind nicht ohne weiteres \u00fcbertragbar. Trotzdem: H\u00e4tte Paulus dies alles gesagt und mitgeteilt, wenn er nicht der Meinung w\u00e4re, dass das Aussprechen dieser Erfahrungen auch f\u00fcr andere etwas bedeuten und bringen kann? Warum reden wir selber denn mit anderen \u00fcber unsere Erfahrungen, auch \u00fcber sehr pers\u00f6nliche? W\u00fcrden wir das tun, wenn wir der Auffassung w\u00e4ren, es h\u00e4tte gar keinen Sinn? Und schlie\u00dflich: Mag Paulus auch unvergleichlich viel mehr gewesen sein als wir, Bote, Zeuge, Missionar, Apostel, Heiliger \u0096 erscheint nicht hier auch ganz einfach der Mensch Paulus, der Mensch, der mit dem, was ihm auferlegt ist, fertig werden und leben muss? Der Mensch, dem das nicht in den Kopf will und der das immer wieder neu lernen muss, dass auf seiner Seite nicht Licht ist, sondern Dunkel, nicht Kraft, sondern Schwachheit, nicht Unbeschwertheit, sondern Angst? Das bringt ihn jedem nahe, der auch mit dem leben und fertig werden muss, was ihm zu schaffen macht.<\/p>\n<p>Hier kommt einer zu Wort, der Angst hat und kennt. Und wir erfahren hier, wie das Licht, wie die gro\u00dfe Zusage \u0084F\u00fcrchte dich nicht!\u0093 bei einem ankommt, der in Angst ist, wie es sich bei ihm auswirkt. Da sind dann nicht vollmundige Worte am Platz, sondern eher verhaltene, zur\u00fcckhaltende. Aber daf\u00fcr sind sie erfahrungsges\u00e4ttigt, und andere mit \u00e4hnlichen Erfahrungen k\u00f6nnen sich darin unterbringen.<\/p>\n<p>Die erste Wirkung des \u0084Hab keine Angst!\u0093 ist vielleicht, dass einer von seiner Angst \u00fcberhaupt reden kann, so wie Paulus das hier tut. Christen sind ja nicht Menschen, die keine Angst haben; dann w\u00e4ren sie eher unmenschlich, und man m\u00fcsste geradezu Angst vor ihnen haben. Das gilt auch f\u00fcr politische Verantwortungstr\u00e4ger. Der fr\u00fchere, k\u00fcrzlich 85 Jahre alt gewordene Bundeskanzler Helmut Schmidt hat einmal ge\u00e4u\u00dfert: Wer gar keine Angst kennt, ob die Entscheidungen, die er zu treffen hat, wirklich richtig sind, der w\u00e4re nicht geeignet, politische Verantwortung zu tragen. Also: Christen sind nicht Menschen, die keine Angst haben. Aber sie sind Menschen, die miteinander \u00fcber ihre Angst reden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Allerdings, dass sie von ihrer Angst reden k\u00f6nnen, ist noch nicht alles. Wenn einer von seiner Angst spricht, kann das auch ganz sch\u00f6n deprimierend wirken und in Ausweglosigkeit enden. Die S\u00e4tze des Paulus, in denen er so deutlich von seinen Belastungen redet, hinterlassen nicht dieses deprimierende Gef\u00fchl. Irgendwie sp\u00fcrt man, dass da doch das Licht mit seinem \u0084F\u00fcrchte dich nicht!\u0093 dahinter steht und seine Wirkung tut. Das hei\u00dft nicht, dass es Wunder tut, Wunder in dem Sinn, dass alle Angst um das Leben und die Zukunft, die eigene und die der Kinder und die der Welt nun einfach weg w\u00e4ren. All das von dem Bedr\u00e4ngtsein, von dem Ratlos-sein, von der Unterdr\u00fcckung und dem Sterben bleibt ja immer wieder bedr\u00e4ngende Erfahrung. Und doch, das Licht \u0096 es wirkt Wunder. Es ist doch ein Wunder, wenn einer mitten in solchem Bedr\u00e4ngtsein die Erfahrung macht: Ich kann damit leben, weiter, neu. Vielleicht stellt einer erst im Nachhinein fest, dass es so gekommen ist.<\/p>\n<p>Bei Paulus folgen auf die vorhin angegebenen \u00c4u\u00dferungen ja jeweils auch noch ganz andere, gegens\u00e4tzliche. Und daraus h\u00f6re ich auch ein gewisses Erstaunen heraus, das dabei mitschwingt. Er versteht es selbst nicht ganz, und doch ist es so: Ich bin von allen Seiten bedr\u00e4ngt, aber ich \u00e4ngstige mich nicht; mir ist bange, aber ich verzage nicht. Geht das \u00fcberhaupt zusammen? Ja, es geht! Auch das ist eine Erfahrung, am Ende sogar die entscheidende und Ausschlag gebende. Und wenn es eine Erfahrung ist, dann muss das ja auch irgendwann angefangen haben. Irgendwann mittendrin in der Ausweglosigkeit und Angst, irgendwann hat das Licht mit seinem \u0084F\u00fcrchte dich nicht!\u0093 angefangen zu greifen und seine Wirkung zu tun. Davon k\u00f6nnen Christen dann auch reden. Sie kennen wohl das Dunkel, die Angst. Und sie k\u00f6nnen und sollen jeden, der in Angst ist, ernst nehmen und verstehen, und er soll sich bei ihnen aufgehoben f\u00fchlen. Aber dann reden sie auch von dem, was sie in ihrer Angst leben, wirklich leben l\u00e4sst. Sie haben das nicht als unangefochtenen, jederzeit verf\u00fcgbaren Besitz, schon gar nicht aus sich selbst. Sie sind immer neu zu diesem Licht hin auf dem Weg. Oder wie Paulus es ausdr\u00fcckt: Das Leben Jesu soll ja erst noch offenbar werden an ihnen.<\/p>\n<p>Aber indem sie darauf vertrauen, wenn es sein muss, mitten in der Angst, erweist es sich schon wirksam an ihnen. Paulus hat es an anderer Stelle einmal so auf den Punkt gebracht: In \u00c4ngsten- und siehe, wir leben! Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Klaus Steinmetz, Sup. i. R.<br \/>\n<a href=\"mailto:kjsteinmetz@t-online.de\">kjsteinmetz@t-online.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzter Sonntag nach Epiphanias, 1. Februar 2004 Predigt \u00fcber 2. Korinther 4, 6-10, verfa\u00dft von Klaus Steinmetz Mit dem heutigen Sonntag und der ihm folgenden Woche geht die Epiphaniaszeit des Kirchenjahres zu Ende. Epiphanias bedeutet \u0084Erscheinung\u0093. Mit der Erscheinung des Sterns, dem die Weisen aus dem Morgenland gefolgt sind, hat es angefangen. In allen Geschichten [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":7872,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[43,1,727,853,114,349,1548,669,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-9777","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-2-korinther","category-aktuelle","category-archiv","category-bibel","category-deut","category-kasus","category-klaus-steinmetz","category-letzter-so-n-epiphanias","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9777","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9777"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9777\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15659,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9777\/revisions\/15659"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7872"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9777"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9777"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9777"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=9777"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=9777"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=9777"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=9777"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}