{"id":9781,"date":"2004-02-07T19:49:40","date_gmt":"2004-02-07T18:49:40","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9781"},"modified":"2025-06-28T13:37:45","modified_gmt":"2025-06-28T11:37:45","slug":"1-korinther-4-6-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-4-6-10\/","title":{"rendered":"1. Korinther 4, 6 &#8211; 10"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p><b><span style=\"color: #000099;\">Letzter Sonntag nach Epiphanias, 1. Februar 2004<br \/>\nPredigt \u00fcbe<\/span><\/b><b><span style=\"color: #000099;\">r 2. Korinther 4, 6-10, verfa\u00dft von Christine Hubka<\/span><\/b><\/p>\n<p>Psalm 139 1 \u0096 14<br \/>\nLeitvers: Ich danke dir daf\u00fcr, dass ich wunderbar gemacht bin.<br \/>\nLesung Gen 2<\/p>\n<p><strong>&#8222;Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!,<br \/>\ner ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden<br \/>\nzur Erkenntnis des g\u00f6ttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi.<br \/>\nDiesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gef\u00e4\u00dfen; so wird deutlich,<br \/>\ndass das \u00dcberma\u00df der Kraft von Gott und nicht von uns kommt.<br \/>\nVon allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum;<br \/>\nwir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht;<br \/>\nwir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt<br \/>\nund doch nicht vernichtet.<br \/>\nWohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib,<br \/>\ndamit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird.&#8220; <\/strong>2.<br \/>\nKor 4, 6 &#8211; 10<\/p>\n<p>Der T\u00f6pfer benetzt seine Finger mit Wasser.<br \/>\nEr nimmt einen Klumpen Lehm. <strong><br \/>\nErde vom Acker <\/strong><br \/>\nUnter seinen behutsam streichenden H\u00e4nden<br \/>\nentsteht ein Gef\u00e4\u00df.<\/p>\n<p>Einzigartig ist es.<br \/>\nHandarbeit,<br \/>\nin die der Sch\u00f6pfer seine Z\u00e4rtlichkeit,<br \/>\nseine Liebe,<br \/>\nalles, was er zu geben hat,<br \/>\nhinknetet.<\/p>\n<p>Das Gef\u00e4\u00df ist fertig.<\/p>\n<p>Wieder nimmt der T\u00f6pfer einen Klumpen Lehm.<br \/>\n<strong>Erde vom Acker.<br \/>\n<\/strong>Wieder entsteht ein irdenes Gef\u00e4\u00df<br \/>\nunter seinen z\u00e4rtlichen H\u00e4nden<br \/>\nEinzigartig ist auch dieses.<\/p>\n<p>So entsteht ein Gef\u00e4\u00df nach dem anderen.<br \/>\nJedes ist anders.<br \/>\nJedes ist Handarbeit.<br \/>\nIn jedes hat der Sch\u00f6pfer<br \/>\nseine Liebe und seine Z\u00e4rtlichkeit hinein geformt.<\/p>\n<p>Und jedes, wirklich jedes, dieser irdenen Gef\u00e4\u00dfe<br \/>\nist zerbrechlich.<br \/>\nUnd sehr verletzlich.<\/p>\n<p>Mit der Zeit bekommen sie alle feine Risse in der Glasur.<br \/>\nDie Farben verblassen.<br \/>\nDem einen fehlt ein Eck.<br \/>\nBeim anderen geht ein Sprung quer durch.<\/p>\n<p><strong>Da machte Gott der HERR den Menschen<br \/>\naus Erde vom Acker<br \/>\nund blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase.<br \/>\nUnd so ward der Mensch ein lebendiges Wesen. <\/strong><\/p>\n<p>Und jede und jeder ist zerbrechlich.<br \/>\nUnd sehr verletzlich.<\/p>\n<p>Schon die ganz fr\u00fchen Jahre<br \/>\nhinterlassen Spuren:<br \/>\nDie Narbe am Knie<br \/>\nvom ersten Sturz mit dem Fahrrad.<br \/>\nDie Entt\u00e4uschung<br \/>\n\u00fcber eine Ungerechtigkeit der Eltern.<\/p>\n<p>Paulus dr\u00fcckt auf seine Weise aus,<br \/>\nwas ihn verletzt und besch\u00e4digt:<br \/>\n<strong>Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben&#8230;<br \/>\nwir wissen weder aus noch ein&#8230; <\/strong><br \/>\n<strong>wir werden gehetzt&#8230; <\/strong><\/p>\n<p>Du hast deine eigenen Erfahrungen &#8211;<br \/>\nund deine eigenen Worte f\u00fcr diese Erfahrungen.<br \/>\nF\u00fcr manches haben wir auch keine Worte&#8230;<\/p>\n<p>Ist euch bewusst,<br \/>\ndass diese Verletzlichkeit der Menschen,<br \/>\nmit denen wir es zu tun haben,<br \/>\njedem von uns sehr viel Macht \u00fcber andere gibt?<br \/>\nUnglaublich viel Macht!<\/p>\n<p>Wir haben die M\u00f6glichkeit,<br \/>\ndas, was Gott geschaffen hat,<br \/>\nzu besch\u00e4digen.<br \/>\nSo, wie es mit ein irdenes Gef\u00e4\u00df geschieht:<\/p>\n<p>Ob jemand einen Moment unaufmerksam ist,<br \/>\nes aus Versehen es fallen l\u00e4sst&#8230;<\/p>\n<p>Ob es jemand nimmt<br \/>\nUnd mit voller Wucht und Absicht<br \/>\nauf den Boden schmei\u00dft&#8230;<\/p>\n<p>Ob es kaputt geht,<br \/>\nweil jemand damit so umgeht,<br \/>\nwie die herumbl\u00f6delnden M\u00f6belpacker in der Werbung,<br \/>\ndenen die Dinge, die ihnen anvertraut sind,<br \/>\ngleichg\u00fcltig sind&#8230;<\/p>\n<p>Am Ende ist da ein Sprung&#8230;<br \/>\nvielleicht sogar Scherben&#8230;<\/p>\n<p>Aber wenn jemand fragt:<br \/>\n\u0084Wie geht es dir?\u0093,<br \/>\nantworte wohl nicht nur ich:<br \/>\n\u0084Danke, gut!\u0093<br \/>\nIst es die Scheu vor dem mitleidigen Blick?<\/p>\n<p>Und ich beobachte bei mir und bei anderen,<br \/>\ndass sie sich zufrieden geben mit dieser Antwort,<br \/>\nauch wenn sie aus einem traurigen Mund kommt.<\/p>\n<p>Ich halte das nicht f\u00fcr ein Indiz,<br \/>\nwie hartherzig und kaltschn\u00e4uzig<br \/>\nwir miteinander umgehen.<br \/>\nEs ist f\u00fcr mich eher ein Hinweis auf das Gegenteil:<\/p>\n<p>Ist es nicht so,<br \/>\ndass es weh tut, zumerken:<br \/>\n\u0084Ich kann deine Verletzung nicht heilen.\u0093<\/p>\n<p>Und wenn da ein eigener Anteil ist an dieser Verletzung,<br \/>\ndann l\u00e4sst die Scham verstummen.<\/p>\n<p>Zu alledem kommt dann noch die Vorstellung,<br \/>\nso k\u00f6nnte es auch mir ergehen \u0096<br \/>\nDas ist ein Gedanke der sprachlos machen kann.<\/p>\n<p>Paulus wischt das alles mit einem Satz weg.<br \/>\nEr sagt:<br \/>\n<strong>Wohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem<br \/>\nLeib&#8230;<br \/>\n<\/strong>Was Menschen voreinander sorgsam verbergen,<br \/>\nWas Menschen aneinander \u00fcbergehen,<br \/>\nwas Menschen einander antun &#8211;<br \/>\ndem k\u00f6nnen wir nicht ausweichen,<br \/>\nwenn wir das Bild des Gekreuzigten anschauen:<br \/>\nEin gebrochener,<br \/>\nein zerbrochener Mensch.<\/p>\n<p>Es geht aber nicht darum,<br \/>\nMitleid zu empfinden,<br \/>\nmit dem \u0084armen\u0093 Menschen vor uns.<br \/>\nDenn der mitleidige Blick<br \/>\nschaut immer von oben herab.<\/p>\n<p>Nicht \u0084ach, der arme Jesus\u0093 ist gefragt.<br \/>\nDenn nicht er ist arm,<br \/>\nSondern:<br \/>\nPilatus f\u00e4llt das Urteil,<br \/>\nweil ihm im Grund<br \/>\ndas Schicksal dieses Menschen gleichg\u00fcltig ist.<br \/>\nDie Schriftgelehrten<br \/>\nwollen ihn mit voller Absicht zerst\u00f6ren.<br \/>\nSeinen Freunden ist nicht bewusst,<br \/>\nwas sie anrichten<br \/>\nmit ihrer Feigheit und Unentschlossenheit.<\/p>\n<p>Wenn wir das Bild des Gekreuzigten anschauen,<br \/>\nsehen wir:<br \/>\nEin gebrochener,<br \/>\nein zerbrochener Mensch.<\/p>\n<p>Was sehen wir,<br \/>\nwenn wir einander ansehen?<\/p>\n<p>Nehmen wir ausschlie\u00dflich<br \/>\nDie Macken,<br \/>\ndie Spr\u00fcnge wahr,<br \/>\ndie ja nie wirklich zu verbergen sind.<br \/>\nOder sehen wir auch:<br \/>\nDieser Mensch ist Handarbeit Gottes?<\/p>\n<p>Paulus schreibt:<br \/>\n<strong>Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gef\u00e4\u00dfen;<br \/>\nso wird deutlich, dass das \u00dcberma\u00df der Kraft von Gott und<br \/>\nnicht von uns kommt. <\/strong><\/p>\n<p>Der Schatz ist die F\u00e4higkeit,<br \/>\neinander anzusehen und zu erkennen:<br \/>\nDu, ja, du mit deinen Tepschern,<br \/>\nbist Handarbeit Gottes.<\/p>\n<p>Dich, ja dich,<br \/>\nwird Gott,<br \/>\nder dich geformt und gebildet hat im Mutterleib,<br \/>\nnicht aus seiner Hand fallen lassen.<br \/>\nWie unansehnlich du dich auch empfindest.<br \/>\nWie viele Besch\u00e4digungen du auch mit dir tr\u00e4gst.<\/p>\n<p>Da vergeht das Mitleid \u0096<br \/>\nund der Respekt stellt sich ein.<br \/>\nDa verwandelt sich die Verlegenheit \u0096<br \/>\nin Staunen.<br \/>\nUnd das Schuldgef\u00fchlt wird zur Bitte um Vergebung.<\/p>\n<p>Paulus h\u00e4lt unseren Blick beim Gekreuzigten.<br \/>\nDamit wir sehen lernen,<br \/>\n<strong>dass auch das Leben Jesu,<br \/>\n<\/strong>den Gott festgehalten und auferweckt hat,<br \/>\n<strong>an unserem Leib sichtbar wird. <\/strong><\/p>\n<p>Lob sei Gott in Ewigkeit.<\/p>\n<p><strong>Christine Hubka<br \/>\n<a href=\"mailto:christine.hubka@gmx.at\">christine.hubka@gmx.at <\/a><\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzter Sonntag nach Epiphanias, 1. 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