{"id":9787,"date":"2004-02-07T19:49:33","date_gmt":"2004-02-07T18:49:33","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9787"},"modified":"2025-06-28T13:41:44","modified_gmt":"2025-06-28T11:41:44","slug":"1-korinther-9-24-27-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-9-24-27-3\/","title":{"rendered":"1. Korinther 9, 24-27"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p><b><span style=\"color: #000099;\">Septuagesimae, 8. Februar 2004<br \/>\nPredigt \u00fcber 1. Korinther 9, 24-27, verfa\u00dft von Irene Mildenberger<\/span><\/b><\/p>\n<p><em>24 Wisst ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen<br \/>\nalle, aber einer empf\u00e4ngt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr<br \/>\nihn erlangt. 25 Jeder aber, der k\u00e4mpft, enth\u00e4lt sich aller<br \/>\nDinge; jene nun, damit sie einen verg\u00e4nglichen Kranz empfangen,<br \/>\nwir aber einen unverg\u00e4nglichen. 26 Ich aber laufe nicht wie aufs<br \/>\nUngewisse; ich k\u00e4mpfe mit der Faust, nicht wie einer, der in die<br \/>\nLuft schl\u00e4gt, 27 sondern ich bezwinge meinen Leib und z\u00e4hme<br \/>\nihn, damit ich nicht andern predige und selbst verwerflich werde. <\/em><\/p>\n<p>Liebe Br\u00fcder und Schwestern!<br \/>\nPaulus will uns als Sieger sehen. Er kennt sein Ziel, er l\u00e4uft nicht wie<br \/>\naufs Ungewisse. Sein Ziel: Wir alle sollen gewinnen, du, und du &#8230; und ich.<br \/>\nAuch wenn Paulus daf\u00fcr etwas frei mit den Spielregeln umgehen muss.<\/p>\n<p><em>Wisst ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen<br \/>\nalle, aber einer empf\u00e4ngt den Siegespreis? <\/em> So l\u00e4uft<br \/>\ndas im Sport, das kennen wir: Nur einer kann gewinnen, nur f\u00fcr<br \/>\neinen lohnt sich der Aufwand, das Training, Verzicht und Strapazen.<br \/>\nEs gibt nur eine Goldmedaille, einen Siegespreis.<br \/>\n<em>Lauft so, dass ihr ihn erlangt. <\/em> Ihr, sagt Paulus, ihr alle, nicht<br \/>\nnur eine oder einer von euch. Ich sehe euch alle auf dem Siegertreppchen.<\/p>\n<p>Aufs Gewinnen kommt es an, nicht darauf, dass andere verlieren. Nicht<br \/>\ngnadenlose Konkurrenz verlangen diese Spielregeln, keiner boxt sich auf<br \/>\nKosten des anderen nach vorne, keine trickst die anderen aus, um selber<br \/>\nein paar Sekundenbruchteile nach vorne zu kommen. So l\u00e4uft er nicht,<br \/>\nder Wettkampf, von dem Paulus hier redet. Jedenfalls verstehe ich Paulus<br \/>\nso: Ihr alle sollt den Siegespreis gewinnen.<\/p>\n<p>Trotzdem, der Kampf ist wichtig und ernst zu nehmen. Ich bin kein Luftschl\u00e4ger<br \/>\nund kein Schattenboxer, <em> ich k\u00e4mpfe mit der Faust, nicht wie<br \/>\neiner, der in die Luft schl\u00e4gt. <\/em> Paulus ist streng \u0096zuerst<br \/>\neinmal mit sich selbst.<br \/>\nDenn der Gegner in seinem Boxkampf, das ist ja er selbst: <em>ich bezwinge<br \/>\nmeinen Leib und z\u00e4hme ihn. <\/em>Ich tue das, um euch ein Vorbild zu sein, <em>damit<br \/>\nich nicht andern predige und selbst verwerflich werde. <\/em> Ich will nicht<br \/>\nnur reden, sondern auch selbst tun, was ich euch sage.<\/p>\n<p>Paulus ist streng, mit sich selbst und auch mit uns, weil er wei\u00df,<br \/>\num was es geht: Schon die Sportler setzen viel ein, um am Ende zu siegen,<br \/>\ndabei geht es nur um eine Medaille und um den Ruhm, und oft nat\u00fcrlich<br \/>\nvor allem auch um Geld. Jedenfalls ein verg\u00e4nglicher Preis, w\u00e4hrend<br \/>\nuns, so sagt es Paulus, am siegreich erreichten Ziel ein unverg\u00e4nglicher<br \/>\nSiegeskranz erwartet:<br \/>\nDass ich, wie es im Katechismus hei\u00dft, <em>in <\/em>Christi <em> Reich<br \/>\nunter ihm lebe und ihm diene in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit <\/em>.<br \/>\nDass du, und du &#8230; und ich, dass wir mit dabei sind in Gottes Reich, von dem<br \/>\nJesus in seinen Gleichnissen und Beispielgeschichten gesprochen hat. Dass wir<br \/>\nda mitspielen, wo neue, andere Spielregeln gelten. Gut f\u00fcr uns und gut<br \/>\nf\u00fcr alle.<\/p>\n<p>Paulus kennt das Ziel, darum ist er streng mit sich. <em>Jeder aber,<br \/>\nder k\u00e4mpft, enth\u00e4lt sich aller Dinge; jene nun, damit sie<br \/>\neinen verg\u00e4nglichen Kranz empfangen, wir aber einen unverg\u00e4nglichen. <\/em> Er<br \/>\nenth\u00e4lt sich, er verzichtet, davon hat er gesprochen, bevor er<br \/>\nauf das Wettkampfthema kam. Er verzichtet auf vieles, was ihm zust\u00fcnde,<br \/>\nwas sein gutes Recht w\u00e4re als Apostel, als Prediger: Er nimmt<br \/>\nkein Geld von der Gemeinde f\u00fcr seine Arbeit als Apostel \u0096 dabei<br \/>\nhei\u00dft es schlie\u00dflich im Gesetz des Mose: du sollst dem<br \/>\nOchsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden. Er verzichtet darauf<br \/>\nzu heiraten \u0096 Petrus und andere Apostel nehmen ihre Ehefrauen auf ihren<br \/>\nMissionsreisen mit sich.<br \/>\nAll das, um seiner Botschaft, seinem Auftrag nicht im Weg zu stehen. <em>Damit<br \/>\nwir nicht dem Evangelium von Christus ein Hindernis bereiten <\/em>, so dr\u00fcckt<br \/>\ner es aus.<br \/>\nDaf\u00fcr gibt Paulus sogar seinen eigenen Stil im Glauben und in der Fr\u00f6mmigkeit<br \/>\nauf. Verzichtet auf die Sicherheit, die feste Pr\u00e4gungen und Ordnungen<br \/>\ngeben, passt sich den Menschen an, mit denen er zu tun hat. <em>Den Juden bin<br \/>\nich wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne. &#8230; Denen, die ohne<br \/>\nGesetz sind, bin ich wie einer ohne Gesetz geworden &#8230; damit ich die, die<br \/>\nohne Gesetz sind, gewinne. <\/em>&#8230; (1 Kor 9,20f)<\/p>\n<p><em>Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an ihm teilzuhaben. <\/em> (1<br \/>\nKor 9,23) Da wird noch einmal deutlich: das Ziel ist nicht, dass er allein<br \/>\nauf dem Siegertreppchen steht. Wir alle sollen ihm nacheilen und mit<br \/>\nihm dort ankommen. Er macht es uns vor, er predigt voller Ernst, nicht<br \/>\nnur mit Worten, sondern auch mit seinem eigenen Leben.<\/p>\n<p><em>Jeder aber, der k\u00e4mpft, enth\u00e4lt sich aller Dinge; jene<br \/>\nnun, damit sie einen verg\u00e4nglichen Kranz empfangen, wir aber einen<br \/>\nunverg\u00e4nglichen. <\/em>Aber empfangen wir diesen unverg\u00e4nglichen<br \/>\nKranz wirklich durch unseren Verzicht, wie ihn Paulus vormacht? Geht<br \/>\nes ums richtige Training \u0096 in religi\u00f6sen Kreisen spricht man eher<br \/>\nvon Exerzitien, von geistlichen \u00dcbungen? Ist meine Selbstkasteiung<br \/>\ngefragt? Empfangen wir den Preis, indem wir uns selbst, unseren Leib<br \/>\nwie unser Ich, nieder boxen?<br \/>\nUnd noch wichtiger: Kommt es \u00fcberhaupt auf unsere Wettkampfvorbereitung<br \/>\nan?<\/p>\n<p>Darauf gibt Paulus an anderer Stelle einen Antwort: <em>Schaffet, dass<br \/>\nihr selig werdet, mit Furcht und Zittern. <\/em>Auch hier ruft er voller<br \/>\nErnst auf, uns zu m\u00fchen. Und f\u00e4hrt dann doch gleich fort: <em>Denn<br \/>\nGott ist&#8217;s, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen,<br \/>\nnach seinem Wohlgefallen. <\/em> (Phil 2,12f) Das \u00fcbersetze ich<br \/>\nso: Das Ziel, von dem Paulus spricht, das Ziel, an dem er uns alle<br \/>\nsiegreich ankommen sehen will, dieses Ziel wird auf dem Gnadenweg erreicht.<br \/>\nGott ist es, der uns das Ziel vor Augen stellt. Und er l\u00e4sst uns<br \/>\nankommen, ankommen bei ihm, in seinem Reich. Er bringt uns ans Ziel.<br \/>\nKein gnadenloser Kampf also, in den uns Paulus schickt. Ein Wettkampf, bei<br \/>\ndem die Sieger auf dem Gnadenweg festgestellt werden. Darum k\u00f6nnen wir<br \/>\nja auch untereinander gn\u00e4dig bleiben, m\u00fcssen nicht konkurrieren.<br \/>\nEs geht nicht darum, besser zu sein als andere.<\/p>\n<p>Aber gut sein sollen wir. Gnade macht nicht unsportlich. Die Ermahnung<br \/>\ndes Paulus tut mir und meinem Leben, meinem Leben als Christin, gut.<br \/>\nIch brauche beides. Es entlastet mich, dass ich h\u00f6re: Der Siegespreis<br \/>\nwird aus Gnade vergeben. Das hilft mir aus Erstarrung und L\u00e4hmung heraus<br \/>\nund ich kann loslaufen. Anders w\u00e4re das Ziel so unerreichbar, meine Muskeln<br \/>\nund mein Durchhalteverm\u00f6gen zu schwach. Schlie\u00dflich bin ich nicht<br \/>\nPaulus.<br \/>\nUnd es spornt mich an, es durchbricht meine Antriebslosigkeit, dass Paulus<br \/>\nmir sagt: Es ist nicht egal, wie du lebst. Gerade mit dem gro\u00dfen Ziel<br \/>\nvor Augen. Gerade weil ich glaube, weil ich hoffe und darauf vertraue, dass<br \/>\nGott uns ankommen l\u00e4sst. Meine Sportlichkeit wird so immer wieder herausgefordert<br \/>\n(obwohl oder gerade weil ich mich\u0096 im direkten wie im \u00fcbertragenen Sinn \u0096 f\u00fcr<br \/>\nnicht besonders sportlich halte.).<br \/>\nNicht meine Seligkeit verdiene ich damit, dass ich mich aller Dinge enthalte.<br \/>\nAber vielleicht hilft das Training mir, durchzuhalten und das Ziel nicht aus<br \/>\nden Augen zu verlieren. Das Ziel nicht und auch nicht die anderen, die mit<br \/>\nmir mitlaufen, dem Ziel entgegen.<\/p>\n<p>Noch einmal: <em>Wisst ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen,<br \/>\ndie laufen alle, aber einer empf\u00e4ngt den Siegespreis? Lauft so,<br \/>\ndass ihr ihn erlangt. <\/em><br \/>\nUnd der den Siegespreis vergibt, das ist der Hausherr aus Jesu Gleichnis, das<br \/>\nwir als Evangelium geh\u00f6rt haben. Am Abend, wenn der Lauf zu Ende ist,<br \/>\nkommt die Preisverleihung. Eine Medaille f\u00fcr alle. Eine Silbergroschenmedaille.<br \/>\nAmen<\/p>\n<p><strong>Irene Mildenberger<br \/>\nLiturgiewissenschaftliches Institut der VELKD, Leipzig<br \/>\n<a href=\"mailto:liturgie@uni-leipzig.de\">liturgie@uni-leipzig.de <\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Septuagesimae, 8. Februar 2004 Predigt \u00fcber 1. Korinther 9, 24-27, verfa\u00dft von Irene Mildenberger 24 Wisst ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empf\u00e4ngt den Siegespreis? 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