{"id":9790,"date":"2004-02-07T19:49:37","date_gmt":"2004-02-07T18:49:37","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9790"},"modified":"2025-06-28T13:42:49","modified_gmt":"2025-06-28T11:42:49","slug":"hebraeer-412-13-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/hebraeer-412-13-2\/","title":{"rendered":"Hebr\u00e4er 4:12-13"},"content":{"rendered":"<h3 align=\"left\">Predigt zu Hebr\u00e4er 4:12-13, verfasst von P. Wolfgang Petrak<\/h3>\n<div align=\"left\">\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong><em>\u00dcbersetzungsversuch <\/em><\/strong><em>: <\/em><\/p>\n<p>Lebendig\u00a0n\u00e4mlich ist das Wort Gottes und kr\u00e4ftig und sch\u00e4rfer als jedes zweischneidige Schwert, durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, Gelenken und Mark, und urteilend \u00fcber Erw\u00e4gungen und Gedanken des Herzens. Und kein Gesch\u00f6pf ist verborgen vor ihm; alles vielmehr ist nackt und preisgegeben vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben. Liebe Gemeinde, Im Anfang war das Wort. Doch es gibt so viele W\u00f6rter, die uns umgeben und pr\u00e4gen, die Richtungen anzudeuten suchen und zugleich vernebeln. &#8222;Vielleicht&#8220;, pflege ich oft zu sagen, &#8222;Irgendwie&#8220; und :&#8220;Man k\u00f6nnte, man m\u00fcsste&#8220; oder so \u00e4hnlich, und wenn ich das Wort &#8222;Innovation&#8220; h\u00f6re und &#8222;Reformen&#8220;, dann beschleicht mich eine gewisse M\u00fcdigkeit, die sich verbindet mit jenem scheinbar \u00fcberlegenen Wissen, das im Grund jedoch nur Meinung anderer beif\u00e4llig \u00fcbernimmt und zu einem resignativen Ergebnis zusammenf\u00fchrt: Es bringt alles sowieso nichts. Krise ist ein Schl\u00fcsselwort der Postmoderne, ,bonne jour tristesse&#8216; ihr Grundgef\u00fchl.<\/p>\n<p>Gestern die zerfledderten Zettel am schwarzen Brett in der Mensa. Auf einem stand: \u0084Aktionstag gegen den Bildungsklau\u0093 oder so \u00e4hnlich; das Datum war vom 5. Februar, also schon l\u00e4ngst abgelaufen. Und unten auf dem Plakat stand, neben der Ortsangabe, : \u0084 Infos, Diskussion, Aktionen, Picknick, Kicker-Tunier&#8230;\u0093<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich: da ist der Druck unserer Zeit. Das finanzielle Ausbluten der Universit\u00e4ten. Und dann die politische Reaktion: der Aufruf zur Bildung einer Eliteuniversit\u00e4t! So als k\u00f6nne durch die F\u00f6rderung einiger Privilegierter die Bildungskrise verhindert werden. Da ist aber zugleich noch die andere Not, die vielleicht ( schon wieder dieses Wort!) noch viel gr\u00f6\u00dfer ist: Wer interessiert sich heute noch f\u00fcr die Situation der Studenten, wer will sich informieren und gar f\u00fcr Aktionen gewinnen lassen? Hat nicht der Druck, der auf jedem lastet, hat nicht das pers\u00f6nliche Leistungsdenken l\u00e4ngst dazu beigetragen, f\u00fcr sich selbst zu sorgen und ein gemeinsames Eintreten f\u00fcr eine gerechte Bildungsverteilung lieber der Vergangenheit zu \u00fcberlassen? Statt zusammen f\u00fcr diese Sache k\u00e4mpfen zu k\u00f6nnen, muss um Leute gek\u00e4mpft werden, die \u00fcberhaupt noch dazu bereit sind sich einzusetzen. Anreize m\u00fcssen \u0084 irgendwie\u0093 her, und wenn schon pure Informationen zu langweilig erscheinen, dann werden sie durch Picknick und Kicker-Spiele aufgepeppt, weil wenigstens bei diesem Stangenfu\u00dfballspiel einer gewinnt. Und wer \u00fcber diese studentischen Versuche zu l\u00e4cheln geneigt ist, muss sehen, wie oft im Fernsehen verantwortliche PolitikerInnen l\u00e4cheln, wenn sie wieder einmal einschneidende Reformma\u00dfnahmen oder als Opposition ihre Kritik daran bekannt zu geben haben. L\u00e4cheln tun sie aber fast alle. Weil sie in der \u00d6ffentlichkeit stehen. Der Spa\u00df ist zu ihrer Liturgie geworden.<\/p>\n<p>Auch dieses ist ein Kennzeichen der Postmoderne. Sie hat die Kirche schon l\u00e4ngst ergriffen. Wie wird doch \u00fcber jenen Pfarrerwitz gelacht, wo die Pfarrfrau zu ihrem Mann sagt: \u0084Du kannst aufh\u00f6ren zu l\u00e4cheln, der Gottesdienst ist seit zwei Stunden vorbei\u0093. Ehrlich gesagt, ich kann mich darin ja selbst wiedererkennen, m\u00f6chte man doch nicht abweisend und zeitfremd sein, sondern werbend, freundlich und aufgeschlossen erscheinen. Kirche als Dienstleistung eben, und wenn ich an die letzte Woche denke, da haben wir mit den Senioren Fasching gefeiert, gewisserma\u00dfen Helau statt Halleluja, sch\u00f6n war&#8217;s, und im Konfirmandenunterricht (Thema: Glaubensbekenntnis, Die Gemeinschaft der Heiligen) haben wir zum Schluss afrikanisch gekocht, um \u00d6kumene auch mal schmecken zu k\u00f6nnen: \u0084Klasse war es\u0093, sagte eine, \u0084auch wenn es nicht so richtig nach meinem Geschmack war\u0093. Es ist ja ganz sch\u00f6n, wenn der Unterricht Spa\u00df macht. Und es ist ja ganz wichtig, dass \u00e4ltere Menschen zusammenkommen und herzlich miteinander lachen k\u00f6nnen. Und wir m\u00fcssen ja auch Alternativen der Begegnung anbieten oder wie man das sonst wortreich begr\u00fcnden kann. Und wenn ich an meine Kindheit zur\u00fcckdenke: da spielten wir oft im Kindergottesdienst, \u00fcbrigens im Freien \u0084Adam, wo bist du?\u0093 \u0096 zwei mussten in den Kreis und bekamen die Augen verbunden; der eine war der Herr und musste suchen, der andere, Adam, musste sich verstecken. Wenn er vom Herrn ber\u00fchrt wurde, hatte er verloren. Also galt es, auf der Hut zu sein und auszuweichen.<\/p>\n<p>Genau das ist es. Der Ernst jenes Spieles. Im konstruierten Spa\u00df auszuweichen und sich zu verstecken suchen. Weil man meint, man w\u00fcrde sonst verlieren. Wenn ich mir den Spiegel vorhalte, kann ich es nicht genau erkennen, mag dann auch noch denken: vielleicht, es k\u00f6nnte sein, man m\u00fcsste doch mal, warum auch nicht, w\u00fcrde also viele Worte finden. Das eine Wort jedoch erlaubt keine Ausfl\u00fcchte. Kr\u00e4ftiger und sch\u00e4rfer als jedes zweischneidige Schwert durchdringt es, zerlegt gewisserma\u00dfen die sch\u00fctzenden Bestandteile und Funktionen, die Vielgliedrigkeit und Komplexit\u00e4t der Zusammenh\u00e4nge, in denen wir leben; es ist einfach da mit seinem kr\u00e4ftigen Anspruch an uns und deckt auf, wo wir diesem Anspruch nicht entsprechen. Jesus Christus ist das eine Wort Gottes, das wir zu h\u00f6ren, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben. Er sagt klar: \u0084Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich\u0093. Alles, was wir in unseren Gemeinden tun, alles, was wir unterlassen, muss sich an ihm ausrichten und messen lassen: die religi\u00f6se Kultur, die einem lieb und manchem zu teuer geworden ist, weil sie so viele Ausdrucksformen und Gestaltungsm\u00f6glichkeiten erlaubt; unsere Aktivit\u00e4ten, wenn sie darauf ausgerichtet sind, Menschen zusammenzuhalten und den Bestand zu sichern, unsere diakonischen Einrichtungen, die mit neuem Tarifssystem dem Konkurrenzkampf auf dem Gesundheitssektor standzuhalten suchen: was auch immer an wichtigen kirchlichen Einrichtungen und Initiativen die \u00d6ffentlichkeit beansprucht: immer wird zu fragen sein, ob wir damit etwas verdecken oder ob wir uns diesem Wort Jesu stellen: \u0084Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Br\u00fcdern, das habt ihr mir getan \u0093(Mt 25,46).Was dem Leben Sinn verleiht, ist nicht allein der staunende Blick in den gestirnten Himmel \u00fcber mir, ist auch nicht die reflektierteste Versenkung nach dem ewigen Gesetz in mir ( so als m\u00fcsste der tiefste seelische Winkel zur Selbsterkenntnis ausgeleuchtet werden): es ist die unmittelbare Verantwortung, in der jeder vor Gott gestellt ist. Mit ihm haben wir es zu tun. Und selbst wenn es mich blo\u00df stellt, weil ich mich dann nicht rechtfertigen kann. Anziehend ist sein Wille, nicht den Blick vom N\u00e4chsten zu wenden.<\/p>\n<p>Vergessen wir es nicht: Jesus ber\u00fchrte die Menschen, damit sie nicht verloren waren, sondern aufstehen und gehen konnten. Im Ernst: Lassen wir uns ber\u00fchren. Von den Studierenden, die um ihre Zukunft bangen. Von den Rentnern, die die Praxisgeb\u00fchr nicht zahlen k\u00f6nnen. Von den Kindern, denen das lachen fremd geworden ist.<\/p>\n<p>Im Anfang war sein Wort. Am Ende wird es hei\u00dfen: &#8222;Siehe, es ist alles neu geworden&#8220;(2.Kor 5,17).<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>P. Wolfgang Petrak<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Schlagenweg 8a<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>37077 G\u00f6ttingen, den 11.02.04<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Tel: 0551\/31838<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div align=\"left\">\n<p><strong>e-mail: <a href=\"mailto:W.Petrak@gmx.de\">W.Petrak@gmx.de <\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zu Hebr\u00e4er 4:12-13, verfasst von P. Wolfgang Petrak \u00dcbersetzungsversuch : Lebendig\u00a0n\u00e4mlich ist das Wort Gottes und kr\u00e4ftig und sch\u00e4rfer als jedes zweischneidige Schwert, durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, Gelenken und Mark, und urteilend \u00fcber Erw\u00e4gungen und Gedanken des Herzens. 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