{"id":9793,"date":"2004-02-07T19:49:41","date_gmt":"2004-02-07T18:49:41","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9793"},"modified":"2025-06-28T13:45:18","modified_gmt":"2025-06-28T11:45:18","slug":"markus-426-32-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-426-32-3\/","title":{"rendered":"Markus 4,26-32"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Sexagesimae, 15. Februar 2004<br \/>\nPredigt \u00fcber Markus 4,26-32 (d\u00e4nische Perikopenordnung),<br \/>\nverfa\u00dft von Kirsten J\u00f8rgensen (D\u00e4nemark) <\/span><\/b><\/h3>\n<p>&#8222;Was verm\u00f6chte ich wohl,<br \/>\nwenn du nicht Gelingen gew\u00e4hrtest?<br \/>\nes w\u00e4chst ja, w\u00e4hrend wir schlafen&#8220;<\/p>\n<p>So heisst es in dem Lied, das wir soeben gesungen haben: \u0094Es w\u00e4chst ja, w\u00e4hrend wir schlafen.\u0094 So geschieht es auch in den beiden Gleichnissen, die wir soeben geh\u00f6rt haben. Das Korn keimt und w\u00e4chst, ohne dass der Bauer w\u00fcsste, wie. Er schl\u00e4ft und steht auf, tagaus und tag\u00adein, und pl\u00f6tzlich kann er eines Tages die Ernte einbringen. Er wei\u00df sehr wohl, dass er ges\u00e4t hat, vielleicht hat er auch ged\u00fcngt und begossen, aber er wei\u00df auch sehr wohl, dass sich dennoch in dem Wachsen irgend etwas Unerkl\u00e4rliches verbirgt. Etwas, das <em>er <\/em> nicht hat bewerkstelligen k\u00f6nnen, sondern das sich selbst bewerkstelligt hat. Und das klitzekleine Senfkorn wird in die Erde gelegt, aber es w\u00e4chst heran und wird gr\u00f6\u00dfer als alle anderen Pflanzen, und es bekommt gro\u00dfe Zweige, so dass sich die V\u00f6gel des Himmels in ihrem Schatten Neste bauen k\u00f6nnen. Und kein Mensch hat das bestimmt oder bewerkstelligt \u0096 das ist ganz einfach von selbst geschehen.<\/p>\n<p>Es sind tats\u00e4chlich zwei herrliche Gleichnisse! Da h\u00f6rt man, dass alles ganz von selbst geschieht, w\u00e4hrend wir schlafen. Wir brauchen \u00fcberhaupt nichts zu machen, wir m\u00fcssen nur schlafen und wieder aufstehen, Nacht f\u00fcr Nacht, Tag f\u00fcr Tag, und unterdessen hat sich alles ganz von selbst bewerkstelligt. Es gibt keine Anspr\u00fcche, nichts, was wir vertun k\u00f6nnten, nichts, war wir etwa vergessen oder vers\u00e4umen k\u00f6nnten, denn alles geschieht trotzdem, ganz von selbst!<\/p>\n<p>Der Gedanke m\u00fcsste uns sehr ansprechen. Hurra, hurra m\u00fcssten wir rufen \u0096 denn welche Freiheit und welches Geschenk erhalten wir, und welche Last m\u00fcsste nicht von uns genommen sein!<\/p>\n<p>Aber wir sind misstrauisch.<\/p>\n<p>Ich m\u00fcsste mich sehr irren, wenn die Meisten von uns beim H\u00f6ren des Gleichnisses vom Senfkorn und von dem, was ohne unsere Hilfe von selbst w\u00e4chst, <em>nicht <\/em> skeptisch w\u00fcrden und nicht d\u00e4chten: Ist das denn \u00fcberhaupt m\u00f6glich? Kann es denn richtig sein, dass ich nicht irgendwas tun muss? Kann das alles geschehen und ohne meine Hilfe wachsen? Nein, da muss etwas dahinter stecken, denken wir, so leicht kommen wir sicherlich nicht davon. Und was ist es genau betrachtet, das geschieht, w\u00e4hrend wir schlafen?<\/p>\n<p>Ja, Gleichnisse handeln ja immer von etwas Anderem als von dem, wovon sie zu handeln scheinen. Die Gleichnissse, die wir heute h\u00f6ren, erz\u00e4hlen vom Korn und vom Senfkorn, aber sie handeln in Wirklichkeit vom Reich Gottes, wie Jesus selbst erkl\u00e4rt: mit dem Reich Gottes ist es wie mit einem Mann, der seinen Acker einges\u00e4t hat. Und mit dem Reich Gottes ist es, wie mit einem Senfkorn.<\/p>\n<p>Es ist also das Reich Gottes, das ganz von selbst kommt, ohne dass wir etwas daf\u00fcr tun m\u00fcssten. Gottes Reich, das Reich der Seligkeit, wo alles an seinem Platz ist, wo es keine Br\u00fcche gibt, wo das Leben ist, was zu sein es bestimmt ist, und wo wir so sind, wie es uns bestimmt war zu sein. Das Bild vom Reich Gottes bewahren wir alle ganz tief in unserem Innern; wir wissen, was es ist, obwohl wir es vielleicht nicht gleich so in Worte fassen k\u00f6nnen. Das Reich Gottes ist ein Paradies-Traum \u0096 und wer tr\u00e4umt nicht von einem Paradies?<\/p>\n<p>Und jetzt ist es uns also gesagt, dass dies Paradies ganz von selbst kommt, dass es heranwachsen wird, angefangen mit einem klitzekleinen Samenkorn, dass es aber zu einem Lebensbaum werden wird, wo die V\u00f6gel, die Menschen, die V\u00f6lker, ja die ganze Welt sich ein Nest bauen k\u00f6nnen, sich niederlassen und Frieden finden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es w\u00e4chst ja, w\u00e4hrend wir schlafen.<\/p>\n<p>Aber wie schwer f\u00e4llt es uns, daran zu glauben. Schwer, daran zu glauben, dass Gott das Paradies wieder erschaffen wird, ohne dass wir etwas dazu zu tun h\u00e4tten, damit es auf den Weg gebracht werde. Ja, aber, wenden wir ein, wir m\u00fcssen doch irgend etwas tun, wir m\u00fcssen doch versuchen, uns und die Welt und vor allem unseren Nachbarn besser zu machen, damit das Reich Gottes bessere Wachstumsbedingungen erh\u00e4lt. Wir m\u00fcssen mit guten Werken d\u00fcngen, mit den milden Tr\u00e4nen der Barmherzigkeit gie\u00dfen, das Unkraut j\u00e4ten, damit der Baum des Reiches Gottes gen\u00fcgend Licht bekommen kann und in seinem Wachstum nicht von Disteln und anderen \u00fcblen Leuten behindert wird.<\/p>\n<p>Aber nein, sagt Jesus, &#8211; es kommt ganz von selbst.<\/p>\n<p>Es ist \u00e4rgerlich f\u00fcr den Menschen, dass etwas so Gutes und Gro\u00dfartiges wie das Reich Gottes ganz von selbst kommen k\u00f6nnen soll. Denn wir meinen doch weithin, dass wir selbst alles bewerkstelligen. Und wenn wir nichts tun, dann geschieht gar nichts.<\/p>\n<p>Vielleicht verletzt das auch unsere Eitelkeit. Hier gefallen wir uns in unserer eigenen Vortrefflichkeit und freuen uns, wenn wir etwas zustande bringen. Wir legen uns mit Zufriedenheit schlafen, indem wir reinen Herzens an das Eine oder Andere denken, das wir heute getan haben. Es \u00e4rgert uns ein wenig, dass der Herr keinerlei Hilfe unsererseits n\u00f6tig haben sollte, um ein bisschen zu gie\u00dfen, zu d\u00fcngen und zu j\u00e4ten in seinem Beet, so dass das Reich Gottes ein bisschen schneller wachsen kann. Wir haben so viel guten Willen; und wenn das Reich Gottes dann vielleicht auch nur ein klein wenig fr\u00fcher kommen k\u00f6nnte?<\/p>\n<p>Aber so ist es nicht. Das Reich Gottes ist das Werk des Herrn, nicht unser Werk, und es kommt, wenn er es beschlie\u00dft, und wir m\u00fcssen warten.<\/p>\n<p>Wenn wir \u00fcber unsere Eitelkeit und unseren Drang, so vielerlei zu bewerkstelligen, hinauskommen k\u00f6nnten, dann w\u00fcrden wir sehen k\u00f6nnen, welch kolossales Geschenk in diesen Worten \u00fcber das Reich Gottes verborgen liegt. Denk dir, ein Versprechen zu bekommen, dass etwas so Gro\u00dfes einmal kommen wird, ungeachtet dessen, war wir tun oder nicht tun. Denk dir, dass es nicht von uns abh\u00e4ngt, ob das Leiden und der Schmerz aller Welt eines Tages aufh\u00f6ren wird, dass Gott aber bestimmt hat, dass es so kommen soll, wenn es an der Zeit ist. Alles, was wir zu tun haben, ist zu warten und zu glauben, dass es auch so geschehen wird.<\/p>\n<p>Ein d\u00e4nischer Theologe hat einmal gesagt, Glaube sei Kapitulation.<br \/>\nGlaube ist sein lassen.<br \/>\nGlaube ist sich hingeben und ablassen von dem Glauben, man k\u00f6nnte alles selbst am besten bewerkstelligen.<\/p>\n<p>Glauben ist darauf vertrauen, dass Gott alles aufs beste bewerkstelligen wird. Glauben ist Vertrauen darauf, dass Gott tats\u00e4chlich das Reich Gottes wachsen l\u00e4sst, so dass wir in dessen Schatten sitzen und ruhen oder in seinen Zweigen Nest bauen und dort Geborgenheit finden k\u00f6nnen. Glaube ist damit aufh\u00f6ren, unser eigenes Leben und das der Anderen kontrollieren zu wollen, und Gott die Kontrolle \u00fcberlassen. Er hat sie n\u00e4mlich sowieso, was immer wir uns einbilden m\u00f6gen \u0096 das entdecken wir, wenn uns klar wird, dass unser Leben nicht wurde, wie wir es wollten, sondern wie Gott es wollte, im Guten wie im Schlechten.<\/p>\n<p>Die Alten sagten: \u0094Gott befohlen!\u0094, das bedeutet, Gott das Steuer f\u00fcr sich selbst haben zu lassen. Wenn wir Gott das Kommen des Gottesreiches lenken lassen, dann bekommen wir daf\u00fcr freie H\u00e4nde, um uns unserer ganz gew\u00f6hnlichen, allt\u00e4glichen Pflichten anzunehmen. Unsere t\u00e4gliche Arbeit tun und die Aufgaben wahrnehmen, die wir an unserem N\u00e4chsten haben, ohne uns einzubilden, dass wir damit etwas Anderes t\u00e4ten, als was wir schuldig sind zu tun. Wir sind nicht die Baumeister des Gottesreiches, wir sind nur dem\u00fctige Mitarbeiter an seiner Sch\u00f6pfung.<\/p>\n<p>Die Erwartung, dass es geschehen wird, wenn Gott es will, kann unsere Wartezeit fruchtbar machen. Wir k\u00f6nnen freim\u00fctig leben und uns dessen annehmen, was wir vom Herrn bekommen haben, unseren Tag mit ehrbarem Wirken f\u00fcllen, dem Schwachen helfen und ihm beistehen. Und wenn wir einmal sterben m\u00fcssen, dann wisssen wir, dass wir in die Erde gelegt werden und zu Erde und Asche werden. Aber das gilt nur f\u00fcr eine Wartezeit, bis zum Tag der Auferstehung, dem Tag, da das Reich Gottes nicht nur nahe ist, sondern gekommen ist , und da wir im Schatten des Lebensbaumes auf ewig sitzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><strong>Pastorin Kirsten J\u00f8rgensen<br \/>\nPr\u00e6stegade 2<br \/>\nDK-5300 Kerteminde<br \/>\nTel.: ++45 \u009665321320<br \/>\n<a href=\"mailto:kjoe@km.dk\">e-mail: kjoe@km.dk<\/a> <\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sexagesimae, 15. 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