{"id":9822,"date":"2021-02-07T19:49:43","date_gmt":"2021-02-07T19:49:43","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9822"},"modified":"2022-10-03T07:32:50","modified_gmt":"2022-10-03T05:32:50","slug":"epheser-5-1-8a-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/epheser-5-1-8a-2\/","title":{"rendered":"Epheser 5, 1-8a"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p><em>So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe,<br \/>\nwie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst f\u00fcr uns gegeben<br \/>\nals Gabe und Opfer Gott zu einem lieblichen Geruch <\/em>.<br \/>\n<em>Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit und Habsucht soll bei euch<br \/>\nnicht einmal die Rede sein, wie es sich f\u00fcr die Heiligen geh\u00f6rt.<br \/>\nAuch schandbare oder n\u00e4rrische oder lose Reden stehen euch nicht an,<br \/>\nsondern vielmehr Danksagung.<br \/>\nDenn das sollt ihr wissen, dass kein Unz\u00fcchtiger oder Unreiner oder Habs\u00fcchtiger \u0096<br \/>\ndas sind G\u00f6tzendiener \u0096 ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes.<br \/>\nLasst euch von niemandem verf\u00fchren mit leeren Worten, denn um dieser Dinge willen<br \/>\nkommt der Zorn Gottes \u00fcber die Kinder des Ungehorsams.<br \/>\nDarum seid nicht ihre Mitgenossen. Denn ihr wart fr\u00fcher Finsternis,<br \/>\nnun aber seid ihr Licht in dem Herrn.<\/em><\/p>\n<p><em><br \/>\n<\/em>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Wer diese S\u00e4tze aus dem Epheserbrief in der Kirche h\u00f6rt, wird sich vorkommen wie in einem falschen Film. Da haben sich am sch\u00f6nen Sonntagmorgen, an dem man gut ausschlafen oder einen Spaziergang machen kann, Menschen zum Gottesdienst aufgemacht, um hier in aller Ehrbarkeit zu singen, zu beten und der Predigt zuzuh\u00f6ren. Und was bekommen sie zu h\u00f6ren? Starke Worte, die sie vor Unzucht, Unreinheit und Habgier zur\u00fcckhalten wollen. Angesichts des harmlosen V\u00f6lkchens, das ein Prediger vor sich hat und zu dem er doch selber auch geh\u00f6rt, ist das so passend wie eine Kesselpauke in einem Kammerorchester.<br \/>\nSolche drastischen Mahnungen m\u00f6gen ja notwendig gewesen sein zu einer Zeit, als die Christen sich aus den niedrigsten Schichten rekrutierten, in denen die primitivsten Regeln von Anstand und Moral unbekannt waren. Aber dieses Problem hat sich doch l\u00e4ngst erledigt!<\/p>\n<p>Doch bei n\u00e4herem Hinsehen zeigt sich, dass es in diesen S\u00e4tzen weniger um unmoralisches Tun als vielmehr um unmoralisches Reden geht. Nicht was Menschen an Unzucht und schmutzigen Gesch\u00e4ften betreiben, steht zur Debatte, sondern wie dar\u00fcber gesprochen wird. Und da sind wir nat\u00fcrlich mit von der Partie &#8211; oder nicht? Legen vielleicht sogar Wert darauf. Lebt eine Demokratie nicht geradezu davon, dass Misst\u00e4nde deutlich beim Namen genannt und angeprangert werden? Nat\u00fcrlich tut sie das. Aber hier geht es nicht um Kritik mit offenem Visier. Um das Gerede geht es, um den small talk, in dem wir uns verst\u00e4ndigen \u00fcber das, was in der Welt und um uns herum vorgeht.<br \/>\nsmall talk &#8211; wir brauchen ihn f\u00fcr Kurz- und Gelegenheitskontakte mit Menschen, die wir nur fl\u00fcchtig kennen. Und wenn wir dabei \u00fcber das Wetter hinaus sind, kommen wir auf das zu sprechen, was aufgrund der Nachrichtenlage in aller Munde ist. Meistens ist das etwas, wor\u00fcber sich jeder und jede emp\u00f6rt. Und wenn wir das miteinander tun, erleben wir wohltuende Einigkeit mit dem Tenor: Schlimm diese Welt, in der wir leben. Schade, da\u00df nicht alle so nette und anst\u00e4ndige Kerlchen sind wie wir.<br \/>\nVor solchem Gerede werden wir hier gewarnt. Denn mag es auch harmlos erscheinen, weil doch alles small und unverbindlich bleibt: gef\u00e4hrlich ist solches Reden, gemeingef\u00e4hrlich, weil es beim Reden eben nicht bleibt. Wir schaffen mit ihm ein Klima, eine Atmosph\u00e4re, in der das B\u00f6se an Bedeutung gewinnt und damit leichter weiterwirken kann. Und damit machen wir uns &#8211; nat\u00fcrlich ganz unbewusst &#8211; zu Komplizen dessen, was wir beklagen und verurteilen.<br \/>\nIch m\u00f6chte das illustrieren an den Beispielen, die im Text genannt sind, n\u00e4mlich an dem Gerede \u00fcber Unzucht oder Unmoral, unsaubere Gesch\u00e4fte und Habgier.<\/p>\n<p>Wie schnell sind wir dabei, mit anderen den Kopf zu sch\u00fctteln, wenn da schon wieder eine Ehe in die Br\u00fcche gegangen ist oder ein Prominenter sich eine neue Partnerin zugelegt hat. Und schnell sind wir uns einig: es ist die hemmungslose Spa\u00dfgesellschaft, in der jeder meint, seine Bed\u00fcrfnisse ausleben zu k\u00f6nnen und Verantwortung und R\u00fccksichtnahme auf fr\u00fcher eingegangene Verpflichtungen unter die R\u00e4der geraten. Gemeingef\u00e4hrlich ist solches Gerede, weil es den Eindruck entstehen l\u00e4sst: dies sei eine unausweichliche Entwicklung. Und das f\u00fchrt dann auf Dauer dazu, dass die Menschen sich auch entsprechend verhalten. Unausweichlich aber ist nur eins: dass Sitte und Moral sich \u00e4ndern und das Tempo dieser Ver\u00e4nderung offenbar zunimmt. Aber dieser Wandel ist nicht automatisch auch ein Niedergang und Zerfall von Menschlichkeit und Liebesf\u00e4higkeit.<br \/>\nAls g\u00e4be es nicht auch viel zu erz\u00e4hlen von Jugendlichen, die bei allem Spa\u00df am Leben gro\u00dfen Wert auf Treue und Zusammenhalt legen; von Partnern, die trotz einer Trennung die Verantwortung f\u00fcr die Kinder gemeinsam wahrnehmen; von Singles, die vergeblich auf der Suche nach einem Partner sind und zu wenig Gelegenheit haben, jemanden zu finden. Die geh\u00f6ren genauso zu unserer Gesellschaft wie der Promi, der nur auf seinen Spa\u00df aus zu sein scheint und v\u00f6llig zu Unrecht zum Exponenten einer Gesellschaft hochgeredet wird, die nichts als Spa\u00df zu kennen scheint.<\/p>\n<p>Oder wem nutzt das Gerede und Geklage dar\u00fcber, dass Politik ein schmutziges Gesch\u00e4ft ist und die Br\u00fcder (und Schwestern) nichts anderes im Kopf haben, als die eigenen Wahlchancen zu verbessern, statt &#8211; wie es ihr Beruf w\u00e4re &#8211; sich dem Gemeinwohl zu widmen. Beispiele daf\u00fcr gibt es genug. Denken Sie nur an das unw\u00fcrdige Gezerre um die Bundespr\u00e4sidenten- wahl. Und all die Heuchelei, die damit verbunden ist: W\u00e4hrend unsere Spitzenpolitiker einen Namen nach dem anderen verbrennen durften, muss das Volk die endlich gek\u00fcrten Kandidaten kritiklos akzeptieren, weil man sonst ja das hohe Amt besch\u00e4digt!<br \/>\nUnd dennoch: ein unausweichliches Gesetz, dass Politik den Charakter verdirbt, l\u00e4sst sich daraus nicht ableiten. Wer Politiker nur etwas kennt &#8211; und die sitzen ja nicht nur in Berlin, sondern auch bei uns im Rat &#8211; , der k\u00f6nnte auch ganz anders reden: von m\u00fchevoller und zeitraubender Kleinarbeit f\u00fcr Menschen im Verborgenen, wof\u00fcr es weder Geld noch Stimmen gibt; von Zivilcourage, Dinge anzusprechen und anzupacken, die \u00fcberhaupt nicht popul\u00e4r sind.<br \/>\nDoch wenn wir nur den schlechten Beispielen unseren small taalk \u00fcberlassen, darf sich niemand wundern, wenn Politiker sich am Ende auch so verhalten, wie es ihnen allgemein nachgeredet wird.<\/p>\n<p>Oder wem ist gedient mit dem Gerede und Geklage \u00fcber die Ellenbogen-Gesellschaft, in der keiner den Hals voll genug kriegt und soziale K\u00e4lte sich ausbreitet? In der Tat: es ist besorgniserregend, wie die neue Agenda dazu neigt, den Sozialstaat auf die Menschen zu konzentrieren, die arbeitsf\u00e4hig sind.<br \/>\nDoch noch ist lange nicht ausgemacht, dass die Menschen in unserem Land sich das gefallen lassen, dass Behinderte, chronisch Kranke, nicht mehr Vermittelbare und Pflegebed\u00fcrftige an den Rand gedr\u00e4ngt oder dem Wohlwollen ihrer Angeh\u00f6rigen \u00fcberlassen werden. Sie haben immerhin ein Grundgesetz f\u00fcr sich mit Grundrechten, die nicht au\u00dfer Kraft gesetzt werden k\u00f6nnen, und die nur dann an Geltung verlieren, wenn nicht mehr ihnen, sondern ihren Gegnern das Wort geredet wird. Wir haben das Selbstbewusstsein der Betroffenen, die sich nicht wie fr\u00fcher schamvoll verstecken, sondern un\u00fcberh\u00f6rbar ihre Stimme erheben. Und wir haben eine F\u00fclle von Humanisten und Christen, die wissen, was eine Gesellschaft hat an denen, die materiell mehr brauchen als sie geben k\u00f6nnen, und die sich tatkr\u00e4ftig f\u00fcr sie einsetzen, weil sie auf keinen von ihnen verzichten wollen.<br \/>\nDas alles darf nicht l\u00e4nger small getalkt werden. Und wo es geschieht, gilt es zu widersprechen um derer willen, die das nicht verdient haben.<\/p>\n<p>Zwei Bilder umrahmen die Mahnungen vor schlecht- uund kleinmachendem Geschw\u00e4tz.<br \/>\nAm Anfang werden wir aufgefordert, den Wohlgeruch, der mit Jesus Christus in die Welt gekommen ist, zu verbreiten. Den Duft von Frische und Lebensfreude, wo M\u00fcdigkeit und Griesgram herrschten; ein Duft, der wie frisches Brot oder bezauberndes Parf\u00fcm die Sinne weckt und Lust macht zum Leben.<br \/>\nWoran erkennt man den Christen? Daran, dass er dem Duft der Lebens- und Menschenbejahung Jesu nachschnuppert und ihm Raum gibt statt von dem zu reden, was ihm stinkt.<br \/>\nUnd am Ende steht das Bild vom Licht. Denn mit Jesus ist ein Licht in die Welt gekommen, an dem man sich orientieren und w\u00e4rmen kann. Auch dies ein Erkennungszeichen f\u00fcr Christen. Man erkennt sie daran, dass sie nicht l\u00e4nger in der Dunkelheit herumkriechen, verbiestert und w\u00fctend dar\u00fcber, dass man sich dabei dauernd st\u00f6\u00dft und hinf\u00e4llt. Statt dessen folgen sie dem Licht, das die Menschen, auch die beklagenswertesten, als Gottes Kinder zeigt und das in die Welt weist, in der alles gut wird. Amen.<\/p>\n<p><strong>Rudolf Rengstorf<br \/>\nSuperintendent in 21682 Stade<br \/>\nWilhadikirchhof 11<br \/>\n<a href=\"mailto:Rudolf.Rengstorf@evlka.de\">e-mail: Rudolf.Rengstorf@evlka.de<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst f\u00fcr uns gegeben als Gabe und Opfer Gott zu einem lieblichen Geruch . 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