{"id":9834,"date":"2021-02-07T19:49:37","date_gmt":"2021-02-07T19:49:37","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9834"},"modified":"2022-10-06T10:36:59","modified_gmt":"2022-10-06T08:36:59","slug":"petrus-1-3-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/petrus-1-3-11\/","title":{"rendered":"Petrus 1,-3-11"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>(D\u00e4nische Perikopenordnung, Epistellesung: 2.<br \/>\nPetrus 1,-3-11)<\/p>\n<p>Wir Menschen m\u00f6gen Brot.<br \/>\nFrisches Wei\u00dfbrot vom B\u00e4cker, Br\u00f6tchen, H\u00f6rnchen<br \/>\nziehen uns hin zu den L\u00e4den,<br \/>\nlocken uns mit dem Duft aus der Backstube.<br \/>\nWie der Duft aus der K\u00fcche als Kind,<br \/>\nwenn meine Mutter das t\u00e4gliche Riesenwei\u00dfbrot aus dem Ofen zog<br \/>\nf\u00fcr uns f\u00fcnf hungrige Kinder nach der Schule.<br \/>\nVieles \u00e4ndert sich,<br \/>\naber das nicht.<br \/>\nDenn noch immer ist das Beste, was ich tun kann,<br \/>\nwenn die M\u00e4dchen nach Hause kommen<br \/>\nmit oder ohne eine Schar von Freunden:<br \/>\nSelbstgemachtes Brot.<br \/>\nJa, Menschen m\u00f6gen Brot,<br \/>\nauch im Jahre 2004 in Kongsted.<\/p>\n<p>Von einem Pfarrer auf Lolland im 18. Jahrhundert wird erz\u00e4hlt,<br \/>\nda\u00df er jeden Morgen um vier Uhr aufstand,<br \/>\nim Sommer wie im Winter,<br \/>\nseinen Kaffee braute und studierte.<br \/>\nUnd erst wenn er den getrunken hatte,<br \/>\nweckte er die Leute im Pfarrhaus.<br \/>\nDann studierte er wieder bis 10 Uhr,<br \/>\ndann ging er los,<br \/>\num die Leute bei der Arbeit zu sehen<br \/>\nim Haus oder auf dem Felde.<br \/>\nUm 11 hielt er Mittagsschlaf,<br \/>\num 12 stand das Essen auf dem Tisch.<br \/>\nDas Brot mit dem Brotmesser lag neben dem Teller,<br \/>\nund nach dem Tischgebet sollte jeder laut sagen,<br \/>\nwieviel Brot er zu seinem Essen haben wollte.<br \/>\nUnd wenn jemand zu wenig verlangt hatte,<br \/>\ndurfte er gern um mehr bitten.<br \/>\nAber wenn die Mahlzeit beendet war<br \/>\nund jemand Brot \u00fcbrig gelassen hatte,<br \/>\nging der Pfarrer um den Tisch<br \/>\nund steckte denen die Reste in die Tasche,<br \/>\ndie Brot liegengelassen hatten,<br \/>\nob das nun Glieder der Familie waren oder Fremde.<\/p>\n<p>Ich stelle mir vor, da\u00df es nicht besonders oft geschah,<br \/>\nda\u00df sich jemand verrechnete.<br \/>\nDenn es mu\u00df unangenehm gewesen sein,<br \/>\nwenn einem so die Reste in die Tasche gesteckt wurden.<br \/>\nUnd ich mu\u00df daran denken,<br \/>\nda\u00df sich der Pfarrer aus dem 18. Jahrhundert<br \/>\nin alle seiner Pastoralit\u00e4t,<br \/>\nselbst an der Erz\u00e4hlung von den Israeliten \u00fcberfressen hatte,<br \/>\ndie nur so viel Manna in der W\u00fcste sammeln sollten,<br \/>\nda\u00df niemand zu viel oder zu wenig hatte,<br \/>\nsondern alle eben genug.<br \/>\nDenn es geschieht ja,<br \/>\nda\u00df das Auge mehr essen kann als der Magen,<br \/>\nauch wenn man im Pfarrhaus auf Lolland<br \/>\ngerne um mehr bitten durfte.<br \/>\nDie meisten von uns sind n\u00e4mlich nicht so gut darin,<br \/>\ndie innere Kathedrale zu bauen,<br \/>\nderen Bausteine Petrus in seinem zweiten Brief aufz\u00e4hlt.<br \/>\nH\u00f6rt nur, wie bedrohlich sich das auft\u00fcrmt (2. Petr. 1,5-6):<br \/>\n<em>Beweist in eurem Glauben Tugend<br \/>\nund in der Tugend Erkenntnis<br \/>\nund in der Erkenntnis M\u00e4\u00dfigkeit<br \/>\nund in der M\u00e4\u00dfigkeit Geduld<br \/>\nund in der Geduld Gottesfurcht<br \/>\nund in der Gottesfurcht br\u00fcderliche Liebe<br \/>\nund in der br\u00fcderlichen Liebe Liebe zu allen Menschen <\/em>.<br \/>\nF\u00fcr die meisten von uns steht diese innere Kathedrale<br \/>\nwohl nicht sehr lange fest.<br \/>\nDenn die Selbstbeherrschung kann verdammt schwer fallen,<br \/>\nauch die Geduld, die Gottesfurcht,<br \/>\ndie Br\u00fcderlichkeit und die Liebe.<br \/>\nUnd das kann ja an einem einfachen Ding deutlich werden:<br \/>\nDa\u00df man mehr Brot nimmt, als man essen kann.<br \/>\nHier hat man schon Mangel bewiesen<br \/>\nan Selbstbeherrschung und Br\u00fcderlichkeit,<br \/>\nund deshalb auch einen leichtfertigen Umgang mit Ihm,<br \/>\nder uns das t\u00e4gliche Brot gibt.<\/p>\n<p>Bildlich gesprochen geschieht es wohl nicht selten,<br \/>\nda\u00df uns Brotreste in die Tasche gesteckt werden<br \/>\nvom dem Pfarrer aus Lolland.<br \/>\nDa\u00df die innere Kathedrale wackelt, wankt und f\u00e4llt,<br \/>\nwenn ihre Bausteine nicht mehr an ihrem Platz sind.<br \/>\nEinen ohrenbet\u00e4ubenden Knall gibt das,<br \/>\nso da\u00df man sich die Ohren zuhalten mu\u00df und denkt:<br \/>\nNein, nun nicht schon wieder!<br \/>\nUnd was mit der T\u00fcr zum lieben Gott,<br \/>\ndie weit offen stehen soll?<br \/>\nIst sie zugeschlagen mit einem Knall,<br \/>\nden der Einsturz bewirkt?<br \/>\nWenn man Petrus und seinem Brief folgt: Ja!<br \/>\nFolgt man Jesus: Nein!<br \/>\nDenn das Brot vom Himmel,<br \/>\ndas Brot, das das Leben ist,<br \/>\ndas wir uns nicht selbst geben k\u00f6nnen,<br \/>\nversiegt niemals.<br \/>\nDas Brot wie der Glaube und das Vertrauen h\u00f6ren nie auf,<br \/>\nauch wenn die innere Kathedrale zusammengebrochen ist.<br \/>\nDenn das Brot k\u00f6nnen wir uns nicht selber geben,<br \/>\nes kommt von Gott,<br \/>\noder wie Jesus sagt (Joh. 6,35):<br \/>\n<em>Ich bin das Brot des Lebens.<br \/>\nWer zu mir kommt,<br \/>\nder wird nicht hungern;<br \/>\nund wer an mich glaubt,<br \/>\nden wird nimmermehr d\u00fcrsten <\/em>.<br \/>\nDaran sollen wir glauben,<br \/>\nauch wenn einiges darauf hindeutet,<br \/>\nda\u00df das schwer ist.<br \/>\nDenn jeder zehnte junge Mensch l\u00e4uft Gefahr,<br \/>\nE\u00dfst\u00f6rungen zu entwickeln.<br \/>\nEntweder h\u00f6rt man auf zu essen,<br \/>\nund es kommt zu Anorexie,<br \/>\noder man \u00fcberfri\u00dft sich und wird Bulemiker.<br \/>\nUnd 30% der \u00fcbrigen Bev\u00f6lkerung haben \u00dcbergewicht.<br \/>\nWarum?<br \/>\nWarum haben wir Probleme<br \/>\nmit dem allegrundlegendsten Trieb von allen.<br \/>\nJa, ich kann es auch umkehren und fragen:<br \/>\nWelche Botschaft senden wir an uns selbst,<br \/>\nwenn wir zu viel auf den Teller tun?<br \/>\nDa\u00df der Hunger vor der T\u00fcr steht<br \/>\nund wir hamstern m\u00fcssen?<br \/>\nWohl kaum!<br \/>\nAber es ist, als k\u00f6nnten die Augen nicht genug kriegen.<br \/>\nOder ist es das Herz,<br \/>\ndas wir durch unser Uberfressen s\u00e4ttigen wollen?<br \/>\nAlso wenn der Magen satt ist,<br \/>\nist es das Herz auch,<br \/>\noder wenn der Magen voll ist,<br \/>\nmerkt man nicht den Schmerz im Herzen?<br \/>\nIrgendwie sind wohl das \u00dcberfressen<br \/>\n&#8211; wie wohl auch die Magersucht &#8211;<br \/>\nAusdruck daf\u00fcr, da\u00df wir nicht mehr glauben.<br \/>\nDa\u00df wir uns be- und verurteilt f\u00fchlen,<br \/>\nnicht gut genug, nicht f\u00e4hig genug,<br \/>\nnicht klug genug, nicht kontrolliert genug.<br \/>\nDa\u00df wir erst geliebt sind,<br \/>\nwenn wir den Hunger und das Gewicht kontrollieren k\u00f6nnen.<br \/>\nWenn das richtig ist,<br \/>\nwird es allm\u00e4hlich religi\u00f6s,<br \/>\ndann offenbaren wir unsere Sehnsucht nach dem ewigen Brot,<br \/>\ndem unverg\u00e4nglichen Brot,<br \/>\ndas die Liebe Gottes ist.<br \/>\nWir essen oder hungern uns dorthin,<br \/>\nwo wir dem Gericht entgehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Problem ist nur,<br \/>\nda\u00df wir entweder an Unterern\u00e4hrung sterben<br \/>\noder an Fettleibig\u00adkeit,<br \/>\nohne das gefunden zu haben, was wir suchten,<br \/>\nweil die Augen und das Herz an einer falschen Stelle suchten.<\/p>\n<p>Denn die ewige Liebe ist nicht in dem,<br \/>\nwas wir in den Mund tun,<br \/>\nsondern in dem, was wir im Herzen tragen.<br \/>\nDa ist das, von dem wir leben.<br \/>\nMit anderen Worten:<br \/>\nWenn wir nicht den Glauben das Herz f\u00fcllen lassen,<br \/>\nwerden wir leicht zerbrechen,<br \/>\nwenn wir bei anderen Menschen auf Widerstand oder Kritik sto\u00dfen.<br \/>\nDenn wenn sich das Mi\u00dftrauen in uns ansiedelt,<br \/>\nwerden wir der Welt unweigerlich mit Mi\u00dftrauen begegnen.<br \/>\nWenn es Zorn ist, werden wir der Welt mit Zorn begegnen.<br \/>\nWenn das Herz voll ist von Vorurteilen,<br \/>\nwerden wir auch der Welt mit Vorurteilen begegnen.<br \/>\nOder wie Jesus sagt:<br \/>\nSuchst du einen barmherzigen Gott &#8211; dann sei selbst barmherzig,<br \/>\nsuchst du einen liebenden Gott, dann sei selbst liebend.<br \/>\nDie erste Voraussetzung, in Glauben und Vertrauen zu leben,<br \/>\nist der Welt und anderen Menschen eben damit zu begegnen.<br \/>\nDas hei\u00dft nicht, da\u00df wir in uns eine Kathedrale bauen sollen<br \/>\naus Tugend und Erkenntnis, Selbstbeherrschung und Br\u00fcderlichkeit,<br \/>\nwie es Petrus sagt.<br \/>\nNein, denn solche T\u00fcrme st\u00fcrzen leicht ein,<br \/>\nund rei\u00dfen Menschen mit sich in ihrem Fall.<br \/>\nWir sollen vielmehr an die Worte Jesu glauben,<br \/>\nda\u00df wir von Anfang an geliebt sind,<br \/>\nda\u00df Gott barmherzig ist und kein &#8222;gerechter&#8220; Gott,<br \/>\nda\u00df Gott in Liebe richtet<br \/>\nund nicht von dem her, was in uns zusammengest\u00fcrzt ist.<br \/>\nAuch wenn wir zu ihm kommen<br \/>\nund die Reste unseren Lebens uns aus den Taschen h\u00e4ngen,<br \/>\nwird uns die T\u00fcr noch immer weit offen stehen,<br \/>\nauch wenn der Luftdruck unserer eingest\u00fcrzten inneren Kat\u00adhedrale<br \/>\nsie zuzuschlagen droht.<br \/>\nIhr sollt daran denken, da\u00df Jesus aus wenig viel machen kann,<br \/>\nwie damals, als er durch ein Wunder<br \/>\n5000 Menschen mit nur einem Brot s\u00e4ttigte.<br \/>\nEin noch gr\u00f6\u00dferes Wunder aber ist es,<br \/>\nda\u00df er aus viel wenig machen kann (S\u00f8ren Kierkegaard),<br \/>\nda\u00df er selbst die gr\u00f6\u00dften Brotreste unserer Seele,<br \/>\nin ein paar Kr\u00fcmeln verwandeln kann,<br \/>\nwenn er uns richtet.<br \/>\nOder wie er uns selbst sagt (Joh. 6,37)<br \/>\n&#8211; und das soll das Wort dieses Sonntags sein,<br \/>\nda\u00df Ihr euch zu Herzen nehmen k\u00f6nnt f\u00fcr die kommende Woche:<br \/>\n<em>Alles, was mir mein Vater gibt,<br \/>\ndas kommt zu mir;<br \/>\nund wer zu mir kommt,<br \/>\nden werde ich nicht hinaussto\u00dfen. <\/em><br \/>\nAmen.<\/p>\n<p><strong>Pastorin Kristine Stricker Hestbech<br \/>\nM\u00f8llevej 1<br \/>\nKongsted<br \/>\nDK-4683 R\u00f8nnede<br \/>\nTlf.: ++ 45 &#8211; 56 71 11 56<br \/>\n<a href=\"mailto:kshe@km.dk\">E-mail: kshe@km.dk<\/a> <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(D\u00e4nische Perikopenordnung, Epistellesung: 2. 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