{"id":9838,"date":"2021-02-07T19:49:32","date_gmt":"2021-02-07T19:49:32","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9838"},"modified":"2022-10-22T14:54:45","modified_gmt":"2022-10-22T12:54:45","slug":"2-korinther-1-3-7-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-korinther-1-3-7-2\/","title":{"rendered":"2. Korinther 1, 3-7"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>wo ist Trost? Das haben sich sicher in den Vergangenen anderthalb Wochen viele Menschen gefragt, die Bilder der Weinenden und get\u00f6teten Menschen in Madrid vor Augen.<\/p>\n<p>Wo ist Trost? Das hat auch die weinende Frau wissen wollen, die am Telefon erz\u00e4hlte, da\u00df sie erblinden m\u00fcsse.<\/p>\n<p>Wo ist Trost? Das fragt sich die Frau, die diese Woche ihren Mann verloren hat.<\/p>\n<p>Wo ist Trost?<br \/>\nEs gibt so viele Lebenslagen in denen Menschen sich diese Frage stellen, und sie kennen sicher auch eine eigene Lebenserfahrungen in der sie sich diese Frage gestellt haben. Entweder f\u00fcr sich selbst, oder auch f\u00fcr Menschen, deren Not sie tief ber\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>Der Apostel Paulus schreibt in seinem zweiten Brief an die Gemeinde in Korinth \u00fcber seine Trosterfahrungen. Und es ist gleich ein Lob, das da zum Himmel steigt, wenn der vielgereiste und leidgepr\u00fcfte Apostel an seine Erfahrungen von Trost denkt und sie beschreibt:<\/p>\n<p><em>Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes,<br \/>\nder uns tr\u00f6stet in aller unserer Tr\u00fcbsal, damit wir auch tr\u00f6sten k\u00f6nnen, die in allerlei Tr\u00fcbsal sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getr\u00f6stet werden von Gott.<br \/>\nDenn wie die Leiden Christi reichlich \u00fcber uns kommen, so werden wir auch reichlich getr\u00f6stet durch Christus. Haben wir aber Tr\u00fcbsal, so geschieht es euch zu Trost und Heil. Haben wir Trost, so geschieht es zu eurem Trost, der sich wirksam erweist, wenn ihr mit Geduld dieselben Leiden ertragt, die auch wir leiden.<br \/>\nUnd unsere Hoffnung steht fest f\u00fcr euch, weil wir wissen: wie ihr an den Leiden teilhabt, so werdet ihr auch am Trost teilhaben. <\/em><\/p>\n<p>Drei Botschaften entnehmen wir diesem Briefabschnitt des Paulus:<br \/>\n&#8211; Christus tr\u00f6stet Paulus in seinem Leiden,<br \/>\n&#8211; Paulus sieht seinen Trost im Dienst der ihm anvertrauten Gemeinde<br \/>\n&#8211; und alle sind in Christus zur \u00dcberwindung des Leidens verbunden.<\/p>\n<p>Paulus erlebt sich in einer umfassenden Gemeinschaft mit Christus, mit dessen Leiden und Auferstehen Paulus verbunden ist.<br \/>\n&#8222;Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserem Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserem Leibe offenbar werde&#8220;, schreibt er den Korinthern.<br \/>\nSeit seinem Erlebnis in Damaskus lebt Paulus mit der Wirklichkeit des lebendigen Christus an dem sein ganzes Leben und Erleben orientiert und ver\u00e4ndert ist. Und in diesem Glaubenshorizont ist in einer mystischen Teilnahme die Gemeinde einbezogen, zu der Paulus sagt: &#8222;denn ich habe schon zuvor gesagt, da\u00df ihr in unserem Herzen seid, mitzusterben und mitzuleben&#8220; (2.Kor 7,3b).<\/p>\n<p>Es ist eine Raum und Zeit \u00fcbergreifende Verbundenheit im Leben, die auch im Trost tr\u00e4gt und auf Erl\u00f6sung des Leidens zielt.<\/p>\n<p>Das wird uns unmittelbar anschaulich, wenn Paulus selbst genauer beschreibt, wie solche Gott- und Menschenverbundenheit sich im Leben darstellt. Denn dann zeigt sich, da\u00df Paulus zwar eine deutende Sprache des Glaubens spricht, aber sie hat ihren Anhalt mitten im Alltag auf den Begegnungen und Reisen im mediterranen Alltag des V\u00f6lkerapostels.<\/p>\n<p>Paulus erz\u00e4hlt ein paar Kapitel sp\u00e4ter im Brief, wie er Trost erlebt (7,4ff). Es geht ihm da zun\u00e4chst nicht anders, wie vielen Menschen bis heute: wir &#8222;fanden keine Ruhe; sondern von allen Seiten waren wir bedr\u00e4ngt, von au\u00dfen mit Streit, von innen mit Furcht&#8220;.<br \/>\nUnd da erf\u00e4hrt Paulus einen zweifachen Trost, f\u00fcr den er Gott dankt. Er trifft Titus wieder, seinen Gef\u00e4hrten und Mitarbeiter, den er schon vermisst hatte. Aber nicht nur das. Ein zweiter Trost ist, da\u00df Paulus h\u00f6rt, wie Titus in der korinthischen Gemeinde als Bote des Paulus selbst aufgenommen und getr\u00f6stet worden war, und die Gemeinde sich um Paulus bem\u00fchte.<\/p>\n<p>Trost erf\u00e4hrt Paulus also durch Gott in einem lieben Menschen, der ihm begegnet und durch die Botschaft, da\u00df die Gemeinde sich mit ihm auseinandersetzt und f\u00fcr ihn eintritt.<br \/>\nWir k\u00f6nnten sagen, da\u00df Paulus hier in einer schwierigen Situation von Solidarit\u00e4t erf\u00e4hrt , und da\u00df er den Beistand eines guten Freundes geniesst.<\/p>\n<p>Und ist das nicht auch das, was auch uns tr\u00f6stet, da\u00df da Menschen sind, die an uns denken, die an unserem Schicksal teilnehmen und denen wir begegnen? Manchmal geht es so \u00fcberraschend, wie Paulus Titus trifft, aber auch die Begegnungen beim Einkaufen, in einer Gemeindegruppe oder die Freundschaften, die uns tragen sind ein Element dieses Trostes, der uns \u00fcber die Bedr\u00e4ngnisse hinweghelfen will.<\/p>\n<p>Und es ist wohl kein Zufall, da\u00df hier eine Geldsammlung f\u00fcr die Gemeinde in Jerusalem erw\u00e4hnt wird, in denen der &#8222;Armen gedacht&#8220; wird. Aus Trost w\u00e4chst Trost, ganz so, wie Paulus es im Glauben erlebt. Trost kann auch finanzielle Hilfe f\u00fcr die Armen sein.<\/p>\n<p>Freilich ist Trost nicht immer einfach da und erfahrbar. Da ist die Einsamkeit und die Untr\u00f6stlichkeit, die viele Menschen erleben. Viele Arme in unserer Welt ebenso, wie auch Menschen mitten unter uns.<br \/>\nDieses Erleben der Untr\u00f6stlichkeit wurzelt tief in uns: wie ist es, wenn ein Kind schreit und keine Antwort bekommt? Es wird nach langer Zeit verstummen, und ungetr\u00f6stet sein. Manchmal ein auch erwachsenes Leben lang eine Traurigkeit in sich tragen, die unerh\u00f6rt und vielleicht unerkannt und unerlebt bleibt.<br \/>\nManchmal sind Menschen auch so in der Trostlosigkeit verhakt, da\u00df nichts sie aus dem Kreislauf von Kr\u00e4nkung und Lieblosigkeit reissen kann, obwohl sie inbr\u00fcnstig ihre Situation anklagen.<\/p>\n<p>Es gibt oft genug keinen schnellen Trost. Auch die Auferstehung mit Christus ist kein schnelles Heilmittel.<\/p>\n<p>Auch Paulus kennt das zu Tode betr\u00fcbt sein, und nicht mehr weiter wollen. Aber die grundlegende Erfahrung von Gott geliebt zu sein, hat die Sicht des Leidens bei Paulus nachhaltig ver\u00e4ndert:<br \/>\n&#8222;wir r\u00fchmen uns auch der Bedr\u00e4ngnisse, weil wir wissen, da\u00df Bedr\u00e4ngnis Geduld bringt, Geduld aber Bew\u00e4hrung, Bew\u00e4hrung aber Hoffnung, Hoffnung aber l\u00e4sst nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist&#8220; (R\u00f6 5, 3bff).<\/p>\n<p>Paulus kennt die langen Wege der Trauer, des Verlustes, eines Abschieds oder einer neuen Lebensphase, Paulus kennt den ausweglosen Fanatismus ebenso, wie die zerst\u00f6rende Kraft des Hasses, Paulus kennt die rastlose Suche nach Liebe ebenso, wie die Antwort auf seine Untr\u00f6stlichkeit durch die Liebe Gottes im Herzen und auf dem Wege.<br \/>\nIn den dunklen Tagen von Damaskus und den darauf folgenden Jahren des Wandels hat sich tief die Erfahrung der Liebe Gottes in Paulus Raum geschaffen.<\/p>\n<p>In dieser Liebe liegt die Grundlage f\u00fcr den Trost, den wir empfangen und geben. Denn nur wenn wir unser Herz liebend anderen Menschen \u00f6ffnen k\u00f6nnen, wird ihr Schmerz uns erreichen und ber\u00fchren. Und deshalb ist Trost immer auch Antwort auf die Liebe, die wir erfahren haben oder manchmal m\u00fchsam begreifen mussten.<br \/>\nUnd wohl dem Menschen, der sich einschwingen kann in diesen Schmerz und doch dabei aushalten als die andere Perspektive, da\u00df Tod, Leid und Geschrei, da\u00df Krieg und Gewalt ein Ende haben werden.<br \/>\nDas ist die Botschaft des Kreuzes Christi f\u00fcr die Paulus und auch die Kirche stehen. Mel Gibson zeigt in seinem Film &#8222;Passion&#8220;, der seit vergangenen Donnerstag auch in den deutschen Kinos gezeigt wird, nur die Seite des Leidens, die zur Pornographie wird. Da\u00df dieses Leiden die Konsequenz eines befreienden Lebens ist und da\u00df dieses Leiden der Geburtsschmerz einer neuen Menschheitsepoche ist, das wird nicht hinreichend deutlich. Die alten Passionsbilder zeigen da anderes.<\/p>\n<p>Die Botschaft der Barmherzigkeit und des Trostes t\u00f6nt leise in der Bedr\u00e4ngnis und im Leiden. Vielleicht ist es eine gehaltene Hand, ein verstehender Blick, eine praktische Hilfe, ein h\u00f6rendes Ohr, das auch \u00fcber lange Zeit nicht m\u00fcde wird, dieselbe Not zu ertragen. Liebende Achtsamkeit mit der wir uns selbst begegnen, aber auch den Leisen und Kleinen, den Alten und Kranken, den Fremden und Armen.<\/p>\n<p>Und dann wird das Wunder des Glaubens eintreten, da\u00df wenn wir die \u00c4ngste vor der Untr\u00f6stlichkeit im Vertrauen auf die Gegenwart Christi haben fallen gelassen, da\u00df dann die uns tr\u00f6sten, die wir zu tr\u00f6sten ausgezogen waren:<br \/>\n&#8211; die Zuversicht eines Strebenden<br \/>\n&#8211; die Kraft zu k\u00e4mpfen<br \/>\n&#8211; die F\u00e4higkeit zu trauern<br \/>\n&#8211; die Erfahrung gebraucht zu sein.<\/p>\n<p>Und in diesen Begegnungen begegnet uns die Liebe Gottes, die tragend in solchen tr\u00f6stlichen Begegnungen durchscheint und sie durchlichtet mit dem Licht der neuen Sch\u00f6pfung.<br \/>\nUnd schon kann uns ganz eigen sein die Erfahrung, da\u00df die Welt in Gottes Horizont weit ist, und da\u00df wir eingeladen sind trotz allem nicht untr\u00f6stlich zu bleiben.<br \/>\nDas ist die Torheit des Kreuzes. Die Macht Gottes ist nicht das ewige Verhindern und Eingreifen. Gott ist kein Kosmopolizist. Da\u00df Gottes Kraft, nach der Erfahrung des Paulus, in den Schwachen m\u00e4chtig ist, das bedeutet, da\u00df die Trauenden und Leidtragenden getr\u00f6stet werden, auch wenn es f\u00fcr uns manchmal unertr\u00e4glich lange dauert.<\/p>\n<p>&#8220; <em>Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes,<br \/>\nder uns tr\u00f6stet in aller unserer Tr\u00fcbsal, damit wir auch tr\u00f6sten k\u00f6nnen, die in allerlei Tr\u00fcbsal sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getr\u00f6stet werden von Gott.&#8220; <\/em><\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><strong>Pfarrer Thomas Dreher<br \/>\nPanoramastra\u00dfe 37<br \/>\n74321 Bietigheim-Bissingen<br \/>\n<a href=\"mailto:pfamlk.Bissingen@web.de\">pfamlk.Bissingen@web.de<\/a> <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, wo ist Trost? 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