{"id":9841,"date":"2021-02-07T19:49:33","date_gmt":"2021-02-07T19:49:33","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9841"},"modified":"2022-10-22T13:50:52","modified_gmt":"2022-10-22T11:50:52","slug":"predigt-zu-mariae-verkuendigung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-mariae-verkuendigung\/","title":{"rendered":"Predigt zu Mari\u00e4 Verk\u00fcndigung"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>(Hinweis: Der Text ist aus der d\u00e4nischen Perikopenordnung, in D\u00e4nemark wird an diesem Sonntag Mari\u00e4 Verk\u00fcndigung gefeiert)<\/p>\n<p>&#8222;Da\u00df wir uns nicht hinstellen und jeden Morgen an der Sonne zerren sollen, damit sie aufgeht, oder an den Blumen ziehen und zerren sollen, um sie aus der Erde wachsen zu lassen, oder eine Million mal an das Herz schlagen sollen mit einem Hammer, um es zum Schlagen zu bringen &#8211; das ist es, das Wunderbare&#8220;.<\/p>\n<p>So versucht ein heutiger Autor, der besonderen Kategorie auf die Spur zu kommen, die der Lobpreis oder Lobgesang ist.<\/p>\n<p>Lobgesang ist etwas, was sowohl hinter und vor den Weisen steht, in denen wir oft zu denken und zu leben versuchen. Etwas sehr Wesentliches am Lobgesang ist die Wiederentdeckung dessen, da\u00df die Welt gut und wunderbar ist. In der Welt sein, in der Welt dazusein ist ein Gut, ganz gleich wie es uns ansonsten ergeht, ein Gut, das im Alltag verborgen ist, vergessen und \u00fcbersehen, aber ein Gut so grundlegend und merkw\u00fcrdig zugleich, da\u00df es auch den Sch\u00f6pfer des Lebens verweist.<\/p>\n<p>Dies ist der Lobgesang der Maria, den sie der \u00dcberlieferung nach gesungen hat, als ihr angek\u00fcndigt wurde, da\u00df sie das Werkzeug des g\u00f6ttlichen Plans sein w\u00fcrde, dies ist ihr Lobgesang, der uns dazu n\u00f6tigt, einmal dar\u00fcber nachzudenken, was Lobgesang eigentlich ist, unseren eigenen Lobgesang zu finden und den Mund f\u00fcr ihn zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Um den Sch\u00f6pfer des Lebens preisen zu k\u00f6nnen, mu\u00df ein Mensch das Leben gesp\u00fcrt haben. Was also jeder hat, der sein Herz hat schlagen f\u00fchlen und die Blumen wachsen sehen. Lobsingen hei\u00dft sich dazu bekennen, da\u00df mir etwas widerfahren ist, etwas, was gr\u00f6\u00dfer ist als ich, und die Spuren auf den zur\u00fcck zu verfolgen, der diese Spuren hinterlassen hat. Man kann auch sagen, da\u00df Lobsingen hei\u00dft, sich dazu zu bekennen, da\u00df die Ewigkeit in das Leben eingedrungen ist. Nicht das Allergrund\u00adlegendste in unserem Dasein einen Zufall sein lassen oder etwas Fl\u00fcchtiges.<\/p>\n<p>Dennoch ist es nicht ganz so einfach, Gott in einem Lobpreis aufzusuchen. Die eigene Angst kann einen daran hindern, den eigenen Herzschlag zu merken oder die Blume zu sehen. Mag sein, da\u00df die Ewigkeit auf dem Spiele steht, aber die Ewigkeit geht \u00fcber das Jetzt, und das, wo ich mich im Augenblick befinde, kann so viel Leiden sein, da\u00df die Spuren, die vom Grunde des Lebens zeugen, verweht sind, oder so viel L\u00e4rm, da\u00df ich nicht die Ewigkeit sp\u00fcren kann, wenn sie mich ber\u00fchrt. Wenn es eine solche Nacht ist, da\u00df ich den Tag nicht sehen kann.<\/p>\n<p>Lobgesang hei\u00dft auf den Tag vertrauen, wenn ich mich mitten in der Nacht befinde. Eintreten in den Lobgesang hei\u00dft, sich dem Herrlichen wie dem Furchtbaren zuwenden.<\/p>\n<p>Den R\u00fccken kehren und sich abwenden l\u00e4ge ansonsten am N\u00e4chsten. Wir kennen die Flucht aus den Tagtr\u00e4umen oder Rausch\u00admitteln oder Ideen. Aber auch wenn man so flieht, da\u00df man den Lobgesang dazu verwendet, den Lobgesang fernzuhalten: Indem man ein Glanzbild der Wirklichkeit aufstellt, das sie kleiner macht als die furchtbare und wunderbare Welt, in der uns Gott begegnet. Besonders von kirchlicher Seite k\u00f6nnen oft zu viele positive, richtige Worte kommen. Man glaubt, es handelt sich um Lobgesang, weil die wiederholten Formeln eine Ordnung best\u00e4tigen, von der wir gerne h\u00f6ren m\u00f6chten. Aber Lobgesang soll nicht nur von unserem gew\u00f6hnlichen Bewu\u00dftsein geh\u00f6rt werden, sondern von unserem ganzen gro\u00dfen Bild dessen, was die Welt und der Mensch sind. Und deshalb kann die Antwort nicht gro\u00df genug sein.<\/p>\n<p>Wenn das Motto &#8222;Es wird schon gehen&#8220; oder Unterhaltung oder Rastlosigkeit l\u00e4rmen, wie dies in der heutigen Gesellschaft der Fall ist, dann gleicht der wahre Lobgesang vielleicht nicht dem, was wir Lobgesang nennen.<\/p>\n<p>Der Beunruhigung, dem \u00c4rgernis und der Angst Worte zu verleihen, die Leere der Angst auszuloten, darin kann nicht selten mehr Lobgesang sein als in vielen Liedern und Ges\u00e4ngen. Ein Klagelied ist oft <em>mehr<\/em> Lobgesang als die Paradiestr\u00e4ume, die uns auf der Zunge liegen. Die Nacht von innen beschreiben hei\u00dft nach dem Tage rufen.<\/p>\n<p><em> Wenn<\/em> uns etwas auf der Zuge liegt &#8211; dann ist es ja nicht selbstverst\u00e4ndlich, da\u00df man die Spuren zur\u00fcckverfolgt und Gott die Ehre gibt f\u00fcr das Wachsen der Blumen und den Schlag des Herzens. Entweder weil die Nacht lange und d\u00fcster auf uns wirkt oder weil ich mich selbst als meinen eigenen Herren ansehe, der niemandem etwas schuldig ist.<\/p>\n<p>Im letzteren Fall, da\u00df ich niemandem etwas verdanke: Dann mu\u00df ich auch selbst den Anblick der zerst\u00f6rten Welt ertragen, wo die hochm\u00fctigen Herren regieren, wo Menschen hungern &#8211; ohne Aussicht auf S\u00e4ttigung, dann mu\u00df oft etwas ganz <em>Au\u00dferordentliches<\/em> passieren, damit wir unser Leben und unsere Welt sehen so wie sie sind und wie sie werden k\u00f6nnen. Ein solches au\u00dfergew\u00f6hnliches Ereignis war die Begegnung Marias mit dem Engel.<\/p>\n<p>Erschrocken und erfreut wu\u00dfte Maria von dem Augenblick an, da\u00df Gott ihr nicht nur das Leben geschenkt hatte, sondern auch dies von ihr forderte. Sie antwortete Gott so, da\u00df seine Welt, die gr\u00f6\u00dfer ist als irgendein Mensch, in ihrem Frauenk\u00f6rper gegenw\u00e4rtig wurde. Etwas wu\u00dfte sie zuvor von Gott &#8211; sie wu\u00dfte, woher sie kam. Nun gab sie Raum f\u00fcr etwas, was sie <em>nicht<\/em> kannte. Etwas, was sie <em>noch<\/em> nicht erfahren hatte, wenn sie nicht selbst, so doch die Menschheit, vor die sie sich stellte, um zu erfahren:<\/p>\n<p><em> Er st\u00f6\u00dft die Gewaltigen vom Thron<br \/>\n<\/em><em>und erhebt die Niedrigen.<br \/>\n<\/em><em>Die Hungrigen f\u00fcllt er mit G\u00fctern.<\/em><\/p>\n<p>Eine Vision von der Welt, die erf\u00fcllt ist und doch keineswegs erf\u00fcllt. Der Lobgesang enth\u00e4lt ein m\u00e4chtiges Bild der Welt: Alle Spalten und Schmerzen und Wunden der Wirklichkeit werden sichtbar, aber auch eine heile Welt. Und wenn der Lobgesang Worte erh\u00e4lt, dann wird dieser heilen Welt <em>vorgegriffen<\/em>, die wir sonst nur bruchst\u00fcckhaft und unvollkommen erleben.<\/p>\n<p>Die Kategorie des Lobgesangs ist eine sch\u00f6pferische Best\u00e4tigung dessen, da\u00df Gottes Welt mitten in meinem und deinem Leben gegenw\u00e4rtig sein kann und in der Welt, wo allzu viele Herren noch immer auf ihrem Throne sitzen. Lobgesang ist Gebet und Erh\u00f6rung.<\/p>\n<p>Wie eine Solistin stellt sich Maria vor ihren Chor und singt, was der Chor noch nicht singen kann. Aber ohne die Vielstimmigkeit und den Hintergrund des Chores hat ein Solist nicht die <em>Kraft<\/em>, seine Stimme erklingen zu lassen. In dem Chor sind Menschen, die singen, weil die anderen singen. Noch sitzen sie selbst in der Nacht, aber in dem gro\u00dfen Bild k\u00f6nnen sie den anderen folgen, die singen.<\/p>\n<p>Und die gro\u00dfen Worte, die uns sonst hinderlich sind, wenn wir uns ausdr\u00fccken wollen, fallen uns besser in den Mund, wenn der Solist sie erprobt hat und wir nur ein Ton im Ganzen zu sein brauchen.<\/p>\n<p>Die Solistin &#8211; der Lobgesang der Maria ist eine Einladung an uns, zu singen wie sie. Sie erh\u00e4lt ihre Kraft von dem, was sie in sich tr\u00e4gt, was sie noch nicht kennt, sie durchlebt eine gewaltige Pr\u00fcfung &#8211; um Raum zu geben f\u00fcr ihn, dessen Liebe bis in alle Hohlr\u00e4ume der Pr\u00fcfungen reicht. Vor Gottes Angesicht ist sie nur Solistin &#8211; aus der Sicht des Chores ist sie ein Weg , den wir auch gehen k\u00f6nnen. Maria ging den Weg zuerst, aber dennoch erfuhr sie nichts anderes als das, was jeder von uns erfahren kann: Gott wohnt in unserem Leben, er schenkt uns Leben, er fordert es von uns &#8211; in der Liebe &#8211; und er ist der Pulsschlag der Liebe dort, wo wir stumm werden, er ist die St\u00e4rke in unserer Antwort.<\/p>\n<p>Maria wu\u00dfte, da\u00df noch ihr jeder Mensch erw\u00e4hlt ist.<\/p>\n<p><em> Siehe, du hast Gnade gefunden vor Gott, seine Kraft wird dich \u00fcberschatten, er wird in die leben und wachsen &#8211; in deinem Leben.<\/em><\/p>\n<p>Jemand aus unseren Tagen, die rum\u00e4nische Autorin Cabriela Meliescu, antwortet Gott mit ihrem Lobgesang:<\/p>\n<p><em>Eine Frage ist st\u00e4rker als alle,<br \/>\n<\/em><em>sie singt immer in meinem Kopf:<br \/>\n<\/em><em>Was ist ein Mensch?<br \/>\n<\/em><em>Was ist er? <\/em><\/p>\n<p><em>Das Herz schl\u00e4gt wie eine Trommel.<br \/>\n<\/em><em>Unbekannte Wesen fliegen im Griff der Luft.<br \/>\n<\/em><em>Eine Br\u00fccke, aufgeh\u00e4ngt im Himmel,<br \/>\n<\/em><em>ist diese Frage nach dem Schiff des Menschen. <\/em><\/p>\n<p><em>Ich wei\u00df nur, da\u00df ich brenne mit einem starken Licht,<br \/>\n<\/em><em>und manchmal habe ich Angst, da\u00df es ausgeht.<br \/>\n<\/em><em>Auch wenn ich gesehen habe und wei\u00df, da\u00df die Erde<br \/>\n<\/em><em>eine ewig brennende Lampe f\u00fcr ein unsichtbares Feuer ist. <\/em><\/p>\n<p><em>In der Nacht, im Scho\u00df der Dunkelheit,<br \/>\n<\/em><em>kam eine andere Welt in diese Welt,<br \/>\n<\/em><em>da h\u00f6re ich durch mich ein merkw\u00fcrdiges Sausen.<br \/>\n<\/em><em>Ich bin dein Feuer und deine K\u00e4lte.<br \/>\n<\/em><em>Du bist mein Licht.<\/em><\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><strong>Pfarrerin Birte Andersen<br \/>\nEmdrupvej 42<br \/>\nDK-2100 K\u00f8benhavn-\u00d8<br \/>\nTel.: ++ 45 &#8211; 39 18 30 39<br \/>\n<a href=\"mailto:bia@km.dk\">e-mail: bia@km.dk<\/a> <\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Hinweis: Der Text ist aus der d\u00e4nischen Perikopenordnung, in D\u00e4nemark wird an diesem Sonntag Mari\u00e4 Verk\u00fcndigung gefeiert) &#8222;Da\u00df wir uns nicht hinstellen und jeden Morgen an der Sonne zerren sollen, damit sie aufgeht, oder an den Blumen ziehen und zerren sollen, um sie aus der Erde wachsen zu lassen, oder eine Million mal an das [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8543,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,727,185,114,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-9841","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelle","category-archiv","category-aus-dem-daenischen","category-deut","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9841","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9841"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9841\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14266,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9841\/revisions\/14266"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9841"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9841"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9841"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=9841"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=9841"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=9841"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=9841"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}