{"id":9848,"date":"2021-02-07T19:49:37","date_gmt":"2021-02-07T19:49:37","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9848"},"modified":"2022-10-06T09:00:24","modified_gmt":"2022-10-06T07:00:24","slug":"philipper-25-11-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/philipper-25-11-3\/","title":{"rendered":"Philipper 2,5-11"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>(d\u00e4nische Perikopenordnung, Epistellesung Phil. 2,5-11)<\/p>\n<p><strong> Keine L\u00f6cher in der Unwissenheit der Leute \u00fcber das Christentum<\/strong><\/p>\n<p>Nur jeder dritte D\u00e4ne wei\u00df, warum wir Palmsonntag feiern. Und nur jeder f\u00fcnfte D\u00e4ne wei\u00df, was Gr\u00fcndonnerstag geschah. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die das Meinungsforschungsinstitut Gallup f\u00fcr die d\u00e4nische Zeitung Berlingske Tidende vorgenommen hat. Vielleicht ist es richtig, was seinerzeit der k\u00f6nigliche Hofmarschall in Kopenhagen Hans S\u00f8lvh\u00f8j gesagt hat: &#8222;Es gibt fast keine L\u00f6cher in der Unwissenheit der D\u00e4nen \u00fcber das Christentum&#8220;.<\/p>\n<p><strong> Die Kluft zwischen Kirche und Volk. D\u00e4nemark ist ein christliches Land<\/strong><\/p>\n<p>Das ist nat\u00fcrlich eine Herausforderung f\u00fcr die Volkskirche. Aber das zeigt offenbar auch eine Kluft zwischen der Kirche und dem Volk. Einerseits besteht kein Zweifel daran, da\u00df D\u00e4nemark ein christliches Land ist in dem Sinne, da\u00df christliche Werte und christliches Denken unsere Gesetzgebung, unsere Sprache, unsere Kunst und unsere Kultur pr\u00e4gen. Die d\u00e4nische Verfassung, das Grundgesetz, sagt es so: &#8222;Die evangelisch lutherische Kirche ist die d\u00e4nische Volkskirche und wird als solche vom Staat unterst\u00fctzt&#8220;.<\/p>\n<p><strong> Aber unsere Zukunft ist bedroht, wenn uns das Wissen abhanden kommt<\/strong><\/p>\n<p>Andererseits aber ist unsere Zukunft als christliches Volk ernsthaft bedroht, wenn die D\u00e4nen ganz einfach das Verst\u00e4ndnis und das Wissen von den zentralen Elementen der christlichen Botschaft verlieren. Dann sind wir n\u00e4mlich auch leichte Beute f\u00fcr andere Religionen, die in unser altes christliches Land kommen.<\/p>\n<p><strong> Das Einzigartige: Warum macht es einen Unterschied, ob man Christ ist?<\/strong><\/p>\n<p>Deshalb ist es wichtig, da\u00df wir uns darauf besinnen, was das Einzigartige, das Besondere und Eigent\u00fcmliche am Christentum ist. Was ist es, das bewirkt, da\u00df der Christ von Jesus sagen kann, er ist &#8222;der Weg, die Wahrheit und das Leben&#8220;, und &#8222;niemand kommt zum Vater ohne durch ihn&#8220;? Oder anders gesagt: Was w\u00fcrde uns eigentlich fehlen, wenn es das Christentum nicht g\u00e4be? Warum macht es einen Unterschied, ob es das Christentum im d\u00e4nischen Volk gibt?<\/p>\n<p><strong> Das heutige Evangelium: Eine verschwenderische Handlung<\/strong><\/p>\n<p>Das Evangelium f\u00fcr den heutigen Tag, Palmsonntag, hilft uns, diese Frage zu beantworten. Wir h\u00f6ren von einer scheinbar verschwenderischen und unn\u00f6tigen Tat. Eine Frau, die der \u00dcberlieferung nach Maria Magdalene sein k\u00f6nnte, salbt das Haupt Jesu mit einer sehr kostbaren Salbe. Der Preis von dreihundert Denaren entspricht fast dem Jahreslohn eines Arbeiters. Der Tagelohn war damals normalerweise ein Denar. Es ist klar, da\u00df diese schwindelerregende Geldverschwendung Ansto\u00df erregen mu\u00dfte.<\/p>\n<p><strong> Verschwenderische Liebe<\/strong><\/p>\n<p>Aber sie salbte Jesus zu seinem Begr\u00e4bnis. Und die ganze Welt soll von dem h\u00f6ren, was sie getan hat, sagt Jesus. Und diese Prophetie ging auch in Erf\u00fcllung. Heute h\u00f6ren wir und tausende von anderen von dem, was sie tat. Was diese Frau uns von Gott lehrt, ist dies, da\u00df er niemals m\u00fcde wird zu geben. Da\u00df er eine verschwenderische Liebe hat.<\/p>\n<p><strong> Die Fr\u00fcchte der B\u00e4ume<\/strong><\/p>\n<p>In einigen Wochen springen die ersten B\u00e4ume aus. Die Buche in gut einem Monat. Die krummen, braunen und grauen Zweige werden durch sch\u00f6nes hellgr\u00fcnes Laub bedeckt. Und zum Sommer stehen sie mit Bl\u00fcten, die dann Fr\u00fcchte tragen. Die Fr\u00fcchte breiten sich \u00fcber die Landschaft aus. Millionen von Samen kommen in die Erde, aber nur ganz wenig Promille von diesen Samen werden zu B\u00e4umen. Und das wiederholt sich Jahr f\u00fcr Jahr.<\/p>\n<p><strong> An allen anderen Stellen m\u00fcssen wir kompetent sein<\/strong><\/p>\n<p>So ist Gott, voll von verschwenderischer Liebe. Und das ist eben das Einzigartige. Das macht den Unterschied. Das w\u00fcrde uns fehlen, wenn wir nicht das Christentum unter uns h\u00e4tten. An allen anderen Stellen in unserem Land m\u00fcssen wir uns qualifizieren, uns ausbilden, Erfahrungen machen, um das zu erlangen, was der Modebegriff unserer Zeit zu sein scheint: Kompetenz. Immer wieder h\u00f6ren wir, da\u00df wir unsere Kompetenzen entwickeln und erkennen sollen, welche Kompetenzen uns im Vergleich zu anderen auszeichnen. Ja, man spricht sogar von dem &#8222;kompetenten Kind&#8220;.<\/p>\n<p><strong> Das Evangelium spricht nicht von Kompetenzen, sondern von verschwenderischer Liebe<\/strong><\/p>\n<p>Das Evangelium spricht nicht von Kompetenzen. Das Evangelium spricht nicht von all dem, was wir tun sollen. Das Evangelium spricht von dem, was die Frau im heutigen Evangelium Jesus gegen\u00fcber zeigt: Verschwenderische Liebe. Davon handelt das Evangelium heute, an Palmsonntag.<\/p>\n<p><strong> Ostern als Gottes verschwenderische Liebe<\/strong><\/p>\n<p>Verschwenderische Liebe. Geht es nicht gerade an Ostern darum? Wir treten heute ein in die stille Woche. Noch einmal werden wir von dem Abend h\u00f6ren, als Jesus das Abendmahl einsetzte, Gr\u00fcndonnerstag, vom Karfreitag, als er am Kreuze starb. Das sind die Haupttage des Christentums. Das ist der Kern in all dem, was man Christentum nennen kann. Das ist das gr\u00f6\u00dfte Fest der Kirche, vor dem wir nun stehen. Und am Eingang zu diesem Fest h\u00f6ren wir von der verschwenderischen Liebe Gottes.<\/p>\n<p><strong> Mi\u00dfmut: Mit welchem Recht nennst du dich einen Christen. Luthers erstes Gebot<\/strong><\/p>\n<p>Wir kennen alle den Mi\u00dfmut, der \u00fcber uns kommen kann, wenn wir an unser Verh\u00e4ltnis zu Gott denken. Mit welchem Recht nennst du dich einen Christenmenschen, fragen wir. &#8222;Ein Gott hei\u00dfet das, dazu man sich versehen soll alles Guten und Zuflucht haben in allen N\u00f6ten. Also da\u00df ein Gott haben nichts anders ist, denn ihm von Herzen trauen und glauben &#8230; Ist der Glaube und Vertrauen recht, so ist auch Dein Gott recht, und wiederum, wo das Vertrauen falsch und unrecht ist, da ist auch der rechte Gott nicht. Denn die zwei geh\u00f6ren zuhaufe, Glaube und Gott&#8220;. So sagt Luther in seinem gro\u00dfen Katechismus.<\/p>\n<p><strong> Gott ist vielleicht nicht Nummer eins, aber wir k\u00f6nnen ihn dennoch nicht loslassen<\/strong><\/p>\n<p>Erwarten wir alles von Gott? Nehmen wir unsere Zuflucht zu Gott in allen N\u00f6ten? Ist unser Glaube an Gott aufrichtig? Solche Fragen schaffen Mi\u00dfmut, weil wir die Antwort schon wissen. Gott ist nicht immer die Nummer eins in unserem Leben. Allzu oft herrschen wir \u00fcber das Leben, als sei es unser Eigentum. Und doch k\u00f6nnen wir in all dem nicht von Gott loskommen. Wir k\u00f6nnen ihn nicht loslassen. Denn ohne ihn f\u00fchlen wir uns kalt und einsam, uns selbst und unserem eigenen Schicksal \u00fcberlassen.<\/p>\n<p><strong> Ich will gerne glauben, aber ich kann nicht<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Ich will so gerne an Gott glauben, aber ich kann nicht. Wenn ich zu Gott bete, hoffe ich auf ein warmes Herz und ein offenes Ohr bei Gott. Aber da ist nur Leere. Wenn ich zum Abendmahl gehe, hoffe ich sehr auf die N\u00e4he Gottes. Aber da geschieht nichts. Ich gehe genauso einsam und frierend wie ich gekommen bin. Wenn ich F\u00fcrsorge, Liebe und Verst\u00e4ndnis erwarte von der Gemeinde, von denen, die an ihn glauben, dann sto\u00dfe ich meist auf Selbstgen\u00fcgsamkeit, H\u00e4rte und K\u00e4lte&#8220;.<\/p>\n<p><strong> Wir k\u00f6nnen uns verdammt f\u00fchlen<\/strong><\/p>\n<p>So k\u00f6nnen wir uns f\u00fchlen, und wir glauben, da\u00df wir mit diesen Gedanken ganz allein stehen. Aber das ist weder Verdammnis noch Ausgeschlossensein von Gott. Das ist die Anfechtung des Glaubens, die jeder Mensch kennt. Deshalb wollen uns die Gottesdienste Palmsonntag und Ostern etwas ganz Einfaches sagen, lebensnah und einzigartig:<\/p>\n<p><strong> Vertraue auf Gott. Werde nicht m\u00fcde<\/strong><\/p>\n<p>Vertraue auf Gott. Werde nicht m\u00fcde. Denn er ist treu. Er hat dich in verschwenderischer Liebe mit guten Gaben \u00fcbersch\u00fcttet. Ja, er hat seinen eigenen Sohn gesandt, damit wir h\u00f6ren, sehen und glauben k\u00f6nnen. Deshalb haben wir heute auch die Epistel geh\u00f6rt aus dem Philipperbrief von Jesus Christus, der bei Gott war, zu seiner Rechten sa\u00df, aber seinen Himmel verlie\u00df, um zu uns auf der Erde zu gehen. Als er als ein Mensch erfunden war, erniedrigte er sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Verschwenderische Liebe. Davon handelt das Evangelium.<\/p>\n<p><strong> Wir k\u00f6nnen nur Glauben, wenn wir aufgeben, selbst zu wollen<\/strong><\/p>\n<p>Glaube erfordert keine Kompetenz. Wir k\u00f6nnen nur glauben, wenn wir es aufgeben, selbst glauben zu <em>wollen<\/em>. Wir erhalten den Glauben erst, wenn wir mit unseren leeren H\u00e4nden zu Christus kommen und erkennen, da\u00df wir nur bei ihm Vergebung und Frieden finden. Nicht weil wir es verdient h\u00e4tten, sondern weil er uns mit seiner verschwenderischen Liebe so liebt, wie wir sind.<\/p>\n<p><strong> Ein kleiner Junge schl\u00e4ft ein<\/strong><\/p>\n<p>Ein kleiner Junge hatte sich vorgenommen, den Augenblick zu erleben, an dem er abends einschlief. Aber das gelang ihm nicht. Der Wunsch, diesen Augenblick zu erleben, hielt ihn wach. Und er schlief erst ein, als er sich selbst loslies. So ist es auch mit dem Glauben. Wir m\u00fcssen uns selbst loslassen und es geschehen lassen. Gott in seinem Wort suchen, in der Taufe und im Abendmahl. Uns auf seine Vergebung verlassen. Wenn wir unseren eigenen Willen vergessen und uns dem Willen Gottes unterwerfen, kann es geschehen, da\u00df wir unerkl\u00e4rlich in uns sp\u00fcren: Gott <em>ist<\/em>. Und er will mit mir zu tun haben. Amen.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong> Bischof Karsten Nissen<br \/>\nDomkirkestr\u00e6de 1<br \/>\nDK-8800 Viborg<br \/>\nTel.: ++ 45 &#8211; 86 62 09 11<br \/>\n<a href=\"mailto:kn@km.dk\">E-mail: kn@km.dk<\/a> <\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(d\u00e4nische Perikopenordnung, Epistellesung Phil. 2,5-11) Keine L\u00f6cher in der Unwissenheit der Leute \u00fcber das Christentum Nur jeder dritte D\u00e4ne wei\u00df, warum wir Palmsonntag feiern. Und nur jeder f\u00fcnfte D\u00e4ne wei\u00df, was Gr\u00fcndonnerstag geschah. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die das Meinungsforschungsinstitut Gallup f\u00fcr die d\u00e4nische Zeitung Berlingske Tidende vorgenommen hat. 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