{"id":9853,"date":"2021-02-07T19:49:43","date_gmt":"2021-02-07T19:49:43","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9853"},"modified":"2023-03-06T22:48:21","modified_gmt":"2023-03-06T21:48:21","slug":"philipper-2-6-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/philipper-2-6-11\/","title":{"rendered":"Philipper 2, 6-11"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p align=\"left\">Gehalten am 4. April 2004 [Palmarum] in der Oberkirche St. Nikolai zu Cottbus <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">(*)<\/a><\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Der Name \u00fcber alle Namen <\/strong><\/p>\n<p><strong>I <\/strong>Jesus Christus, der in Gottesgestalt war,<br \/>\nhielt nicht fest wie einen Raub das Gottgleichsein,<br \/>\n<strong>II <\/strong>sondern Er machte sich selbst arm,<br \/>\nKnechtsgestalt annehmend.<br \/>\nDen Menschen gleich werdend<br \/>\nund der Erscheinung nach erfunden als ein Mensch<br \/>\n<strong>III <\/strong>erniedrigte Er sich selbst<br \/>\nsich gehorsam erzeigend bis zum Tod,<br \/>\nja zum Tod am Kreuz.<br \/>\n<strong>IV <\/strong>Darum auch hat Gott Ihn zur h\u00f6chsten H\u00f6he erhoben<br \/>\nund Ihm geschenkt den Namen \u00fcber alle Namen,<br \/>\n<strong>V <\/strong>damit unter Anrufung des Namens Jesu<br \/>\njedes Knie sich beuge<br \/>\nder Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen<br \/>\nund jede Zunge lobpreisend bekenne:<br \/>\n\u0082Herr ist Jesus Christus!&#8216;<br \/>\n&#8211; zur Ehre Gottes des Vaters. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">(*) <\/a><\/p>\n<p>Extrem. Ganz sch\u00f6n extrem, liebe Gemeinde. Himmelhoch-jauchzend, zu Tode betr\u00fcbt. Der in Gottesgestalt war \u0096 in der H\u00f6he; der Gott und den Menschen Gleiche &#8211; erniedrigt bis zum Tod, ja zum Tod am Kreuz; und dieser Gekreuzig\u00adte dann von Gott erhoben zur h\u00f6chsten H\u00f6he &#8211; mit dem Namen \u00fcber alle Namen. &#8211; Paulus schreibt der Kirche in Philippi aus dem r\u00f6mischen Gef\u00e4ngnis. Er zitiert an dieser Stelle ein Lied. Es ist vermutlich vor der Abfassung des Philipperbriefes entstanden \u0096 ein Christushymnus, ein gemeinsames Zeugnis der Gemeinde und ihres Apostels. Paulus identifiziert sich mit ihm. Das zeigt: Der Apostel ist nicht theologischer Einzelk\u00e4mpfer, sondern er steht in seiner Gemeinde. Mit ihr verbunden hat er Anteil an einer gemeinsamen Wahr\u00adheit.<\/p>\n<p>Aus dieser Selbstbescheidung heraus zitiert Paulus das Christus-Lied. Wir bedenken es in f\u00fcnf Schritten:<\/p>\n<p><strong>I <\/strong><\/p>\n<p><strong>Jesus Christus, der in Gottesgestalt war, hielt nicht fest wie einen Raub das Gott\u00adgleich\u00adsein. <\/strong><\/p>\n<p>In der H\u00f6he setzt das Lied ein und in der Zeit vor aller Zeit. Jesus Christus ist der Gottgleiche, wird gesagt; und Er ist es in seinem Wesen <a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">(*) <\/a> und von Ewigkeit her. Es gibt mithin eine Praeexi\u00adstenz Jesu Christi, ein Vorherdasein vor der Erschaffung der Welt. Sein vorzeitliches Leben liegt im Geheimnis Gottes. Die Kirche hat versucht davon Rechen\u00adschaft zu geben, indem sie vom innerg\u00f6ttlichen Sein des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes gesprochen hat. Aber so spekulativ ist der Hymnus nicht. Dennoch ist er verankert in der H\u00f6he und in der Zeit ohne Zeit: Jesus Christus war in Gottesgestalt, in Gott-gleichem Glanz \u0096 von Ewigkeit her.<\/p>\n<p>Aber eben daran hielt Er nicht fest, so wie ein R\u00e4uber seine Beute festh\u00e4lt. Er gibt ab, wonach Menschen streben: sein zu wollen wie Gott. Die Identit\u00e4t seiner selbst mit Gott dem Vater <strong> hielt er nicht fest wie einen Raub <\/strong>. Er gibt preis und l\u00e4sst los. Er verl\u00e4sst seine H\u00f6he und stellt sein Gottgleichsein in Frage. Die Zeit ohne Zeit gibt Er auf, um sich den Bedingungen irdischer Zeit zu unterwerfen.<\/p>\n<p><strong> II <\/strong><\/p>\n<p>Noch mehr wird \u00fcber diese Abw\u00e4rtsbewegung gesagt: <strong>Er machte sich selbst arm, Knechts\u00adgestalt annehmend. Den Menschen gleich werdend und der Erscheinung nach erfunden als ein Mensch, erniedrigte Er sich selbst. <\/strong><\/p>\n<p>Der Gottgleiche wird zu einem unter Milliarden Menschen; zu einem der Milliarden kosmischer Staubk\u00f6rner, als die wir uns in den Welten des Alls f\u00fchlen und erkennen. Das ist die Botschaft von der Menschwer\u00addung Gottes, die weihnachtliche Botschaft, die aus dem Staunen nicht herauskommen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>\u0084Er machte sich selbst arm\u0093, hei\u00dft es. Er gibt alles auf. Er beh\u00e4lt nichts in der Hand, auf das Er sich berufen, wohin Er sich zur\u00fcckziehen k\u00f6nnte. Die Menschwerdung Gottes in Christus hat keine R\u00fcckversicherung, keine R\u00fcckfahrkarte. Und ist es der Gottgleiche, der sich arm macht, dann macht Gott selbst sich arm in diesem Menschen. Gott macht sich heimatlos und geht durch die Fremde. So wird Er zum Wegbegleiter aller Fremden und Armen. Indem Gott so mitgeht, gibt es kein menschliches Leid, keine Krankheit und kein Sterben, die Er nicht selber getragen h\u00e4tte. So entsteht Hoffnung in der Tiefe und Weggenossenschaft im Leid, Heimat in der Fremde und N\u00e4he in der Verlassenheit, Erhebung aus der Depression. <a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">(*) <\/a> &#8211;<\/p>\n<p>Nun allerdings wird nicht allgemein von <em>dem <\/em> Menschen im Christushymnus gesprochen. Jesus war nicht nur Mensch unter Menschen. Seine Erniedrigung war tiefer. Im Stande des Mensch\u00adseins, selbst im Stande des Christseins, gibt es Unterschiede \u0096 und was f\u00fcr welche! -; der Menschengleiche allerdings wandelte nicht auf den H\u00f6hen des Men\u00adschen\u00adtums und auch nicht auf den Gipfeln von Religion und Kultur. Ihn sich vorzustellen bei Staatsempf\u00e4ngen oder in der Oper \u0096 und sei es Gounods Faust -, ihn sich auszumalen im liturgischen Gewand oder mit einem Titel \u0096 und sei es dem des Generalsuperintendenten -, w\u00e4re abwegig. Er stieg vielmehr tief hinab. Er verlie\u00df eine hohe Position. Sein Gewand wurde (von r\u00f6mischen Soldaten unterm Kreuz) verspielt. Und Er wurde niedriger als die meisten Menschen. Inwiefern niedriger?<\/p>\n<p>Er wurde Knecht, Sklave, hei\u00dft es hier. Als solcher ist er An\u00adge\u00adh\u00f6\u00adriger der untersten Schublade, der untersten sozialen Schicht. Nach dem Verst\u00e4nd\u00adnis der Oberschicht waren Sklaven keine Menschen, sondern, wie der griechische Philosoph Aristoteles es ausdr\u00fcckte, ein Besitzst\u00fcck mit Seele. Indem nach dem Christushymnus der menschengleiche Christus sich selbst arm macht und sich erniedrigt in den Stand der Sklaven, wird unser Blick nach unten gerichtet, nach unten hin zu den Menschen in Ar\u00admut und Erniedrigung. Von hieraus gibt es eine prinzipielle Parteiname der Christen f\u00fcr die Benachteiligten und Entw\u00fcrdigten. Denn durch die Erniedrigung des Sohnes Gottes bekommen endlich auch die Armen und Sklaven ihre mensch\u00adliche W\u00fcrde unwiderruflich zur\u00fcck. Sie d\u00fcrfen nicht l\u00e4nger als Sache oder Ware angesehen und behandelt werden.<\/p>\n<p><strong> III <\/strong><\/p>\n<p>Das Sklave-Sein des Gottgleichen jedoch ist noch nicht der Tiefpunkt seiner Erniedrigung. <strong>Er erniedrigte sich selbst, sich gehorsam erzeigend bis zum Tod, ja zum Tod am Kreuz, <\/strong>hei\u00dft es. Er h\u00e4tte anders k\u00f6nnen \u0096 der Sohn Gottes. Er war zu nichts gezwungen. Es war seine freie Tat. Er selbst wollte es so. Und Er wollte das nicht, weil Er daf\u00fcr am Ende eine umso herrlichere himmlische Belohnung in Aussicht hatte, die g\u00f6ttliche W\u00fcrde als Lohn aller M\u00fche. Nein, gerade weil Er von Anfang bis Ende diese g\u00f6ttliche W\u00fcrde <strong>hat, <\/strong>vermag Er diesen Weg nach unten zu gehen.<\/p>\n<p>Wenn Er sich aber <em>gehorsam <\/em> erzeigte bis zum Tod \u0096 wie hier steht -, dann muss man auch sagen: Es war der Wille Gottes, der ihn in diesen Tod f\u00fchrte. Aus Gottes ewigem Rat ist es geschehen. Das ist befremdlich und anst\u00f6\u00dfig. Es ist immer wieder unbegreiflich und unertr\u00e4glich. Wie sollen wir uns das vorstellen? <em>Warum <\/em> Jesus sterben musste, damit wir leben k\u00f6nnen und unsere Welt eine Hoffnung hat, und warum Gott <em>diesen <\/em> Weg zu unserem Heil wollte, l\u00e4sst sich unmittelbar einleuchtend nicht erkl\u00e4ren; das kann auch theologische Logik nicht einfach fassen und ausdr\u00fccken. Weichen wir dem nur nicht aus: dass der Glaube von einer \u00e4rgerlichen Unerkl\u00e4rlichkeit ausgeht, die darin besteht, dass Gott selber Erniedri\u00adgung und Gehorsam, Leiden und Tod Jesu Christi wollte und wir nicht sagen k\u00f6nnen, <em>warum <\/em> Er zu unserem Heil diesen Weg gehen musste.<\/p>\n<p>Jedoch ist nunmehr die tiefste Stufe der Erniedrigung nicht blo\u00df im Tod zu sehen, sondern im schmachvollen <em>Kreuzes <\/em>tod. Der Kreuzestod ist Sklaventod, Inbegriff sch\u00e4ndlicher Erniedrigung und schlimmste Todesart in r\u00f6mischer Zeit. Man kann \u00fcber den amerikanischen Film \u0084Die Passion Christi\u0093 sehr unterschiedlicher Meinung sein und man kann dazu viel Kritisches sagen. Aber die ihn in seiner \u00fcberzogenen Realistik gesehen haben, wissen jetzt wenigstens, dass eine Verwendung des Kreuzes als Schmuckst\u00fcck, Orden oder Rangabzeichen die Wirklichkeit des Todes Jesu mehr verzeichnen kann als dieser Film. \u0084Ich kann mein Schmuckkreuz nicht mehr tragen\u0093, sagte eine Jugendliche, nachdem sie den Film gesehen hatte, \u0084das Kreuz ist doch Folter\u0093. In der Tat, das Kreuz ist Galgen und Folterwerkzeug, nicht Kennzeichen st\u00e4ndischer Macht und W\u00fcrde. Und der Tod Jesu am Kreuz ist der einsame und unmenschliche, der qualvolle Verbrechertod eines Unschuldigen.<\/p>\n<p>Der Hymnus gibt zu verstehen: <em>Darum <\/em> ging es, als der Gottgleiche die Herrlichkeit des Himmels verlie\u00df. Das ist Ziel und Ende seines Weges: die Schande und Entehrung durch das Kreuz. Hier ist der \u00e4u\u00dferste Kontrast zur g\u00f6ttlichen Macht.<br \/>\nDie Erniedrigung zum Tod am Kreuz ist jedoch zugleich <em>Mittelpunkt <\/em> des Christushym\u00adnus. An dieser Stelle liegt das Gewicht. Und Paulus steht mit seiner Exi\u00adstenz daf\u00fcr ein, dass das Kreuz auch Mittelpunkt seiner Gemeinden und der einzelnen Christen bleibt. Eine solche Existenzbestimmung durch das Kreuz ist \u0096 wie das Leben des Paulus zeigt &#8211; eher ein Abstieg als ein Weg nach oben, eher nach unten als in die H\u00f6he. Darum warnt der Apostel seine Gemeinden vor Ehrgeiz und Prahlerei, vor Selbstdarstellung und \u00dcberheblichkeit. Er mahnt sie, sich nicht aus dem Schatten des Kreuzes zu stehlen.<\/p>\n<p>Wir wissen von Paulus, dass er selbst die Versuchung eines dem Kreuz entgegenstehenden sog. \u0084christlichen\u0093 Hochmuts kennt, eines Hochmuts, der gerade denjenigen zu verf\u00fchren droht, der sich tiefer theologischer Erkenntnis und reicher geistlicher Erfahrungen erfreut. Paulus ist an diesem Widerstreit von Kreuzesexistenz und geistlichem Stolz krank geworden. Das hat ihn schwer belastet. Und er hat selbst wie\u00adder und wieder Gott gebeten, diese Krankheit von ihm zu nehmen. Aber die Bitte ist ihm nicht erf\u00fcllt worden. Er hat sich statt\u00addessen sagen lassen m\u00fcssen: \u0084Lass Dir an meiner Gnade gen\u00fcgen, denn meine Kraft ist in den Schwachen m\u00e4chtig\u0093 (2. Korinther 12, 9). Darum kann der kranke Apostel \u0096 eben in Folge einer durch das Kreuz bestimmten Existenz \u0096 barmherzig mit seinen N\u00e4ch\u00adsten umgehen; und er kann es als Gefangener ohne Verbitterung ertragen, dass christliche Br\u00fcder hinterh\u00e4ltig und aus Recht\u00adhaberei und Selbstbehauptung mit ihm konkurrieren und ihn, den Gefangenen in Rom, dem\u00fctigen wollen (Phil. 1, 15ff).<\/p>\n<p><strong> IV <\/strong><\/p>\n<p>Wir haben gesehen: Im Gedankengang von Philipper 2 entspricht der h\u00f6ch\u00adsten H\u00f6he des Gottgleichseins die Tiefe der Erniedrigung. Der tiefsten Tiefe des Kreuzes jedoch ent\u00adspricht nun wiederum die h\u00f6chste H\u00f6he: <strong>Darum auch hat Gott ihn zur h\u00f6chsten H\u00f6he erhoben und ihm geschenkt den Namen \u00fcber alle Namen. <\/strong><\/p>\n<p>Es bis heute etwas Unerh\u00f6rtes, das hier zur Sprache gebracht wird: Gott hat Jesus \u0096 den Liquidierten und Ausgemerzten, den Beseitigten und Entsorgten \u0096 erh\u00f6ht und damit \u00fcber <em>alles <\/em> gesetzt, weil nichts h\u00f6her gedacht werden kann als eine solche Erh\u00f6hung. Sofort ist zu sagen: Diese Erh\u00f6hung meint kein hierarchisches Machtgef\u00e4lle von oben nach unten. Sie ist kein Imperialismus. Ist es der Gekreu\u00adzigte, der erh\u00f6ht wird, dann tr\u00e4gt der Erh\u00f6hte die N\u00e4gelmale des Kreuzes; und dann werden in seiner Erh\u00f6hung Angst und Schmerz des Gefolterten genommen. Gott kommt dem aus der menschlichen Gemeinschaft Entfernten und Verlassenen nahe. Der gewaltsam Umgebrachte erh\u00e4lt ein neues Leben. Das gebrochene R\u00fcckgrat wird wiederaufgerichtet und die verletzte Ehre wiederhergestellt. Mit der Erh\u00f6hung Christi sind Hoffnung und Verhei\u00dfung neu in Kraft gesetzt. Auch wir sollen wissen: Eine Existenz im Schatten des Kreuzes ist nicht das letzte Wort. Erniedrigte werden aufgerichtet und Niedergeschlagene atmen auf.<\/p>\n<p>Wenn wir das sagen, gehen wir nicht leichtfertig \u00fcber eine leidgepr\u00fcfte Welt hinweg. Im Gegenteil: im Blick auf die Erh\u00f6hung des Gekreuzigten halten wir diese Welt \u0084in ihren tausend Plagen und gro\u00dfen Jammerlast\u0093 <a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">(*) <\/a> aus und stellen uns ihr. Immer wieder werden wir unser Leben erleiden und versuchen, dagegen anzugehen \u0096 bis zum Scheitern. Aber der Blick auf den Ge\u00adscheiterten und Erh\u00f6hten, auf den Gekreuzigten und Emporgehobenen sieht: Gott rechnet anders und die \u00c4hnlichkeit zur Erniedrigung Christi l\u00e4sst schon jetzt aufsehen und aufstehen.<\/p>\n<p>Denn dieser Erniedrigte steht mit Gott auf einer Stufe. Dass er nichts geringeres bekommt als das, was allein Gott zusteht, besagt der Ausdruck des Hymnus, Gott habe ihm geschenkt den Na\u00admen \u00fcber alle Namen. Der Ausdruck \u0084der Name \u00fcber alle Namen\u0093 ist Umschreibung des hochheiligen Gottesnamens Israels, der hochheiligen hebr\u00e4ischen Buchstaben, die auch in dieser Kirche gleich zweimal zu finden sind \u0096 auf dem Altar in der H\u00f6he und \u00fcber der Kanzel. Diesen Namen bekommt nach Philipper 2 der gekreuzigte und erh\u00f6hte Christus. Und so wird deutlich: Christus geh\u00f6rt ganz auf die Seite Gottes; und als der Menschgewordene geh\u00f6rt Er ganz auf die Seite der Menschen, so dass wir sagen k\u00f6nnen, was der Schluss\u00adchoral des Weihnachtsoratoriums singt: \u0084Nun seid ihr wohl gerochen \/ an eurer Feinde Schar. \/ Denn Christus hat zerbrochen, \/ was euch zuwider war. \/ Tod, Teufel, S\u00fcnd&#8216;, und H\u00f6lle \/ sind ganz und gar geschw\u00e4cht, \/ bei Gott hat seine Stelle das menschliche Geschlecht\u0093.<\/p>\n<p><strong> V <\/strong><\/p>\n<p>Wir fragen zum Schluss: Wozu geschieht dies alles? Die \u0084Warum-Frage\u0093 k\u00f6nnen wir nicht beantworten, aber auf die \u0084Wozu-Frage\u0093 l\u00e4sst sich Antwort geben. Welche Absicht, welches Ziel steckt hinter allem? Worauf hinaus dies alles?<\/p>\n<p>Nach dem Christushymnus ist alles geschehen, <strong>\u0084damit unter Anrufung des Namens Jesu jedes Knie sich beuge der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen und jede Zunge lobpreisend bekenne \u0082Herr ist Jesus Christus!&#8216; \u0096 zur Ehre Gottes des Vaters\u0093. <\/strong><\/p>\n<p>Zum Ende hin blickt der Hymnus aus auf ein Geschehen das einmal kommt. Der Tag wird kommen, an dem alle \u0096 die Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen, d.h. die Engel und die Lebenden und die Toten &#8211; die Herrschaft Jesu Christi anerkennen. Der Tag wird kommen, an dem Menschen nicht mehr vor ihren Beherrschern in die Knie gehen, sondern sie werden sich beugen allein vor dem, der sie befreit hat. Dieser erh\u00f6hte Christus wird dann selbst seine Fein\u00adde dadurch \u00fcberwinden, dass er sie (in Liebe) gewinnt.<\/p>\n<p>Aber das ist nun nicht nur eine Vision f\u00fcr die letzte Zukunft, schon jetzt sind dem Gekreuzigten in seiner Erh\u00f6hung alle Bereiche des Kosmos \u00fcbergeben worden. Jedes Menschenkind geh\u00f6rt ihm. Und au\u00dfer ihm gibt es keine anderen rechtm\u00e4\u00dfigen Herren mehr. Am Ende werden das <em>alle <\/em> sehen \u0096 sagt der Hymnus -, so dass <em>jede <\/em> Zunge bekennen muss: \u0084Herr ist Jesus Christus.\u0093 Aber es steht schon jetzt fest; es steht schon jetzt in Geltung.<\/p>\n<p>Ob wir noch etwas sp\u00fcren von der <em>Provokation <\/em>, die in diesem Bekenntnis enthalten ist? In den Ohren der kleinen H\u00e4uflein von Christen zur Zeit des Apostels musste es wie blanker Hohn erklingen, dass dem gekreuzigten Jesus mit der Benennung \u0084Herr \/ Kyrios\u0093 ein Titel beigelegt wurde, der die Umschreibung des Gottesnamens war, zugleich aber auch von orientalischen Herrschern und vom Caesar in Rom in Anspruch genom\u00admen wurde. Die \u00dcbertragung des Titels \u0084Herr \/ Kyrios\u0093 auf diesen Erniedrigten ist die rigorose Infragestellung aller unmenschlichen Herrschaftsanspr\u00fcche: all der Anspr\u00fcche, mit denen sich die sog. \u0084Herren der Welt\u0093 zu Beherrschern \u00fcber andere glauben aufschwingen zu k\u00f6nnen. Und hier liegt der Ansto\u00df bis heute:<\/p>\n<p>Die Botschaft, dass Jesus Christus der Herr ist, ist unerh\u00f6rt in einer Welt, in der man wie zu keiner Zeit zuvor vor dem Geld, vor wirtschaftlicher und politischer Macht und vor dem sichtbarem Erfolg in die Knie f\u00e4llt? <em>Diese <\/em> Knief\u00e4lle werden hier verworfen. Und es ist vor allen anderen die Kirche, der zugemutet wird, nicht in die Knie zu gehen vor den Gesetzen des Mammons, vor jenen \u0084Herren der Welt\u0093, die sich an die Stelle Gottes gesetzt haben und alle Lebensbereiche nur noch nach wirtschaftlichen und politischen Gesetzen formen wollen. Das letzte Wort, so ist der Christushymnus zu verstehen, haben <em>sie <\/em> nicht, denn die eigentliche Herrschaft hat schon jetzt der erh\u00f6hte Jesus. Dieser scheinbar Ohnm\u00e4chtige ist st\u00e4rker als alles. Und Gott wird daf\u00fcr sorgen, dass das Bekenntnis zu ihm nicht verstummt. Es wird viel\u00admehr allen Widerst\u00e4nden zum Trotz endlich zu einem gewaltigen Chor anschwellen, in den alle Kreatur einstimmt. <a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">(*) <\/a><\/p>\n<p>Wer diesem Ziel entgegensieht, der wird auf Erden in der Tat die Knie nicht beugen vor den Baalen und das eigene Kreuz nicht kr\u00fcmmen. Sondern er wird frei sein in seinem Denken und Tun. Er wird es wagen zu widersprechen und nicht zu kuschen. Er wird Zivilcourage zeigen und ein bisschen K\u00fchnheit im Alltag. Er wird freim\u00fctig und furchtlos sein. Und er wird seine Stra\u00dfe nicht mit gesenktem, sondern mit erhobenem Haupt ziehen.<\/p>\n<p>Denn trotz allem, was dagegenspricht, trotz allem, was uns so deprimiert und den Glauben ausreden will, wir d\u00fcrfen es schon jetzt sagen:<\/p>\n<p>Die Entscheidung ist gefallen.<br \/>\nDie Herrschaftsfrage ist entschieden.<br \/>\nUnd die Zukunft steht fest.<\/p>\n<p>Denn die in Christus offenbare Liebe Gottes wird einmal \u00fcber alle recht behalten. Und aller Welt Enden werden die Herrlichkeit Gottes sehen \u0096 zum Lobpreis des Gekreuzigten und zur Ehre Gottes des Vaters.<\/p>\n<p class=\"Stil1\">Generalsuperintendent Dr. Rolf Wischnath<br \/>\nSeminarstra\u00dfe 38, 03044 Cottbus<br \/>\n<a href=\"mailto:generalsuperintendent.cottbus@t-online.de\">generalsuperintendent.cottbus@t-online.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Verwendete Literatur: <\/strong><\/p>\n<p>Johannes Calvin, Auslegung der kleinen Paulinischen Briefe. \u00dcbersetzt und bearbeitet von Otto Weber. Siebzehnter Band der Gesamtausgabe von Calvins Auslegung der Heiligen Schrift. Neue Reihe. Neukirchen-Vluyn 1963.<\/p>\n<p>Otfried Hofius, Der Christushymnus Philipper 2, 6-11. Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament 17. 2., erweiterte Auflage. T\u00fcbingen 1991.<\/p>\n<p>Walter Kreck, Die Hoheit des Erniedrigten \/ Predigt in der Friedenskirche Bonn, Palmsonntag 1971. In: Walter Kreck, &#8230; dass ich ein Feuer anz\u00fcnde auf Erden \u0096 Predigten, Neukirchen 1975, S. 80 \u009687<\/p>\n<p><strong>Anmerkungen:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">* <\/a> Die Predigt ist die Abschiedspredigt des Verfassers, der aus Krankheitsgr\u00fcnden aus seinem Amt ausscheidet.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">* <\/a> \u00dcbersetzung von Otfried Hofius \u0096 in: Otfried Hofius, Der Christushymnus Philipper 2, 6-11, 2. A. T\u00fcbingen 1991, S. 136<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">* <\/a> \u0084Ich gebe freilich zu, dass Paulus das g\u00f6ttliche Wesen Christi nicht erw\u00e4hnt; daraus folgt jedoch nicht, dass diese Stelle nicht gen\u00fcge, um die Gottlosigkeit der Arianer abzutun, die (sich) Christus als einen geschaffenen Gott erdichteten, geringer als der Vater; seine Wesensgleichheit (mit dem Vater) bestritten sie. Denn wo gibt es Gleichheit mit Gott ohne Raub, au\u00dfer allein im Wesen Gottes? Er bleibt immer derselbe Gott, der durch Jesaja ausruft: \u0082Ich lebe, ich werde meine Herrlichkeit keinem anderen geben&#8216; (Jesaja 48, 11).\u0093 Johannes Calvin, Auslegung der kleinen Paulinischen Briefe. \u00dcbersetzt und bearbeitet von Otto Weber. Siebzehnter Band der Gesamtausgabe von Calvins Auslegung der Heiligen Schrift. Neue Reihe. Neukirchen-Vluyn 1963, S. 234<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">* <\/a> \u0084Denn wenn das wahr ist, dass in diesem Jesus Gott selber zu uns kommt und sich so tief erniedrigt, dann hat niemand mehr Grund zu verzweifeln. Dann ist Gott nicht wider uns, sondern f\u00fcr uns. Indem er den dunkelsten Ort dieser Welt aufgesucht hat und an unsre Stelle trat, hat er uns alle aufgefangen in unsrer Verlorenheit. Dann kann uns nichts mehr scheiden von der Liebe Gottes, keine Krankheit, kein Scheitern in dieser Welt, keine noch so schwere Schuld, kein Tod. Weil das Wort vom Kreuz eine befreiende Botschaft ist, k\u00f6nnen wir wirklich aufatmen, denn es ist Grund, \u0082dass jeder nun der Furcht entsage, \u0082sich freue, weil Gott Freude gibt&#8216;.\u0093 (Walter Kreck, Predigt \u00fcber Philipper 2, 5-11. In: Walter Kreck, &#8230;. dass ich ein Feuer anz\u00fcnde auf Erden. Predigten. Neukirchen 1975, S. 82f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">* <\/a> Paul Gerhardt, Wie soll ich dich empfangen , Strophe 5.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">* <\/a> W. Kreck, a.a.O., S. 84<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gehalten am 4. April 2004 [Palmarum] in der Oberkirche St. Nikolai zu Cottbus (*) Der Name \u00fcber alle Namen I Jesus Christus, der in Gottesgestalt war, hielt nicht fest wie einen Raub das Gottgleichsein, II sondern Er machte sich selbst arm, Knechtsgestalt annehmend. Den Menschen gleich werdend und der Erscheinung nach erfunden als ein Mensch [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":6253,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[46,1,727,114,557,349,3,699,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-9853","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-philipper","category-aktuelle","category-archiv","category-deut","category-kapitel-02-chapter-02-philipper","category-kasus","category-nt","category-palmsonntag","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9853","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9853"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9853\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13819,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9853\/revisions\/13819"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6253"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9853"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9853"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9853"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=9853"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=9853"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=9853"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=9853"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}