{"id":9859,"date":"2021-02-07T19:49:35","date_gmt":"2021-02-07T19:49:35","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9859"},"modified":"2022-10-10T08:42:24","modified_gmt":"2022-10-10T06:42:24","slug":"johannes-13-1-15","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-13-1-15\/","title":{"rendered":"Johannes 13, 1-15"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>Worin besteht eigentlich das Erbauliche an dieser Geschichte? Ja vor allem darin, da\u00df wir davon h\u00f6ren, da\u00df Jesus die F\u00fc\u00dfe aller J\u00fcnger w\u00e4scht, auch die von Judas. Jesus wei\u00df, da\u00df Judas ihn verraten wird, aber dennoch w\u00e4scht er dem Verr\u00e4ter die F\u00fc\u00dfe, und damit segnet er durch seine Tat alle, ganz unabh\u00e4ngig von ihren menschlichen Qualit\u00e4ten bzw. ihrem Mangel an menschlichen Qualit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Die Fu\u00dfwaschung enth\u00e4lt also ganz wie das Abendmahl eine soziale Komponente. Der Herr segnet die, die er will, und nicht nur die, die wir gerne als Nachbarn haben m\u00f6chten.<\/p>\n<p>Verstehen wir aber auch die Reichweite dieser Vergebung? W\u00e4re es nicht denkbar, da\u00df die Tat des Herrn und Meisters nicht nur eine soziale Dimension der Gleichheit enth\u00e4lt, sondern da\u00df <em>ich<\/em> es bin, der ganz unerwartet gutgehei\u00dfen wird. K\u00f6nnte das fehlende Verst\u00e4ndnis bei Petrus damit zusammenh\u00e4ngen, da\u00df wir gar nicht bereit sind, uns als Personen zu verstehen, die der Vergebung und der Liebe der anderen bed\u00fcrfen? Ist Jesus &#8211; trotz seiner g\u00f6ttlichen Gaben und seiner leuchtenden Pers\u00f6nlichkeit &#8211; nicht gerade ein Gegenstand, den Petrus auf einen Sockel stellt, um ihm zu huldigen? H\u00e4lt Petrus nicht gerade Jesus auf Distanz, indem er <em>sein<\/em> Bild von dem schafft, wer Jesus ist?<\/p>\n<p>Jesus \u00e4ndert radikal das Machtverh\u00e4ltnis zwischen Gott und Mensch. Nicht einmal darin konnte Petrus etwas anderes sehen als das, was er sehen wollte, oder gerade darin nicht! Petrus macht sich mit anderen Worten Bilder von dem, was und wer Gott ist, und das sind nicht Bilder, die dem Verstehen dienen &#8211; sie stehen ihm im Wege, und so schlie\u00dft er in Wirklichkeit Jesus aus seinem Leben aus, er macht ihn unsch\u00e4dlich.<\/p>\n<p>Das finden wir nicht nur im Neuen Testament. Wir erleben das jeden Tag in unserem Leben, das wir miteinander leben. Wir machen uns Bilder von einander, die unseren Bed\u00fcrfnissen entspre\u00adchen. Auch wenn wir signalisieren, da\u00df wir gerne die Hilfe des anderen entgegennehmen m\u00f6chten, mu\u00df es zu unseren Bedingungen geschehen. Andere Menschen m\u00fcssen sich damit abfinden, Motiven und Gesichtspunkten ausgesetzt zu sein, denen gegen\u00fcber sie eigentlich wehrlos sind. Andere Menschen haben in dem Umfange an unserem Leben teil, den wir erlauben.<\/p>\n<p>Das geschieht alles, damit wir Ordnung und Sicherheit in eine Welt bringen, die uns sonst chaotisch und unsicher erscheint. Da ist kein Platz f\u00fcr unidentifizierte Objekte &#8211; d.h. andere Menschen &#8211; die um uns herumschwirren, denn sie stellen einen Unischerheitsfaktor dar. Nur indem wir unsere Umwelt beherrschen uns sie uns unterwerfen, k\u00f6nnen wir das Gef\u00fchl haben, mit den Dingen auf einer H\u00f6he zu sein. Der Preis f\u00fcr diesen Willen zur Ordnung ist, da\u00df wir ganz einsam werden, weil unsere Umwelt &#8211; hierunter andere Menschen &#8211; Gegenstand unserer Welt werden. Indem wir versuchen, unsere Umwelt zu \u00fcberschauen, werden wir gleich\u00adg\u00fcltig gegen\u00fcber anderen Menschen und deren Sicht auf die Welt. In der Sorge um den eigenen \u00dcberblick \u00fcber das Leben machen wir uns immun gegen andere Menschen. Wie Petrus, der nicht f\u00e4hig ist, sich durch die Liebestat Jesu \u00fcberrumpeln, erbauen und verwandeln zu lassen.<\/p>\n<p>Man kann es auch so sagen: Wir verdammen den Segen, sich von anderen erbauen zu lassen. Diese Seite der Verk\u00fcndigung Jesu schieben wir gerne beiseite. Wie Masochisten m\u00f6gen wir es lieber, mit Geboten und Forderungen nach N\u00e4chstenliebe kon\u00adfrontiert zu werden. Nicht weil wir das besonders gut befolgen k\u00f6nnten, sondern weil dies unserer Neigung entgegenkommt, uns unsere Umwelt und andere Menschen untertan zu machen. Das ist etwas f\u00fcr uns.<\/p>\n<p>Aber die Verk\u00fcndigung Jesu ist aufdringlich, weil sie buchst\u00e4blich, so wie der heutige Text, uns so nahe kommt, da\u00df wir sie nicht auf Abstand halten und uns ein Bild von ihr machen k\u00f6nnen. Die Botschaft Jesu, da\u00df auf seine Macht verzichtet, um zu dienen, das interessiert uns nicht &#8211; so wenig wie die Sicht anderer Menschen auf unser Leben. Das pa\u00dft nicht zu dem Bild, das wir uns aus unergr\u00fcndlichen Ursachen gemacht haben.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Es geht um S\u00fcnde, da\u00df man nur mit sich selber besch\u00e4ftigt ist und um sich besorgt ist. Wir glauben, da\u00df eine Welt zusammenbricht, wenn die Dinge sich nicht nach uns richten. Wir sehen die ganze Welt als unsere Verantwortung und k\u00f6nnen unseren Mitmenschen nicht sehen oder wahrnehmen. Und damit zeigen wir unfreiwillig, da\u00df wir nicht in der Lage sind, andere Menschen, ihre Meinungen und Einstellungen zu achten und zu w\u00fcrdigen. Sie m\u00fcssen unserem Bild von der Welt weichen.<\/p>\n<p>Aber das ist verh\u00e4ngnisvoll, das ist grundfalsch. Wir glauben, die Welt erobern, sich ihr bem\u00e4chtigen zu m\u00fcssen, damit sie wirklich werden kann. Aber wir k\u00f6nnen und sollen nichts erobern. Morgen sind wir nicht mehr da, und alles, was wir haben, ist das, was uns geschenkt wird. Unser Ungehorsam, das B\u00f6se liegt darin, da\u00df wir uns das nicht selbst sagen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aber vielleicht k\u00f6nnen wir uns \u00fcberrumpeln lassen, da\u00df wir andere nicht heraushalten, sondern einander sehen, wie wir sind. Da\u00df wir den Segen nicht verfluchen, sondern annehmen. Amen<\/p>\n<p class=\"Stil1\">Pfarrer Lars Kj\u00e6r Bruun<br \/>\nSophus Bauditz Vej 38<br \/>\nDK-2920 Charlottenlund<br \/>\nTel.: ++ 45 &#8211; 39 64 43 44<br \/>\n<a href=\"mailto:lkb@km.dk\">E-mail: lkb@km.dk<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Worin besteht eigentlich das Erbauliche an dieser Geschichte? Ja vor allem darin, da\u00df wir davon h\u00f6ren, da\u00df Jesus die F\u00fc\u00dfe aller J\u00fcnger w\u00e4scht, auch die von Judas. 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