{"id":9874,"date":"2021-02-07T19:49:34","date_gmt":"2021-02-07T19:49:34","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9874"},"modified":"2022-10-17T11:18:50","modified_gmt":"2022-10-17T09:18:50","slug":"markus-1542-168","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-1542-168\/","title":{"rendered":"Markus 15,42-16,8"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>Die Frauen besuchen das Grab fr\u00fch am Morgen. Sie besuchen das Reich der Toten, denn Erinnerungen darf man ja noch haben. Er ist ja tot. Nicht da\u00df da besonders viel Leben ist auf dem Friedhof. Das wissen sie, das wissen wir. Aber das Grab kann doch Gegen\u00adstand ihrer Verzweiflung sein. Symbol daf\u00fcr, da\u00df alles vorbei ist, da\u00df da nichts mehr zu holen ist.<\/p>\n<p>Aber das Grab ist leer. Die Frauen erschrecken. Und auch wenn der Engel verk\u00fcndet, da\u00df Jesus von den Toten auferstanden ist, kehren sie freudig, aber erschrocken zu den J\u00fcngern zur\u00fcck. Denn was nun? Der Gegenstand ihrer Verzweiflung und Trauer ist ihnen genommen worden. Ein leeres Grab, ein Loch kann man nicht anbeten. Die Leere weckt Unruhe, denn sie ersetzt eine Gegenwart, die zwar eine Gegenwart der Trauer war, aber dies, die Gegenwart des Kreuzes, der Trauer, war doch eine unverr\u00fcckbare Tatsache. Was aber nun mit der Abwesenheit und dem leeren Grab? Was mit all dem Wissen von Kreuz und Tod, das wir haben? Denn Verlust, Trauer und Hoffnungslosigkeit k\u00f6nnen sich stabilisieren. Da ist eine merkw\u00fcrdige Ruhe \u00fcber dem Zustand, die sich einstellt, wenn erst einmal die Tr\u00e4ume verflogen sind. Nun aber ist der Gegenstand der Hoffnungslosigkeit weg. Da ist Unruhe und Verwirrung &#8211; da geschieht Auferstehung. Die Hoffnungslosigkeit weicht allm\u00e4hlich der Furcht, die Furcht weicht der Hoffnung. Da ist Zeichen f\u00fcr Leben. Und in die Furcht mischt sich Freude.<\/p>\n<p>Das leere Grab bedeutet, da\u00df in seinem Tod dennoch ein Sinn zu finden war. Ja, der Sinn war sein Tod. Es ist nicht vorbei. Es beginnt erst. Das leere Grab weist zur\u00fcck auf das Kreuz. Es entfernt nicht das Kreuz und all das, wof\u00fcr es steht. Aber das Kreuz wird neu gedeutet. Der Sinn war also, da\u00df Jesus &#8211; der im Lichte des leeren Grabes Gott ist &#8211; uns zeigen sollte, wie bedingungslos und vergebend die Liebe ist. Da\u00df diese Liebe der Sinn unseres Lebens ist. Es ist also nicht so, da\u00df die Gewi\u00dfheit vom Kreuz, d.h. ihre Gewi\u00dfheit, da\u00df sich in seinem Leben und Sterben eine selbstlose Liebe verbarg, von einer anderen Gewi\u00dfheit abgel\u00f6st w\u00fcrde. Vielmehr erh\u00e4lt das Kreuz eine neue Bedeutung im Lichte des leeren Grabes. Das ist Grund zur Freude und zur Beunruhigung. Die Abwesenheit, n\u00e4mlich das leere Grab, weckt Auferstehung.<\/p>\n<p>Deshalb war es genial, ein leeres Grab zu hinterlassen. Wir kommen gar nicht dazu, ihn von unseren eigenen Voraussetzungen her zu verehren. Das Bilderverbot des Alten Testaments, da\u00df niemand sich ein Bild von Gott machen darf und keiner lebendigen Leibes Gott von Angesicht zu Angesicht sehen darf, das Verbot setzt Gott selbst au\u00dfer Kraft und zeigt uns ein Bild, wer er ist: Der leidende Diener &#8211; der Gott im Zeichen des Kreuzes. Der Gott der Hingabe. Das ist der einzige Gott, den es gibt. Und deshalb das leere Grab. &#8222;Anbetung untersagt&#8220;, h\u00e4tte man passend auf ein Schild am Grabe schreiben k\u00f6nnen. Das leere Grab bedeutet n\u00e4mlich, da\u00df wir Gott im Leben miteinander finden. Und damit ist unser gemeinsames Leben trotz Kreuz und Tod gesegnet. Wir sollen am Ostermorgen kein anderes Leben leben, sondern dasselbe Leben, das wir schon immer gelebt haben. Das leere Grab bedeutet: Geht, geht hin und lebt das Leben miteinander. Ihr braucht euch nicht mehr Bilder von mir zu machen.<\/p>\n<p>Die Frage ist, ob wir \u00fcberhaupt das leere Grab m\u00f6gen. Das ist ja eine h\u00f6chst gef\u00e4hrliche Sache. Das gibt \u00fcberhaupt keine Sicher\u00adheit. Aber wozu brauchen wir eigentlich Sicherheit, Ganzheit, \u00dcberblick? Das leere Grab handelt dagegen davon, da\u00df man heraus\u00adgerufen wird, da\u00df man auf Sicherheit, Ganzheit und \u00dcberblick verzichtet. Sehen wir das Evangelium so, als f\u00e4nden wir dort Sicherheit, dann h\u00e4tten wir Christus zum Gott des Todes gemacht, denn Sicherheit ist Tod &#8211; buchst\u00e4blich, denn das wissen wir sicher, da\u00df wir sterben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Nun aber h\u00f6ren wir: Er ist auferstanden. Er ist nicht hier. Das beunruhigt, das schafft Auferstehung. Wo ist er dann? Er ist im Wort, in den Erz\u00e4hlungen von ihm, und wenn wir diese Erz\u00e4h\u00adlung h\u00f6ren, ist er auch mitten unter uns, in unserem Leben miteinan\u00adder. Und da, wo er ist, da ist Leben und Seligkeit. Nicht weil da Gl\u00fcck ist und Gem\u00fctlichkeit, sondern weil da Hoffnung ist und Vergebung. Denn das ist dennoch etwas an dem Leben, das das unsrige ist. Ja es geht um das Leben, das unseres ist. Seit Ostern bedeutet Gott deshalb, da\u00df wir eine Verantwortung haben. Diese Verantwortung k\u00f6nnen und sollen wir auf uns nehmen, ja sie ist ein Segen, denn wir brauchen uns nicht mehr zu sorgen, ob wir liebenswert, w\u00fcrdig und richtig sind.<\/p>\n<p>Das bewirkte die Auferstehung bei den Frauen, da\u00df alles anders wurde und neu. Wagen wir es, das beunruhigende Leben im Zeichen der Liebe? Wo nichts sicher ist, aber alles neu! Frohe Ostern.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><strong> Pfarrer Lars Kj\u00e6r Bruun<br \/>\nSophus Bauditz Vej 38<br \/>\nDK-2920 Charlottenlund<br \/>\nTel.: ++ 45 &#8211; 39 64 43 44<br \/>\nE-mail: <a href=\"mailto:lkb@km.dk\">lkb@km.dk<\/a> <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Frauen besuchen das Grab fr\u00fch am Morgen. Sie besuchen das Reich der Toten, denn Erinnerungen darf man ja noch haben. Er ist ja tot. Nicht da\u00df da besonders viel Leben ist auf dem Friedhof. Das wissen sie, das wissen wir. Aber das Grab kann doch Gegen\u00adstand ihrer Verzweiflung sein. Symbol daf\u00fcr, da\u00df alles vorbei [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8543,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[37,1,727,185,114,320,713,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-9874","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-markus","category-aktuelle","category-archiv","category-aus-dem-daenischen","category-deut","category-kapitel-15-chapter-15-markus","category-kapitel-16-chapter-16-markus","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9874","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9874"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9874\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14205,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9874\/revisions\/14205"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9874"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9874"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9874"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=9874"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=9874"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=9874"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=9874"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}