{"id":9876,"date":"2021-02-07T19:49:36","date_gmt":"2021-02-07T19:49:36","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9876"},"modified":"2022-10-06T10:48:10","modified_gmt":"2022-10-06T08:48:10","slug":"1-korinther-15-1-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-15-1-11\/","title":{"rendered":"1. Korinther 15, 1-11"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>Ein Sprichwort sagt: Wenn eine L\u00fcge hundertmal wiederholt wird, wird sie zur Wahrheit. Es spricht eine alte, sich immer wieder best\u00e4tigende Erfahrung aus.<\/p>\n<p>Leider \u2013 sehr oft \u2013 erleben wir, dass es nicht darum geht, was der Mensch im Kopf hat, sondern wie sein Kopf aussieht. Es spielt keine Rolle, was ein Mensch sagt. Es geht allein darum, dass er sich als von seiner Wahrheit hundertprozentig \u00fcberzeugt darstellt.<\/p>\n<p>Doch ist dies eine tats\u00e4chlich unab\u00e4nderliche Regel? Ein Gesetz, das schon immer und auf Dauer gilt? Wahrheit und Gerechtigkeit jedenfalls werden so relativiert. Ihre G\u00fcltigkeit wird abh\u00e4ngig von jener Welt.<\/p>\n<p>Es st\u00f6rt uns kaum mehr, wenn es Menschen an der F\u00e4higkeit zu kritischer Selbstreflexion mangelt und sie \u00fcber ein ungesundes Selbstbewusstsein verf\u00fcgen. Solche Leute vertreten um uns herum die Positionen, um die sich die T\u00fcchtigeren gar nicht erst zu bewerben versuchen. So entscheiden diejenigen \u00fcber wichtige Dinge, die sich zu produzieren und zu pr\u00e4sentieren wissen. Dienst, Geduld oder Ausdauer sind ihnen fremd.<\/p>\n<p>Wir werden und sind Zeugen von Zusammenh\u00e4ngen, die beweisen, dass moralische Defizite, Charakterschw\u00e4che, einseitige und beschr\u00e4nkte Wahrnehmung der Probleme sich anma\u00dfen, an die Stelle der M\u00fche von vielen ehrlichen, opferbereiten, flei\u00dfigen Menschen zu treten.<\/p>\n<p>Die Geschichte zeigt uns, dass so etwas oft geschehen ist. Doch soll es darum als selbstverst\u00e4ndlich gelten?<\/p>\n<p>Ist es recht, wenn wir uns damit abfinden, dass Christus, der weise Lehrer, der empathische Heiler, der opferbereite Freund und Bruder, gestorben ist? \u2013 Lassen wir zu, dass das Evangelium so endet?<\/p>\n<p>Ich hoffe: nein. Ich hoffe, dass wir einem von den Aposteln erlauben, uns daran zu erinnern, dass Jesus auferstanden ist. Er lebt. Er lebt wahrhaftig.<\/p>\n<p>Sein Sieg ist die Quelle unserer Erwartung an die neue Welt Gottes, die Welt anderer Regeln und anderer Ma\u00dfst\u00e4be.<\/p>\n<p>LESUNG des Predigttextes: 1. Korinther 15, 1-11.<\/p>\n<p>Es gibt Dinge, die wir best\u00e4ndig tun m\u00fcssen. Zum Arztsein reicht es nicht, das Studium an der medizinischen Fakult\u00e4t abgeschlossen zu haben. Ein Arzt muss sich weiterbilden, sich mit der Problematik besch\u00e4ftigen, in der er sich bereits auskennt. Sonst verlieren sein Diplom und der akademische Titel an Bedeutung.<\/p>\n<p>Was tun wir immer fort, Br\u00fcder und Schwestern? Was d\u00fcrfen oder wollen wir nicht vergessen? Meistens stehen der Beruf im Mittelpunkt unserer Interessen, die Kinder und die Familie. Wir sorgen daf\u00fcr, dass wir Arbeit haben. Wir setzen viel Zeit ein f\u00fcr die Karriere, damit wir uns entfalten k\u00f6nnen. Ebenso liegen uns unsere Kinder am Herzen: Sie sollen sich vielseitig entwickeln, damit ihre Gaben ausgebildet werden und nicht brach liegen. Wir k\u00fcmmern uns um die \u00e4lter werdenden Eltern.<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt unserer Interessen stehen vor allem Aufgaben, Pflichten, Aktivit\u00e4ten. Und manchmal folgt daraus nicht der gew\u00fcnschten Erfolg, sondern nur \u00dcberlastung, Ersch\u00f6pfung, M\u00fcdigkeit und Nervosit\u00e4t. Deshalb ist es so wichtig, dass uns Paulus erinnert, erinnern will an das Evangelium.<\/p>\n<p>Wir sind immer \u201eauf Empfang\u201c: Wir h\u00f6ren zu, wir lesen, wir sehen Nachrichten im Fernsehen; wir schreiben und bekommen E-Mails, unsere Mobiltelefone sind st\u00e4ndig eingeschaltet. Nur wenige der empfangenen Nachrichten sind positiv. Eher machen sie uns m\u00fcde, als dass sie uns Freude bringen. Selbstverst\u00e4ndlich sieht man uns das, was uns n\u00e4hrt, an.<\/p>\n<p>Es ist paradox: Die Informationsquellen der Menschen, die uns befriedigen mit ihrem Gesetz des St\u00e4rkeren, der Erfolgreichen, sie lassen uns abstumpfen in der Menschlichkeit, im Gef\u00fchl. Wir erreichen den Punkt, dass wir die Probleme und Spannungen dieser Welt allein nicht tragen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Deshalb hat Gott uns sein Evangelium geschenkt. Er hat f\u00fcr uns \u201egute Nachrichten\u201c, sein Evangelium. Das Evangelium unterst\u00fctzt uns, es h\u00e4lt uns, es motiviert uns, damit wir in der Liebe bleiben, an den guten Bem\u00fchungen und am guten Willen festhalten. Das Evangelium warnt uns, dass nicht alles Gold ist, was gl\u00e4nzt.<\/p>\n<p>Das Evangelium l\u00e4sst darauf aufmerksam werden, dass das, was unsere Augen und Sinne mit Wohlgefallen ansehen, von Gottes Widersacher stammen kann. Er wei\u00df, was uns gef\u00e4llt, und macht seine Angebote attraktiv, damit wir auf sie eingehen.<\/p>\n<p>Vielleicht wehren wir uns gegen solche Gedanken. Wir leben doch nicht mehr im Mittelalter! Die Rede vom Kampf zwischen dem Guten und B\u00f6sen mag uns zu philosophisch erscheinen, fremd und unbegreiflich.<\/p>\n<p>Indes, es reicht, auf die Fr\u00fcchte zu sehen: Was hinterl\u00e4sst jemand, was s\u00e4t er?<\/p>\n<p>Das ist der Faktor, der entscheidet. Die Tatsache, dass wir an etwas arbeiten und dass wir aktiv sind, muss noch nicht bedeuten, dass unsere M\u00fche auch Sinn hat. Es ist m\u00f6glich, dass wir uns belasten, uns belasten lassen, uns unabl\u00e4ssig bem\u00fchen, und unsere M\u00fche ist doch vergeblich. Es ist tr\u00fcgerisch.<\/p>\n<p>Die gute Nachricht des Paulus hei\u00dft: <em>Ich erinnere euch, Br\u00fcder, an das Evangelium, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht, durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr es festhaltet in der Gestalt, in der ich es euch verk\u00fcndigt habe, es sei denn, dass ihr umsonst gl\u00e4ubig geworden w\u00e4rt. <\/em><\/p>\n<p>Ist seine Verk\u00fcndigung f\u00fcr uns eine Frage danach, wie wir, Br\u00fcder und Schwestern, es mit Gottes Evangelium halten, das wir von unseren Eltern, bei der Konfirmation, in der Kirche angenommen haben? Erinnern wir uns an es? Lassen wir zu, dass das Evangelium in uns wirkt? Oder lassen wir uns von den Sprichw\u00f6rtern \u00fcberzeugen, die die Erfahrung der Menschen ohne Gott schildern? \u2013 Auch die Sprichw\u00f6rter sind leider wahr.<\/p>\n<p>Gott kennt die Auswirkung, die vergebliche M\u00fche auf uns hat. Er wei\u00df, worunter wir leiden, wenn wir keine Anerkennung bekommen, wenn wir uns vergeblich bem\u00fchen. Er wei\u00df, wie schnell wir ausbrennen k\u00f6nnen \u2013 in den Beziehungen und in der Arbeit. Deshalb setzt er alles daran, dass wir annehmen, was wir f\u00fcr unsere Entfaltung und zum Wachsen brauchen.<\/p>\n<p>Das Evangelium ist das Evangelium von Jesus Christus. Es spricht nicht nur von seinen Aktivit\u00e4ten und Taten. Seine Passivit\u00e4t in der Passion entdeckt uns die schmerzhafte Tiefe von Feigheit, Ablehnung, Verzweiflung der Menschen, die zu erl\u00f6sen er gekommen ist.<\/p>\n<p>Das Evangelium endet nicht mit dem Tod. Die hundertmal wiederholte L\u00fcge ist f\u00fcr Gott keine Wahrheit. Christus ist von den Toten auferstanden. Gott l\u00e4sst sich nicht von seinem Gesch\u00f6pf bel\u00fcgen. Er l\u00e4sst sich nicht in den Hintergrund dr\u00e4ngen. Und das sollen alle erfahren.<\/p>\n<p>Christus hat diese Welt nicht verlassen, so dass wir uns das Ende seines Leben ausmalen, es idealisieren oder \u00fcber es nachgr\u00fcbeln m\u00fcssen. Er ist von den Toten auferstanden und hat sich offenbart. Er hat sich Petrus, Jakobus und Paulus und vielen anderen offenbart.<\/p>\n<p>In den drei genannten finden wir Prototypen der Menschen, die f\u00fcr den lieben Gott eine gro\u00dfe Bedeutung haben.<\/p>\n<p>Jesus hat sich <em>Petrus <\/em>offenbart, demselben Petrus, der Jesus dreimal verleugnet hat. Wir w\u00fcrden mit einem solche Menschen nie mehr etwas zu tun haben wollen, wenn er auch noch so wehklagen w\u00fcrde. Aber der von den Toten auferstandene Jesus fragt gerade nach ihm. Die Frauen, die vom leeren Grab weggehen, sollen gerade Petrus Zeugnis geben. Der Herr interessiert sich f\u00fcr ihn. Petrus soll wissen, dass er eine neue Chance bekommt. Und auch Du und Ich, die wir uns f\u00fcr das Evangelium gesch\u00e4mt haben, weil es in dieser Welt alt, fremd, unrealistisch, verloren erscheint, sollen wissen: Jesus vergibt gro\u00dfz\u00fcgig, er gibt eine Chance \u2013 auch nach der Situation, die ich nicht bew\u00e4ltigt habe, auch in dem Fall, dass ich v\u00f6llig versagt habe.<\/p>\n<p>Jesus offenbart sich <em>Jakobus<\/em>, seinem Bruder. Die Evangelien erz\u00e4hlen, dass die Familie Jesus nicht verstanden hat. Sie glaubte nicht an ihn. Mutter und Br\u00fcder haben ihn mehrmals nach Hause gerufen, wenn er sich fremden Leuten zugewandt hatte: \u201eWarum versteht er nicht? Warum will er anders sein als andere?\u201c \u2013 Die Verwandten verstehen nicht, dass Jesus die Sendung akzeptiert, mit der der Himmlische Vater ihn beauftragt hat. Es ist \u00fcberaus schwierig, in der eigenen Familie Zeugnis abzulegen, wo alle unser Verhalten und unsere Eigenarten kennen, auch das, was wir am liebsten verbergen m\u00f6chten. Dort muss sich Jesus selbst offenbaren \u2013 denen, die in der Familie Zeugnis geben, wie denen, die sein Zeugnis nicht achten, es untersch\u00e4tzen oder ignorieren.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich nennt sich <em>Paulus <\/em>selbst. Jesus st\u00f6\u00dft selbst solche Menschen nicht zur\u00fcck, die ihn ihrerseits vehement bek\u00e4mpfen. Jesus braucht auch diejenigen, die Paulus \u00e4hnlich sind. Saulus\/Paulus ist jemand, von dem anzunehmen ist, dass er genauso eifrig wird bei der Verk\u00fcndigung des Evangeliums, wie er es bei der Verfolgung war. Jesus l\u00e4sst sich nicht beirren. Deshalb spricht er Saulus an. Jesus hat sich bei niemandem unter uns geirrt. Auch mir, auch dir offenbart er sich, weil er uns als seine Apostel haben will. Er wei\u00df, was er von uns verwenden kann.<\/p>\n<p>Vielleicht konzentriert sich unsere Aktivit\u00e4t immer noch auf die Verachtung und auf die Verfolgung guter Absichten. Aber Gott kennt uns. Wenn wir in seinem Evangelium bleiben, offenbart er sich uns so, dass wir verstehen. Er zeigt uns, worauf wir uns konzentrieren sollen, wie er es Saulus\/Paulus gezeigt hat.<\/p>\n<p>Diese Offenbarung war nicht angenehm \u2013 Saulus lag einige Tage danieder, aber die Offenbarung war sehr wirksam. Paulus wandte sich dem Weg der Erl\u00f6sung zu und hat das Evangelium dar\u00fcber hinaus anderen verk\u00fcndigt.<\/p>\n<p>Die Aktivit\u00e4t, die aus dem Evangelium kommt, f\u00fchrt zu einem gesunden Selbstvertrauen. Paulus redet von sich selber realistisch. Er verschweigt seine Vergangenheit nicht: Er ist es nicht wert, dass er Apostel hei\u00dfe, denn er hat die Gemeinde verfolgt. ABER&#8230;. <em>durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen.<\/em><\/p>\n<p>Paulus konnte aus der Gnade arbeiten. Die angenommene Gnade hat ihn nicht in den Hintergrund gedr\u00e4ngt, sondern hat ihn zum m\u00e4chtigen und \u00fcberzeugten Zeugnis mobilisiert.<\/p>\n<p>In der Kirche stand Paulus nicht unangefochten da. Die Konkurrenz anderer Prediger in Korinth verschweigt er nicht. Er versucht, die Probleme auf den rechten Weg zu bringen. Denn er wei\u00df, dass alle menschliche M\u00fche in Gottes Gnade beginnt und endet, damit sie nicht vergeblich wird.<\/p>\n<p>1. Kor. 3,3-7 schreibt er: <em>\u201eDenn wenn Eifersucht und Zank unter euch sind, seid ihr da nicht fleischlich und lebt nach Menschenweise? Denn wenn der eine sagt: Ich geh\u00f6re zu Paulus, der andere aber: Ich zu Apollos \u2013, ist das nicht nach Menschenweise geredet? Wer ist nun Apollos? Wer ist Paulus? Diener sind sie, durch die ihr gl\u00e4ubig geworden seid, und das, wie es der Herr einem jeden gegeben hat: Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben. So ist nun weder der pflanzt noch der begie\u00dft etwas, sondern Gott, der das Gedeihen gibt.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Dies ist der Dienst, der aus guten Nachrichten kommt, aus der verst\u00e4ndlichen, pers\u00f6nlichen Offenbarung und daneben aus gesundem Selbstvertrauen. Hier zeigt sich die Einstellung, die jeder von uns in der Welt zum Ausdruck bringen soll, \u2013 zu seinen Aufgaben, Pflichten und Aktivit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Das ist der Weg, der zum lebendigen Glauben, zu Liebe, Hoffnung und Erl\u00f6sung f\u00fchrt, der Weg zum Leben und zu Beziehungen, in denen wir ohne Angst kommunizieren k\u00f6nnen, ohne die Bef\u00fcrchtung, dass wir jemanden hindern oder mit jemandem im Wettbewerb stehen.<\/p>\n<p>Wenn wir den lebendigen Christus in uns zu Wort kommen lassen, werden wir in seiner Gnade an den Dingen arbeiten, die Sinn haben. Dann wird unsere M\u00fche gesegnet.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen Gott nicht bel\u00fcgen. Vor ihm k\u00f6nnen wir unsere L\u00fcge tausendmal wiederholen, er nimmt sie nie als Wahrheit an.<\/p>\n<p>Nein, wir k\u00f6nnen die Welt nicht ver\u00e4ndern. Aber wenn wir uns von Christus erl\u00f6sen und \u00e4ndern lassen, siegen wir in der Gemeinschaft mit ihm. M\u00f6ge Gottes Arbeit an uns nicht vergeblich sein.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><strong>Anna Polckov\u00e1<br \/>\n<a href=\"mailto:polckova@stonline.sk\">polckova@stonline.sk<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Sprichwort sagt: Wenn eine L\u00fcge hundertmal wiederholt wird, wird sie zur Wahrheit. Es spricht eine alte, sich immer wieder best\u00e4tigende Erfahrung aus. Leider \u2013 sehr oft \u2013 erleben wir, dass es nicht darum geht, was der Mensch im Kopf hat, sondern wie sein Kopf aussieht. Es spielt keine Rolle, was ein Mensch sagt. 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