{"id":9882,"date":"2021-02-07T19:49:41","date_gmt":"2021-02-07T19:49:41","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9882"},"modified":"2022-10-03T22:45:06","modified_gmt":"2022-10-03T20:45:06","slug":"kolosser-3-1-4-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/kolosser-3-1-4-3\/","title":{"rendered":"Kolosser 3, 1-4"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>1 Seid ihr nun mit Christus auferstanden, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes.<br \/>\n2 Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.<br \/>\n3 Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott.<br \/>\n4 Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in Herrlichkeit.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Sich richtig zu benehmen, liebe Gemeinde, das ist angesagt. Etikette ist wieder gefragt. Es gibt Seminare f\u00fcr junge F\u00fchrungskr\u00e4fte, um am Tisch die Gabel richtig zu halten und gepflegt mit seinem Tischnachbarn zu plaudern &#8211; ohne in der Nase zu popeln. Neue B\u00fccher \u00fcber Benimm sind auf dem Markt, in denen steht, wie ich eine Tasse richtig halte, ohne meiner Tischnachbarin meinen Arm ins Auge zu sto\u00dfen. Ja selbst die alte Plaudertasche und wandelnde Kleiderst\u00e4nder Thomas Gottschalk darf nun eine Benimmshow moderieren.<\/p>\n<p>Das richtige Benehmen will nat\u00fcrlich gelernt sein. Wer trainiert und \u00fcbt, der darf sich zum Kreis der zivilisierten Menschen z\u00e4hlen. Zivilisiert nach Knigge.<\/p>\n<p>Gibt es auch f\u00fcr uns Christen solche Regeln des richtigen Benehmens? K\u00f6nnen wir ein christlich-zivilisiertes Verhalten ein\u00fcben? Einen Art Bibel-Knigge f\u00fcr getaufte Christen?<\/p>\n<p>In unserem Predigttext f\u00fcr diese Osternacht geht es um ein \u00f6sterliches Leben. Damit sind keine Osterhasen, sondern Ostermenschen gemeint. Menschen also, die durch die Auferstehung Jesu bestimmen lassen.<\/p>\n<p>Doch in den vier Zeilen des Kolosserbriefes wird keine \u00f6sterliche Etikette aufgestellt. Es wird vielmehr gesagt: <strong>Ihr seid mit Christus auferstanden<\/strong>. Punkt. Das ist keine Verhaltensregel, das ist eine Feststellung: <strong>Ihr seid mit Christus auferstanden<\/strong>. Um \u00f6sterlich zu leben, m\u00fcssen wir keine Osterhasen werden, oder uns so und so als Christen verhalten. An Ostern werde ich daran erinnert, was ich schon bin. Einer, der mit Christus auferstanden ist, eine, der ein neues Leben geschenkt wurde. Lassen Sie sich, lassen wir uns das heute morgen gesagt sein.<\/p>\n<p>Vielleicht sind einige von Ihnen nach dem fr\u00fchen Aufstehen noch m\u00fcde und fragen: wo ist denn das neue Leben in meinen alten Knochen. Ich merke davon gar nichts.<\/p>\n<p>Das neue Leben ist noch verborgen. Es ist noch nicht sichtbar. So wie eine Blumenzwiebel in der Erde verborgen ist und doch schon vorhanden. So wie in einer Raupe ein Schmetterling verborgen ist. Schon da, aber eben noch nicht sichtbar.<\/p>\n<p>Auferstehung und neues Leben werden uns nicht nur nach unsrem Tod geschenkt. Auferstehung und neues Leben sind jetzt schon eine Kraft, die unser Leben bestimmen. Ihr seid mit Christus auferstanden. Hier wird in der Gegenwartsform gesprochen. Noch verborgen und doch schon bestimmend f\u00fcr mein, ja f\u00fcr unser Leben.<\/p>\n<p>Noch verborgen, es gibt allerdings ein Zeichen, an dem die neue und noch verborgene Wirklichkeit deutlich wird. Es ist meine, es ist unsere Taufe. Denn in unserer Taufe gewinnen wir Anteil an dem Tod Jesu und die Auferstehung Christi. Unser bisheriges Leben liegt hinter uns und neues Leben wird uns geschenkt.<\/p>\n<p>Mit meiner Taufe bin ich nicht mehr nur Friedrich Schmidt, der Sohn von Hildegard und Rudi, 42 Jahre alt, mit den und den St\u00e4rken und den und den Schw\u00e4chen \u2013 genauere Details erspare ich Ihnen lieber. Ich bin nicht mehr der f\u00fcr den ich mich halte und auch nicht mehr der, f\u00fcr den andere mich halten. Ich bin ein neuer Mensch, ein \u00f6sterlicher Mensch, ein geliebtes Kind Gottes.<\/p>\n<p>Und auch dort vorne, NN. Ist mehr, als sie selbst von sich h\u00e4lt und sieht und mehr als die anderen Menschen von ihr halten. Denn in der Taufe sind wir mit Christus verbunden \u2013 mit seinem Tod wie mit seiner Auferstehung.<\/p>\n<p>Das Grunddatum meines neuen Lebens ist meine Taufe \u2013 auch wenn ich sie nicht bewusst erlebt habe. Denn die Taufe ist nicht einfach nur die Aufnahme eines neuen Mitgliedes in unsere Gemeinde. Durch die Taufe werde ich mit Jesus selbst verbunden \u2013 mit seinem Tod und mit seiner Auferstehung. Deshalb hat Martin Luther in den Anfechtungen, den er in seinem Leben ausgesetzt war, immer wieder betont: ich bin getauft. Daraus hat er Kraft gewonnen und Zuversicht in Zeiten der Anfechtung.<\/p>\n<p>Unser \u00f6sterlicher Glaube, unser \u00f6sterliches Leben ist durch die Taufe schon da, aber noch nicht sichtbar. Es geh\u00f6rt zur verborgenen Wirklichkeit des Glaubens. Sie wird erst am Ende der Zeiten sichtbar werden. Dann, wenn der Gekreuzigte und Auferstandene wieder kommen wird.<\/p>\n<p>Heutzutage w\u00fcnschen sich manche, dass diese unsichtbare neue Wirklichkeit unseres Lebens schon heute sichtbar m\u00f6ge werden. So gibt es Menschen, die, obwohl als Kinder getauft, sich nochmals taufen lassen, um das Zeichen der Taufe deutlicher zu erfahren. Oder es gibt Menschen, die suchen nach Erscheinungen oder Wunderkr\u00e4ften, um deutlich zu sp\u00fcren, das ihr \u00f6sterliches Leben schon begonnen hat. Ich verstehe den Wunsch und doch kann ich nur davor warnen, die eigene Erfahrung nicht zu \u00fcbersch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Erst wenn Jesus Christus in Herrlichkeit wiederkommen wird, erst dann wird die Verborgenheit des neuen Lebens offenbar werden. Bis dahin wissen wir, dass wir mehr sind, als wir scheinen und wir wissen, dass auch die anderen mehr sind, als sie uns erscheinen. Es ist ein \u00f6sterliches Wissen, das noch nicht sichtbar ist.<\/p>\n<p>Aber dieses \u00f6sterliche Wissen hat Folgen. Wir werden aufgefordert zu suchen und zu trachten. Doch nicht hier auf der Erde sollen wir suchen, denn da finden wir bestenfalls Ostereier, sondern \u201edroben\u201c ist zu suchen. Suchet und trachtet nach dem was droben ist.<\/p>\n<p>Aber tun wir das nicht schon l\u00e4ngst? Trachten wir nicht nach dem, was droben ist? Suchen wir nicht nach oben zu kommen? Oberstudienrat, Obergefreiter, Oberleutnant, Oberamtsrat, Oberkirchenrat oder doch wenigstens Dekan. Orientieren wir uns nicht gern an den oberen 10.000? Und wenn wir uns nicht hineinarbeiten oder hineinheiraten k\u00f6nnen, dann lassen wir uns gern von den oberen Lebensschicksalen bewegen. Ach, wie ist das tragisch, dass jetzt auch Prinzessin Clara mit ihrem Mann&#8230;. Und F\u00fcrst Reiner, der hat trotz seines vielen Geldes doch wirklich Pech&#8230;. Und die arme K\u00f6niginmutter Sophie; jetzt ist doch wirklich ihr Lieblingsdackel gestorben. Da k\u00f6nnte man doch losheulen vor so viel Elend. Und der arme Michael muss Deutschland verlassen und in der Schweiz leben, weil die b\u00f6sen Steuerbeh\u00f6rden an sein sauer verdientes Geld ranwollen. So eine Gemeinheit aber auch.<\/p>\n<p>Wenn wir schon nicht ganz nach oben kommen, so nehmen wir doch starken Anteil am Leben der Oberen \u2013 ob in ihren Adern nun blaues Blut flie\u00dft oder blaues Benzin. Und einige sind in diese Welt mit Hilfe der w\u00f6chentlichen Heftchen schon so versunken, dass sie die Migr\u00e4ne einer Prinzessin mehr ber\u00fchrt als der Schlaganfall der Nachbarin.<\/p>\n<p>Ja wir suchen nach oben zu kommen \u2013 manchmal mit allen Mitteln. Doch Sie wissen nat\u00fcrlich l\u00e4ngst, dass im Kolosserbrief mit droben etwas anderes gemeint ist. Droben ist der Himmel. Es geht nicht um ein Trachten nach irdischem droben, sondern um ein himmlisches droben. Wir sollen mit unsrem \u00f6sterlichen Leben nicht danach suchen hier auf der Erde nach oben und voran zu kommen, sondern nach dem leben, was Gott von uns will. \u00d6sterliches Leben hei\u00dft also dem zu folgen, der nach unten gegangen ist, damit f\u00fcr uns ein neues Leben beginnen kann. Unser Trachten richtet sich nicht nach der Etikette, sondern nach Jesus Christus, der durch den Tod gegangen ist, und uns neues Leben schenkt. <strong>Ihr seid mit Christus auferstanden. <\/strong><\/p>\n<p>Und der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als alle Vernunft bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.<\/p>\n<p><strong>Pfr. Dr. Friedrich Schmidt<br \/>\nSchlo\u00dfstr. 28<br \/>\n76879 Essingen<br \/>\nemail:<a href=\"mailto:pfarramt.essingen@evkirchepfalz.de\"> pfarramt.essingen@evkirchepfalz.de<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1 Seid ihr nun mit Christus auferstanden, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. 2 Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist. 3 Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott. 4 Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8543,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[47,1,727,114,306,349,3,703,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-9882","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kolosser","category-aktuelle","category-archiv","category-deut","category-kapitel-3-chapter-3-kolosser","category-kasus","category-nt","category-osternacht","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9882","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9882"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9882\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13909,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9882\/revisions\/13909"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9882"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9882"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9882"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=9882"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=9882"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=9882"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=9882"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}