{"id":9885,"date":"2021-02-07T19:49:31","date_gmt":"2021-02-07T19:49:31","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9885"},"modified":"2022-10-24T11:13:55","modified_gmt":"2022-10-24T09:13:55","slug":"1-korinther-15-12-20-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-15-12-20-4\/","title":{"rendered":"1. Korinther 15, 12-20"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>Liebe Leserinnen, liebe Leser,<br \/>\nliebe Schwestern und Br\u00fcder,<\/p>\n<p>wie lange h\u00e4lt Ostern vor?<br \/>\nWie bei Weihnachten verlagert sich ja auch bei Ostern alles immer weiter nach vorne. Seit vielen Wochen gibt es schon Schokoladenhasen, Schokoladenk\u00fccken und andere Osters\u00fc\u00dfigkeiten in unseren Gesch\u00e4ften. Viele meinen, die Woche vor Ostern w\u00e4re die Osterwoche und heute sei eigentlich alles schon wieder vorbei.<br \/>\nMerkw\u00fcrdig! Das Geheimnis des Wartens und der Vorbereitung geht verloren. Das Wissen und Erleben geht verloren, dass ein Fest einen besonderen Reiz gewinnt \u2013 hier schreibe ich bewusst: gewinnt! \u2013, wenn wir nicht hineinstolpern, sondern Phasen des Verzichts und des Wartens vorschalten. Nun wissen wir \u201eEvangelischen\u201c, oder auch: \u201eProtestanten\u201c, kaum, haben wir kaum erlebt, dass die Adventszeit in vielen Kirchen eine Fastenzeit ist, eine Vorbereitungszeit der Entbehrung. Aber, dass vor Ostern die Erinnerungszeit an den Leidensweg Jesu abl\u00e4uft, an seine Verurteilung zur Kreuzesstrafe, an seinen schrecklichen Tod, das ist uns doch eigentlich klar.<br \/>\nWieso halten dann viele die Karwoche f\u00fcr die Osterwoche? Wieso kommt es vor, dass Paare an Karfreitag, oder Karsamstag heiraten wollen \u2013 wohlgemerkt: kirchlich heiraten wollen? Wie es in der DDR unter der Situation, dass der Ostermontag als Feiertag abgeschafft war, schon geschehen ist!<br \/>\nIn diesem Jahr hat uns \u2013 die wir ihn gesehen oder von ihm geh\u00f6rt haben \u2013 der schreckliche Spielfilm \u00fcber die letzten Stunden im irdischen Leben Jesu vielleicht solche Unsicherheiten ausgetrieben: Ostern ist nicht schon vorher; Ostern beginnt wirklich in der Nacht zum Ostersonntag; Ostern beginnt mit der Verk\u00fcndigung:<br \/>\n\u201eChristus ist auferstanden!\u201c<br \/>\nUnd da wird nun wichtig: Wie lange h\u00e4lt Ostern vor?<\/p>\n<p>Damit ist uns die Frage bewusst geworden, was Ostern bedeutet:<br \/>\n\u201eAber die Sonne duldet kein Wei\u00dfes,<br \/>\n\u00dcberall regt sich Bildung und Streben,<br \/>\nAlles will sie mit Farben beleben;<br \/>\nDoch an Blumen fehlt\u2019s im Revier,<br \/>\nSie nimmt geputzte Menschen daf\u00fcr.<br \/>\nKehre dich um, von diesen H\u00f6hen<br \/>\nNach der Stadt zur\u00fcckzusehen.<br \/>\nAus dem hohlen, finstern Tor<br \/>\nDringt ein buntes Gewimmel hervor.<br \/>\nJeder sonnt sich heute so gern.<br \/>\nSie feiern die Auferstehung des Herrn,<br \/>\nDenn sie sind selber auferstanden,<br \/>\nAus niedriger H\u00e4user dumpfen Gem\u00e4chern,<br \/>\nAus Handwerks- und Gewerbesbanden,<br \/>\nAus dem Druck von Giebeln und D\u00e4chern,<br \/>\nAus der Stra\u00dfen quetschender Enge,<br \/>\nAus der Kirchen ehrw\u00fcrdiger Nacht<br \/>\nSind sie alle ans Licht gebracht.\u201c<\/p>\n<p>Seien wir ehrlich: So w\u00fcrden wir es vielleicht nicht unbedingt sagen; in unserer Zeit w\u00e4ren andere Vergleiche wichtig, wie:<br \/>\n\u201edurch guten, neuen Arbeitsplatz mit neuem Lebenssinn voran;<br \/>\nauf Grund von Versicherungsleistungen gewiss in die Zukunft\u2026\u201c<br \/>\nAber genau das, was da Goethe so k\u00fcnstlerisch ausgesprochen hat, meinen und hoffen wir doch auch: Ostern der Anfang neuer Zuversicht, neuen Optimismus\u2019, neuen Aufbruchs in unserem Leben.<\/p>\n<p>Mit allem, die so Ostern feiern k\u00f6nnen, freue ich mich mit. Das ist schon viel. Da k\u00f6nnen wir uns w\u00fcnschen: Frohe Ostern!<\/p>\n<p>Aber \u2013 durchaus ist ein gro\u00dfes \u201eAber!\u201c n\u00f6tig \u2013, aber: Das ist nicht genug!<br \/>\nF\u00fcr diejenigen Ostern das ist, die geh\u00f6ren \u2013 so Paulus! \u2013 zu den Elendsten unter den Menschen:<br \/>\n\u201eHoffen wir allein in diesem Leben auf Christus,<br \/>\nso sind wir die elendesten unter allen Menschen.\u201c<br \/>\nOstern h\u00e4lt viel l\u00e4nger vor!<\/p>\n<p>Der eigentliche Clou des Osterfestes ist es gerade, dass es Hoffnung \u00fcber unseren Tod hinaus, \u2013 ich muss hier pers\u00f6nlich reden, denn das kann nur ein pers\u00f6nliches Glaubenszeugnis sein \u2013 \u00fcber meinen Tod hinaus er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Nicht nur in unserer Zeit, nicht nur bei uns \u2013 Christen und Nichtchristen \u2013, sondern schon zur Zeit des Paulus \u2013 sogar in den kleinen Gemeinden, die er gegr\u00fcndet hatte \u2013 war dies umstritten. Das Osterbewusstsein war auch damals gestaffelt. Viele blieben \u2013 wie heute \u2013 bei den Hoffnungen und Erwartungen f\u00fcr unser Leben hier: f\u00fcr die Gesundheit, f\u00fcr den Lebenssinn, f\u00fcr das Wohlbefinden. Diejenigen, bei denen das so ist, will Paulus ansprechen und mitnehmen hin zum letzten und eigentlichen Sinn des Osterfestes, hin zur Hoffnung \u00fcber unser Leben hinaus.<\/p>\n<p>Solche Hoffnung ist nun nicht begr\u00fcndet in einer allgemeinen Liebe Gottes uns allen gegen\u00fcber \u2013 egal, was wir so glauben. Solche Hoffnung ist begr\u00fcndet im Anklammern an den Jesus.<\/p>\n<p>Paulus macht es mit seinem Gedankengang ganz deutlich; das Osterfest ruft uns diese Wahrheit wieder in Erinnerung: Aus dem Vertrauen in die Auferweckung des gekreuzigten Jesus ist Hoffnung zu gewinnen. Genauer: Nur aus diesem Vertrauen ist Hoffnung zu gewinnen. Aus sonst nichts. Weil:<br \/>\n\u201eNun aber \u2026 Christus auferstanden [ist] von den Toten<br \/>\nals Erstling unter denen, die entschlafen sind,\u201c<br \/>\nk\u00f6nnen auch wir f\u00fcr uns und f\u00fcr unsere Verstorbenen Zuversicht haben. Ausschlie\u00dflich und v\u00f6llig kommt es darauf an, dass wir auf die Auferweckung des Christus vertrauen. Dass wir den Ostergru\u00df:<br \/>\n\u201eChristus ist auferstanden!\u201c<br \/>\nf\u00fcr uns beantworten, ihn so auf uns und unser Lebensschicksal beziehen:<br \/>\n\u201eEr ist wahrhaftig auferstanden!\u201c<\/p>\n<p>Dazu lade ich Sie ein. Vielleicht legt dieser schreckliche Jesusfilm \u2013 ich habe ihn nicht gesehen \u2013 in \u00fcberraschender Weise dazu eine Grundlage. Das w\u00e4re mein Wunsch.<\/p>\n<p>Denn die wenigen Szenen, die ich in den Fernsehnachrichten aufnehmen konnte, haben mir gezeigt: Dieser Film ist keine Verfilmung des historisch denkbaren Kreuzigungsgeschehens. Vielmehr ist er eine Verfilmung der Bildtraditionen der Kirche. Und diese Bildtraditionen deuten ja schon, interpretieren das grausige Geschehen vom Osterglauben her:<br \/>\nSo wird der vom Kreuz Abgenommene in die Arme seiner Mutter gelegt. Davon steht nichts im Neuen Testament! Aber es ist ein Bild f\u00fcr den durch den Glauben der Kirche in Erinnerung bewahrten und verk\u00fcndigten Gemordeten, ein Bild f\u00fcr den f\u00fcr uns \u2013 f\u00fcr mich! \u2013 gemordeten Jesus. Schon diese Szene deutet das Grauen. Sie deutet es von der Erfahrung von Ostern her.<br \/>\nSo zeigt der Film den Vorgang der Auferstehung in der Weise, dass der Geschundene v\u00f6llig verwandelt aus dem Grab hervorkommt. Ganz bewusst erz\u00e4hlen die neutestamentlichen Texte dies gerade nicht! Aber wir kennen solche Bilder von christlichen Gem\u00e4lden, die den Glauben verk\u00fcndigen wollen. Genau dazu l\u00e4dt also letztlich auch dieser Film ein \u2013 diejenigen ein, die durchgehalten haben.<\/p>\n<p>Und auch ich lade Sie ein zu dieser gro\u00dfen Osterwahrheit:<br \/>\nF\u00fcr uns, f\u00fcr mich ist Christus auferweckt. Ich kann alle Todes\u00e4ngste zur\u00fccklassen und ganz von der aus dieser Botschaft erwachsenden Lebenshoffnung her durch meine Tage gehen!<br \/>\nAmen.<\/p>\n<p><strong>Dr. Rainer Stahl<br \/>\nGeneralsekretaer des Martin-Luther-Bundes<br \/>\n<a href=\"mailto:gensek@martin-luther-bund.de\">E-Mail: gensek@martin-luther-bund.de<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Leserinnen, liebe Leser, liebe Schwestern und Br\u00fcder, wie lange h\u00e4lt Ostern vor? Wie bei Weihnachten verlagert sich ja auch bei Ostern alles immer weiter nach vorne. 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