{"id":9904,"date":"2021-02-07T19:49:29","date_gmt":"2021-02-07T19:49:29","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9904"},"modified":"2022-10-27T11:05:27","modified_gmt":"2022-10-27T09:05:27","slug":"1-petrus-221b-27","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-petrus-221b-27\/","title":{"rendered":"1. Petrus 2,21b-27"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>(Gottesdienst in der Evangelischen Schlosskirche der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universit\u00e4t Bonn)<\/p>\n<p>Predigttext 1. Petr. 2, 21b-27<br \/>\n&#8230; hat doch auch Christus f\u00fcr euch gelitten und euch ein Vorbild hinterlassen, damit ihr seinen Fu\u00dftapfen folgen sollt; er, der keine S\u00fcnde getan hat und in dessen Munde kein Betrug war; der nicht mit Schm\u00e4hungen antwortete, als er geschm\u00e4ht wurde, der nicht drohte, als er litt, sondern es dem anheim stellte, der gerecht richtet; der unsre S\u00fcnde mit seinem Leibe ans Holz hinaufgetragen hat, damit wir, wenn wir f\u00fcr die S\u00fcnde gestorben sind, f\u00fcr die Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr geheilt worden. Denn ihr wart wie die irrenden Schafe; aber nun seid ihr bekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Nachkommen brauchen Vorbilder.<br \/>\nMit dieser Lebenserfahrung besch\u00e4ftigt uns heute Petrus, vermutlich ein Bischof aus Kleinasien, der entweder Petrus hie\u00df, oder nach einer Verfahrensweise seiner Zeit, sich mit dem Namen des ersten J\u00fcngers die n\u00f6tige Autorit\u00e4t besorgte. Nachkommen brauchen Vorbilder, ein Thema, passend zu einem Semesteranfang.<\/p>\n<p>Nun sind allerdings wir 68er keine guten Jahrg\u00e4nge in Sachen Vorbild, wir sind mit viel Ideologiekritik gef\u00fcttert und dazu erzogen worden, die Destruktion von Vorbildern f\u00fcr vorbildlich zu halten.<br \/>\nSo konnten sich in den letzten 30 Jahren sogar in der Theologie, der man doch Traditionsorientierung unterstellt und zutraut, keine Schulen mehr bilden, auch in anderen F\u00e4chern, etwa in der Psychologie, zerfielen die Schulen, traten die Vorbilder ab und zur\u00fcck &#8230; selbst \u00dcbervater Freud &#8230; scheint l\u00e4ngst begraben unter den Schriften, die ihn benutzten und ihn kritisierten.<\/p>\n<p>Und doch merken wir 68er auf unsere \u00e4lteren und alten Tage, es geht nicht ganz ohne; es kam schon vor Jahr und Tag die ganz nat\u00fcrliche Notwendigkeit wieder auf uns zu: Die Nachkommen brauchen Vorbilder, und wenn sich die vorangehende Generation verweigert, dann werden eben die Altersgenossen Vorbilder, die Kultur der peer-groups, mediengesteuert, belehrt uns dar\u00fcber, dass wir 68er, nun zwischen 50 und 60 angekommen, an unserem schlichten Generationenauftrag irgendwie vorbeizuleben versuchten. Wir wollten keine Vorbilder sein, also haben sich die, die bei uns und in uns Vorbilder gesucht haben, diese Bilder anderswo gesucht und suchen noch. Und wir sind nat\u00fcrlich doch als Vorbilder genommen worden, ob wir nun eigene Nachkommen haben oder von anderen als Vorfahren genommen wurden. Denn die Bereitstellung von Vorbildern ist eine Daueraufgabe jeder Erziehung, der sich niemand entziehen kann, sogar wenn man sich ganz und gar entzieht, bleibt man f\u00fcr abh\u00e4ngige Bezugspersonen so etwas wie ein Vorbild.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nNachkommen brauchen Vorbilder. In solcher Sorge um eine sinnvolle Orientierung der n\u00e4chsten Christengeneration in den Gemeinden in Kleinasien schreibt Petrus seinen Hirtenbrief. Man kann ihn sich durchaus als einen Bildungsexperten der fr\u00fchen Christenheit vorstellen, mindestens als einen sehr gebildeten B\u00fcrger, denn er schreibt ein Griechisch, das er kaum als alternder Apostel auf der Abendschule in Antiochia gelernt hat, oder als interessierter Seniorstudent im Sprachkurs einer Universit\u00e4t.<\/p>\n<p>Hauptmerkmal seiner Bildung ist seine differenzierte Sprache, er versucht in verschiedenen Bildern zu erkl\u00e4ren, wie er sich das Leben der Christen in der Gesellschaft vorstellt. Das entscheidende Stichwort, singul\u00e4r im NT ist hypogrammos \u2013 Vorschrift, Vorlage, Muster.<\/p>\n<p>So stellt er sich vor, wie Christen der nachfolgenden Generationen gebildet werden \u2013 oder genauer: sich selbstst\u00e4ndig bilden werden unter den erschwerten Bedingungen gesellschaftlicher Verachtung oder gar Verfolgung: Das Bild des Lebens Christi mit dem eigenen Leben nachzeichnen, das ist der Weg christlicher Bildung.<\/p>\n<p>hat doch auch Christus f\u00fcr euch gelitten und euch ein Vorbild hinterlassen, damit ihr seinen Fu\u00dftapfen folgen sollt; er, der keine S\u00fcnde getan hat und in dessen Munde kein Betrug war; der nicht mit Schm\u00e4hungen antwortete, als er geschm\u00e4ht wurde, der nicht drohte, als er litt, sondern es dem anheim stellte, der gerecht richtet; der unsre S\u00fcnde mit seinem Leibe ans Holz hinaufgetragen hat, damit wir, wenn wir f\u00fcr die S\u00fcnde gestorben sind, f\u00fcr die Gerechtigkeit leben.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nsolche S\u00e4tze sind so mi\u00dfverst\u00e4ndlich, dass man sie nur mit \u00e4u\u00dferster Vorsicht gebrauchen kann: Es lag zu allen Zeiten in den christlichen Kirchen nahe, Menschen, denen es schlecht ging, ihr Leiden als Leiden in der Nachfolge Christi zu rechtfertigen. Anpassung an die Verh\u00e4ltnisse, Ergebung in Not und Leid als Gebot und Wille Gottes.<\/p>\n<p>Die Theologen, die diesen Predigttext zurechtgeschnitten haben, haben offenbar genau dies bef\u00fcrchtet: Wenn man die Beispiele aus dem Leben der verfolgten Christen damals, von Sklaven und Frauen zumal, in den vorangehenden und folgenden Zeilen n\u00e4her betrachtet, k\u00f6nnten die Prediger noch heute auf die Idee kommen, Leiden als Weg zur Seligkeit zu empfehlen: Anpassung an die ungerechten Verh\u00e4ltnisse als Weg zu Gott.<\/p>\n<p>Um dieser Gefahr zu entgehen, lasse ich die Vorstellung von den Fu\u00dftapfen Christi beiseite, und halte mich an das Wort hypogrammos, Muster &#8211; Vorschrift.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte beim Nachzeichnen eines Musterns an die Praxis des Mandala-Malens denken, eine Figur, die man meditativ nachzeichnet, um sich auf diese Weise in die Tiefe der eigenen Seele und in die Ordnung der Welt zu versenken,<\/p>\n<p>man k\u00f6nnte sich auch ein Malheft f\u00fcr Kinder verstellen, zum Ausmalen, wo die Muster und Linien schon vorgezeichnet sind, aber die Farben noch frei gew\u00e4hlt werden k\u00f6nnen, und die Christen malen es jeweils mit ihren individuellen Farben aus, und auch mit ihrem individuellen Ma\u00df an Genauigkeit und Sorgfalt.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte auch an einen Schnittmusterbogen denken, so wie in verschiedenen Brieftexten des NT von den Kleidern der Christen im Bild die Rede ist, die Christen anziehen sollen, so hier von den Linien und Lebensmustern, aus denen sich christliches Leben zurechtschneidern l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Der Begriff \u201aVorschrift\u2019 \u201aVorgezeichnetes\u2019 ist f\u00fcr uns in unserer Situation an der Universit\u00e4t sehr treffend. Die an Wissenschaft orientierte Bildung, also jede moderne Bildung versteht sich als Aufnahme solcher Muster, Orientierung der eigenen Existenz durch selbst\u00e4ndiges Nachzeichnen von \u00fcberzeugenden Vorbildern, aber eben nicht unselbst\u00e4ndig, sondern in immer selbst\u00e4ndigerer Ausgestaltung, also sicher eher Schnittmuster als Malheft.<\/p>\n<p>Mit solchen Unterscheidungen aber r\u00fchren wir bereits an den aktuellen Konflikt um Bildung und Ausbildung; das Ma\u00df an Selbst\u00e4ndigkeit im Verh\u00e4ltnis zu den Mustern und Vorlagen steht zur Debatte; geht es darum, Wissensstoffe aufnehmen und Handlungskompetenzen erwerben oder auch und dar\u00fcber hinaus um eine F\u00e4higkeit komplexe Problemlagen zu beurteilen.<\/p>\n<p>Der Hirtenbrief des Petrus zielt auf eine solche Selbst\u00e4ndigkeit der Urteilsbildung; er schreitet von einfachen Anweisungen im Stil einer Kasuistik fort zu einer komplexen Vorstellung von Bildung: Bildung am Bild Christi, &#8211; und da besonders an einem Wesenszug: Widerstand durch Ergebung. Dieser Gedanke war im Bildungssystem damals genauso neu wie er es heute noch ist: Christus hat den Teufelskreis der Vergeltung durchbrochen. Er hat sich nicht gewehrt, als man ihn schm\u00e4hte, sich nicht verteidigt, nicht gedroht, als er litt.<\/p>\n<p>Christus durchbricht mit diesem Verhalten die klassische Logik einer humanen Gesellschaft, er \u00fcberbietet die goldene Regel. Es soll nicht mehr gelten: Was Du willst, das dir die Leute tun, das tue ihnen auch. Diese Regel geht von der M\u00f6glichkeit zum Guten aus.<br \/>\nChristus aber rechnet mit Selbstsucht und Bosheit der Menschen und sucht nach einer M\u00f6glichkeit, diese zu \u00fcberwinden durch ein anderes Verhaltensmuster:<\/p>\n<p>\u201eWehrt euch nicht gegen die Ungerechtigkeit\u201c oder: \u201e\u00fcberrascht und \u00fcberzeugt eure Kritiker mit entwaffnender Freundlichkeit\u201c, rechnet aus Erfahrung mit der Unf\u00e4higkeit der Menschen zum Guten und nutzt als Gegenmittel gegen die zersetzende Kraft der Feindlichkeit \u2013 die Kraft der Freundlichkeit!<\/p>\n<p>Wenige Zeilen zuvor empfiehlt Petrus im gleichen Sinn, aber doch noch ziemlich ber\u00fchrt von der Kraft des Egoismus: Stopft denen, die euch verurteilen, das Maul mit Euren guten Taten. Das klingt wie eine aktive Variante zur Durchbrechung des Teufelskreises der Vergeltung durch Dulden, aber doch auch zugleich noch nach der menschlich-allzumenschlichen Grundhaltung der Vergeltung: Stopft ihnen den Mund mit guten Taten.<br \/>\nDer Grundsatz der Nicht-Vergeltung klingt unglaublich naiv, aber er ist trotzdem nicht ohne Erfahrung: Es hat jeder schon an sich erlebt, wie ihn Vergeltung verzehrt, w\u00e4hrend Vergebung ern\u00e4hrt, Vergeltung fixiert auf erlittenes Unrecht, w\u00e4hrend Vergebung davon freimacht.<\/p>\n<p>Der Verzicht auf Vergeltung ist die grundlegende Kulturtechnik, die eine globale Vernetzung der Menschheit \u00fcberhaupt erst erm\u00f6glicht hat. Sie wird auch im Europa der 25 dringend gebraucht werden, damit die Menschen sich und ihre Ordnungen nicht zerst\u00f6ren. Verhaltensmuster der Vergeltung verg\u00e4llen alle M\u00f6glichkeiten der Vers\u00f6hnung, vergiften alle Hoffnung auf dauerhafte Kooperation. Zur Best\u00e4tigung dieser Erfahrung brauchen wir nicht erst in den Nahen und Mittleren Osten schauen oder reisen.<\/p>\n<p>Ihre verbindende Kraft kann der Verzicht auf Vergeltung allerdings nur zur Wirkung bringen, wenn sie nicht ausgenutzt wird, sondern ihre Wirkung aus\u00fcben kann.<\/p>\n<p>Christi Leiden und Sterben ist ein Zeichen daf\u00fcr, wie schwer es diese Kultur der Nicht-Vergeltung hat; er wurde umgebracht, obwohl es Menschen gab, die ahnten, da\u00df er eine tiefe Wahrheit in die sich weitende Welt des r\u00f6mischen Reiches gebracht hatte; einige seiner Kritiker haben wahrscheinlich gerade deshalb f\u00fcr seinen Tod pl\u00e4diert, weil sie die \u00dcberforderung durch diese neue Ordnung f\u00fcrchteten.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nTheologische Fakult\u00e4ten pflegen gewi\u00df diesen und jenen bedeutenden Wissenschatz, ihre zentrale Funktion aber ist die Produktion des grundlegenden Lebensmittels globaler Gesellschaften, das Vergebung hei\u00dft. Auch alle pastoralen Dienste, aller Religionsunterricht und alle Gemeindearbeit haben in der Hervorbringung einer Kultur der Nicht-Vergeltung ihren spezifischen sozialen Sinn. So tragen sie zur Erhaltung des Lebens bei, eines Lebens, das sich nicht als organische Funktion beschreiben l\u00e4sst, sondern in seiner allt\u00e4glichen Buntheit sich ereignet und den Wissenschaften zu erfassen und zu ordnen aufgegeben ist. Gestalt gewinnt die Kultur der Nicht-Vergeltung an runden Tischen und in den Runden um Abendmahlstische, beim Teilen aller G\u00fcter und Gaben und beim Teilen von Brot und Wein. (weitere Beispiele aus der eigenen Gemeinde.<\/p>\n<p>Man kann versuchen, mit Vertr\u00e4gen und Vereinbarungen das Zusammenleben von Menschen zu stabilisieren, die sich zun\u00e4chst einmal fremd sind, &#8211; und tut das ja auch. Die lebensnotwendige Atmosph\u00e4re des Vertrauens aber braucht immer neu Auffrischung aus Kulturen der Nicht-Vergeltung, frische Luft aus der Unterbrechung des \u201eWie du mir, so ich Dir\u201c.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re nicht so wichtig, da\u00df der Name Christus in der Verfassung des neuen Europa geschrieben steht, aber, da\u00df diese Kultur in der geplanten Komplexit\u00e4t nur auf dem Boden des \u201aGrundgesetzes der Nicht-Vergeltung\u2019 bl\u00fchen und gedeihen kann, das m\u00fcsste drin stehen.<\/p>\n<p>Der g\u00fctige Gott st\u00e4rke in uns die Bereitschaft, den Heiligen Geist der Nicht-Vergeltung unter uns gew\u00e4hren zu lassen, ihn nicht zu unterdr\u00fccken, auch da nicht, wo er uns Angst macht, weil wir die Bitte, allen zu vergeben, als \u00dcberforderung empfinden. Amen.<\/p>\n<p>(Die Predigt wird bis zum Sonntag im Schlussteil noch durch eigene Beispiele erweitert und illustriert werden: z. B. wie schwer es mir f\u00e4llt, den Drang zur Vergeltung zu unterdr\u00fccken.)<\/p>\n<p><strong>Lieder<\/strong> 112 \u2013 295 \u2013 648 \u2013 461<\/p>\n<p>Dieser Gottesdienst wird zur Er\u00f6ffnung des Sommersemesters 2004 gefeiert.<br \/>\nAls <strong>Einleitung<\/strong> zur Predigtreihe \u201eBeschriebene Bl\u00e4tter. Briefpost in der Medienwelt\u201c folgende Einleitung am Anfang des Gottesdienstes vorgetragen:<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde in der Bonner Schlosskirche,<br \/>\nzum Beginn des Sommersemesters begr\u00fc\u00dfe ich Sie sehr herzlich. Wir wollen wieder jeden Sonntag im Semester Gottesdienst feiern und Worte der Bibel \u00f6ffentlich auslegen, diesmal unter dem Titel \u201eBeschriebene Bl\u00e4tter\u201c, eine Anspielung auf die Textgrundlage der Predigten in diesem Semester. Die zweite Perikopenreihe liegt den Predigten in der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Zeit zugrunde, sie enth\u00e4lt wichtige Texte der neutestamentlichen Briefliteratur; die Reihe wird gelegentlich unterbrochen, die Gr\u00fcnde sind im Programm verzeichnet, mal eine feiernde Verbindung an Pfingsten, mal eine Rundfunk-Fernverbindung per DLF und Deutsche Welle &#8230;<\/p>\n<p>\u201eUnbeschriebene Bl\u00e4tter\u201c gibt es keine unter uns; nicht nur die hochansehnlichen Amtstr\u00e4ger, die ich wie immer besonders herzlich begr\u00fc\u00dfe, den neu in sein Amt getretenen Rektor unserer Universit\u00e4t, Herrn Prof. Dr. Matthias Winiger, die Dekane der theologischen Fakult\u00e4ten Prof. Dr. Wolfram Kinzig und Prof. Dr. Karl-Heinz Menke, sowie den Dekan der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakult\u00e4t, Prof. Dr. Mathias Schmoeckel \u2013 Kolleginnen und Kollegen, Freundinnen und Freunde der Evangelischen Schlo\u00dfkirche der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universit\u00e4t zu Bonn.<\/p>\n<p>Wir sind alle keine unbeschriebenen Bl\u00e4tter mehr, auch nicht die Studentinnen und Studenten, die sich zum ersten Semester in Bonn eingefunden haben; auch sie seien herzlich begr\u00fc\u00dft.<\/p>\n<p>Der ironische Unterton der Redewendung \u201ekein unbeschriebenes Blatt\u201c mag manchen st\u00f6ren. Aber im Ernst: Das Leben hat aus uns allen beschriebene Bl\u00e4tter gemacht, hat seine Spuren auf uns eingezeichnet. Ob wir deswegen gleich Briefe Christi sind, wie es der Apostel Paulus in seiner schwungvollen Metaphorik \u00fcber die Christen in Korinth einmal bemerkte, das lassen wir dahingestellt, jedenfalls finden wir uns im Gottesdienst immer wieder zusammen, um nachzusinnen \u00fcber das, was das Leben aus uns gemacht hat, was es auf die Bl\u00e4tter unserer Person geschrieben hat, und auch dar\u00fcber, was andere Menschen aus uns herauslesen, wenn sie uns erleben.<\/p>\n<p>Der <strong>Predigttext<\/strong> wird in einem gr\u00f6\u00dferen Ausschnitt aus dem Kapitel den Gottesdienstteilnehmer schriftlich vorliegen:<\/p>\n<p>Petr. 2, (11-17)(18-21a) <strong>21b \u2013 25<\/strong><\/p>\n<p>(11-17) Liebe Br\u00fcder, ich ermahne euch als Fremdlinge in dieser Welt: Haltet euch frei von Eigensucht und Begierde, die gegen die Seele streiten, und f\u00fchrt ein rechtschaffenes Leben mitten unter den Heiden, damit sie, die euch als \u00dcbelt\u00e4ter verleumden, eure guten Werke sehen und Gott preisen, wenn er alles ans Licht bringt.<\/p>\n<p>F\u00fcgt euch jeder menschlichen Ordnung um des Herrn willen: dem Kaiser, weil er am h\u00f6chsten steht, und den Statthaltern, weil sie von ihm beauftragt sind, die \u00dcbelt\u00e4ter zu bestrafen und die Rechtschaffenen zu belohnen. Denn das ist der Wille Gottes, da\u00df ihr mit guten Taten den unwissenden und t\u00f6richten Menschen das Maul stopft \u2013 als Freie und nicht als Leute, die die Freiheit zum Deckmantel der Bosheit machen, sondern als Menschen, die Knechte Gottes sind. Ehrt alle Menschen, habt die Br\u00fcder lieb, f\u00fcrchtet Gott, ehrt den Kaiser!<\/p>\n<p>(18-21a) Ihr Sklaven, ordnet euch in aller Gottesfurcht den Herren unter, nicht nur den g\u00fctigen und freundlichen, sondern auch den launenhaften. Denn das ist Gnade, wenn jemand ohne Schuld Unrecht leidet, weil sein Gewissen an Gott gebunden ist. Denn was ist das f\u00fcr ein Ruhm, wenn ihr eurer Verfehlungen wegen geschlagen werde und es geduldig ertragt? Aber wenn ihr wegen eurer guten Taten leidet und es ertragt, das ist Gnade bei Gott. Denn dazu seid ihr berufen;<\/p>\n<p>(21b-27) hat doch auch Christus f\u00fcr euch gelitten und euch ein Vorbild hinterlassen, damit ihr seinen Fu\u00dftapfen folgen sollt; er, der keine S\u00fcnde getan hat und in dessen Munde kein Betrug war; der nicht mit Schm\u00e4hungen antwortete, als er geschm\u00e4ht wurde, der nicht drohte, als er litt, sondern es dem anheim stellte, der gerecht richtet; der unsre S\u00fcnde mit seinem Leibe ans Holz hinaufgetragen hat, damit wir, wenn wir f\u00fcr die S\u00fcnde gestorben sind, f\u00fcr die Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr geheilt worden. Denn ihr wart wie die irrenden Schafe; aber nun seid ihr bekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.<\/p>\n<p><strong> Prof. Dr. Reinhard Schmidt-Rost<br \/>\nUniversit\u00e4tsprediger, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universit\u00e4t Bonn<br \/>\n<a href=\"mailto:R.Schmidt-Rost@uni-bonn.de\">e-mail: R.Schmidt-Rost@uni-bonn.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Gottesdienst in der Evangelischen Schlosskirche der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universit\u00e4t Bonn) Predigttext 1. 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