{"id":9905,"date":"2004-05-07T19:49:36","date_gmt":"2004-05-07T17:49:36","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9905"},"modified":"2025-06-28T09:43:15","modified_gmt":"2025-06-28T07:43:15","slug":"1-koenige-3-4-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-koenige-3-4-12\/","title":{"rendered":"1.K\u00f6nige 3, 4-12"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Predigt zur Konfirmation, Mai 2004<br \/>\n1. K\u00f6nige 3, 4-12 (Salomos Traum)<br \/>\n<strong>verfasst von Sibylle Reh<\/strong><\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p><em>[Lesung des Bibeltextes: 1.K\u00f6nige 3, 4-12] <\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,<\/p>\n<p>Konfirmation, das ist die Zeit der W\u00fcnsche und der Geschenke. Aber es ist auch die Zeit, in der die Jugendlichen die Kindheit hinter sich lassen und in die Zukunft blicken. Die Konfirmandenzeit, da werden mir die Eltern sicherlich zustimmen, f\u00e4llt in die Zeit, in der sich die Jugendlichen am deutlichsten sichtbar ver\u00e4ndern, reifer werden.<\/p>\n<p>In diesem Alter, wird der Druck, in der Schule etwas f\u00fcr die eigenen Zukunftschancen zu tun, immer gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p>Ihr Konfirmanden habt auch Tr\u00e4ume und W\u00fcnsche, wie ihr euch die Zukunft vorstellt.<\/p>\n<p>So passt, wie ich finde diese Geschichte von K\u00f6nig Salomo, der im Traum von Gott die Erf\u00fcllung eines Wunsches zusagt.<\/p>\n<p>Die Geschichte gleicht ein bisschen einem M\u00e4rchen, in dem eine gute Fee einen Wunsch erf\u00fcllt. Es gibt viele solcher Geschichten.<\/p>\n<p>Die griechische Sage berichtet von K\u00f6nig Midas, dem einst von einem Gott ein Wunsch gew\u00e4hrt wurde. Er bat darum, dass alles, was er anfasste, sich in Gold verwandelte. Als ihn dieser Wunsch erf\u00fcllt wurde, verhungerte er beinahe, weil er feststellen musste, dass man Gold nicht essen kann. Der Gott befreite ihn schlie\u00dflich wieder von diesem Geschenk.<\/p>\n<p>Es gibt das M\u00e4rchen vom Fischer und seiner Frau. Der Fischer fing einen seltsamen Fisch, der ihm W\u00fcnsche erf\u00fcllte. Nur weckte jede Erf\u00fcllung eines Wunsches bei seiner Frau einen neuen, gr\u00f6\u00dferen Wunsch. Schlie\u00dflich wollte sie wie Gott sein. Daraufhin wurde dem Fischer und seiner Frau alles, was sie bisher erhalten hatten, wieder weggenommen. Sie sa\u00dfen wieder in ihrer \u00e4rmlichen, stinkenden H\u00fctte.<\/p>\n<p>Es gibt sicherlich noch mehr Geschichten, wie gef\u00e4hrlich die Erf\u00fcllung eines Wunsches sein kann.<\/p>\n<p>Kurz gesagt: bedenke, worum du bittest, es k\u00f6nnte dir gew\u00e4hrt werden.<\/p>\n<p>Die Erz\u00e4hlung von K\u00f6nig Salomo aus der Bibel ist so lehrreich, wie die genannten M\u00e4rchen, allerdings zeigt sie noch mehr, nicht nur, weil sie gut ausgeht.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte den Anfang der Geschichte noch einmal etwas ausf\u00fchrlicher erz\u00e4hlen:<\/p>\n<p>Salomos Vater David war der j\u00fcngste Sohn eines Bauern gewesen, als Kind ein einfacher Schafhirte. Doch er wurde sp\u00e4ter K\u00f6nig, ein m\u00e4chtiger K\u00f6nig in Israel. Er hatte viele S\u00f6hne. Salomo war nicht der \u00e4lteste von ihnen. Dennoch wurde er der Erbe Davids und K\u00f6nig, als dieser starb. Nicht alle waren damit einverstanden, besonders seine Br\u00fcder nicht, aber auch nicht alle Heerf\u00fchrer und auch nicht alle aus dem Volk. Aber Salomo war und blieb der K\u00f6nig. Gott liebt nicht nur die erstgeborenen S\u00f6hne, die damals normalerweise am wichtigsten waren.<\/p>\n<p>Ein K\u00f6nig hatte viele Rechte: er konnte in einem Palast wohnen, viele sch\u00f6ne Pferde besitzen, sch\u00f6ne Frauen heiraten. Das war ein ganz anderes Leben, als das, was Salomos Vater David in diesem Alter als Hirtenjunge vor Augen hatte. Aber ein K\u00f6nig hatte nicht nur Rechte, er hatte auch Pflichten. Seine wichtigste Pflicht bestand darin, zu richten. Richten, das hie\u00df damals vor allem Recht schaffen und so f\u00fcr Gerechtigkeit und Frieden sorgen. Das hie\u00df, die Schwachen im Volk zu sch\u00fctzen, das hie\u00df aber auch das ganze Volk vor Feinden zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Als Salomo gerade K\u00f6nig geworden war, ging er zum Altar am Heiligtum in Gibeon, um sich an Gott zu wenden.<\/p>\n<p>Salomo erwartete sicherlich ein Zeichen von Gott, als er das Opfer darbrachte. Im alten Israel glaubte man, zu einem K\u00f6nig, der auf dem rechten Wege wandele, zu dem rede Gott in wichtigen Situationen, entweder durch Propheten, durch Orakel oder eben durch Tr\u00e4ume.<\/p>\n<p>Liebe Konfirmanden, es gehr aber heute nicht nur um K\u00f6nig Salomo, sondern um euch. Es geht nicht nur um Salomos W\u00fcnsche f\u00fcr sein Leben, sondern um eure W\u00fcnsche, um euer Leben.<\/p>\n<p>Wir Erwachsenen haben das Bed\u00fcrfnis, bei einem solchen Anlass wie heute dar\u00fcber nachzudenken, was f\u00fcr eine Welt ihr nun hineinwachst, wie diese Welt sein wird, wenn ihr erwachsen seid, und dar\u00fcber nachzudenken, wie ihr diese Welt mitgestaltet. Viele von euch haben mehr M\u00f6glichkeiten, euer Leben mitzugestalten, als es eure Eltern hatten, die meisten mehr M\u00f6glichkeiten, als es eure Gro\u00dfeltern haben. Wolfsburg ist eine junge Stadt, \u00e4lter als ihr, aber doch so jung, dass die meisten Familien hier nicht l\u00e4nger als seit ein oder zwei Generationen leben. Eure Eltern und Gro\u00dfeltern sind hier hergekommen, aus D\u00f6rfern der Umgebung, aus Ostpreu\u00dfen oder aus Kasachstan, um euch hier die besten M\u00f6glichkeiten f\u00fcr eure Zukunft zu geben.<\/p>\n<p>Ihr kommt heute zum Altar, nicht um Opfer zu bringen, sondern um Segen und das Abendmahl zu empfangen. Ihr seid keine K\u00f6nigss\u00f6hne und T\u00f6chter, kein Thron erwartet euch, sondern Schule, Ausbildung oder Studium, Berufsleben, Familie. Es gibt da so viele M\u00f6glichkeiten, so viele Entscheidungen: F\u00fcr oder gegen einen bestimmten Weg, f\u00fcr oder gegen einzelne Personen.<\/p>\n<p>Aber Gottes Beistand w\u00fcnschen wir f\u00fcr euch, damit ihr euren Lebensweg gehen k\u00f6nnt.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte die Geschichte von Salomo noch etwas weiter erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Salomo hatte, nachdem er am Altar war, die Begegnung mit Gott, auf die er gehofft hatte. Mehr noch, Gott forderte ihn auf, eine Bitte zu \u00e4u\u00dfern. Er brachte vor Gott, was ihm auf dem Herzen lag. Er sprach von David, seinem Vater, der vom Hirtenjungen zum K\u00f6nig wurde. Er dankte Gott f\u00fcr die Dinge, die er erhalten hatte, das gro\u00dfe Volk, \u00fcber das er K\u00f6nig geworden ist. Er sprach von den Aufgaben, die vor ihm lagen, er sprach von seiner Sorge, wegen der Verantwortung, die auf ihm lag.<\/p>\n<p>Danach trug er seine Bitte vor: Er wollte ein &#8222;<em>h\u00f6rendes Herz<\/em>&#8220; haben. Und unterscheiden, was gut und was b\u00f6se ist. Ein h\u00f6rendes Herz, was er f\u00fcr seine Aufgabe, das Richten braucht. Das Herz ist im alten Israel auch Sitz des Verstandes. Salomo wollte ein <em>h\u00f6rendes Herz<\/em> haben. Er wollte nicht alles aus sich selbst heraus entscheiden, nach Gesetzen, die er selber machte. Er wollte ein Herz, das auf Gottes Weisungen h\u00f6rt, ein Herz, das Gott sucht.<\/p>\n<p>Salomos Wunsch war nicht wie der Wunsch von Midas, der nur Gold wollte. Er war nicht wie die vielen W\u00fcnsche des Fischers und seiner Frau, die sich alle nur um Geld und Macht drehten. Salomo sagte gar nicht so genau, was er haben wollte. Er w\u00fcnschte sich zu wissen, was er wollte. Salomo verzichtete darauf, sich festzulegen. Er wollte nicht etwas haben, sondern etwas tun, er brauchte Hilfe f\u00fcr die Aufgaben, die vor ihm lagen. Er war bereit, sich etwas sagen zu lassen.<\/p>\n<p>Diese Bitte um ein <em>h\u00f6rendes Herz<\/em> wurde Salomo erf\u00fcllt. Er galt als der weiseste unter den K\u00f6nigen, unter seiner Herrschaft gab es lange Frieden im Land.<\/p>\n<p>Liebe Konfirmanden, wenn ihr jetzt zum Altar geht, dann habt ihr auch W\u00fcnsche, die ihr mitbringt. Gott sagt euch vielleicht nicht so klar, wie zu Salomo, dass ihr einen Wunsch frei habt. Aber in Jesu Namen d\u00fcrfen wir uns alle an Gott wenden. Jesus sagte einst: <em>Bittet, so wird euch gegeben<\/em>.<\/p>\n<p>Ihr habt sicherlich W\u00fcnsche f\u00fcr euer Leben, f\u00fcr diesen Tag. Vielleicht k\u00f6nnt ihr etwas von Salomo lernen und Gott sagen, was euch auf dem Herzen liegt.<\/p>\n<p>Ihr k\u00f6nnt von euch reden, eurer Familie, euren Freunden, euren Erfolgen und euren Sorgen.<\/p>\n<p>Ich denke, ihr steht auch manchmal unter Druck, wie Salomo. Ihr m\u00fcsst zwar kein Recht sprechen, aber ich vermute ihr habt manchmal das Gef\u00fchl, es allen recht machen zu m\u00fcssen: den Lehrern, den Eltern, den Freunden.<\/p>\n<p>Nun ist keinem von euch eine K\u00f6nigskrone in die Wiege gelegt worden, auch keinen unermesslichen Reichtum. Aber etwas haben alle f\u00fcr euch. Ganz verschiedene Gaben, man kann sie schwer vergleichen. Einigen f\u00e4llt das Lernen in der Schule leicht, anderen nicht, daf\u00fcr haben sie mehr Ausdauer, einige haben treue Freunde, einige haben meist gute Laune, einige sind sehr musikalisch&#8230;<\/p>\n<p>Jeder, jede von euch hat Gaben. Wenn ihr euch an Salomo haltet, dann kommen nach den Gaben die Aufgaben. Salomo hatte eine K\u00f6nigskrone, daraus folgte die Aufgabe, das Volk zu richten, f\u00fcr Gerechtigkeit zu sorgen. Ihr m\u00fcsst eure Aufgaben noch finden. Auch dazu braucht ihr ein h\u00f6rendes Herz. Das Wort Gottes das f\u00fcr Salomo Leitfaden ist, kann auch euch helfen.<\/p>\n<p>Ihr habt einzelne Gaben, wir haben als Christen auch alle eine gemeinsame Gabe.<\/p>\n<p>Ihr geht heute zum Altar. Ihr sagt auch ja zum christlichen Glauben. Damit bekennt ihr euch zu Gott und zur Gemeinschaft in der Kirche.<\/p>\n<p>Als Christen seid ihr Teil einer gro\u00dfen Gemeinschaft, eine Gemeinschaft, die es \u00fcberall in der Welt gibt. Ihr geh\u00f6rt schon seit der Taufe zu dieser Gemeinschaft, aber jetzt wird diese Taufe best\u00e4tigt. Jetzt seid ihr nicht nur auf Wunsch eurer Eltern, sondern auf eigenen Wunsch Glieder dieser Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Ihr erhaltet die Gaben, zum Beispiel das Abendmahl, das Mahl der Gemeinschaft untereinander, der Gemeinschaft mit Jesus.<\/p>\n<p>Ihr habt auch Aufgaben. Eine Aufgabe ist es, treu zu der Gemeinschaft der Christen zu stehen, auch wenn es mal etwas schwerer wird, auch wenn mal etwas von euch verlangt wird.<\/p>\n<p>Liebe Konfirmanden, liebe Gemeinde, welche Gaben Sie auch empfangen haben, welche Aufgaben auch vor Ihnen liegen, welche W\u00fcnsche und Sehns\u00fcchte in Ihnen liegen, ich w\u00fcnsche Euch und Ihnen ein <em>h\u00f6rendes Herz, <\/em>dass sie von Gott Rat und Hilfe empfangen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong> Sibylle Reh<br \/>\nJenaer Str. 58<br \/>\n38444 Wolfsburg<br \/>\n<a href=\"mailto:sreh@gmx.de\">sreh@gmx.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zur Konfirmation, Mai 2004 1. K\u00f6nige 3, 4-12 (Salomos Traum) verfasst von Sibylle Reh [Lesung des Bibeltextes: 1.K\u00f6nige 3, 4-12] Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, Konfirmation, das ist die Zeit der W\u00fcnsche und der Geschenke. 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