{"id":9915,"date":"2021-02-07T19:49:43","date_gmt":"2021-02-07T19:49:43","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9915"},"modified":"2022-10-02T16:30:15","modified_gmt":"2022-10-02T14:30:15","slug":"psalm-84-und-lukas-2-41-52-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/psalm-84-und-lukas-2-41-52-2\/","title":{"rendered":"Psalm 84 und Lukas 2, 41-52"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p><em>Das Bild vom balancierenden Clown<\/em><br \/>\nDer d\u00e4nische Zeichner Storm P. hat einen Clown gezeichnet, der auf einem Seil geht. Das Seil ist zwischen zwei Masten aus\u00adgespannt. An Jedem Mast steht eine Leiter. An dem einem Mast sehen wir eine Wiege. Von der hat sich der Clown seinerzeit erhoben, eher er auf das Seil kletterte. Am anderen Mast finden wir ein offenes Grab. Das wartet auf den Clown. Wie man sagt: Es gibt zwei H\u00e4fen, uns namentlich bekannt, der eine ist unsere Wiege, der andere unser Grab.<br \/>\nNach der Geburt die erste schwere Zeit, wo einem die Leiter St\u00fctze und Hilfe gibt. Am Ende gibt die Leiter wieder Hilfe, um ins Grab zu kommen. Aber zwischen der Kindheit und dem Alter balancieren wir. Immer drauf und dran, das Gleichgewicht zu verlieren und abzust\u00fcrzen.<\/p>\n<p><em> Ein Bild von uns und der Weise, in der wir leben<\/em><br \/>\nDas ist ein Bild von uns und unserem Leben. Wir wollen das Leben selbst meistern &#8211; und wir haben M\u00f6glichkeiten wie nie zuvor. Wir wollen gerne frei und selbst\u00e4ndig sein. Niemand soll sich zum Herrn \u00fcber uns aufschwingen. Es geht darum, nicht das Gleich\u00adgewicht zu verlieren. Einige st\u00fcrzen ab und man mu\u00df ihnen wieder aufs Seil helfen. Deshalb geht es darum, da\u00df einem das Leben gelingt und man gut durchs Leben kommt.<\/p>\n<p><em> Das alte Christentum<\/em><br \/>\nDas Christentum ist fast zweitausend Jahre alt, und die Kirchen sind mit die \u00e4ltesten Geb\u00e4ude \u00fcberhaupt in D\u00e4nemark. Aber die Kirchen sind keine Museen \u00fcber die guten alten Tage, damals als D\u00e4nemark noch ein christliches Land war. Die Kirche ist ein lebendiges Haus. Ein Haus, das f\u00fcr den Gottesdienst gebaut ist. Ein Raum, wo lebendige Menschen sich heute versammeln k\u00f6nnen Ein Raum, wo wir mit all dem kommen k\u00f6nnen, was uns anr\u00fchrt und bewegt. Alle unsere Sorgen und Freuden. Und wo wir Hilfe erfahren, mit beidem zu leben.<\/p>\n<p><em> Die Zeit Jesu und unsere Zeit<\/em><br \/>\nAuch wenn es zweitausend Jahre her ist, da\u00df Jesus hier auf Erden umherging, und auch wenn wir anders mit einander reden als damals, so treffen uns seine Worte aus dem heutigen Evangelium heute mitten in unserem Leben. Sie sind aktueller als die Zeitung von heute morgen.<br \/>\nMan kann sich manchmal dar\u00fcber wundern, wie sehr sich die Zeit Jesu und unsere Zeit gleichen. Wie balancieren auf dem Seil zwischen Wiege und Grab. Und wir wollen selber bestimmen. Das ist unser Leben. Ich bin niemandem untertan. Und vielleicht f\u00fcgen wir hinzu: Ich brauche keine Religion oder keinen Erl\u00f6ser. Ich komme selbst zurecht.<br \/>\nAls Jesus den Leuten erz\u00e4hlte, da\u00df er von Gott gesandt und da\u00df sein Wort das Wort Gottes sei, kamen viele zum Glauben an ihn. Aber als er dann sagte, da\u00df die Wahrheit, der Glaube an ihn, sie frei machen werde, da reagierten sie heftig. Da kam das freiheitliche Selbstbewu\u00dftsein in ihnen auf. Was sollten sie mit Freiheit? Die hatten sie ja schon. &#8222;Wir sind Abrahams Nachkommen und waren niemandem untertan. Wie kannst du sagen: Ihr sollt frei sein?&#8220; Und da antwortet Jesus mit Worten, die hart und brutal zu sein scheinen. Er sagt ihnen, da\u00df sie S\u00fcnder sind. Sie sind Knechte der S\u00fcnde. Und sie k\u00f6nnen erst wirklich frei sein, wenn der Sohn sie frei gemacht hat.<\/p>\n<p><em> Religion und Freiheit<\/em><br \/>\nIn Nordirland k\u00e4mpfen Protestanten und Katholiken gegeneinander. Beide Seiten sind Christen, aber die Religion wird dazu benutzt, sie gegen einander aufzubringen. In Nigeria stehen Christentum und Islam vielerorts scharf einander gegen\u00fcber. Einige der islamischen Teilstaaten Nigerias haben die Scharia eingef\u00fchrt, das islamische Gesetz. Dieses Gesetz erm\u00f6glicht es, Frauen zu Tode zu steinigen im Namen der Religion. Und in Indien bek\u00e4mpfen Moslems und Hindus einander so heftig, da\u00df es viele Menschenleben kostet.<br \/>\nDie Welt hat die Wunden nach dem 11. September noch nicht verwunden, wo islamische Fanatiker in ihrem Kampf gegen die USA tausende unschuldige B\u00fcrger mit sich in den Tod rissen. Und neulich schrieb ein Pfarrer einen Leserbrief gegen einen Menschen, der sich sehr einseitig ausgedr\u00fcckt hatte: &#8222;Das klingt so, als sei der Mann in einem Bethaus aufgewachsen&#8220;. Ja, wir kennen die Vorurteile gegeneinander auch bei uns.<\/p>\n<p><em> Schaff die Religion ab, und du wirst frei<\/em><br \/>\nEs scheint, als seien Religion und Freiheit zwei Gegens\u00e4tze. Es scheint als besetze die Religion einen Menschen, \u00fcbernehme einen Menschen und mache diesen Menschen zu einem Knecht, einem Sklaven der Religion.<br \/>\nOder anders gesagt: Wenn wir gerne frei sein wollen, wenn wir Vorurteile zwischen Menschen vermeiden wollen, dann m\u00fcssen wir die Religion abschaffen und unter unseren eigenen Bedingungen leben. Dann k\u00f6nnen wir jeweils ungest\u00f6rt auf unserem Seil tanzen und die Balance in der Zeit zwischen unserer Wiege und unserem Grab halten. Mach dich frei von Gott. Dann wirst du wirklich frei sein. Das scheint der unausgesprochene Grundton in diesen Jahren zu sein. Und wenn wir an die grauenvollen Taten und die unmenschlichen Einstellungen denken, die die Religion in einem Menschen hervorbringen kann, verstehen wir vielliecht gut, da\u00df man so reden kann.<\/p>\n<p><em> Freiheit und S\u00fcnde<\/em><br \/>\nAber Freiheit ist nicht nur Freiheit, zu tun, was man will. Dann zeigt sich n\u00e4mlich immer wieder, da\u00df wir nur zu Sklaven unserer selbst werden. Der Mensch, der sich selbst nicht in die Augen schauen kann, der Mensch, keinen anderen freien Menschen neben sich dulden kann, ist nicht frei. Wie sehr dieser Mensch auch von Freiheit redet und sie zu haben meint, so ist er dennoch an H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen gebunden. Gebunden von dem, was Jesus S\u00fcnde nennt. S\u00fcnde ist, da\u00df wir uns selbst wollen. Da\u00df wir uns selbst in den Mittelpunkt stellen. Da\u00df wir von anderen Menschen sagen, da\u00df ihnen so geschieht, wie sie es verdienen, denn jeder ist seines Gl\u00fcckes Schmied.<\/p>\n<p><em> Bischof Gunner<\/em><br \/>\nVor vielen Jahren schrieb der d\u00e4nische Bischof Gunner von Viborg seine ber\u00fchmte Vorrede zum &#8222;j\u00fctl\u00e4ndischen Gesetz&#8220;. Hier sagt er, warum unserer Gesellschaft Gesetze braucht: &#8222;Mit Gesetz soll man das Land aufbauen, aber wenn jeder sich mit seinem eigenen Gesetz begn\u00fcgte und dem anderen dasselbe Recht einr\u00e4umte, dann brauchte man kein Gesetz. Kein Gesetz ist so gut zu befolgen wie die Wahrheit, aber wo man im Zweifel dar\u00fcber ist, was Wahrheit ist, da mu\u00df das Gesetz die Wahrheit zeigen. G\u00e4be es kein Gesetz im Lande, da h\u00e4tte der am meisten, der sich am meisten zusammen\u00adraffen kann. Deshalb mu\u00df das Gesetz den Bed\u00fcrfnissen aller Rechnung tragen, damit Rechtschaffne und Friedliche und Unschul\u00addige ihren Frieden haben k\u00f6nnen, und Ungerechte und B\u00f6se sich vor dem f\u00fcrchten k\u00f6nnen, was im Gesetz geschrieben ist, und deshalb die b\u00f6sen Taten nicht verwirklichen, die sie im Sinne haben&#8220;.<br \/>\nSo ist der Mensch. Wir wollen uns nicht mit dem begn\u00fcgen, was wir haben. Wir wollen den anderen nicht dasselbe Recht zugestehen. Weil wir Knechte der S\u00fcnde sind. Wir wollen uns selbst und das was uns geh\u00f6rt. Und am schlimmsten: Wir wollen unsere eigenen G\u00f6tter sein. So kam die S\u00fcnde in die Welt, damals als die Schlange Adam und Eva zu Fall brachte, weil er sagte: &#8222;Gott wei\u00df, wenn Ihr von dem Baum der Erkenntnis von Gut und B\u00f6se e\u00dft, werdet Ihr wie Gott und kennt Gut und B\u00f6se&#8220;.<\/p>\n<p><em> Die Befreiung in Christus<\/em><br \/>\nAber es gibt etwas, das Gewissen hei\u00dft. Wenn wir allein sind. Wenn sich die Dunkelheit \u00fcber uns senkt und wir schlafen sollen, kommen die Gedanken zu uns. Dann spricht das Gewissen. Das Gewissen bedeutet n\u00e4mlich &#8222;Mit-Wissen&#8220;. Das, was allen verborgen ist, wie ich glaube, ist Gott nicht verborgen. Er wei\u00df es auch. Deshalb l\u00e4\u00dft uns das Gewissen nicht in Ruhe. Gott legte einen Stumpf von sich selbst in uns am Morgen der Sch\u00f6pfung. Deshalb spricht das Gewissen in uns seine Sprache.<br \/>\nUnd deshalb ist es so schwer, sich selbst in die Augen zu sehen, sich dem Alltag und dem Mitmenschen zu \u00f6ffnen. Wenn wir uns selbst \u00fcberlassen w\u00e4ren und nicht an Gott glauben k\u00f6nnten, dann w\u00e4ren wir an H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen gebunden an uns selbst. Von dem, was die Kirche S\u00fcnde nennt. Und das Gewissen w\u00fcrde uns nicht in Ruhe lassen.<\/p>\n<p><em> Vergebung<\/em><br \/>\nDie Freiheit in Christus bedeutet, da\u00df das Gewissen nicht Unruhe und Unfrieden in uns schafft, sondern vielmehr Geborgenheit und Befreiung. Denn Gott sagt zu uns: Ich kenne dich vielleicht besser als du sich selber kennst. Ich kenne nicht nur alles, was du getan und gesagt hast, sondern auch all das, was du gedacht hast. Aber du bist mein Kind. Und wie ein Vater seine Kinder liebt &#8211; so liebe ich dich.<br \/>\nDeshalb kannst du dir selber in die Augen schauen. Da ist einer, der dich getragen hat und deine Taten und Worte, seit du in die Welt gekommen bist und getauft wurdest. Du bist nicht dir selber \u00fcberlassen auf dem unsicheren Seil zwischen Wiege und Grab. Ich bin mit dir auf dem ganzen Wege. Du bist mein Kind.<br \/>\nWenn du nur dem ins Auge schauen wolltest. Ob du nur aufh\u00f6ren wolltest, dir selbst einzubilden, da\u00df du frei bist, da\u00df du selber ohne mich mit dem Leben fertig werden kannst. <em>Das<\/em> ist die Befreiung, <em>das<\/em> ist das Heil f\u00fcr den Menschen, sein leben in Gottes Hand zu legen. Dann k\u00f6nnen wir uns f\u00fcr unseren Mitmenschen \u00f6ffnen.<br \/>\nUnd das ist zugleich der Unterschied zwischen dem Chri\u00adstentum und den meisten anderen Religionen: Als Christ h\u00e4ngt dein Heil nicht von deinen Werken ab, sondern dein Heil ist Sache Gottes &#8211; wenn du nur darauf vertraust, da\u00df Jesus alles vollbracht hat. Amen.<\/p>\n<p><strong> Bischof Karsten Nissen<br \/>\nDomkirkestr\u00e6de 1<br \/>\nDK-8800 Viborg<br \/>\nTel.: ++ 45 &#8211; 86 62 09 11<br \/>\n<a href=\"mailto:kn@km.dk\">E-mail: kn@km.dk<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Bild vom balancierenden Clown Der d\u00e4nische Zeichner Storm P. hat einen Clown gezeichnet, der auf einem Seil geht. Das Seil ist zwischen zwei Masten aus\u00adgespannt. An Jedem Mast steht eine Leiter. An dem einem Mast sehen wir eine Wiege. Von der hat sich der Clown seinerzeit erhoben, eher er auf das Seil kletterte. 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