{"id":9921,"date":"2021-02-07T19:49:33","date_gmt":"2021-02-07T19:49:33","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9921"},"modified":"2022-10-21T18:01:06","modified_gmt":"2022-10-21T16:01:06","slug":"matthaeus-27","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-27\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 27"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>Was tut man in einer Abschiedssituation! Wenn man auf der Schwelle von der einen Zeit zur anderen steht? Was tut man, wenn man dasteht und jemanden verlassen soll, Leute sich selbst \u00fcberlassen soll, weil man selbst wo anders hin soll?<br \/>\nMan spricht ein Gebet? Davon handelt die Predigt heute.<\/p>\n<p>1.<br \/>\nJesus ist mit seinen J\u00fcngern zusammen, ehe er sie verl\u00e4\u00dft. Am Donnerstag, dem Himmelfahrtstag, h\u00f6ren wir von seinem Fortgang. Heute geht es um seine letzten Worte, die Worte, wo er sein Leben zusammenfa\u00dft und die Bedeutung, die es gehabt hat. Was habe ich zustande gebracht? Was habe ich gewollt? Welche Konsequenz hat es?<br \/>\nJesus hat getan, was er sollte. N\u00e4mlich Menschen zu zeigen, wer Gott ist. Und das ist das ewige Leben: Gott zu kennen und Gott in Jesus zu kennen.<br \/>\nUnd deshalb handelt das Gebet auch davon, da\u00df alle die, die an Gott glauben, sich auch an ihn halten und an Gott festhalten werden. Trotz aller Unterschiede bindet der Glaube an Gott zusammen. Zu einer Einheit, einem Zusammenhang.<br \/>\nVielleicht ist es auch das, was uns verbindet. Hier und heute. Wir kommen aus jeweils unserem Zusammenhang. Wir sind verschieden &#8211; Kinder und Alte, Junge und Erwachsene, Familien und Alleinstehende, wirtschaftlich Gutgestellte und Wenigerbemittelte &#8211; aber wir sitzen hier im selben Raum, sehen in dieselbe Richtung &#8211; zum Altar, wir haben unsere Gedanken auf Gott gerichtet.<br \/>\nIn unserer Verschiedenheit haben wir doch den Gottesdienst gemeinsam. Der Gottesdienst hebt unsere Besonderheiten auf, unsere Spezialit\u00e4ten. Der Gottesdienst macht uns allgemein. Und das ist eine gro\u00dfe Gnade.<\/p>\n<p>2.<br \/>\nWenn wir danach fragen, worin das allgemeine Leben nach dem Evangelium des heutigen Tages besteht, dann kann das in dem Wort &#8222;geben&#8220; zusammengefa\u00dft werden. Das Wort taucht zehn Mal auf in den elf Versen, die ich vorgelesen habe. Man kann in verschiedener Weise geben. In einem Verh\u00e4ltnis zu einem Partner gibt man etwas und bekommt etwas daf\u00fcr. Das gilt typisch, wenn wir einkaufen. Aber man kann auch in einer ganz anderen Weise geben, wo die Gabe in sich entscheidend ist.<br \/>\nDas erste, wo wir etwas geben und etwas daf\u00fcr bekommen, geschieht, wenn wir ein paar Euro geben und daf\u00fcr eine Zeitung bekommen. Verlangt der H\u00e4ndler 10 Euros, bekommt er sie nicht, und ich bekomme auch keine Zeitung. Denn bei einem Kauf mu\u00df das, was wir geben, dem entsprechen, was wir bekommen. Eine Hand w\u00e4scht die andere. Wo wir handeln und tauschen, sind diese Dinge wichtig.<br \/>\nMan mu\u00df sich nur einig sein \u00fcber den Wert. Und unser Leben ist voll von solchen Absprachen, wo ich meinen Beitrag leiste und der andere den seinen. Die Partner, die sich austauschen, brauchen einander nicht zu kennen. Nicht das Verh\u00e4ltnis zwischen ihnen ist entscheidend, sondern das, was den Besitzer wechselt. So ist es, wenn wir zu NETTO, SPAR gehen, zum Arzt, zu unserem Anwalt. Eine Hand w\u00e4scht die andere. Wir machen einen Handel, das ist eine praktische Veranstaltung, aber problematisch wird es, wenn wir als Mitmenschen miteinander so handeln, also wenn wir den Mitmenschen verdinglichen.<\/p>\n<p>3.<br \/>\nDas Gebet Jesu ist ein anderes Geben. Es entspricht dem, wo Eltern ihrem Kind einen Ku\u00df geben, wo der Geliebte einen Blumenstrau\u00df erh\u00e4lt und der Ehegatte ein Geburtstagsgeschenk. Diese Verh\u00e4ltnisse zwischen Eltern und Kindern, Geliebten und Eheleuten und zwischen Freunden sind dadurch gekennzeichnet, da\u00df die Beziehung schon zuvor besteht. Sie besteht vor der Gabe, die gegeben wird.<br \/>\nUnd es ist nicht entscheiden, <em>was<\/em> gegeben wird, sondern <em>da\u00df<\/em> gegeben wird. Die Beziehung h\u00e4ngt nicht von der Gabe ab, sondern die Gabe best\u00e4tigt, da\u00df eine Beziehung besteht. Nicht eine Birne f\u00fcr einen Apfel, sondern eine Birne, weil, ich nicht anders kann.<br \/>\nAber dann mu\u00df man fragen: Die Gabe, die man seinen Kindern, seinem Ehepartner, seinen Freunden gibt &#8211; bekommt der Geber nichts daf\u00fcr? Seht wohl, man bekommt etwas. Aber der entscheidende Unterschied zu einem Handel beim Kaufmann besteht darin, da\u00df man nicht gibt, um etwas daf\u00fcr zu bekommen, sondern da\u00df wir das, was wir bekommen, bereits im Voraus bekommen haben: die Freude der Kinder, die Lebe des Ehepartners und die Freundschaft der Freunde.<br \/>\nDie Gabe ist Zeichen f\u00fcr das, was ist. Und das, was ist, bekomme ich, wenn ich gebe.<\/p>\n<p>4.<br \/>\nEs ist wohl in dieser Weise zu verstehen, wenn Jesus von dem spricht, was er von Gott bekommen hat. Das ist kein Handel, sondern Teil einer lebendigen Beziehung zwischen ihm, uns und Gott. Wie wenn er sagt: &#8222;Ich habe deinen Namen offenbart den Menschen, die du mir von der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben&#8220;.<br \/>\n&#8222;Sie waren dein&#8220;. Wieder dies, da\u00df wir trotz unserer Verschiedenheit ihm geh\u00f6ren. Jeder Mensch, hoch oder niedrig, jung oder alt, geh\u00f6rt Gott, ganz gleich ob wir mit ihnen so umgehen, als geh\u00f6rten sie uns, und unser Verh\u00e4ltnis zu ihnen zu einem Handel machen. Was wir ja oft tun.<br \/>\nMan denke nur an die Klischees:<br \/>\nWenn wir unseren Kindern eine gute Erziehung geben, dann haben sie gef\u00e4lligst auch dankbar zu sein.<br \/>\nWenn der Ehepartner meine Liebe empf\u00e4ngt, habe ich auch Anspruch auf seine Liebe.<br \/>\nUnd wenn ich Zeit f\u00fcr meine Freunde aufbringe, habe ich auch etwas zugute, sonst w\u00e4ren wir keine Freunde.<br \/>\nSo l\u00e4uft es, wo Menschen nicht Gott geh\u00f6ren und wir einander besitzen wollen. Wenn wir umrechnen nach dem Motto: Eine Hand w\u00e4scht die andere.<br \/>\nBeim Gott des Lebens aber ist es anders. Und die Erfahrung lehrt uns das.<br \/>\nDie Liebe der Eltern zu ihren Kindern ist nicht wie die der Kinder zu ihren Eltern und soll auch nicht so sein. Da wird immer ein Unterschied sein.<br \/>\nUnd auch in dem harmonischsten Verh\u00e4ltnis zwischen zwei Partnern wird nicht mit derselben Liebe geliebt.<br \/>\nEs gibt keinen gemeinsamen Nenner in einem lebendigen Verh\u00e4ltnis. Den gibt es nur in einem Handel &#8211; mit Zeitungen, Autos, Brot. Aber in der Liebe gibt es keine Umrechnungstabelle, da\u00df ich das bekomme, wof\u00fcr ich bezahlt habe.<\/p>\n<p>5.<br \/>\n&#8222;Ich habe deinen Namen offenbart den Menschen, die du mir von der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben&#8220;. So betet Jesus zu dem Gott, den er seinen Vater im Himmel nennt, weil er in einer lebendigen, engen und liebenden Beziehung zu ihm steht.<br \/>\nZwei Dinge sind in diesem Gebet wichtig:<br \/>\n1. Die Worte dar\u00fcber, da\u00df der Mensch aus der Welt genommen ist. Wie schon gesagt: Wir sind verschieden, aber hier in diesem Haus sind wir dieselben: Wir sind aus der Welt genommen hinein in den heiligen Raum. Das ist nicht etwas Besonderes. Ich meine: Das ist nicht etwas \u00dcberraschendes, da\u00df Gott die Menschen aus der Welt nimmt. Jede Beziehung entsteht ja dadurch, da\u00df einer andere aus ihrer Welt in seine eigene nimmt. Nehmt die Kinder, die wir heute taufen: Sie geh\u00f6ren bestimmten Eltern, die haben Paten f\u00fcr sie gew\u00e4hlt. Die sind aus der Welt genommen. Da ist ein bestimmter Ring um ihre Beziehung gezogen.<br \/>\nOder eine Liebesbeziehung: Der eine hat den anderen aus der Welt genommen &#8211; ein Ring ist um die Beziehung gezogen.<br \/>\nSo auch mit Gott. Wer ist der Gott, der uns aus der Welt genommen hat?<br \/>\nIst es der Gott, der Abraham verhei\u00dfen hat, er werde ein gro\u00dfes Volk werden, und der ihm in seinem Alter eine Sohn gab &#8211; um ihn am Berg Moria wieder zur\u00fcckzufordern? Gott verlangte von Abraham Isaak als Opfer, den Sohn, den ihm Gott selbst gegeben hatte?!<br \/>\nOder ist es der Gott, dem Moses auf dem Berg Sinai begegnete, wo er die zehn Gebote als Gabe erhielt? Aber als Gott sah, da\u00df die Menschen die Gebote nicht hielten, sandte er die Heere des Feindes \u00fcber das Land. Ist das der Gott der <em>Rache<\/em>, der die straft, die nicht zur\u00fcckzahlen k\u00f6nnen, und der gibt, um zu bekommen?<br \/>\nNein! Das ist nicht der Gott, der der Vater Jesu im Himmel ist, oder unser Gott! Jesus f\u00e4hrt ja auch fort in seinem Gebet: &#8222;Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben&#8220;.<br \/>\nDas ist die Wende. Wir geh\u00f6ren einem anderen Gott als dem Gott der Rache. Einem anderen Gott als dem, der opfert. Wir sind von dem Gott erw\u00e4hlt und geh\u00f6ren dem Gott, von dem Jesus im Evangelium erz\u00e4hlt.<br \/>\nDas ist in Wahrheit erfreulich. Das bedeutet, da\u00df Gott nicht nur ein gebender Gott ist, sondern ein vergebender Gott. Gott ist wie ein Vater, der seinem verlorenen Sohn entgegenl\u00e4uft und ihm und uns alles wiedergibt, was verspielt worden ist. Alles kann man verlieren, nur nicht die Liebe Gottes. Sie dauert von f\u00fcr ewig und zum ewigen Leben.<br \/>\nEhre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, so auch immerdar. Und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.<\/p>\n<p><strong>Pfarrer J\u00f8rgen Demant<br \/>\nHjortek\u00e6rsvej 74<br \/>\nDK-45 88 40 Lyngby<br \/>\nTel.: ++ 45 &#8211; 45 88 40 75<br \/>\n<a href=\"mailto:j.demant@wanadoo.dk\">email: j.demant@wanadoo.dk<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was tut man in einer Abschiedssituation! Wenn man auf der Schwelle von der einen Zeit zur anderen steht? 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