{"id":9927,"date":"2021-02-07T19:49:30","date_gmt":"2021-02-07T19:49:30","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9927"},"modified":"2022-10-24T11:43:38","modified_gmt":"2022-10-24T09:43:38","slug":"1-timotheus-2-1-6a-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-timotheus-2-1-6a-6\/","title":{"rendered":"1. Timotheus 2, 1-6a"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>Gnade sei mit euch und Friede, von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.<\/p>\n<p>La\u00dft uns einmal nachdenken \u00fcber das Beten. Beten zu Gott, rufen zu Gott, schreien zu Gott, reden zu Gott, fl\u00fcstern zu Gott. Woher kommen diese Worte, die wir zu Gott reden? Aus dem Innersten kommen sie \u2013 aus einem Inneren, das tiefer ist als das Ich des Alltags.<\/p>\n<p>Wir beten im Gottesdienst. Oder zu Hause. Mit den Kindern. Oder alleine. Wir falten die H\u00e4nde. Manche stehen. Manche sitzen. Manche knien. Manche schlie\u00dfen die Augen. Manchmal beten wir mit lauten Worten. Und manchmal beten wir in die Stille. Aber immer ist es, als w\u00e4re es die Mitte der Zeit.<\/p>\n<p>Wir danken \u2013 f\u00fcr den Atem, f\u00fcr das Licht, f\u00fcr den Grund, auf dem wir stehen. Wir fragen. Wir bitten. Warum bitten wir? Gut, Gr\u00fcnde, sich eine Ver\u00e4nderung zu w\u00fcnschen, gibt es genug. Die Ungerechtigkeit der Armut. Die Arroganz vieler M\u00e4chtiger. Die engen Herzen der Fanatiker. Die Dummheit des Geldes. Die feiste Dummheit der Selbstsicheren. Und dann die Einsamkeit in den H\u00e4usern der Alten. Der einsame Tod. Und manchmal die bodenlose Suche nach Selbstwert.<\/p>\n<p>Aber warum beten? Ich h\u00f6re den Spott \u00fcber die Gesundbeter. Beten statt rausgehen und Handeln? K\u00f6nnen wir denn Gott bewegen, da\u00df er dann hingeht und alles richtet? Und wenn wir ihn nicht b\u00e4ten, dann lie\u00dfe er es? &#8211; Beten ist \u00fcber den Verstand. Was im Beten geschieht, ist tiefer, als das Ich sich ausrechnen kann.<\/p>\n<p>Gut, Gr\u00fcnde, sich eine Ver\u00e4nderung unserer Welt zu w\u00fcnschen, gibt es genug. Das sehen nicht nur Christen. Ungerechtigkeit, Mi\u00dfbrauch der Macht, Arroganz, Dummheit der Seele, Fanatismus, Einsamkeit. Aber was ist der Inbegriff? Habe ich denn das Wesentliche schon genannt? Warum Menschen auch noch nach Erl\u00f6sung rufen, wenn es ihnen \u00e4u\u00dferlich gutgeht? Der geheime Grund auch f\u00fcr Habgier, Arroganz, Fanatismus? &#8211; Ich sage: der Grund aller Sehnsucht, und auch der Grund aller Lebensl\u00fcgen ist der Tod. Die Angst. Da\u00df wir Gott nicht sehen. &#8211; Mein Gott, wir sind nicht die Macher! Wir Menschen kennen die Grenze, wir kennen den Tod! Wir sch\u00f6pfen das Leben nicht aus uns selbst! Wir brauchen einen Grund des Lebens, einen Sinn! Alle Menschen! Die ganze Menschheit ist krank, ohne Grund, ohne Sinn, ohne Gott.<\/p>\n<p><strong>[Lesung 1.Tim.2,1-6a] <\/strong>So steht es im 1.Brief an Timotheus, Kapitel 2.<\/p>\n<p>Erl\u00f6sung. Ich glaube, im Grunde gibt es nur eine Bitte, die wir beten &#8211; &#8211; wir werden still und stehen vor Gott. Wir \u00f6ffnen uns wie sonst nie. Tiefer als wir sehen k\u00f6nnen. Gott ist die Stille. Und wir geben ihm unser Denken, unser Leben, unsere Liebe, unsere Sprache.<\/p>\n<p>Aber eigentlich ist das alles ja schon bei ihm &#8211; unser Denken, unser Leben, unsere Liebe, unsere Sprache. W\u00fcrden wir sonst beten? \u201e<em>Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, n\u00e4mlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat f\u00fcr alle zur Erl\u00f6sung.<\/em>\u201c Gott ist nicht fern. Gott ist nicht schwarz. Er ist nicht hinter den Sternen. Wir m\u00fcssen ihn nicht erst suchen. Als all unser Fragen, all unser Schmerz, auch all die Leiden der Kranken, der Verzwifelten, als all unsere Einsamkeit in einem Punkt versammelt war, als der Mensch des Glaubens, der Mensch der Hoffnung, der Mensch der Liebe in dieser Welt starb \u2013 da ist Gott endg\u00fcltig zu uns gekommen. Hat unser Leben zu seinem Leben gemacht. Unsern Tod. Unsere Liebe. Gott hat selbst gegeben f\u00fcr alle zur Erl\u00f6sung. Kein Verstand ermi\u00dft, was das hei\u00dft.<\/p>\n<p>Vielleicht beten wir um Glauben, um Gl\u00fcck, um Kraft und Bewahrung. Aber im Grunde beten wir immer um Gott selber. Im Grunde beten wir immer um den Mittler.<\/p>\n<p>Und wenn wir so beten, sind wir nicht allein. In der Stille des Gebets sind wir nicht allein. Christus ist schon da. Ich rede zu Gott. Wir reden zu Gott. Aber wenn wir reden, ist es schon sein Geist, der spricht.<\/p>\n<p>Weil er zum Menschen gekommen ist, antworten wir. Und deswegen h\u00f6rt er uns, wenn wir beten. Wir \u00fcbergeben uns seinem Geheimnis. Wir fragen ihn nach dem Schmerz, nach dem Sterben, nach der Ewigkeit, und indem die Worte aus der Tiefe steigen, kommt schon die Antwort. Unser Leben, unser Ziel: wir stellen es Gott anheim.<\/p>\n<p>Aber warum F\u00fcrbitte? Das ist ein Zweifel f\u00fcr viele. Warum Bitte, Gebet, F\u00fcrbitte, und Danksagung f\u00fcr alle Menschen, wie wir es am Schlu\u00df jedes Gottesdienstes tun? Wenn wir erinnern an die Sterbenden, an die Hungernden, an die zerst\u00f6rten Seelen, und auch an, die Verantwortung tragen f\u00fcr Frieden und Wohlfart? Das ist doch eine allzumenschliche Vorstellung: da ist einer, der helfen kann, aber der, der es braucht, kann nicht f\u00fcr sich selbst bitten. Jemand, der n\u00e4her steht, mu\u00df F\u00fcrsprache halten. Und so bitten wir f\u00fcr ihn.<\/p>\n<p>Wirklich eine durch und durch menschliche Vorstellung. Handelt denn Gott wie ein Mensch? Und wir k\u00f6nnen ihn schicken? Ich glaube, wir haben alles Recht, uns Gott wie ein menschliches Du zu denken. Wir glauben, da\u00df er Mensch wurde. Denn er liebt uns und will unsere Liebe. So da\u00df unser Leben und Sterben in ihm geborgen ist. Aber zugleich ist er h\u00f6her und tiefer als alles, was wir uns mit dem Verstand ausdenken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich glaube, wenn wir an die anderen Menschen denken, wenn wir an die Sterbenden erinnern, an die Hungernden, wenn wir die Einsamen in den H\u00e4usern nennen \u2013 dann verbindet uns alle ein heiliger Geist. Dieser Geist ist wahr. Er ist aus Gottes Zukunft. Und es ist nicht nur so, da\u00df wir vielleicht selbst die Kraft finden, die Kranke zu besuchen und dem Sterbenden die Hand zu halten. Sondern in unserem Gebet ist die Menschheit schon das, was sie in Ewigkeit sein soll: eine Gemeinschaft, geboren aus der Liebe Gottes. Und sie wird es sein. Es wird erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Unser aller Leben \u2013 wir haben es nicht blo\u00df f\u00fcr uns selbst. Wir stellen es Gott anheim.<\/p>\n<p>Der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als aller Verstand, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus. Amen.<\/p>\n<p><strong>PD Dr. Tom Kleffmann<br \/>\nG\u00f6ttingen<br \/>\n<a href=\"mailto:tom.kleffmann@theologie.uni-goettingen.de\">tom.kleffmann@theologie.uni-goettingen.de <\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gnade sei mit euch und Friede, von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen. La\u00dft uns einmal nachdenken \u00fcber das Beten. Beten zu Gott, rufen zu Gott, schreien zu Gott, reden zu Gott, fl\u00fcstern zu Gott. Woher kommen diese Worte, die wir zu Gott reden? 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