{"id":9938,"date":"2021-02-07T19:49:39","date_gmt":"2021-02-07T19:49:39","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9938"},"modified":"2022-10-05T16:15:07","modified_gmt":"2022-10-05T14:15:07","slug":"psalm-90-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/psalm-90-2\/","title":{"rendered":"Psalm 90"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>\u00dcber diesen Text predigen bedeutet der Versuch, mit einer kleinen ostfriesischen Teetasse einen Wasserfall aufzufangen.<br \/>\nEr flie\u00dft \u00fcber wie ein Wasserstrom, der unten aufprallt, kr\u00e4ftig spritzt, erfrischt und staunen l\u00e4sst. Ein Strom, der zur M\u00fcndung hin kraftvoll flie\u00dft und immer breiter wird.<br \/>\nDarum setze ich mich mit Ihnen ans Ufer und schaue ins Wasser. Und sehe Bilder, die sich im Wasser spiegeln.<br \/>\nDrei Bilder: Ein Haus, einen Baum, den Horizont.<br \/>\nSie bewahren die drei Kerns\u00e4tze des Textes: \u201eDurch den Glauben wohnen.\u201c \u201eIn der Liebe eingewurzelt.\u201c \u201eDie ganze L\u00e4nge, Breite, H\u00f6he und Tiefe sehen.\u201c Haus, Baum, Horizont..<br \/>\nWir setzen uns gemeinsam ans Ufer. Gegen\u00fcber ein Haus. Viele gute Erinnerungen sind mit ihm verbunden. Ein sch\u00f6nes, altes Fachwerkhaus, fest gegr\u00fcndet. Es ruht in sich. Der Eingang, das gro\u00dfe Fenster mit dem vertrauten Blick hinaus.<br \/>\nDas Elternhaus vielleicht. Ein Traumhaus, im Urlaub entdeckt.<br \/>\nDas Haus, ein Bild f\u00fcr den Glauben, das Vertrauen. Es hat ein Dach, es beh\u00fctet. Der Wechsel der Zeiten im auszuhalten im haus. Vertrautheit schafft Gewissheit. Die Morgensonne, die Dunkelheit der Nacht, der Blitz geh\u00f6ren dazu. Sie schrecken nicht.<br \/>\nDas Haus hat viele R\u00e4ume. Der Glaube hat viele Facetten, l\u00e4sst sich nicht auf einen Satz bringen. Kein intellektueller Akt ist der Glaube, keine Leistung der Erkenntnis. Mein pers\u00f6nlicher Glaube hat im Theologiestudium arg gelitten. Er ist wieder gewachsen in der Begegnung mit Menschen in meiner ersten Landgemeinde und heute hier mit Ihnen.<br \/>\nDer Glaube schafft ein Zuhause. Im diesem Haus der Glaubens bekommt das Leben eine Gestalt, eine Einrichtung. Das Morgen- und das Abendgebet, die Hand auf der Stirn des Kindes. Die Losung, die Musik beim Wein am Abend.<br \/>\n\u201eDa\u00df Christus in euch wohne.\u201c<br \/>\nWenn ich in meinem Bild bleibe, ist Christus nicht der Eindringling, nicht der Ehrengast auf einem besonderen Stuhl, distanziert, auch kein Schn\u00fcffler, der in die Schr\u00e4nke guckt. Er besetzt nicht das Haus. Er lebt unaufdringlich mit mir. In einem Lebenspartner, der zuh\u00f6rt, klar redet, heilt, die Hand auf das Unansehnliche legt, ins Herz schaut. Er ist kein pl\u00f6tzlich auftauchender Gast, vor dem ich noch schnell alles aufr\u00e4umen mu\u00df, wenn er an der T\u00fcr klingelt. Mu\u00df nicht schnell die schmutzige W\u00e4sche vom Tisch nehmen und unters Sofa werfen. \u201eIn euren Herzen wohnen.\u201c Dort also, wo du ganz Mensch bist, Zuhause.<br \/>\nEs ist das erste Bild, das ich im Gras am Flu\u00df vor Augen habe. Es ist bewusst das erste, denn ein Glaubender fragt nie zuerst: Was soll ich tun? Sondern. Was darf ich sein? Was bin ich? Wo ist mein Zuhause?<\/p>\n<p>Aber das Bild bedarf einer Erg\u00e4nzung. Sonst wird es zu eng, zu b\u00fcrgerlich, zu idyllisch.<br \/>\nDarum der Baum. Ich sehe die B\u00e4ume am Ufer, vor allem den einen, nahe am Haus.<br \/>\n\u201eIhr seid fest verwurzelt in der Liebe.\u201c<br \/>\nDa steht der Baum wie er dort schon immer gestanden hat, lange vor mir, noch lange nach mir. Er streckt sich aus nach dem Himmel,. Alles \u00fcberflie\u00dfende ragt in die H\u00f6he. Er breitet sich aus. Verwundbar ist er auch.<br \/>\nUnd die Wurzeln. Ja, das wesentliche sehen wir nicht. Die Wurzeln. Fasziniert sind wir, wenn die Wurzeln einmal \u00fcber den Boden kraftvoll kriechen. Was sind die Wurzeln meiner Liebe, meiner Liebesf\u00e4higkeit. Ich sehe jemanden leiden, es erbarmt mich seiner. Jemand kann nicht mehr schreien mit lauter Stimme, ich sehe seine schreienden Augen. Ich sehe eine Frau und bin verwandelt. Alles sehe mich anders.<br \/>\nWas sind meine Wurzeln? Sie sind nicht von mir in die Erde gelegt. Vor-Erfahrungen sind es. Liebeserfahrungen umgeben mich in meiner Geschichte. Gott hat die Wurzeln gesetzt. Ich n\u00e4hre mich durch sie.<br \/>\nDas Haus, das Vertrauen und die Liebe, der Baum. Ich sitze in seinem Schatten und ruhe mich aus. In der Liebe des anderen, in Gottes Liebe. Das Vertrauen darf nicht bei sich bleiben, gefangen in den eigenen vier W\u00e4nden. Deshalb der Baum mit seiner Ausrichtung und Verwurzelung.<br \/>\nDas Haus nicht selbst gebaut, den Baum nicht selbst gepflanzt. Das Herz der Botschaft von Jesus ist die Entdeckung, dass ein Mensch von Gott ausgehen mu\u00df, um bei sich selber anzukommen.<br \/>\nWer begreift, dass er sein ganzes Leben Gott verdankt, kann nicht einem anderen das Leben rauben. Wer glaubt, dass Gott ihn beh\u00fctet und ern\u00e4hrt, wird sich nicht an Hab und Gut klammern oder seiner von einem anderen bem\u00e4chtigen lassen.<br \/>\nGlaube und Liebe sind die Quelle allen Tuns. Und sie richten den Menschen aus, weg von sich.<br \/>\nDarum das dritte Bild. Ich hebe meine Augen h\u00f6her und sehe den weiten Horizont. Himmel und Erde ber\u00fchren sich.<br \/>\n\u201eSo k\u00f6nnt ihr begreifen, was die Breite und L\u00e4nge, H\u00f6he und Tiefe ist.\u201c Da tut sich ein weiter Raum auf.<br \/>\nIch schaue \u00fcber das Wasser, das Haus und den Baum hinaus weit bis an den Horizont. So gro\u00df ist Christus.<br \/>\nHier versagt meine Sprache. Sie ist zu schwach, zu beschreiben. Aber ich ahne, wie eng ich denke. Ich sehe die Begrenzung in meinem Herzen, in meiner Kirche. Weil die Welt f\u00fcr manchen klein ist, kann sein kleiner Geist ihn nicht fassen. Vor f\u00fcnf Jahren wurden von Christen in meiner Landeskirche noch der Notstand ausgerufen, weil eine Frau zur Bisch\u00f6fin gew\u00e4hlt wurde.<br \/>\nWenn Christus in mir wohnt, wenn ich mich in Liebe ausstrecke, wirken alle \u00c4ngste kleinkariert.<br \/>\nIch schaue den Strom hinab. Meine Blicke folgen dem flie\u00dfenden Wasser. Meine Bilder versagen. Ich werde \u201eerf\u00fcllt von der ganzen Gottesf\u00fclle.\u201c Was soll sich ein spr\u00f6der Niedersachse darunter vorstellen! Ganz voll sein von Gott. Wenn ich voll von etwas bin, dann m\u00f6chte ich von nichts anderem mehr h\u00f6ren, dann w\u00fcnsche ich, dass alle zuh\u00f6ren. Dann mu\u00df ich es einfach los werden.<br \/>\nDa sitze ich mit ihnen am Ufer, sehe die Bilder, stehe auf und schaue zur\u00fcck. Dorthin, woher ich gekommen bin<br \/>\nIch schaue auf mein schwaches Vertrauen. Mein Haus ist eine Baustelle, eine Ruine. Meine Liebe? Erloschen, geschw\u00e4cht. Der Baum saugt m\u00fchevoll das Wasser aus dem Flu\u00df, d\u00fcrre Bl\u00e4tter h\u00e4nge an ihm.<br \/>\nDer Apostel fasst seine Bilder in ein Gebet. Eine F\u00fcrbitte. Er selbst erbittet f\u00fcr andere, was noch aussteht.<br \/>\nDa\u00df der Glaube ein festes Zuhause wird, die Liebe wie ein starker Baum, dass ich die ganze F\u00fclle erkenne und sie in mir \u00fcberflie\u00dft.<br \/>\nEr betet inst\u00e4ndig und intensiv. \u201eIch beuge meine Knie.\u201c Ich gehe vor jemandem in die Knie, den ich liebe, dem ich meine ganze Bed\u00fcrftigkeit zeige, schutzlos, vertrauensvoll.<br \/>\nIch habe einmal am Ufer des Stroms gesessen und diese Bilder gesehen, das Haus, den Baum, den Horizont und m\u00f6chte dahinter nicht mehr zur\u00fcck. Gott wird sie mit Leben f\u00fcllen. So wird es sein.<br \/>\n\u201eAber Gott, \u201eder \u00fcberschw\u00e4nglich tun kann \u00fcber alles hinaus, was wir bitten oder vorstellen, dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit. So schlie\u00dft der Apostel seine F\u00fcrbitte und ich meine Predigt. Amen.<\/p>\n<p><strong>Heinz Behrends, Superintendent Leine-Solling<br \/>\nEntenmarkt 2, 37154 Northeim<br \/>\n<a href=\"mailto:Heinz.Behrends@leine-solling.de\"> Heinz.Behrends@leine-solling.de<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber diesen Text predigen bedeutet der Versuch, mit einer kleinen ostfriesischen Teetasse einen Wasserfall aufzufangen. Er flie\u00dft \u00fcber wie ein Wasserstrom, der unten aufprallt, kr\u00e4ftig spritzt, erfrischt und staunen l\u00e4sst. Ein Strom, der zur M\u00fcndung hin kraftvoll flie\u00dft und immer breiter wird. Darum setze ich mich mit Ihnen ans Ufer und schaue ins Wasser. Und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8543,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18,1,727,114,597,813,349,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-9938","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-psalmen","category-aktuelle","category-archiv","category-deut","category-ewigkeits-totensonntag","category-kapitel-090-chapter-090","category-kasus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9938","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9938"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9938\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13966,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9938\/revisions\/13966"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9938"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9938"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9938"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=9938"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=9938"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=9938"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=9938"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}