{"id":9941,"date":"2021-02-07T19:49:34","date_gmt":"2021-02-07T19:49:34","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9941"},"modified":"2022-10-21T17:44:22","modified_gmt":"2022-10-21T15:44:22","slug":"2-korinther-3-17b","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-korinther-3-17b\/","title":{"rendered":"2. Korinther 3, 17b"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>Predigt zum 1. Pfingstfeiertag 2004, am 30.5.04, zugleich Tag des Gedenkens an die Zerst\u00f6rung der Universit\u00e4tskirche St. Pauli, im Rahmen einer Predigtreihe zu Kunstwerken aus der ehemaligen Universit\u00e4tskirche: \u201eMit Bildern predigen\u201c<br \/>\nText: \u201eWo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit\u201c ( 2.Kor. 3, 17b)<\/p>\n<p><strong> 1. Vorbemerkungen zur gottesdienstlichen Situation: <\/strong><\/p>\n<p>Seit der Wende 1989\/1990 wird in Leipzig in unterschiedlicher Weise am 30. Mai, dem Tag der Zerst\u00f6rung der ehemaligen Universit\u00e4tskirche St. Pauli im Jahr 1968, an diesen Akt staatssozialistischer Kulturbarbarei erinnert. Die Universit\u00e4tskirche war im Krieg nicht zerst\u00f6rt worden, nur das alte Hauptgeb\u00e4ude, das an sie angrenzte, war teilbesch\u00e4digt. Beide Bauwerke am damaligen Karl-Marx-Platz, der heute wieder Augustusplatz hei\u00dft, wurden nach einem Beschluss der Leipziger Stadtverordnetenversammlung auf Druck vom SED-Chef Walter Ulbricht und seines SED-Statthalters in Leipzig, Paul Fr\u00f6hlich, gesprengt und ihre Tr\u00fcmmer in Windeseile weggeschafft, um dem Neubau einer \u201esozialistischen Universit\u00e4t\u201c Platz zu machen. Viele Leipziger hatten damals dagegen ohne Erfolg protestiert. Einzelne wurden wegen ihrer Aktivit\u00e4ten gegen diesen barbarischen Akt mit Haftstrafen belegt.<\/p>\n<p>In diesem Jahr f\u00e4llt der erste Pfingstfeiertag mit dem Jahrestag der Zerst\u00f6rung der Universit\u00e4tskirche zusammen. Au\u00dferdem findet in diesem Gottesdienst ein kleiner Predigtzyklus des Sommersemesters 2004 seinen Abschluss, in dem Kunstwerke aus der ehemaligen Universit\u00e4tskirche jeweils zum Thema der Predigt geworden waren. Der \u201eKustos\u201c bzw. eine Mitarbeiterin aus der \u201eKustodie\u201c (der f\u00fcr die Kunstsch\u00e4tze zust\u00e4ndigen kleinen Abteilung der Universit\u00e4t) gaben kurze kunsthistorische Erl\u00e4uterungen, bevor dann in der Predigt ein Bild und ein dazu geh\u00f6riger biblischer Text aufgenommen wurden. Schlie\u00dflich spielt f\u00fcr viele Gottesdienstbesucher in diesem Jahr sicher eine Rolle, dass nach langen und heftigen Auseinandersetzungen um den Neubau des Universit\u00e4tscampus nun der holl\u00e4ndische Architekt E. Egeraat einen Entwurf vorgelegt hat, dem die gro\u00dfe Mehrheit der Universit\u00e4tsangeh\u00f6rigen, der Leipziger und der in der Wettbewerbsjury anwesenden Fachleute zustimmen konnten. Das geplante Bauwerk pr\u00e4sentiert sich als moderner, sehr interessanter Entwurf, der sich zugleich mit der alten Form der Universit\u00e4tskirche auseinandersetzt und sie unverkennbar in Erinnerung ruft. In diesem Raum, der Aula und Kirche zugleich sein wird, werden wohl auch die in der Predigtreihe vorgestellten Kunstwerke ihren Platz finden, auch die Paulusstatue, die im Pfingstgottesdienst behandelt wird. Die Gemeinde, die sich dazu in der St. Nikolai-Kirche versammelt, erh\u00e4lt Bilder im DIN-A-5-Format, auf denen die Paulusstatue abgebildet ist.<\/p>\n<p><strong> 2. Gottesdienstablauf <\/strong><\/p>\n<p>Orgelvorspiel<br \/>\nLiturgischer Gru\u00df und Begr\u00fc\u00dfung<br \/>\nLied EG 294, 1 und 3<br \/>\nEingangsliturgie<br \/>\nLesung Apg. 2, 1-18<br \/>\nLied EG 125, 1 und 2<br \/>\nBeitrag der Kustodie: die Paulusstatue<br \/>\nLied EG 125, 3<br \/>\nPredigt<br \/>\nGlaubenslied EG 184<br \/>\nDankopferansage und \u2013einsammlung, dabei EG 134, 1ff<br \/>\nF\u00fcrbittgebet<br \/>\nAbendmahl<br \/>\nMitteilungen<br \/>\nLied 294,4<br \/>\nSendung und Segen<br \/>\nOrgelnachspiel<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"paulus2.jpg\" width=\"300\" height=\"762\" \/><\/p>\n<p><strong> 3. Die Predigt <\/strong><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>es war ein 30. Mai, heute vor 36 Jahren, als an der ehrw\u00fcrdigen Universit\u00e4tskirche St. Pauli ein dumpfer Knall ert\u00f6nte und zun\u00e4chst der Dachreiter einknickte, dann die Rosette des Giebels zerbarst und unmittelbar danach die sp\u00e4tgotische Hallenkirche, die so viele Kriege \u00fcberlebt hatte, in sich zusammen sank. Nur notd\u00fcrftig hatte man in den Tagen zuvor einige Kunstsch\u00e4tze retten k\u00f6nnen, wertvolle Epitaphien &#8211; hastig mit Presslufth\u00e4mmern herausgebrochen, der sp\u00e4tgotische Fl\u00fcgelaltar, die kleine Orgel&#8230; F\u00fcr den gro\u00dfen barocken Orgelprospekt hatte man keine Zeit gelassen. Der flog ebenso in die Luft wie das kostbare Gew\u00f6lbe, wie der Kreuzgang, wie die vielen historischen Grabst\u00e4tten von Prominenten der Geschichte Leipzigs, vor allem der Universit\u00e4tsgeschichte. Der 30. Mai 1968 \u2013 ein Tag barbarischer Zerst\u00f6rung, an den wir in Leipzig im Universit\u00e4tsgottesdienst erinnern m\u00fcssen, auch wenn Pfingsten gekommen ist, das \u201eliebliche Fest\u201c.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen an diesem Tag des Heiligen Geistes zun\u00e4chst an den anderen Geist erinnern, der sich in dieser barbarischen Zerst\u00f6rung austobte. Es waren ja nicht ein primitiver Staatschef und ein bornierter SED-Bezirksparteisekret\u00e4rs, die nun endlich bekamen, was sie wollten: eine Universit\u00e4t ohne Kirchengeb\u00e4ude. Es war mehr: Es war der zynische Geist eines Systems, das f\u00fcr sich in Anspruch nahm, Heimstatt f\u00fcr alle wahre Kultur und Menschlichkeit zu sein! Es war ein Geist der Arroganz, der keine Ehrfurcht vor dem kannte, was die Generationen vor uns gedacht und geschaffen hatten. Es war ein Geist der Ma\u00dflosigkeit, der keine Begrenzungen dulden wollte \u2013 nicht durch die Geschichte und erst recht nicht durch einen religi\u00f6sen Glauben. Man war angetreten mit dem Willen, das Himmelreich auf Erden zu errichten und alle Religion \u00fcberfl\u00fcssig zu machen. Dieser Geist ideologischer Verblendung steht uns vor Augen, wenn wir in diesem Jahr Pfingsten feiern.<\/p>\n<p>In diesem Gottesdienst wenden wir uns noch einmal einem Kunstwerk zu, das ebenfalls kurz vor der Sprengung aus der Universit\u00e4tskirche geborgen werden konnte. Diesmal ist es kein Gem\u00e4lde wie bisher, sondern eine in Stein gehauene Statue aus der Werkstatt eines sp\u00e4tmittelalterlichen Steinmetzen. Sie stellt Paulus dar, nach dem die Kirche schon in vorreformatorischer Zeit von den Dominikanern benannt worden ist. Deshalb sprechen wir auch von der \u201ePaulinerkirche\u201c. Und auch das geplante \u201ePaulinum\u201c im neuen Hauptgeb\u00e4ude wird in seiner Weise noch immer an Paulus erinnern, an den gro\u00dfen Apostel und Missionar des 1. Jahrhunderts nach Christus.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein Paulus wird uns hier gezeigt? Mir f\u00e4llt auf, wie schmal die Gestalt ist. Es ist eine andere Art von Kraft, von der er bestimmt wird, als die K\u00f6rperkraft. K\u00f6rperlich ist er wohl eher ein zerbrechlicher Mensch. Ich denke an seinen \u201ePfahl im Fleisch\u201c, von dem der Apostel schreibt, vielleicht eine schlimme Krankheit, von der er immer wieder einmal heimgesucht wurde. Und ich denke daran, wie Paulus sich selbst gelegentlich eingesch\u00e4tzt hatte: Er sei bei den Korinthern gewesen \u201ein Schwachheit und in Furcht und mit gro\u00dfem Zittern\u201c (1. Kor. 2, 3). Auch der reichliche Stoff, kunstvoll aus Stein gehauen, kann nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass es ein schmaler K\u00f6rper ist, der hier vor uns steht. Und dazu hat die Zeit ihr \u00dcbriges getan, um der Gestalt ihren versehrten Eindruck zu verleihen: Die Hand mit dem Schwert \u2013 als Sinnzeichen f\u00fcr das Schwert des Glaubens und f\u00fcr die Sch\u00e4rfe der Gedanken \u2013 ist abgebrochen. Nur die andere Hand kann noch das Bibelbuch halten und symbolisch auf Christus hinweisen, den er, Paulus, predigen will. Denn nichts anderes will er letztlich anbieten als Christus, den Gekreuzigten \u2013 mit all seinen Argumenten, mit der Kraft seiner leidenschaftlichen Sprache. Auch seine eigene Schwachheit und die Verfolgungen, die er erleidet, sind ihm ein Hinweis auf Christus. Was kann uns der schon sagen: dieser versehrte und schwache Gelehrte mit seinem Bibelbuch?<\/p>\n<p>Eine schmale und zerbrechliche Gestalt. Aber man ahnt wohl etwas von der besonderen Kraft dieses Menschen, wenn man sein Haupt betrachtet: das Gesicht eines Mannes, der W\u00fcrde ausstrahlt und Weisheit. Der Mund ist leicht ge\u00f6ffnet, als ob er dabei w\u00e4re zu sprechen. Die Augen schauen den Betrachter an, weil er ihm pers\u00f6nlich etwas mitzuteilen hat. Diese Gestalt ist kein Marktschreier, der gro\u00dfe Gesten braucht und laut auf sich aufmerksam machen muss. Er verschafft sich Geltung durch sein Wesen, durch die Sache, die er vertritt.<\/p>\n<p>Dieser Paulus begegnet uns Pfingsten 2004. Und das ist gut so, denn der Apostel ist auch eine pfingstliche Gestalt. F\u00fcr ihn ist der Geist Gottes immer wieder ein wichtiges Thema. In vielen Zusammenh\u00e4ngen kommt er auf den Geist zu sprechen \u2013 wenn er von der Taufe redet, in der wir den Geist Gottes empfangen, wenn er von der Gemeinde spricht und von den Gaben des Geistes, die in ihr zugelassen und geordnet eingesetzt werden sollen, wenn er vom Glauben spricht als einem Geschenk des Geistes oder von der Liebe Gottes, die uns durch den Geist in die Herzen gegossen ist &#8230; Ich will aus den vielen S\u00e4tzen \u00fcber den Heiligen Geist, die Paulus geschrieben hat, nur einen herausgreifen: n\u00e4mlich den ber\u00fchmten Satz aus dem 2. Kor 3, 17b: <strong> Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. <\/strong><\/p>\n<p>Freiheit \u2013 ein gro\u00dfes Wort. Nichts sei den Deutschen lieber als ihre pers\u00f6nliche Bewegungs- und Entscheidungsfreiheit, habe ich neulich in einer soziologischen Studie gelesen. Ist es diese Freiheit, die Paulus meint? Die Freiheit, umgebremst reisen zu k\u00f6nnen und sich von niemandem in die pers\u00f6nliche Lebensplanung hineinreden lassen zu m\u00fcssen? Was hat der Geist Gottes mit dieser Freiheit zu tun? Oder geht es um eine andere Art von Freiheit? Wovon befreit der Geist Gottes? Und wozu befreit er Menschen?<\/p>\n<p><strong> Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. Wovon befreit der Gottesgeist die Menschen?<\/strong> Mit der Sprache des Paulus gesprochen: Er befreit Menschen davor, ihr Leben selbst rechtfertigen zu m\u00fcssen. Wir wissen: die Rechtfertigung ist das zentrale Thema des Apostels. Anders gesagt: Der Gottesgeist bewahrt Menschen davor, vor sich selbst, vor anderen und vor Gott permanent nachweisen zu m\u00fcssen, wie wertvoll, t\u00fcchtig und perfekt sie sind. Er holt Menschen aus diesem Zwang, sich st\u00e4ndig Anerkennung und Liebe durch Leistung und Erfolg erwerben zu m\u00fcssen. Denn er ist ein Geist der Liebe, der sich denen zuwendet, die es zulassen, denen, die sich dieser Zuwendung Gottes aussetzen \u2013 unabh\u00e4ngig von all ihrer Kraft und beruflichen Leistung, unabh\u00e4ngig von ihrer \u00e4u\u00dferen Sch\u00f6nheit oder von ihrem perfekten Auftreten, unabh\u00e4ngig vom Ma\u00df ihrer Moralit\u00e4t und Religiosit\u00e4t.<\/p>\n<p>Der Geist Gottes befreit von dem Zwang, sich pers\u00f6nlich dauernd beweisen zu m\u00fcssen, dass man etwas wert ist. Das kann individuell eine unglaubliche Befreiung sein. Aber er will auch von kollektiven Zw\u00e4ngen und kollektiven Ideologien befreien, die ein grandioses Bild von der historischen Rolle eines Volkes oder einer Rasse oder einer Klasse entwerfen und die ihre eigenen Grenzen und Schattenseiten dabei nicht wahrhaben wollen. Deren Anliegen mag zun\u00e4chst human und fortschrittlich gemeint sein, aber weil man keine Grenze kennt, weil man das Gl\u00fcck und den sogenannten Fortschritt f\u00fcr alle irgendwann mit Gewalt durchsetzen muss, weil man irgendwann nur noch den Erfolge sehen will und nicht mehr die Wahrheit \u2013 deswegen z\u00e4hlt dann eine sp\u00e4tgotische Hallenkirche nicht mehr, deswegen ignoriert man den Protest der Menschen, deswegen verf\u00e4llt man irgendwann auf die Idee, den Terrorismus durch Folter und Bomben verrichten zu wollen&#8230; Der Zwang zum Grandiosen, zum Erfolg, zur Einmaligkeit, urspr\u00fcnglich vielleicht verbunden mit humanistischen Anliegen, schl\u00e4gt irgendwann um in Ma\u00dflosigkeit und Arroganz und Brutalit\u00e4t. Er fordert irgendwann seine Opfer \u2013 wie vor 36 Jahren in Leipzig. Davor \u2013 auch vor solchen kollektiven Begl\u00fcckungsanspr\u00fcchen und Ma\u00dflosigkeiten \u2013 bewahrt der Gottesgeist, so Paulus. Denn wir k\u00f6nnen und m\u00fcssen uns auch kollektiv vor Gott nicht durch grandiose Taten rechtfertigen. Gott liebt diese Welt, so wie sie ist. Seiner Zuwendung d\u00fcrfen wir uns durch Christus sicher sein. \u201eDenn Gott war in Christus und vers\u00f6hnte die Welt mit sich selber\u201c, schreibt Paulus (2.Kor. 5, 19a).<\/p>\n<p>Diese paulinische Tradition ist ein wichtiges Erbe f\u00fcr eine Universit\u00e4t \u2013 und zwar f\u00fcr alle, die an ihr lehren und forschen, studieren und arbeiten, unabh\u00e4ngig davon, ob sie Christen sind oder nicht. Im Zentrum wird k\u00fcnftig ein \u201ePaulinum\u201c stehen, symbolisiert auch durch diese Paulusstatue: Das setzt auch dem Anspruch unserer Wissenschaften heilsame Grenzen. Wir unterliegen als Wissenschaftler nicht dem Zwang, uns einen Namen um jeden Preis machen zu m\u00fcssen. Wir m\u00fcssen das, was wir nicht wissen, nicht verdecken. Wir handeln im Respekt, in der Ehrfurcht vor dem, was uns vom Sch\u00f6pfer und von den Generationen vor uns \u00fcbertragen wurde. Wir lassen uns herausrufen aus Tr\u00e4umen von grandiosen Ver\u00e4nderungen dank Wissenschaft und Technik hin zu dem, was im Interesse des Lebens wirklich sinnvoll ist. Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit zu einer menschlichen Wissenschaft, die ihr Ma\u00df und ihre Verantwortung kennt.<\/p>\n<p><strong> Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit, sagt Paulus. Freiheit wozu?<\/strong> Wer nicht mehr von der Sorge um die eigene Grandiosit\u00e4t bestimmt wird, der wird frei zu dem, was wirklich Not tut, frei zu dem, was der andere, was die Gemeinschaft braucht. Und der wird frei zur Verst\u00e4ndigung zwischen Menschen ganz unterschiedlicher Pr\u00e4gung. Paulus entwirft daf\u00fcr sein Bild von der Gemeinde als dem Leib Christi mit den vielen unterschiedlichen Gliedern, die, erf\u00fcllt vom Gottesgeist, einander helfen und zusammenwirken. Lukas erz\u00e4hlt von dieser pfingstlichen Verst\u00e4ndigung in seiner Weise: von dem Pfingstwunder, wie die Vielen mit ihren unterschiedlichen Sprachen doch gemeinsam und verstehbar von den gro\u00dfen Taten Gottes reden.<\/p>\n<p>Wir Leipziger haben in diesem Jahr auch ein geradezu pfingstliches Wunder der Verst\u00e4ndigung zwischen ganz unterschiedlichen Interessen und Konzepten erlebt. Eigentlich musste der neue Wettbewerb f\u00fcr den Universit\u00e4tsneubau schief gehen. Wie sollte es M\u00f6glichkeiten der Verst\u00e4ndigung geben, wenn die Einen einen originalgetreuen Wiederaufbau der Universit\u00e4tskirche und die Anderen rein funktional Fl\u00e4chen f\u00fcr Lehre und Forschung wollen? Wie sollte man auf einen gemeinsamen Nenner kommen, wenn in der \u00d6ffentlichkeit schon so viele Konflikte offen ausgetragen worden waren und so viele Verletzungen entstanden waren? Und wenn inzwischen Sachpositionen zum politischen Kampfmittel zwischen den Parteien geworden waren? Der Geist Gottes weht wohl nicht immer so wie damals ins Jerusalem mit Brausen vom Himmel und einem Sprachenwunder. Manchmal l\u00e4sst er sich einbinden in Entw\u00fcrfe von Menschen und Abstimmungsergebnisse von Kommissionen. Vielleicht haben Menschen nicht nur leidenschaftlich gek\u00e4mpft, sondern auch leidenschaftlich darum gebetet. Auf jeden Fall haben wir dieses Wunder pfingstlicher Verst\u00e4ndigung nun sichtbar vor Augen. Und es wird hoffentlich weiter anhalten \u2013 auch in Zeiten, in denen die Planung pr\u00e4zisiert werden muss, in denen um viele Details, um das n\u00f6tige Geld, um verschiedene Interessen weiter gerungen werden wird. Da wird es wichtig sein, sich immer wieder an das pfingstliche Wort des Apostels Paulus zu erinnern: Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit, auch die pfingstliche Freiheit zur Verst\u00e4ndigung.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, mich bewegt es an diesem Pfingstfest sehr, dass wir einerseits durch das Gedenkdatum an den Geist der Ma\u00dflosigkeit und der Barbarei erinnert werden und dass uns andererseits dieses Wunder der Verst\u00e4ndigung die Pr\u00e4senz eines anderen, des pfingstlichen Geistes zeigt &#8211; nach allen scheinbar un\u00fcberbr\u00fcckbaren Gegens\u00e4tzen in Sachen Universit\u00e4tscampus. Gott schenke uns weiter seinen Geist der Freiheit, uns pers\u00f6nlich, unserer Universit\u00e4t, unserem ganzen Land, damit die vielen Ma\u00dflosigkeiten von heute begrenzt werden und der Geist der Liebe und Verst\u00e4ndigung weiter Raum gewinnt. Amen<\/p>\n<p><strong>Prof. Dr. Wolfgang Ratzmann, Theologische Fakult\u00e4t Leipzig<br \/>\n<a href=\"mailto:ratzmann@theologie.uni-leipzig.de\">ratzmann@theologie.uni-leipzig.de<\/a> <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zum 1. Pfingstfeiertag 2004, am 30.5.04, zugleich Tag des Gedenkens an die Zerst\u00f6rung der Universit\u00e4tskirche St. Pauli, im Rahmen einer Predigtreihe zu Kunstwerken aus der ehemaligen Universit\u00e4tskirche: \u201eMit Bildern predigen\u201c Text: \u201eWo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit\u201c ( 2.Kor. 3, 17b) 1. 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