{"id":9952,"date":"2021-02-07T19:49:30","date_gmt":"2021-02-07T19:49:30","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9952"},"modified":"2022-10-24T11:47:30","modified_gmt":"2022-10-24T09:47:30","slug":"roemer-11-33-36-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-11-33-36-3\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 11, 33-36"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>Paulus beschlie\u00dft seine Ausf\u00fchrungen zur Erw\u00e4hlung und Rettung Israels (R\u00f6m 9-11) mit einem Lobpreis Gottes auf den \u201eReichtum, die Weisheit und Erkenntnis Gottes\u201c. Vers 33 wird in den Versen 34 f. erl\u00e4utert und erh\u00e4lt in Vers 36 in eine liturgisch gepr\u00e4gte Formel. Ger\u00fchmt werden die \u201eunergr\u00fcndlichen Entscheidungen\u201c und \u201eunerforschlichen Wege\u201c Gottes, die in der Heilsgeschichte \u2013 besonders in Gottes Treue zu Israel offenbar werden. Die drei in den Versen 34 f. im Anschluss an Schrifttexte formulierten Fragen (Jes 40,14; Jj 41,3) greifen nochmals die drei Begriffe \u201eReichtum, Weisheit und Erkenntnis Gottes\u201c auf.<\/p>\n<p>Dieser ber\u00fchmte Lobpreis darf nicht erkenntnisphilosophisch, sondern muss heilsgeschichtlich (im Zusammenhang des Textes) verstanden werden: Dass weder Juden noch Heiden eine Art \u201emenschliches Recht\u201c auf die Gnade Gottes besitzen, sondern dass das Geheimnis der g\u00f6ttlichen Freiheit seine eigenen Wege beschreitet. Hier geht es darum, dass Gott \u201esein\u201c Volk Israel nicht verlassen hat. F\u00fcr uns heute kann das bedeuten: Dass Gottes Erw\u00e4hlungswege m\u00f6glicherweise anders verlaufen, als es sich die christlichen Kirchen selber ausdenken.<\/p>\n<p>Es ist besonders interessant, dass unter den 14 Paulus zugeschriebenen Briefen des Neuen Testamentes der erste und umfangreichste der Brief an die Gemeinde in Rom ist, der R\u00f6merbrief. Paulus will die Gemeinde, die er noch nicht kennt, besuchen und begr\u00fcndet dies auch:.<\/p>\n<p>\u201eZun\u00e4chst danke ich Gott f\u00fcr euch alle, weil euer Glaube in der ganzen Welt verk\u00fcndet wird. Ich sehne mich danach, euch zu sehen; ich m\u00f6chte euch geistliche Gaben \u00fcbermitteln, damit ihr dadurch gest\u00e4rkt werdet oder besser: Damit wir, wenn ich bei euch bin, miteinander Zuspruch empfangen durch euren und meinen Glauben. Ich sch\u00e4me mich des Evangeliums nicht: Es ist eine Kraft Gottes, die jeden rettet, der glaubt\u201c (R\u00f6m 1,11-16).<\/p>\n<p>Paulus wei\u00df, dass die Verk\u00fcndigung des Glaubens keine Einbahnstra\u00dfe ist. Es ist nicht nur er, der der r\u00f6mischen Gemeinde geistliche Gaben schenkt, sondern es wird ein gegenseitiges Geben und Nehmen werden, ein gemeinsamer, gegenseitiger Zuspruch. Auch er, der Apostel, bedarf des Zuspruchs durch ihren Glauben, nicht nur umgekehrt!<\/p>\n<p>Was Paulus damals schrieb, das gilt auch heute: Gemeinde kommt zum Gottesdienst zusammen, um gegenseitig aus dem Evangelium und der Feier der Eucharistie Zuspruch und Ermutigung f\u00fcr den Glauben im Alltag zu empfangen. Dieses gegenseitige Geben und Nehmen sollte einmal besonders betont werden, indem der Pfarrer alle Gl\u00e4ubigen bittet, die Ermutigung, die sie durch den Glauben in ihrem Leben erfahren haben, anderen weiterzugeben. Dass der Glaube nicht nur etwas Selbstverst\u00e4ndliches ist, sondern wie die Liebe auch H\u00f6hen und Tiefen kennt und in Gefahr geraten kann, davon gibt die Person, die ungenannt bleiben will Zeugnis, wenn sie schreibt: \u201eLeider kann ich schwer anderen einen Zuspruch geben, da ich selbst in meinem Glauben nur an einem d\u00fcnnen Faden h\u00e4nge\u201c. Aber \u2013 unser aller Glauben lebt nicht nur von den H\u00f6hepunkten, er lebt auch von den Dunkelheiten und Abgr\u00fcnden, in die wir gef\u00fchrt werden. Dann tut es nur gut, einem Menschen zu begegnen, der ganz unbeschwert betet: \u201eDu lieber Gott! Ich danke dir so sehr. Gabst mir Gesundheit und vieles mehr. Gabst mir mein Leben, mein Lachen und einen frohen Sinn. Es w\u00e4re sch\u00f6n, k\u00f6nnt\u2018 ich so bleiben, wie ich bin.\u201c Oder: \u201eIch glaube, dass ich durch Jesus bin, was ich bin; durch ihn erfahre ich, was Gott vermag. So wie ich verdanken sich ihm alle Menschen! So wie mich rief er die ganze Welt ins Dasein. Ich bejahe meine Bestimmung, weiterzugeben, was ich von Gott empfangen habe.\u201c<\/p>\n<p>Oder die Glaubenszeugnisse anderer, aus denen besonders die Erfahrung der Geborgenheit spricht: \u201eHerr, in Deine H\u00e4nde lege ich voll Vertrauen meinen Geist.\u201c \u201eVertrau auf Gott und lass ihn walten. Ohne Gottvertrauen l\u00e4uft nichts!\u201c \u201eGott, in Dir bin ich geboren.\u201c \u201eIch wei\u00df, dass Du mein Vater bist, in dessen Arm ich wohl geboren bin.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHerr, Du kennst mein Herz, bei Dir bin ich geborgen!\u201c Mein Glaube bedeutet mir: \u201eGeborgensein in Gottes Hand!\u201c Denn: \u201eUnergr\u00fcndlich sind seine Entscheidungen\u201c und \u201eunerforschlich seine Wege.\u201c<\/p>\n<p>Auch Jesu erfuhr in Treue zum Ursprung und im Staunen \u00fcber Gottes Wege ein Reifen seiner Sendung, erfuhr ihre neuen Wege und ihre gr\u00f6\u00dfere F\u00fclle. Ohne diesen Jesus, den Sohn, w\u00fcrden wir bis heute nicht Gott als Vater kennen. Nachdem aber Jesus nicht mehr als Mensch unter uns lebt, \u00fcbernimmt der \u201eandere Anwalt\u201c, der \u201eGeist der Wahrheit\u201c (Joh 14,16 f.), die Aufgabe, uns zum \u201eVater\u201c zu f\u00fchren. Dieser \u201eandere Anwalt\u201c \u201eerinnert\u201c uns an alles, was Jesus uns gesagt hat (Joh 14,26). Der Geist Gottes also wirkt in uns, um in uns den \u201eGeist der Kindschaft\u201c, den Jesus uns vorgelebt hat, zu wecken. Bleiben wir also offen f\u00fcr solches (oder anderes) Reifen in unseren eigenen Aufgaben bzw. unserer Sendung, gerade wenn sie an Grenzen st\u00f6\u00dft, auf unerhofften Wegen und in unerwarteter F\u00fclle!<\/p>\n<p><strong>Prof. Dr. Alois Schifferle<br \/>\nLehrstuhl f\u00fcr Pastoraltheologie<br \/>\nKatholische Universit\u00e4t Eichst\u00e4tt-Ingolstadt<br \/>\n<a href=\"mailto:Alois.Schifferle@ku-eichstaett.de\">Alois.Schifferle@ku-eichstaett.de<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Paulus beschlie\u00dft seine Ausf\u00fchrungen zur Erw\u00e4hlung und Rettung Israels (R\u00f6m 9-11) mit einem Lobpreis Gottes auf den \u201eReichtum, die Weisheit und Erkenntnis Gottes\u201c. Vers 33 wird in den Versen 34 f. erl\u00e4utert und erh\u00e4lt in Vers 36 in eine liturgisch gepr\u00e4gte Formel. 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